Schokolade und Parkinson: Was Studien wirklich zeigen

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, für die es derzeit keine ursächliche Therapie gibt. Viele Betroffene suchen daher nach Möglichkeiten, die Symptome zu lindern oder das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, oft durch den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln oder bestimmten Ernährungsweisen. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder die Rolle von Schokolade diskutiert. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage und räumt mit einigen Missverständnissen auf.

Schokolade und Motorische Funktion bei Parkinson: Eine Studie aus Dresden

Forscher der Universität Dresden haben in einer klinischen Studie untersucht, ob Schokolade die motorische Funktion bei Parkinson-Patienten verbessern kann. In der Studie wurden 26 Patienten nach dem Verzehr von 200g dunkler Schokolade und in einer anderen Gruppe nach dem Verzehr von 200g weißer Schokolade untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass weder bei den Tests zur Motorik noch im Blut nennenswerte Unterschiede festgestellt werden konnten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schokolade keine direkte Verbesserung der motorischen Funktion bei Parkinson-Patienten bewirkt.

Ernährung bei Parkinson: Mehr als nur Schokolade

Die Parkinson-Krankheit ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Obwohl eine ursächliche Therapie derzeit nicht möglich ist, können Medikamente und bestimmte Lebensstiländerungen helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Viele Betroffene erhoffen sich präventive Wirkungen oder eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung durch Nahrungsergänzungsmittel und Gewürze.

Nahrungsergänzungsmittel vs. Gewürze

  • Nahrungsergänzungsmittel (NEM): Sie ergänzen die allgemeine Ernährung durch Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in konzentrierter Form. Überdosierungen sind möglich und können riskant sein. NEM sind keine Arzneimittel und müssen kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen. Für gesunde Menschen sind die meisten Präparate nutzlos, wenn sie sich ausgewogen ernähren. Für Parkinson-Patienten kann die Einnahme ausgewählter Supplements jedoch sinnvoll sein.
  • Gewürze: Pflanzenteile, die in geringer Menge als geschmacks- bzw. geruchsgebende Zutaten zur allgemeinen Ernährung verwendet werden. Sie wirken durch ihren natürlichen Gehalt an Geschmacks- und Aromastoffen. Mikrobiologisch können Gewürze stark belastet sein, weshalb sie regelmäßig kontrolliert werden.

Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten

Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen befassen sich mit der Frage, wie man sich durch eine bestimmte Ernährung am besten vor der Krankheit schützen kann (Prophylaxe). Gute Studienergebnisse bei bereits Betroffenen hinsichtlich Symptomkontrolle oder Prognose sind begrenzt und beschränken sich auf wenige, wirklich erforderliche Supplements.

Allerdings sind Mangelzustände bei Parkinson-Patienten zu erwarten und auch nachgewiesen, vor allem aufgrund der seit Jahrzehnten propagierten proteinarmen Ernährung, der altersbedingten Malnutrition und der Parkinson-assoziierten Stoffwechsel- und Organtoxizität. Auch die Dopamin-Ersatztherapie kann in der Langzeitbehandlung mit höheren L-Dopa-Dosen zu schädlichen Abbauprodukten und in der Folge zu einem Mangel an Vitaminen, insbesondere der B-Vitamine (B12, B6 und Folsäure), führen.

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Was sagen Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln und Parkinson?

  • CAM Care in PD Studie (2017): Eine Befragung von 1307 Parkinson-Patienten ergab, dass der Konsum von frischem Gemüse, frischem Obst, Nüssen, Samen, Olivenöl, Wein, Kokosöl, frischen Kräutern und Gewürzen mit einem langsameren Krankheitsverlauf assoziiert war. Von den eingenommenen Supplements war nur Fischöl mit einer langsameren Progression assoziiert. Fischöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren, denen entzündungshemmende und zellschützende Effekte zugesprochen werden.
  • Übersichtsarbeit (2020): Ergänzend zu den oben genannten NEM wird hier auf den durch die Krankheit drohenden Eiweißmangel hingewiesen und als Quelle 20 mg Molkenprotein über den Tag verteilt empfohlen, da es schwierig sei, Bio-Fleisch oder -Geflügel für eine ausreichende Proteinzufuhr zu finden und Glutathion als NEM unwirksam zu sein scheint. Das in der Molke enthaltene Cystein wird für die Glutathionproduktion benötigt, welches die Entgiftung unterstützt. Ebenso wird auf die Bedeutung einer guten Verdauung hingewiesen, welche durch eine ballaststoffreiche Kost und Bewegung unterstützt werden kann. Der negative Einfluss von Schlafmangel und Stress wird abschließend diskutiert.
  • Vitamin D: Ein Mangel an Vitamin D ist bei Parkinson-Patienten häufig und mit einem erhöhten Sturz- sowie Verletzungsrisiko verbunden. In mehreren Studien führte eine orale Nahrungsergänzung mit Vitamin D (1000 IE / d) zu einer erheblichen Reduktion von Frakturen. Ist eine Osteoporose nachgewiesen, sollte eine zusätzliche Gabe von Kalzium erfolgen, wenn die Kalziumzufuhr unter 1 000 mg / d beträgt. Moderne Vitamin-D-Präparate sind mit Vitamin K2 kombiniert, um die richtige Verwertung von Kalzium zu unterstützen.
  • B-Vitamine: Aufgrund der oben bereits genannten Risikofaktoren kann es bei Parkinson-Betroffenen zu einem Mangel an B-Vitaminen kommen, insbesondere Vitamin-B12, Vitamin-B6 und Folsäure. In neueren Studien wird auch über einen Mangel an Niacin berichtet. Allerdings ist ebenfalls bekannt, dass eine ungezielte „Gießkannenbehandlung“ mit Vitamin-B-Komplex-Präparaten unter Umständen sogar schädlich sein kann. Insbesondere eine Überdosierung mit Vitamin-B6 kann zu einer Hemmung der L-DOPA-Wirkung führen! Eine Ersatztherapie mit B-Vitaminen sollte deshalb erst dann erfolgen, wenn durch eine Blutuntersuchung ein Mangel festgestellt wurde.
  • Coenzym Q10: In einer Studie mit 600 Patienten gelang es nicht, die Krankheit in einem sehr frühen Stadium zu verlangsamen. Unter Beachtung des Studienergebnisses kann die Einnahme von Q10 zur Neuroprotektion bei Parkinson-Patienten in frühen Krankheitsstadien nicht empfohlen werden.

