Schmerzhafte Hüfte nach Schlaganfall: Ursachen und Therapie

Hüftschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Sie treten meist einseitig an Hüfte oder Leiste auf und strahlen in Rücken, Po oder Oberschenkel aus. Um die Schmerzen effektiv zu behandeln, ist eine genaue Diagnose entscheidend. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Hüftschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit einem Schlaganfall, und stellt entsprechende Therapieansätze vor.

Ursachen von Hüftschmerzen

Hüftschmerzen können vielfältige Ursachen haben. In rund der Hälfte der Fälle liegt die Ursache nicht im Hüftgelenk selbst, sondern in den Muskeln, Sehnen und Bändern, die die Hüfte umgeben. Schmerzen in anderen Körperregionen, wie der Lendenwirbelsäule oder dem Kniegelenk, können ebenfalls in die Hüfte ausstrahlen. Die Art der Schmerzen, wie der morgendliche Anlaufschmerz, kann wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben.

Häufig treten Hüftschmerzen bei oder nach starker Beanspruchung beim Sport oder der Arbeit auf, aber auch in Ruhe oder beim Liegen können sie auftreten. Oftmals gehen sie mit Bewegungseinschränkungen, Steifheit und einem unsicheren Gang einher. Schmerzen aus Rücken und Becken können ebenfalls ausstrahlen und als Hüftschmerzen wahrgenommen werden, meist einseitig.

Einseitige Hüftschmerzen sind häufig, während beidseitige Schmerzen typisch für bestimmte Erkrankungen wie Stoffwechselerkrankungen (z.B. Gicht) oder entzündliche Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma) sein können. Auch Polyneuropathien durch Diabetes mellitus oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) können beidseitige Hüftschmerzen auslösen.

Hüftarthrose (Coxarthrose)

Bei Hüftarthrose kommt es zu einer Abnahme der schützenden Knorpelschicht zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne. Ursachen hierfür sind einseitige Überlastungen des Hüftgelenks, aber auch eine genetische Veranlagung. Oft wird von einer "altersbedingten Abnutzung" gesprochen, die jedoch nicht automatisch eintreten muss. Eine Hüftarthrose äußert sich anfangs vor allem durch Schmerzen nach dem morgendlichen Aufstehen (Anlaufschmerz), die aber mit zunehmender Bewegung wieder verschwinden. In späteren Stadien treten Schmerzen auch nach Belastung auf. Typisch sind Schmerzen in Hüfte oder Leiste beim Treppensteigen, Laufen und eine abnehmende Belastbarkeit über den Tag hinweg. Manchmal kommt es zu einer entzündlich aktivierten Arthrose an den Knochen des Hüftgelenks, wobei das Gelenk anschwillt und warm wird, begleitet von stechenden Schmerzen und starker Bewegungseinschränkung.

Lesen Sie auch: Behandlung der schmerzhaften Schulter nach Apoplex

Oberschenkelhalsbruch

Ein Oberschenkelhalsbruch kann mit starken Schmerzen im Bereich von Hüfte und Leiste verbunden sein, die auch ins Bein oder Becken ausstrahlen können. Betroffene können das Bein oft nicht anheben oder belasten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht immer starke Schmerzen auftreten; das Bein kann auch "nur" verdreht und schmerzhaft überanstrengt erscheinen.

Muskelverspannungen

Das Hüftgelenk ist von zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bändern umgeben. Verspannungen oder Verkürzungen dieser Strukturen können Hüftschmerzen verursachen, auch wenn das Gelenk selbst gesund ist. Eine häufige Ursache ist die Verspannung des Psoas-Muskels, des großen Hüftbeugers.

Hüftkopfnekrose

Eine Hüftkopfnekrose entsteht durch Minderdurchblutung des Knochengewebes im Hüftgelenk, wodurch das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und seine Stabilität verliert. Risikofaktoren sind Rauchen, hohe Cholesterinwerte, übermäßiger Alkoholkonsum und hochdosierte Kortisontherapie. Die Erkrankung tritt vor allem bei Männern zwischen 35 und 45 Jahren auf, meist einseitig.

Impingement-Syndrom (Femoroacetabuläres Impingement, FAIS)

Beim Impingement-Syndrom besteht eine Enge zwischen dem Hüftkopf und der Hüftgelenkspfanne, bedingt durch "Anbauten" am Knochen, eine fehlgebildete Hüftpfanne oder muskuläre Dysbalancen. Durch diese Enge können gelenknahe Strukturen wie der Gelenkknorpel oder die Gelenklippe eingeklemmt und verletzt werden, was zu tief liegenden Schmerzen in der Leistengegend oder seitlich an der Hüfte führt. Häufig beginnen die Schmerzen nach langem Sitzen oder intensiver körperlicher Aktivität und verschwinden in Ruhe wieder. Mit der Zeit kann sich ein dumpfer oder stechender Dauerschmerz entwickeln, der auch ins Gesäß, den Rücken, den Oberschenkel oder ins Knie ausstrahlen kann.

Piriformis-Syndrom

Hüftschmerzen, die nach längerem Sitzen entstehen, können durch den Gesäßmuskel (Musculus piriformis) ausgelöst werden. Dieser Muskel verläuft vom Kreuzbein zum Knochenvorsprung an der Außenseite des Oberschenkelknochens und kann durch seine Nähe zum Ischiasnerv Beschwerden verursachen. Drückt der Gesäßmuskel auf den Ischiasnerv, kommt es zu Hüftschmerzen und Taubheitsgefühlen in der Hüfte oder den Beinen, vor allem nach längerem Sitzen.

