Schulter Nerv Entfernen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Schulterschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Neben den häufigeren Erkrankungen wie dem Impingement-Syndrom oder Verletzungen der Rotatorenmanschette gibt es auch seltenere Gründe, bei denen Nerven eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Schulterschmerzen, die durch Nervenkompression entstehen, insbesondere das Nervus suprascapularis-Syndrom, und stellt Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten vor.

Das Schultergelenk und seine Funktion

Das Schultergelenk ist ein komplexes Gebilde aus mehreren Knochen: dem Schulterblatt (Skapula), dem Oberarmknochen (Humerus) und dem Schlüsselbein (Klavikula). Ein Muskelmantel, die sogenannte Rotatorenmanschette, verbindet den Oberarm mit dem Schulterblatt. Sie besteht aus den Sehnen der vier Muskeln M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor und M. subscapularis. Die Rotatorenmanschette ermöglicht das Heben und Drehen des Arms und stabilisiert das Gelenk. Das Schulterdach (Acromion) bildet den oberen Teil des Schulterblatts. Zwischen der Rotatorenmanschette und dem Acromion liegt ein Schleimbeutel (Bursa), der die Reibung zwischen den beweglichen Teilen reduziert.

Impingement-Syndrom: Wenn der Raum eng wird

Normalerweise haben die Sehnen der Rotatorenmanschette ausreichend Platz unter dem Schulterdach, um problemlos zu gleiten. Wird dieser Raum jedoch eingeengt, entsteht ein Impingement. Bei jeder Armbewegung werden die Sehnen und die Bursa gereizt oder eingeklemmt. Ein Impingement betrifft prinzipiell jede Schulter, kann aber bei Überlastung zu einer Entzündung der Bursa (Bursitis) und der Sehnen (Tendinitis) führen.

Ursachen für die Verengung

  • Knochensporne: Durch Verschleiß des Gelenks zwischen Schlüsselbein und Acromion (Schultereckgelenk oder AC-Gelenk) können Knochensporne entstehen, die den Raum unter dem Acromion einengen.
  • Form des Acromions: Bei manchen Menschen ist der Subacromialraum von Natur aus zu eng, weil das Acromion verformt ist.
  • Muskuläres Ungleichgewicht: Ein Ungleichgewicht zwischen den Muskeln, die den Oberarmkopf nach unten ziehen (Humeruskopfdepressoren), und dem Deltamuskel, der den Kopf nach oben zieht, kann ebenfalls zu einer Enge führen.

Symptome des Impingement-Syndroms

In der Frühphase verursacht das Impingement-Syndrom generalisierte Schulterschmerzen, die sich beim seitlichen oder vorderen Anheben des Arms verstärken. Ein typisches Zeichen ist ein stechender Schmerz beim Versuch, in die hintere Gesäßtasche zu greifen. Im fortgeschrittenen Stadium kann das Gelenk zunehmend einsteifen.

Diagnose des Impingement-Syndroms

Die Diagnose basiert in der Regel auf der Krankheitsgeschichte und der körperlichen Untersuchung. Dabei wird der Arzt verschiedene Tests durchführen, um die Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit der Schulter zu prüfen.

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  • Anheben des Arms: Der Patient wird gebeten, den gestreckten Arm aus einer seitlichen Position über den Kopf anzuheben.
  • Innenrotationstest: Der Patient dreht den Arm maximal einwärts, während der Arzt das Schulterblatt fixiert und den Arm passiv anhebt.
  • Jobe-Test: Der Patient hebt die Arme auf Schulterhöhe, dreht die Hände ein und muss einem Druck standhalten, der von außen ausgeübt wird.
  • Hawkins-Kennedy-Test: In sitzender Position wird der Patient gebeten, den betroffenen Arm und den Ellbogen in einer 90-Grad-Beugung zu halten. Der Arzt fixiert das Schulterblatt und führt eine passive Innenrotation des Schultergelenks durch.

Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT eingesetzt werden, um die Diagnose zu sichern und andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen. Röntgenaufnahmen können Knochensporne, Kalkeinlagerungen oder eine abnorm geformte Schulterdach zeigen. Eine Injektion eines Lokalanästhetikums in die Bursa kann bestätigen, dass der Schmerz tatsächlich von der Schulter herrührt.

