Schluckbeschwerden bei Multipler Sklerose: Ursachen und Behandlung

Schluckbeschwerden, in der Fachsprache als Dysphagie bezeichnet, sind eine häufige Begleiterscheinung der Multiplen Sklerose (MS). Sie können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Schluckbeschwerden bei MS, ihre Auswirkungen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Dysphagie?

Dysphagie ist eine Störung des Schluckvorgangs, die das Herunterschlucken von fester Nahrung und Flüssigkeiten erschwert oder unmöglich macht. Es ist wichtig, Dysphagie von Odynophagie zu unterscheiden, bei der es sich um schmerzhafte Schluckstörungen handelt. Schluckstörungen können zu Mangelernährung, Dehydration und Lungenentzündungen führen.

Der normale Schluckvorgang

Beim Schlucken sind zahlreiche Organe und Muskeln beteiligt, darunter Lippen, Kiefer, Zunge, Gaumen, Kehlkopf und der Schließmuskel der Speiseröhre. Störungen in einem dieser Bereiche können zu Schluckbeschwerden führen. Der Schluckvorgang lässt sich in drei Phasen unterteilen:

  1. Orale Phase: Die Nahrung wird zerkleinert und mit Speichel vermischt.
  2. Pharyngeale Phase: Der Schluckreflex wird ausgelöst, und die Nahrung gelangt in den Rachen. Der weiche Gaumen verschließt den Weg zur Nase, und der Kehldeckel schützt die Atemwege.
  3. Ösophageale Phase: Muskelbewegungen transportieren die Nahrung in die Speiseröhre und weiter in den Magen.

Ursachen von Schluckbeschwerden bei MS

Bei MS können Entzündungen im zentralen Nervensystem, insbesondere im Hirnstamm, den komplexen Ablauf des Schluckvorgangs stören. Da beim Schlucken 25 Muskeln beteiligt sind, kann eine MS-bedingte Beeinträchtigung dieser Muskeln zu Dysphagie führen.

Schluckstörungen bei MS entstehen überwiegend durch entzündliche Herde im Gehirn, vor allem im Hirnstamm.

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Symptome von Schluckbeschwerden

Schluckbeschwerden können sich auf verschiedene Arten äußern:

  • Husten oder Räuspern beim Essen oder Trinken
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Ein Gefühl, dass Nahrung im Hals stecken bleibt
  • Nahrung, die aus dem Mund oder der Nase austritt
  • Veränderte Stimme nach dem Schlucken (gurgelnd)
  • Häufiges Verschlucken
  • Verlangsamtes Schlucken
  • Nahrungsreste im Mund
  • Aufstoßen oder Würgen
  • Schmerzen oder Brennen im Brustbereich
  • Druckgefühl im Hals oder Brustbereich
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme

Es ist wichtig, Schluckbeschwerden frühzeitig zu erkennen und ärztlich abklären zu lassen, um Komplikationen wie Mangelernährung oder Lungenentzündung zu vermeiden.

Diagnose von Schluckbeschwerden

Zur Diagnose von Schluckbeschwerden werden verschiedene Methoden eingesetzt:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Art der Schluckstörung, mögliche Auslöser, den Zeitpunkt des ersten Auftretens und bisherige Veränderungen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht Mundhöhle, Zähne, Rachen, Kopf und Nacken auf Auffälligkeiten.
  • Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie): Ein Endoskop wird über die Nase eingeführt, um Rachen und Kehlkopf zu untersuchen.
  • Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie): Eine Endoskopie der Speiseröhre wird durchgeführt, um Probleme in der Speiseröhre zu erkennen.
  • Fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES): Der Schluckvorgang wird in Echtzeit beobachtet, um den Einfluss von Nahrungskonsistenz, Schlucktechnik und Körperhaltung zu beurteilen.
  • Videofluoroskopie (VFSS): Mithilfe von Röntgenstrahlen und Kontrastmittel werden die Phasen des Schluckens sichtbar gemacht.

Behandlung von Schluckbeschwerden

Die Behandlung von Schluckbeschwerden bei MS erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der Ärzte, Logopäden und Ernährungsspezialisten umfasst. Ziel ist es, das Essen und Trinken zu erleichtern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden.

Logopädische Therapie

Logopädische Trainings für Zunge und Lippen sowie Sprech- und Atemübungen können Schluckstörungen bei MS lindern. Ein Logopäde kann den Schluckvorgang bewusst neu erlernen und Ersatzstrategien entwickeln, wie z.B. das Einnehmen einer bestimmten Kopfhaltung oder bewusstes Nachschlucken mit leerem Mund.

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Die Schwerpunkte der Logopädie betreffen die Stimme, die Sprache, das Sprechen sowie das Schlucken.

Ernährungstherapie

Eine angepasste Ernährung ist entscheidend, um Mangelernährung und Dehydration vorzubeugen. Maßnahmen umfassen:

  • Anpassung der Konsistenz der Nahrung (z.B. Pürieren von fester Nahrung, Andicken von Flüssigkeiten)
  • Vermeidung von schwer zu kauenden oder trockenen Nahrungsmitteln
  • Verwendung von Andickungsmitteln für Getränke (angedickte Saftschorlen oder Tees können den Geschmack verbessern)
  • Künstliche Ernährung über eine PEG-Sonde, wenn die orale Nahrungsaufnahme stark beeinträchtigt ist

Medikamentöse Therapie

Manche Begleiterscheinungen von Dysphagie lassen sich mit bestimmten Wirkstoffen abmildern. So kann zum Beispiel das Risiko einer Lungenentzündung (Pneumonie) mit bestimmten Medikamenten verringert werden. Andere Medikamente verringern konkret den Speichelfluss, wenn dieser verstärkt auftritt und eine gesundheitliche Gefahr darstellt.

Operative Eingriffe

Wenn Mund, Rachen oder Speiseröhre physisch blockiert sind und deshalb keine Nahrung weitertransportiert werden kann, bietet sich manchmal ein operativer Eingriff an.

Weitere Tipps und Strategien

  • Aufrechte Körperhaltung beim Essen und Trinken
  • Kleine Portionen und langsames Essen
  • Konzentration auf den Schluckvorgang
  • Vermeidung von Ablenkungen
  • Regelmäßige Mundpflege zur Vorbeugung von Munderkrankungen
  • Trinken über einen Strohhalm kann das Verschlucken reduzieren

Umgang mit Schluckbeschwerden im Alltag

Schluckbeschwerden können den Alltag erheblich beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen. Es ist wichtig, offen über die Probleme zu sprechen und Unterstützung von Familie, Freunden und Fachleuten anzunehmen.

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