Speichelfluss ist essenziell für die Geschmackswahrnehmung, Mundhygiene und das Schlucken. Der Schluckvorgang ist eng mit dem Speichelfluss verbunden. Dieses komplexe Zusammenspiel kann jedoch im Schlaf gestört sein und zu Problemen wie Schmatzen und Schlucken führen.
Schlafbezogenes abnormales Schlucksyndrom
Die Internationale Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD) führte 1990 das "Schlafbezogene abnormale Schlucksyndrom" als Parasomnie auf. Dabei kann inadäquates Verschlucken von Speichel zur Aspiration führen, was den Schlaf fragmentiert und unterbricht. Die Beschreibung basierte auf einer einzelnen Publikation mit zwei Fällen.
Die Physiologie von Speichel und Schlucken
Der Speichel wird hauptsächlich in den großen Speicheldrüsen (Ohr-, Kiefer- und Zungenspeicheldrüse) produziert. Zunächst entsteht ein isotoner Primärspeichel, der in den Ausführungsgängen modifiziert wird. Er enthält Wasser, anorganische Ionen, Proteine und das Verdauungsenzym α-Amylase. Der Speichel ist leicht alkalisch und hypoton, was die Löslichkeit von Proteinen und die Salzempfindlichkeit der Geschmacksrezeptoren erhöht. Die Speicheldrüsen werden sowohl sympathisch als auch parasympathisch innerviert, was die Speichelzusammensetzung beeinflusst. Sympathische Fasern lösen die Sekretion eines viskösen, wasserärmeren Speichels aus. Die basale Speichelsekretion ist gering und wird durch Reflexe, Geruchs- und Geschmacksreize oder Kauen stimuliert. Im Durchschnitt werden 0,5-1,5 Liter Speichel pro Tag produziert.
Am Kauvorgang und der Anfangsphase des Schluckaktes ist quergestreifte Muskulatur beteiligt. Die steuernden Reflexe verlaufen über den Nervus trigeminus, Nervus vagus und Nervus glossopharyngeus und werden in der Medulla oblongata integriert, in der Nähe der Atmungssteuerung. Das Schlucken initiiert eine Kontraktionswelle im Ösophagus und verschließt den Zugang zum Nasenraum und Respirationstrakt. Der obere Ösophagussphinkter ist tonisch kontrahiert, während die Ringmuskulatur erschlafft ist. Beim Schlucken wird durch Dehnung eine Kontraktionswelle ausgelöst, die sich über die Speiseröhre ausbreitet.
Schlucken im Schlaf
Die Speichelsekretion ist im Schlaf stark reduziert. In einer Studie gaben 23 % der Befragten an, aufgrund von Mundtrockenheit im Schlaf aufzuwachen. Das Schlucken im Schlaf ist deutlich reduziert und tritt nur episodisch auf, meist in Verbindung mit bewegungsinduzierten zentralnervösen Aktivierungsreaktionen im REM-Schlaf und den Leichtschlafstadien 1 und 2 des NREM-Schlafs. Die ösophageale Peristaltik bleibt unbeeinflusst. Die Säure-Clearance im Ösophagus ist im Schlaf verlängert, was die Auswirkungen einer gastroösophagealen Refluxsymptomatik verstärkt.
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Ursachen für Schmatzen und Schlucken im Schlaf
Es gibt verschiedene Ursachen für Schmatzen und Schlucken im Schlaf:
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Degenerative Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Parkinson-Syndrom können den Schluckakt beeinträchtigen.
- Schlafbezogene Atmungsstörungen: Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe können eine Beeinträchtigung des Schluckreflexes am Tage aufweisen.
- Refluxkrankheit: Der Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre kann zu Entzündungen und Beschwerden führen, die das Schlucken beeinflussen.
- Hypersalivation: Eine vermehrte Speichelproduktion kann durch neurologische Erkrankungen, Medikamente oder Infektionen verursacht werden.
- Funktionelle Stimmstörungen: Räusper- und Schluckzwang können durch Fehlbelastung des Kehlkopfes oder Reizstoffe ausgelöst werden.
- Sialorrhoe: Unkontrollierter Speichelfluss kann durch neurologische Erkrankungen, Tumorerkrankungen oder Medikamente verursacht werden.
- Verstopfte Nase: Eine verstopfte Nase führt zu Mundatmung und damit zu vermehrtem Sabbern im Schlaf.
