Schluckaufzentrum: Gehirn, Hirnstamm und Funktion – Ein umfassender Überblick

Schluckauf, medizinisch als Singultus bekannt, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt. Obwohl er meist harmlos und von kurzer Dauer ist, kann er in einigen Fällen chronisch werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die neurologischen Grundlagen des Schluckaufs, insbesondere die Rolle des Hirnstamms und des Gehirns, und gibt einen Überblick über Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wann ein Arzt konsultiert werden sollte.

Was ist Schluckauf?

Schluckauf ist eine unwillkürliche Kontraktion des Zwerchfells, des wichtigsten Atemmuskels, gefolgt von einem plötzlichen Verschluss der Stimmritze. Dies führt zu dem charakteristischen "Hicks"-Geräusch. Medizinisch betrachtet ist der Schluckauf (Singultus) eine akute Verkrampfung des Zwerchfells. Die Stimmritzen reagieren darauf reflexhaft und schließen sich. Die Luft in der Lunge kann nicht mehr entweichen, die neu eingeatmete Luft prallt gegen die verschlossenen Stimmbänder. Der daraus entstehende Druck entlädt sich im bekannten „Hicks“.

Das Schluckaufzentrum im Hirnstamm

Im Hirnstamm gibt es ein eigenes Schluckaufzentrum, das diese Zwerchfellreflexe steuert. Der Hirnstamm, ein evolutionär alter Teil des Gehirns, spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung lebenswichtiger Funktionen wie Atmung, Herzfrequenz und eben auch des Schluckaufs. Das Schluckaufzentrum im Hirnstamm koordiniert die komplexen Muskelbewegungen, die für den Schluckauf verantwortlich sind. Warum es das gibt, ist unklar. Vermutlich bleibt es aus der embryonalen Entwicklung einfach übrig.

Der Reflexbogen des Schluckaufs umfasst:

  1. Affarenter Schenkel: Nervenfasern des Nervus phrenicus, Nervus vagus und des thorakalen Sympathikus (Th6-Th12).
  2. Zentrale Verschaltung: Neuronale Verschaltung zwischen Hirnstamm und Hypothalamus unter Beteiligung verschiedener Hirnnervenkernen.
  3. Efferenter Schenkel: Innervation des Zwerchfells durch den Nervus phrenicus (C3-C5), Innervation der vorderen Scalenus-Muskeln (C5-C7), Innervation der Interkostalmuskulatur (Th1-Th11) und Innervation der Glottis durch den Rekurrens-Ast des N. vagus.

Ursachen von Schluckauf

Schluckauf kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Ärzte unterscheiden bei Schluckauf zwischen der akuten und der chronischen Form: Der akute Singultus wird durch Rauchen, Alkohol, bestimmte Nahrungsmittel oder Aufregung ausgelöst und ist nach spätestens 48 Stunden vorüber. Hier sind einige der häufigsten Auslöser:

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  • Nahrungsmittel und Getränke: Üppiges oder hastiges Essen, stark kohlensäurehaltige Getränke, sehr kalte oder sehr heiße Speisen (vor allem im Wechsel).
  • Substanzen: Alkohol und Nikotin, insbesondere bei übermäßigem Konsum.
  • Umweltfaktoren: Wechsel der Umgebungstemperatur.
  • Psychische Faktoren: Stress, Anspannung, Angst, Aufregung, Lampenfieber.
  • Medikamente: Antiepileptika, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Kortison oder Antidepressiva.

In seltenen Fällen kann Schluckauf auch ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung sein. Hierzu gehören:

  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Entzündungen, Tumore, Schlaganfall.
  • Erkrankungen des Verdauungssystems: Refluxkrankheit, Entzündungen der Speiseröhre oder des Magens.
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen.
  • Tumore: Gehirntumore, Wucherungen im Brust- oder Bauchraum.