Weitere interessante Aspekte

  • Nikotinhaltige Nahrungsmittel: Für nikotinhaltige Nahrungsmittel, einschließlich Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Chili und Paprika, konnte ein reduziertes Parkinson-Risiko bei Männern und Frauen nachgewiesen werden, die nie geraucht hatten.
  • Lycopin: Der rote Farbstoff der Tomate konnte im Tierversuch dopaminerge Nervenzellen vor oxidativem Stress schützen.
  • Senfölglykoside: Sie befinden sich besonders in Kreuzblütengewächsen, wie Brokkoli, aber auch in Blumenkohl, Weißkohl, Rotkohl, Meerrettich, Rucola, Kresse und Senf. Sie verleihen diesen Gemüsearten ihren charakteristischen scharfen Geschmack und verfügen im Tierversuch über einen antioxidativen Effekt.
  • Anthocyane: Für mehrere Farbstoffe (Anthocyane) in roten Beeren und Gemüse wurde eine hemmende Wirkung auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B nachgewiesen. Besonders reich an Anthocyanen sind Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidel- sowie Holunderbeeren, außerdem Weintrauben, Kirschen, rote Bete und Rotkohl.
  • Carotinhaltige Lebensmittel: Auch für carotinhaltige Lebensmittel (u. a. Grünkohl, Karotten, Süßkartoffeln, Petersilie) und Beta-Carotin wurde in epidemiologischen Studien ein neuroprotektiver Effekt nachgewiesen: Sie verfügen über antioxidative Eigenschaften und schützen vor freien Radikalen. Systematische klinische Studien mit Parkinson-Patienten fehlen.
  • Sojalecithin: Bei der Gewinnung von Sojaöl fällt als Nebenprodukt Sojalecithin an, welches u.a. das Isoflavon Genistein (Sojabohne, Tofu, Kichererbsen, Kidney-Bohnen, Brokkoli, dunkle Schokolade) und Vitamin E enthält. Es fehlen systematische Studien mit Parkinson-Patienten.
  • Bockshornklee (BHK): Bockshornklee werden zellschützende, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
  • Grüner Tee: Den im Tee enthaltenen Polyphenolen Theaflavin oder Epigallocatechin-Gallat werden antioxidative, antiapoptische und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
  • Kaffee: Neben Coffein enthält Kaffee u.a. Theophyllin, verschiedene Flavonoide und Gerbstoffe mit antioxidativem Effekt. Coffein und synthetische Adenosin-A2A-Antagonisten werden in klinischen Phase-II- und -III-Studien zur symptomatischen Behandlung von Parkinson untersucht.
  • Rotwein: Die im Rotwein enthaltenen Flavonoide Resveratrol und Quercetin hatten im Parkinson-Tiermodelleinennachweislichen neuroprotektiven Effekt.
  • Eisen, Kupfer und Zink: Mehrere Studien fanden bei Parkinson- Patienten niedrigere Spiegel von Eisen, Kupfer und Zink (im Vergleich mit gesunden Kontrollgruppen), während sich der Spiegel für Selen nicht wesentlich unterschied. Die Wirksamkeit von NEM bei Patienten mit einem bestehenden, laborchemisch nachgewiesenen Eisenmangel oder Restless-Legs-Syndrom ist unbestritten.
  • Curcumin: Das Gewürz Curcumin wird seit 2500 Jahren in der ajurvedischen und chinesischen Medizin eingesetzt. Es stammt aus dem Rhizom der Gelbwurzel (Kurkuma). Studien lassen auf einen antioxidativen, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt schließen. In Parkinson-Labormodellen zeigte es eine neuroprotektive Wirkung.

