Schulstress, Migräne und Kopfschmerzen: Ursachen, Behandlung und Prävention

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche betreffen. Schulstress kann ein wesentlicher Auslöser für diese Beschwerden sein und zu einem Teufelskreis aus Fehltagen, Leistungsabfall und sozialer Isolation führen. Es ist daher wichtig, die Ursachen und Auslöser von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern zu verstehen, um geeignete Behandlungs- und Präventionsstrategien entwickeln zu können.

Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern: Ein wachsendes Problem

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsstörungen bei Schülern. Eine repräsentative Befragung an Schulen ergab, dass je nach Schultyp zwischen 20 und 50 % der Schüler Kopfschmerzen als ein wichtiges und hartnäckiges Gesundheitsproblem angeben. In Schleswig-Holstein sind fast 90.000 Kinder betroffen, und sechs Prozent von ihnen haben einmal wöchentlich oder häufiger Kopfschmerzen.

Eine Studie aus Dresden aus den Jahren 2015 und 2016, bei der über 5.400 Schüler befragt wurden, zeigte, dass nur knapp 32 % der Befragten angaben, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden. Fast 37 % hatten einmal pro Monat Kopfschmerzen, und fast 32 % sogar mehr als zweimal im Monat. Diese letztgenannte Gruppe wurde noch weiter untersucht, wobei 55 % an 2-5 Tagen pro Monat und 27 % an 5-10 Tagen Kopfschmerzen hatten.

Die Kopfschmerzhäufigkeit variierte zudem mit der Schulform: In Grundschulen hatten fast 64 % der Schüler regelmäßig Kopfschmerzen, in Gymnasien fast 68 % und in den weiterführenden Regelschulen nahezu 80 %. Mädchen waren insgesamt häufiger betroffen als Jungen.

Ursachen und Auslöser von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern

Die Ursachen für Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern sind vielfältig. Neben genetischen Faktoren spielen auch Lebensstilfaktoren eine wesentliche Rolle. Zu den häufigsten Ursachen und Auslösern gehören:

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Schulstress

Schulstress gilt als einer der Hauptauslöser für Kopfschmerzen bei Schülern. Leistungsdruck, Angst vor Klassenarbeiten, ein hoher Lernstoff und ein voller Terminkalender können zu Stress und Anspannung führen, die sich in Kopfschmerzen äußern. Laut einer Studie reagieren mehr als zwei Drittel der Schulkinder in Deutschland mit Kopfschmerzen auf Lernstress & Co. Schulstress kann auch zu einem Teufelskreis führen, da Kopfschmerzen zu Fehltagen führen können, was wiederum den Stress erhöht.

Emotionaler Stress

Neben Schulstress können auch emotionaler Stress und familiäre Konflikte Kopfschmerzen auslösen. Belastende Ereignisse wie eine Trennung der Eltern, Probleme mit Freunden oder ein Umzug können zu psychischen Belastungen führen, die sich in Kopfschmerzen manifestieren.

Unregelmäßiger Tagesablauf

Ein unregelmäßiger Tagesablauf mit wechselnden Essenszeiten und zu wenig Schlaf kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Ein schwankender Blutzuckerspiegel und Übermüdung können die Entstehung von Kopfschmerzen begünstigen.

Ernährung

Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke können bei manchen Kindern und Jugendlichen Kopfschmerzen auslösen. Dazu gehören koffeinhaltige Getränke wie Cola, fermentierte Milchprodukte wie Käse, Schokolade oder Lebensmittel mit Glutamat. Auch das Auslassen von Mahlzeiten kann zu Kopfschmerzen führen.

Äußere Reize

Äußere Reize wie Lärm, grelles Licht, schlechte Luft, Hitze oder starke Gerüche können ebenfalls Kopfschmerzen auslösen. Auch lange Bildschirmzeiten und mangelnde Bewegung können eine Rolle spielen.

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Genetische Veranlagung

Migräne hat viele Ursachen, aber es gibt eine genetische Veranlagung für diesen Kopfschmerztyp. Wenn Elternteile an Migräne leiden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch ihre Kinder betroffen sind.

Arten von Kopfschmerzen bei Schülern

Bei Schülern treten vor allem zwei Arten von Kopfschmerzen auf: Spannungskopfschmerzen und Migräne.

Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von Kopfschmerzen bei Schülern. Sie äußern sich meist als leichte bis mittelstarke, dumpfe, drückende Schmerzen, die sich wie ein enges Band um den Kopf legen. Typisch ist, dass die Schmerzen im Laufe des Tages zunehmen und häufig von Verspannungen der Nackenmuskulatur begleitet werden. Im Gegensatz zur Migräne gehen Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher.