Lesen Sie auch: Behandlung von Speiseröhrenkrämpfen

Hüftschmerzen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kommt es häufiger zu Hüftschmerzen, da sich das Bindegewebe und das Muskelgewebe im Bereich des Beckens durch hormonelle Veränderungen lockert. Dies verändert die Statik des Beckens und kann Beckenschmerzen, aber auch Schmerzen in Rücken und Hüfte verursachen. Hinzu kommt die schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme, die die Gelenke zusätzlich belastet. Auch eine Einengung eines Hautnervs außen am Oberschenkel kann sich wie Schmerzen im Hüftbereich anfühlen.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für Hüftschmerzen sind Nervenschmerzen (Neuralgien) verschiedener Hautnerven, Entzündungen der Hüfte ohne Bakterien (Hüftschnupfen bei Kindern), Beinlängendifferenzen und Ausrenkungen/Auskugelungen des Hüftgelenks (Hüftluxation).

Hüftschmerzen nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall können Hüftschmerzen aufgrund verschiedener Faktoren auftreten:

  • Spastik: Bewegungsstörungen nach einem Schlaganfall werden oft durch eine erhöhte Grundspannung in bestimmten Muskeln ausgelöst, die als Spastik bezeichnet wird. Diese Spastik kann zu Schmerzen und Fehlstellungen in der Hüfte führen.
  • Fußheberschwäche: Eine Fußheberschwäche ist eine häufige Folge eines Schlaganfalls, bei der die Signalweitergabe an die Bein- und Fußmuskeln gestört ist. Dies kann zu einem unrunden Gangbild, Fehlhaltungen und Schmerzen in Hüfte und Becken führen.
  • Inaktivität und Schonhaltung: Nach einem Schlaganfall kann Inaktivität und die Einnahme von Schonhaltungen zu Muskelverspannungen und -verkürzungen führen, die wiederum Hüftschmerzen verursachen können.
  • Zentrale Schmerzen: Wenn der Schlaganfall im Thalamus stattfindet, können zentrale Schmerzen auftreten, die auch die Hüfte betreffen können.

Therapie von Hüftschmerzen

Die Therapie von Hüftschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Konservative Behandlung

  • Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente: Bei akuten Schmerzen können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und COX-2-Hemmer helfen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie, Rehasport oder Funktionstraining mit Fokus auf Übungen für den Oberschenkel und die Hüftmuskulatur sind wichtig, um die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Fehlhaltungen zu korrigieren.
  • Kälte- und Wärmeanwendungen: Bei Entzündungen kann Kälte sinnvoll sein, während Wärme bei Muskelverspannungen helfen kann.
  • Bewegung ohne starke Belastung: Schwimmen und Radfahren sind gute Möglichkeiten, das Hüftgelenk zu bewegen, ohne es zu belasten.
  • Orthesen und Hilfsmittel: Bei Arthrose können Hüftorthesen helfen, den Knorpel zu schützen und die Gelenkfunktion zu verbessern. Bei einer Fußheberschwäche können Orthesen Halt geben und das Gangbild verbessern.
  • Injektionen: In bestimmten Fällen können Injektionen mit Hyaluronsäure oder Kortison in das Hüftgelenk oder in die Schleimbeutel erfolgen, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren.

Operative Behandlung

  • Hüftarthroskopie: Bei einem Impingement-Syndrom kann eine Hüftgelenkspiegelung (Hüftarthroskopie) helfen, die Enge im Gelenkspalt zu beseitigen und Schäden an Gelenklippe oder Knorpel zu beheben.
  • Hüftendoprothese: Bei fortgeschrittenem Knorpelverschleiß oder irreparablen Gelenkfehlstellungen kann ein Hüftgelenkersatz (Totalendoprothese, TEP) erforderlich sein.
  • Weitere operative Eingriffe: Je nach Ursache der Hüftschmerzen können weitere operative Eingriffe in Betracht gezogen werden, wie z.B. die operative Wiederanheftung abgerissener Glutealsehnen bei Glutealinsuffizienz oder die Durchtrennung der Ileopsoassehne bei Psoas-Impingement.

Spezielle Therapieansätze nach Schlaganfall

  • Spastik-Behandlung: Die Behandlung von Spastik nach einem Schlaganfall kann Medikamente (z.B. Botulinumtoxin-Injektionen), Physiotherapie, Ergotherapie und orthopädische Hilfsmittel umfassen.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Bei einer Fußheberschwäche kann FES eingesetzt werden, um die an der Fußhebung beteiligten Muskeln zu aktivieren und das Gangbild zu verbessern.

Selbsthilfe und Prävention

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken, die Gelenke beweglich zu halten und Fehlhaltungen vorzubeugen.
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht belastet die Hüftgelenke zusätzlich und kann zu Arthrose führen.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung beim Sitzen, Stehen und Heben von Lasten.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie einseitige Belastungen und Überlastungen der Hüftgelenke.
  • Frühzeitige Behandlung: Suchen Sie bei anhaltenden oder starken Hüftschmerzen frühzeitig einen Arzt auf, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.

Lesen Sie auch: Mehr über Schmerzhafte Diabetische Neuropathie erfahren

tags: #schmerzhafte #hufte #schlaganfall