Schmerzsyndrome des autonomen Nervensystems: Ursachen und Therapie

Die Lesezeit für diesen Artikel beträgt ungefähr [Zeitangabe einfügen]. Er bietet einen umfassenden Überblick über Schmerzsyndrome, die das autonome Nervensystem betreffen, einschließlich Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze.

Einführung

Das autonome Nervensystem (ANS) spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung vieler unwillkürlicher Körperfunktionen. Störungen dieses Systems können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, die oft schwer zu diagnostizieren sind. Nahezu jede Krankheit, bei welcher Nerven akut oder chronisch erkranken, kann das Autonome Nervensystem mitbetreffen. Da es alle lebenswichtigen Funktionen reguliert, ist es an den häufigsten chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Asthma, Rheuma oder Krebs beteiligt. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, der Diagnose und der Behandlung von Schmerzsyndromen, die mit dem autonomen Nervensystem zusammenhängen.

Das periphere Nervensystem und seine Funktionen

Das periphere Nervensystem (PNS) umfasst alle Nerven, die außerhalb des Schädels oder des Wirbelkanals liegen, und verbindet das zentrale Nervensystem (ZNS) funktionell mit Organen und Geweben. Es besteht aus zwei Hauptteilen:

  • Somatisches Nervensystem: Zuständig für willkürliche Bewegungen und Reflexe.
  • Autonomes Nervensystem: Reguliert unwillkürliche Funktionen wie Herzfrequenz, Verdauung und Schweißproduktion.

Ursachen für Erkrankungen des autonomen Nervensystems

Erkrankungen des autonomen Nervensystems können vielfältige Ursachen haben:

  • Erworbene Ursachen:
    • Diabetes: Schädigung der kleinsten Gefäße, die die peripheren Nerven versorgen, was zur diabetischen Polyneuropathie führt.
    • Alkoholmissbrauch: Neurotoxische Wirkung von chronischem Alkoholkonsum, die zu funktionellen Beeinträchtigungen der peripheren Nerven führt.
    • Critical-Illness-Polyneuropathie: Fehlleitung des Immunsystems, die die Nerven des peripheren Nervensystems schädigt, oft im Rahmen langwieriger intensivmedizinischer Behandlungen.
    • Vitaminmangel, Entzündungen, Infektionen, Alkoholkonsum oder Medikamenten-Nebenwirkungen.
    • Akute Erkrankungen: Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verletzungen des Gehirns bzw. Rückenmarkes.
  • Angeborene Ursachen: Selten, basierend auf vererbbaren Krankheiten wie Enzymdefekten oder veränderter Nervenleitgeschwindigkeit.

Es ist wichtig zu beachten, dass auch infolge akuter Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verletzungen des Gehirns bzw. Rückenmarkes kann es zu Störungen der Regulation lebenswichtiger Funktionen des Autonomen Nervensystems wie Kreislauf, Atmung, Verdauung, Harnentleerung und Schlaf kommen.

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Symptome von Erkrankungen des autonomen Nervensystems

Die Symptome können vielfältig sein und oft in Verbindung mit anderen Nervenerkrankungen auftreten:

  • Ohnmacht, Schwindel, Blutdruckschwankungen. Optimalerweise können Blutdruck-Oberwerte (systolischer Blutdruck) im Liegen und Stehen gleich sein. Typischerweise aber liegt der im Stehen gemessene Blutdruck-Oberwert bei vielen Menschen geringfügig (weniger als 20 mmHg) unter dem Blutdruck-Oberwert im Liegen. Der Blutdruck-Unterwert (diastolischer Wert) sollte in etwa gleichbleiben.
  • Kurzatmigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen.
  • Reizdarmbeschwerden, Inkontinenz.
  • Übermäßiges Schwitzen, Juckreiz, Rötungen.
  • Missempfindungen und Schmerzen. Zu den Beschwerden bei Erkrankung der small fibres, das heißt der langsam leitenden, nicht myelinisierten Nervenfasern gehören vor allem Missempfindungen und Schmerzen zumeist in den Beinen, oft auch in den Händen, seltener auch Körper, Gesicht und Mundhöhle betreffend. Die Erkrankung betrifft mehr Frauen als Männer, zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Diagnostik von Erkrankungen des autonomen Nervensystems

Die Diagnostik erfordert Erfahrung und umfasst:

  1. Anamnese: Erhebung der medizinischen Vorgeschichte, Intensität und Dauer der Beschwerden, um Hinweise auf mögliche Ursachen zu finden.
  2. Körperliche Untersuchung: Beurteilung neurologischer Funktionen und Ausschluss anderer Erkrankungen.
  3. Apparative Diagnostik:
    • Neurovegetative Anamnese
    • Untersuchungen der Herz- und Kreislaufregulation
    • Gastroenterologische Funktionsdiagnostik
    • Urodynamische Untersuchungen
    • Standardisierte Autonome Funktionsdiagnostik (Kreislaufreflexe, Magen- und Darmtätigkeit, Entleerungsdynamik der Harnblase, Schweißdrüsenfunktion)
    • Quantitative Sensibilitäts-Tests (Untersuchung von Neuropathien der schmerzleitenden Nervenfasern)
  4. Weitere Untersuchungen: Gegebenenfalls werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um andere mögliche Ursachen auszuschließen, wie z. B. schwere Nierenerkrankungen.