Schokolade als Stimmungsaufheller und potenzieller Neuroprotektor

Schokolade enthält eine Reihe von Inhaltsstoffen, die theoretisch die Stimmung beeinflussen können. Ein wichtiger Inhaltsstoff ist β-Phenylethylamin, ein biogenes Amin, das die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und den Neurotransmitterstoffwechsel beeinflusst.

Die Rolle von β-Phenylethylamin

  • Periphere Wirkung: β-Phenylethylamin wird peripher aus Phenylalanin biosynthetisiert. Freies Plasma-Phenylethylamin kann die Blut-Hirn-Schranke gut passieren, da es das bevorzugte Substrat der MAO-B ist, die in den Endothelzellen der Kapillaren und daher in der Blut-Hirn-Schranke nicht vorkommt. Es wird auch im Gehirn aus der Aminosäure Phenylalanin gebildet. Zusätzlich kann es, wie bei Schokolade auch, aus der Nahrung direkt aufgenommen werden. Veränderungen der Plasmakonzentration von β-Phenylethylamin haben daher direkte Auswirkungen auf neuronale Funktionen des Gehirns.
  • Wirkung im Gehirn: Einmal im Gehirn präsent, durchdringt β-Phenylethylamin wegen seiner guten lipophilen Eigenschaften leicht Membranen, auch diejenigen von Nervenzellen. Es hat Dopamin- und Noradrenalin-freisetzende Eigenschaften und scheint möglicherweise direkte agonistische Effekte an Dopamin- und Serotoninrezeptoren zu haben. Experimentelle Studien weisen darauf hin, dass β-Phenylethylamin Stereotypien auslöst, die durch MAO-B-Hemmer verstärkt und durch Neuroleptika antagonisiert werden.

Schokolade und Serotonin

Schokolade enthält Tryptophan, eine Aminosäure, die im Körper zu Serotonin umgewandelt wird, einem Hormon und Botenstoff im Gehirn, das ein Wohlgefühl auslöst. Da der Körper Tryptophan nicht selbst herstellen kann, muss es mit der Nahrung aufgenommen werden. Ein Computermodell des Tryptophan-Stoffwechsels im Menschen hat gezeigt, dass es möglich ist, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und zu testen, an welchen Stellen des Stoffwechsels regulierend eingegriffen werden kann.

Kakao: Mehr als nur ein Genussmittel

Natürlicher Kakao ist reich an Antioxidantien, insbesondere Flavonoiden, die freie Radikale im Körper bekämpfen und das Risiko von Krankheiten wie Krebs und Herzerkrankungen reduzieren können. Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Kakao das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren kann. Die Flavonoide im Kakao können dazu beitragen, den Blutdruck zu senken, die Durchblutung zu verbessern und die Flexibilität der Blutgefäße zu fördern. Kakao enthält auch verschiedene Verbindungen, die sich positiv auf die Stimmung auswirken können, indem sie die Produktion von Endorphinen und Serotonin im Gehirn stimulieren. Die Flavonoide im Kakao können auch die Gehirnfunktion verbessern, indem sie die Durchblutung des Gehirns erhöhen und die neurologische Funktion unterstützen.

Kakao in die Ernährung integrieren

  • Smoothies: Füge einen Esslöffel Kakao zu deinen Lieblingssmoothies hinzu, um ihnen einen schokoladigen Geschmack und eine Extraportion Nährstoffe zu verleihen.
  • Haferbrei oder Müsli: Streue Kakao über dein Frühstücksgetreide oder rühre ihn in deinen Haferbrei für einen gesunden und schokoladigen Start in den Tag.
  • Backen: Verwende Kakao als Zutat in gesunden Backrezepten für Kekse, Muffins oder Energieriegel, um ihnen einen intensiven Schokoladengeschmack zu verleihen, ohne auf die gesundheitlichen Vorteile zu verzichten.
  • Heiße Getränke: Bereite dir eine Tasse heißen Kakao zu, indem du Kakao mit heißer Milch oder pflanzlicher Milch mischst und nach Belieben Süßstoffe hinzufügst.

Weitere Faktoren für einen positiven Krankheitsverlauf

Neben der Ernährung spielen auch andere Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle bei der Parkinson-Krankheit.

  • Bewegung: Sowohl aerobes Training als auch Krafttraining können den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen.
  • Darmgesundheit: Eine darmgesunde Ernährung ist wichtig, da chronische Verstopfung ein Risiko darstellt, später im Leben Parkinson zu entwickeln.
  • Strukturierung des Alltags: Aktivierung und Strukturierung sind wichtig, da Parkinsonkranke die Tendenz zur Inaktivität haben.

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