Ein besonders aufschlussreicher Fallbericht schildert einen 35-jährigen Mann, der unter hartnäckigem Schluckauf, Übelkeit und Erbrechen litt. Neurologische Untersuchungen zeigten Sensibilitätsstörungen im linken Arm sowie Koordinationsprobleme. Bildgebende Verfahren enthüllten eine große Gewebemasse, die sich vom vierten Hirnventrikel bis ins Rückenmark erstreckte. Nach der Entfernung des Tumors, einem Hämangioblastom, verschwanden die Symptome vollständig. Dieser Fall unterstreicht, dass hartnäckiger Schluckauf in seltenen Fällen auf eine ernsthafte neurologische Ursache hindeuten kann.

Was hilft gegen Schluckauf?

Es gibt zahlreiche Hausmittel und Tricks, die helfen können, einen akuten Schluckauf zu beenden. Viele dieser Methoden zielen darauf ab, den Vagusnerv zu stimulieren oder die Atmung zu beeinflussen. Ob du nun Glatzköpfe aufzählst (wahlweise auch Pferderassen, Stummfilmklassiker und Shampoosorten) oder ein Stück Zucker mit Zitronensaft getränkt auf der Zunge zergehen lässt - das Prinzip ist immer das gleiche. Du lenkst dich vom Schluckauf ab, atmest ruhiger und entspannst so das Zwerchfell.

Hier sind einige der gängigsten:

  • Atemtechniken: Die Luft anhalten, in eine Papiertüte atmen, langsames und tiefes Atmen.
  • Vagusnerv-Stimulation: An der Zunge ziehen, Eis lutschen, mit Wasser gurgeln, Druck auf die Nase ausüben, Finger in die Ohren stecken und bewegen.
  • Ablenkung: Erschrecken lassen, Witze erzählen, sich auf eine andere Aufgabe konzentrieren.
  • Nahrungsmittel und Getränke: Ein Glas Wasser in großen Schlucken trinken (mit geschlossener Nase), einen Teelöffel Zucker essen, Apfelessig auf Zuckerstückchen lutschen.
  • Körperliche Manöver: Knie zur Brust ziehen, Brustraum zusammendrücken.

Bewährt haben sich deshalb Aktivitäten, die die Atmung direkt beeinflussen:

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  • Erschrecken
  • Lachen
  • Brustraum zusammendrücken
  • in eine Papiertüte atmen
  • Druckausgleich

Beim Erschrecken saugst du plötzlich Luft ein oder hältst den Atem an. Außerdem wirst du abgelenkt. Beides hilft gegen den Hicks. Allerdings funktioniert Erschrecken mit Ankündigung nicht. Besser ist da vielleicht ein guter Witz, der dich zum Lachen bringt. Dabei atmest du tiefer und spannst das Zwerchfell an. Das wirkt dem Hicks entgegen. Ähnliches passiert, wenn du dich im Sitzen oder Liegen nach vorn beugst und die Knie zur Brust ziehst. Durch den Druck auf den Brustraum kann der Hicks aufhören.

Das kurzzeitige Atmen in eine Papiertüte (wichtig: keine Plastiktüte!) erhöht den Kohlendioxidgehalt in der Atemluft und hilft ebenfalls, den Schluckauf zu vertreiben.

Du kannst auch versuchen, ihn mit Hilfe eines Druckausgleichs loszuwerden. Halte dir dafür Nase und Mund zu und drücke Atemluft in Richtung Ohren, bis du dort ein leichtes Drücken spürst.

Wann ist ein Arztbesuch erforderlich?