Behandlung des Impingement-Syndroms

Die Behandlung beginnt in der Regel konservativ mit Schmerzmitteln (z.B. Ibuprofen), Schonung, Eispackungen und Physiotherapie.

  • Physiotherapie: Dehnungsübungen, Gelenkmobilisation, manuelle Techniken und Muskelaufbau helfen, das volle Bewegungsausmaß der Schulter wiederherzustellen. Eine Verbesserung von Kraft und Koordination in der Rotatorenmanschette sowie in der Schultergürtelmuskulatur lässt den Oberarmkopf wieder geschmeidig in der Pfanne gleiten.
  • Kortisoninjektion: Wenn sich der Schmerz nicht in den Griff bekommen lässt, kann eine Kortisoninjektion helfen, die Entzündung zu dämpfen und den Schmerz zu verringern.

In manchen Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich, um den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern. Dies kann im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) erfolgen. Dabei werden Knochensporne entfernt und Teile des Acromions geglättet. Bei Patienten mit einem abwärts gekrümmten Acromion wird möglicherweise mehr Knochenresektion erforderlich. Bei einem arthrotischen Verschleiß des AC-Gelenks kann ein Teil des Schlüsselbeins reseziert werden (Resektionsarthroplastik).

Die Rehabilitation nach einer Operation kann ein langsamer Prozess sein und mehrere Monate dauern. Sie umfasst Bewegungsübungen, Dehnungs- und Kräftigungsübungen.

Kompressionssyndrom des Nervus suprascapularis

Eine seltene Ursache für Schulterschmerzen ist das Kompressionssyndrom des Nervus suprascapularis. Dabei wird der Nerv, der die Schultergrätenmuskeln (Musculi supra- und infraspinatus) steuert, durch eine Zyste oder andere Raumforderungen eingeengt.

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Ursachen und Entstehung

Das Nervus suprascapularis-Syndrom entsteht durch eine Druckschädigung des Nervs in der Incisura scapulae unter dem Ligamentum transversum scapulae superius oder seltener in der supraglenoidalen Notch unter dem Lig. spinoglenoidale.

  • Anatomische Normvarianten: Abweichungen in der Form der Incisura scapulae können zu einer Kompression führen.
  • Repetitive Mikrotraumata: Bei Überkopfsportlern (z.B. Tennis, Volleyball) kann es durch die wiederholte Rück- und Vorwärtsdrehung der Skapula zu einer Belastung des Nervs kommen. Studien zeigen, dass zwischen 30-45 % der professionellen Tennis- und Volleyballspieler ein Entrapment des Nervus suprascapularis aufweisen!
  • Sekundäre Ursachen: Ganglien der spinoglenoidalen Notch, Tumore, ein verknöchertes Ligamentum transversum, Hämatome, Schulterluxationen, Massenrupturen der Rotatorenmanschette oder iatrogene Ursachen (z.B. nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion) können ebenfalls zu einer Kompression führen.

Symptome

Die Patienten klagen typischerweise über einen unspezifischen, tiefen, dumpfen und andauernden Schmerz im dorsolateralen Bereich der Schulter, der in den Arm oder den Nacken ausstrahlen kann. Der Schmerz verstärkt sich bei Überkopfbelastung oder beim Liegen auf der Schulter. Je nach Schädigungsort können unterschiedliche Symptome auftreten:

  • Schädigung im Bereich der Inzisur: Atrophie der Musculi supra- und infraspinatus, einhergehend mit Schmerzsymptomatik.
  • Schädigung in der spinoglenoidalen Notch: Isolierte Atrophie des M. infraspinatus ohne Schmerzhistorie.

Diagnose

Die Diagnose ist oft schwierig, da die Symptome denen anderer Schulterpathologien oder Wurzelkompressionssyndromen der HWS ähneln. Sie sollte jedoch bei jedem Patienten mit ungeklärten, posterioren Schulterschmerzen in Betracht gezogen werden, vor allem wenn anamnestisch eine regelmäßige Überkopfaktivität angegeben wird.