- Falsche Schlafposition: Das Schlafen auf der Seite oder auf dem Bauch kann das Öffnen des Mundes begünstigen.
- Schlafstörungen und Stress: Schlafstörungen oder Schlafmangel in Verbindung mit Stress können erhöhten Speichelfluss verursachen.
- Nahrungsmittelallergien: Eine Nahrungsmittelallergie kann zu einer Überproduktion von Speichel führen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente (z. B. Antipsychotika, Antibiotika, Arzneimittel zur Alzheimer-Behandlung) können Sabbern im Schlaf verursachen.
- Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft können zu vermehrtem Speichelfluss führen.
- Zahnfehlstellungen, Karies, Entzündungen im Mund- und Rachenraum oder eine Mandelentzündung: Sie können ebenfalls die Ursache sein.
Was tun gegen Schmatzen und Schlucken im Schlaf?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Schmatzen und Schlucken im Schlaf zu reduzieren:
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn eine neuromuskuläre Erkrankung, Refluxkrankheit oder Hypersalivation vorliegt, sollte diese behandelt werden.
- Medikamentöse Behandlung: Anticholinergika oder Botulinumtoxin können die Speichelproduktion reduzieren.
- Logopädische Therapie: Bei Schluckstörungen kann eine logopädische Therapie helfen, die Schluckfunktion zu verbessern.
- Anpassung des Lebensstils:
- Rauchen einstellen
- Normalgewicht anstreben
- Häufige, kleine, eiweißreiche, fettarme Mahlzeiten einnehmen
- Im Sitzen essen und sich zwei Stunden nach den Mahlzeiten nicht hinlegen
- Mit erhöhtem Oberkörper schlafen
- Nase frei halten: Nasenspray oder ätherische Öle können helfen, die Nase frei zu halten.
- Schlafposition ändern: Die Rückenlage ist am besten geeignet, um unkontrolliertes Speicheln zu vermeiden.
- Passendes Kissen wählen: Ein etwas dickeres Kissen kann helfen, den Kopf leicht erhöht zu lagern.
- Entspannungstechniken: Meditation, autogenes Training oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Schlafqualität zu verbessern.
- Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene ist wichtig, um das Risiko für Lungenentzündungen durch Aspiration von Bakterien zu reduzieren.
- Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation notwendig sein, um Zahnfehlstellungen zu korrigieren oder die Mandeln zu entfernen.
- Botulinumtoxin-Injektion: Bei Hypersalivation kann Botulinumtoxin in die Speicheldrüsen injiziert werden, um die Speichelproduktion zu reduzieren.
- Korrektur von Zahnfehlstellungen: Kiefer- und Zahnfehlstellungen bei Kindern können einen ausreichenden Mundschluss verhindern und damit eine Sialorrhoe begünstigen.
- Befeuchtung der Rachenschleimhaut: Dampfinhalationen, Lutschpastillen mit Salbei oder Emser Salz® Lutschpastillen können helfen, die Rachenschleimhaut feucht zu halten.
Schluckstörungen (Dysphagie)
Eine Schluckstörung (Dysphagie) liegt vor, wenn das Schlucken erschwert oder gestört ist. Dies kann durch Nervenerkrankungen (neurogene Dysphagie) verursacht werden. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um schwere Folgen wie Lungenentzündung oder Mangelernährung zu vermeiden.
Arten von Schluckstörungen
- Oropharyngeale Dysphagie: Das Schlucken ist zwischen Mund und Rachen gestört.
- Ösophageale Dysphagie: Die Ursache liegt in der Speiseröhre.
Ursachen von Schluckstörungen
- Hohes Alter (Presbyphagie)
- Erkrankungen: Schlaganfall, Alzheimer-Demenz, Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose
- Medikamente: Neuroleptika, Opiate, Antidepressiva, Antiepileptika, Anticholinergika, Muskelrelaxantien, Beruhigungsmittel
- Krebserkrankungen im Halsbereich
Diagnose von Schluckstörungen
- Krankengeschichte
- Körperliche Untersuchung
- Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie)
- Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie)
- Fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES)
- Videofluoroskopie (VFSS)
Behandlung von Schluckstörungen
- Schlucktherapie
- Ernährungsmaßnahmen (Anpassung der Konsistenz der Nahrung, künstliche Ernährung)
- Atemhilfen (Luftröhrenschnitt)
- Mundhygiene
- Medikamente
- Operation
- Neurostimulation
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