Therapie von Erkrankungen des autonomen Nervensystems

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Beschwerdebild:

  1. Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Pregabalin, Gabapentin, Duloxetin oder Amitriptylin zur Modifizierung der Schmerzwahrnehmung.
    • Weitere Medikamente: Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Diabetes, Entzündungen).
  2. Nicht-medikamentöse Therapie:
    • Regelmäßige Bewegung oder Physiotherapie
    • Ausgewogene Ernährung
    • gegebenenfalls die Substitution von Vitaminen
    • Psychotherapie: Bei psychischen Begleiterkrankungen oder fehlender Besserung.
  3. Rehabilitation:
    • Physiotherapeutische und physikalische Maßnahmen als langfristige Behandlungen.
    • Reha-Aufenthalt als sinnvolle therapeutische Ergänzung bei fehlender Beschwerdefreiheit.
  4. Spezielle Therapien:
    • Die Rückenmarksstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) ist eine neurochirurgische Behandlung. Dabei werden Elektroden entlang des Rückenmarks implantiert, die elektrische Impulse aussenden und so die Schmerzweiterleitung zum Gehirn modulieren.
    • Die Stimulation der Spinalganglien, das sind Anhäufungen von Nervenzellen im Bereich der Wirbelsäule (Dorsal Root Ganglion, DRG), ist eine relativ neue Form der neurochirurgischen Schmerztherapie. Hierbei werden Elektroden direkt an den Nervenganglien, die sich an den Hinterwurzeln des Rückenmarks befinden, platziert.
    • Erfahrungsgemäß hilft vor allem die verständliche Schulung, um die beispielhaft genannten Körperreaktionen besser zu verstehen. So lässt sich für die Betroffenen im Alltag besser einschätzen, welche Ernährung, Tagestruktur geeignet sind, um vegetative Funktionen zu unterstützen bzw. wie Aktivität oder Entspannung gezielt eingesetzt werden können, um stressbedingte vegetative Beschwerden zu verhindern.

Chronisches Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)

Eine spezielle Form des Schmerzsyndroms ist das Chronische Regionale Schmerzsyndrom (CRPS), das oft nach Verletzungen auftritt.

Definition und Klassifikation

Unter einem CRPS versteht man ein Schmerzsyndrom nach Unfallverletzung einer Extremität, bei dem die Schmerzen im Vergleich zum erwarteten Heilungsverlauf unangemessen stark sind und bei dem sich Störungen von Gefühl, Kraft und des vegetativen Nervensystems sowie funktionelle und strukturelle Gebeveränderungen zu finden sind. Wichtig ist festzuhalten, dass diese Symptome nicht mehr auf direkte Verletzungsfolgen zurückzuführen sind.

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Die Einteilung des CRPS kann nach der Ursache für die Entstehung des CRPS und nach dem Verlauf der Erkrankung erfolgen. Wenn es bei der Schädigung zu einer nachweisbaren Verletzung größerer peripherer Nerven kommt, spricht man von CRPS II, andernfalls von CRPS I.

Symptome des CRPS

Die Symptome des CRPS sind vielfältig und umfassen:

  • Schmerzen: Chronische Schmerzen, gesteigerte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie), Schmerzempfindung bei nicht schmerzhaften Reizen (Allodynie), Überempfindlichkeit gegenüber Berührungsreizen (Hyperästhesie), Missempfindungen (Dysästhesien).
  • Motorische Störungen: Eingeschränkte Beweglichkeit, Einschränkung der Feinmotorik, verminderte Kraft, Tremor oder Dystonie.
  • Autonome Störungen: Veränderte Hautdurchblutung, Temperatur und Farbe, Wassereinlagerung/Schwellung (Ödem), veränderte Schweißsekretion, trophische Störung, Knochenveränderung, Versteifung von Gelenken.

Diagnose des CRPS

Die Diagnose erfolgt hauptsächlich klinisch durch Anamnese und neurologische Untersuchung. Apparative Untersuchungen können zur Bestätigung herangezogen werden. Man muss fordern, dass die Diagnose CRPS in zeitlichem Zusammenhang mit dem Trauma erfolgt. Ein sinnvoller Zeitraum dabei wären ca. 2- 3 Monate, dann müssen die Diagnosekriterien erfüllt sein.

Therapie des CRPS

Die Therapie ist multidisziplinär und umfasst:

  • Systemische medikamentöse Therapie: Medikamente, die über das Blut in den gesamten Körper gelangen (z. B. N-Acetylcystein).
  • Topische medikamentöse Therapie: Lokale Therapie mit medizinischen Wirkstoffen, die direkt an dem zu behandelnden Körperteil oder Organ appliziert werden.
  • Interventionelle Therapie: Gezielte Eingriffe am geschädigten Gewebe (z. B. Sympathikusblockaden, Spinalganglien-Stimulatoren).
  • Psychotherapie: Bei psychischen Begleiterkrankungen.
  • Ergotherapie & Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit, Schmerzreduktion und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit.
  • Elektrotherapie: Frühfunktionelle Therapie, um Versteifungen zu verhindern, Funktionen zu erhalten sowie Schmerz und Schwellung zu reduzieren.

Chronisches Schmerzsyndrom

Das chronische Schmerzsyndrom ist ein eigenständiges Krankheitsbild, bei dem Schmerzen über einen längeren Zeitraum (mehr als drei bis sechs Monate) bestehen bleiben.

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Unterschied zu akuten Schmerzen

Akute Schmerzen sind eine Reaktion auf Verletzungen und klingen ab, sobald die Ursache behandelt ist. Chronische Schmerzen haben keinen klaren biologischen Zweck und bleiben teils auch ohne erkennbare Ursache bestehen.

Diagnose des chronischen Schmerzsyndroms

Die Diagnose erfordert eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung durch spezialisierte Fachärzte.

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