  • Klinische Untersuchung: Eine komplette Untersuchung des glenohumeralen und acromioclavicularen Gelenks ist erforderlich, um begleitende Pathologien auszuschließen. Oft führt die Adduktion und Innenrotation zu einer Schmerzauslösung, da hierbei die Spannung des spinoglenoidalen Bandes erhöht wird und die Nervenkompression zunimmt.
  • Spezielle Tests: Der suprascapulare Dehnungstest und der Cross Arm-Adduktionstest können hilfreich sein.
  • Injektion von Lokalanästhetika: Die Injektion von Lokalanästhetika in die suprascapulare oder spinoglenoidale Notch kann zur Differenzierung beitragen.
  • Bildgebung: Röntgenaufnahmen dienen zum Ausschluss von Frakturen und Knochentumoren. Die MRT ist jedoch die entscheidende Untersuchung, um Muskelödeme, obstruktive Veränderungen wie paralabrale Zysten oder Tumore zu erkennen.
  • Neurologische Untersuchungen: Elektromyografie und Elektroneurografie können den Nachweis für ein Kompressionssyndrom liefern und Aussagen über den Ausprägungsgrad der Nervenläsion, das Regenerationspotenzial und die Läsionshöhe ermöglichen.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ätiologie.

  • Konservative Therapie: Wenn keine strukturellen Ursachen für die Kompression vorliegen, wird zunächst eine konservative Behandlung empfohlen. Diese umfasst die Vermeidung von Überkopfaktivitäten, gezielte physiotherapeutische Beübung zur Verbesserung der Schulterbeweglichkeit und Kräftigung der periscapulären und deltoidalen Muskulatur sowie eine antiinflammatorische Therapie mit NSAR.
  • Operative Therapie: Die operative Therapie ist indiziert, wenn eine strukturelle und reversible Ursache einer Einklemmung oder Irritation des Nervus suprascapularis vorliegt. Bei ausgeprägten Rotatorenmanschettenrupturen wird entweder nur die Sehnenruptur selbst rekonstruiert oder zusätzlich eine Dekompression des Nervs durchgeführt. Auch bei einem Versagen der konservativen Therapie kann die operative Entlastung des Nervs zu einer Beschwerdelinderung führen.

Prinzipiell stehen zwei Verfahren zur Verfügung: die offene Dekompression oder das arthroskopische Vorgehen. Aufgrund der geringeren Gewebetraumatisierung und der besseren Visualisierung ist die arthroskopische Technik zu bevorzugen. Dabei wird das Ligamentum transversum scapulae superius durchtrennt und die spinoglenoidale Zyste entfernt.

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Nachbehandlung

Postoperativ wird die betroffene Schulter für 2 Tage in einer Immobilisationsorthese ruhiggestellt. Am 1. postoperativen Tag ist eine assistive Beübung bis 30° Außenrotation und 90° Abduktion möglich. Ab der 4. Woche liegt der Fokus auf der aktiven Übungsbehandlung bei freiem Bewegungsausmaß. Die volle Sportfähigkeit ist nach 8 Wochen erreicht.

Ergebnisse

Die Ergebnisse nach arthroskopischer Dekompression des N. suprascapularis sind gut. Studien zeigen eine signifikante Schmerzreduktion bei 80-96 % der Patienten.

Weitere Ursachen für Nervenbedingte Schulterschmerzen

Neben dem Nervus suprascapularis-Syndrom gibt es noch weitere Nerven, die im Bereich der Schulter eingeengt werden können.

  • Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS): Beim TOS werden zwischen Hals und Brust Nerven oder Blutgefäße eingeengt. Mögliche Folgen sind Schulterschmerzen, Nackenprobleme, Schwäche und Taubheit in Armen und Händen.
  • Eingeklemmter Nerv im Schulterblatt/Schulter: Ein eingeklemmter Nerv an der Schulter führt häufig zu plötzlichen, stechenden Schmerzen mittig neben oder unterhalb des Schulterblatts, welche in Richtung Wirbelsäule ausstrahlen können. Ursachen können Über- oder Fehlbelastungen der Schultergürtelmuskulatur oder der Muskulatur des oberen Rückens sein.

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