In den meisten Fällen ist Schluckauf harmlos und verschwindet von selbst. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt konsultiert werden sollte. Manchmal geht der Hicks einfach nicht mehr weg. Er wird chronisch. Du solltest dann zum Arzt gehen, um die Symptome genau abklären zu lassen. Findet der Arzt keine Ursachen, handelt es sich wahrscheinlich um den sogenannten idiopathischen chronischen Schluckauf. Er ist unangenehm, belastend und erschöpfend, aber eigentlich harmlos. Dagegen helfen vor allem Atem- und Verhaltenstherapien. Manchmal werden auch muskelentkrampfende Medikamente verschrieben, die dämpfend auf die muskelanregenden Reize im Schluckaufzentrum wirken sollen. Ein langanhaltender Schluckauf kann aber auch ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein. Diese betrifft dann die oberen Abschnitte des Verdauungssystems, also Speiseröhre, Magen und Dünndarm. Dort reizen Entzündungen, Schwellungen oder Wucherungen Nerv und Zwerchfell und behindern die Atemluft beim Ein- und Ausströmen. Ebenfalls möglich: Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen oder Nervenstörungen.

  • Dauer: Wenn der Schluckauf länger als 48 Stunden anhält.
  • Häufigkeit: Wenn der Schluckauf häufiger auftritt als früher.
  • Begleitsymptome: Sodbrennen, saures Aufstoßen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Schwellungen im Halsbereich.
  • Neurologische Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen.

Achte daher auf folgende Symptome, wenn du wiederholt unter einem langanhaltenden Schluckauf leidest:

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  • Der Schluckauf tritt häufiger auf als früher.
  • Er dauert lange, mindestens einen Tag.
  • Du hast Sodbrennen, musst sauer aufstoßen, hast Bauchschmerzen oder dir ist übel.
  • Du bist sehr müde, verlierst Gewicht oder hast Schwellungen im Halsbereich.

Wird der akute Schluckauf von Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen begleitet, ist dies ein deutlicher Hinweis auf ein neurologisches Problem, etwa einen Schlaganfall.

Diagnostik und Therapie bei chronischem Schluckauf

Bei chronischem Schluckauf ist eine gründlicheDiagnostik erforderlich, um die Ursache zu finden. Dies kann eine körperliche Untersuchung, neurologische Tests, bildgebende Verfahren (CT, MRT) und Untersuchungen des Verdauungssystems umfassen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Wenn eine Grunderkrankung vorliegt, muss diese behandelt werden. In einigen Fällen können Medikamente wie Muskelrelaxantien, Antiepileptika oder Neuroleptika helfen, den Schluckauf zu unterdrücken. Auch alternative Therapien wie Akupunktur oder Hypnose können in Betracht gezogen werden.

Ein interdisziplinäres Vorgehen von Internisten, Neurologen und HNO-Ärzten kann erforderlich sein.

Therapie erforderlich sein, bzw. der ersten Wahl. und Kalziumantagonisten. auch invasive Verfahren wie z. B. die selektive Phrenicusblockade zur Verfügung.

Schluckauf bei Babys

Babys haben oft Schluckauf, manche häufiger als andere. Ob Schluckauf gefährlich ist, wie er entsteht und was du tun kannst. Bereits Babys, die sich noch im Bauch der Mutter befinden, können Schluckauf haben. Es wird vermutet, dass die Kleinen dadurch lernen, ihren Atemreflex zu trainieren. Bei Erwachsenen hingegen besitzt der Schluckauf wahrscheinlich keine explizite Funktion.

Schluckauf gehört zur normalen Entwicklung eines Menschen dazu. Im Mutterleib trainieren die Ungeborenen damit anscheinend den Atemreflex. Möglich ist aber auch, dass der Hicks ein Eindringen von Fruchtwasser in die Lunge verhindert. Die werdende Mutter leidet übrigens ebenso häufig unter Schluckauf. Der Grund: Das Ungeborene drückt auf das Zwerchfell und reizt es dadurch. Sind die Babys auf der Welt, bekommen sie oft beim Trinken einen Schluckauf. Auch diese Ursache ist nicht genau erforscht. Da der Hicks aber ähnlich wie das Aufstoßen funktioniert, könnte er schlichtweg für Platz im Magen des Säuglings sorgen: die Luft wird herausgedrückt, mehr Milch kann aufgenommen werden.

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