Migräne

Migräne ist eine angeborene Erkrankung, die durch sehr starke, oft pulsierende oder pochende Kopfschmerzen charakterisiert ist. Der Schmerz wird bei Bewegung schlimmer und ist meist von Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Bei Kindern können die Symptome jedoch anders sein als bei Erwachsenen. Kinder hören meistens auf zu spielen, werden blass, möchten sich freiwillig hinlegen und zurückziehen.

Weitere typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind:

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  • Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
  • Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind Begleiterscheinungen, die auch ohne Kopfschmerzen auftreten können (Bauchmigräne).
  • Schwindelattacken sind möglich.
  • Eine Aura in Form von neurologischen Ausfällen ist bekannt (Alice-im-Wunderland-Syndrom).

Diagnose von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern

Die Diagnose von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird nach der Häufigkeit, Dauer, Stärke und Art der Kopfschmerzen fragen. Auch Begleitsymptome und mögliche Auslöser werden erfragt. Eine neurologische Untersuchung und gegebenenfalls ein EEG können durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche ihre Kopfschmerzen ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen, wenn die Beschwerden häufig auftreten, stark sind oder mit anderen Symptomen einhergehen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, chronische Kopfschmerzen und Migräne zu vermeiden.

Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern

Die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern umfasst sowohl akute als auch präventive Maßnahmen.

Akutbehandlung

Bei akuten Kopfschmerzattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt werden. Es ist wichtig, die Schmerzmittel so früh wie möglich in der richtigen Dosierung einzunehmen. Bei Migräne kann es sinnvoll sein, spezielle Migränemedikamente einzusetzen.

Präventive Maßnahmen

Präventive Maßnahmen zielen darauf ab, die Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen zu reduzieren. Dazu gehören:

  • Stressmanagement: Stressabbau durch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Einhalten eines regelmäßigen Tagesablaufs mit festen Essens- und Schlafzeiten.
  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit. Vermeidung von Trigger-Nahrungsmitteln.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport.
  • Begrenzter Medienkonsum: Reduzierung der Bildschirmzeiten und Pausen bei der Arbeit am Computer.
  • Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf (7-8 Stunden pro Nacht) und eine entspannende Abendroutine.
  • Kopfschmerztagebuch: Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um mögliche Auslöser zu identifizieren.

In einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Prophylaxe erforderlich sein. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“. Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen: Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.

Auch pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10, Mutterkraut, Vitamin B2 oder Pestwurz werden zur Migränevorbeugung angeboten. Ob diese Mittel tatsächlich vor Migräne schützen, ist mangels aussagekräftiger Forschung jedoch unklar.

Spezielle Therapieangebote

Die Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und allen Kopfschmerzen an. Zur Planung des Aufnahmetermins ist eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt erforderlich. Außerdem müssen die Aufnahme-Checkliste, der Schmerzkalender und der Schmerzfragebogen ausgefüllt werden.

Die Techniker Krankenkasse (TK) in Schleswig-Holstein bietet in Zusammenarbeit mit der Schmerzklinik Kiel die Kurse “Stopp den Kopfschmerz” und “Kopfschmerz-Schule” für Kinder und Jugendliche zwischen acht und vierzehn Jahren an, die an Kopfschmerzen oder Migräne leiden. Die Wirksamkeit des Programms wurde in einer Studie der Universität Göttingen nachgewiesen: Die Anzahl der Kopfschmerztage bei den teilnehmenden Kindern kann durch die Behandlung deutlich gesenkt werden.

Tipps für Eltern und Lehrer

Eltern und Lehrer können eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne bei Schülern spielen. Hier sind einige Tipps:

  • Nehmen Sie die Beschwerden ernst: Kopfschmerzen sind keine Bagatelle und sollten ernst genommen werden.
  • Schaffen Sie eine stressfreie Umgebung: Reduzieren Sie Stress und Leistungsdruck in der Schule und zu Hause.
  • Fördern Sie einen gesunden Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf, eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf.
  • Sprechen Sie mit dem Kind: Nehmen Sie sich Zeit, um mit dem Kind über seine Probleme und Sorgen zu sprechen.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Bei häufigen oder starken Kopfschmerzen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
  • Informieren Sie sich: Informieren Sie sich über Kopfschmerzen und Migräne, um die Beschwerden besser zu verstehen und das Kind optimal unterstützen zu können.

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