Das Leben kann sich von einer Sekunde zur nächsten dramatisch verändern. Unvorhergesehene Ereignisse wie Unfälle, schwere Krankheiten oder die Geburt eines Kindes mit einer Behinderung können Eltern vor immense Herausforderungen stellen und sie überfordern. In solchen Situationen ist es wichtig, Unterstützung zu erhalten, um die Belastung zu reduzieren und die bestmögliche Versorgung des Kindes zu gewährleisten. Schutzengel-Projekte und -Initiativen bieten hier wertvolle Hilfe und Unterstützung für Familien in Not.
Schutzengel-Haus Steglitz: Ein sicherer Hafen für Kinder und Jugendliche
Das Schutzengel-Haus in der Steglitzer Bismarckstraße ist ein Beispiel für eine solche Initiative. Seit 2014 bietet es bedürftigen Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren einen sicheren und geschützten Raum. In den Räumlichkeiten einer ehemaligen Schlecker-Filiale können die Kinder nach der Schule ein kostenloses Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung sowie verschiedene Spiel-, Sport- und Musikangebote nutzen.
Die Geschäftsführerin Bianca Sommerfeld betont, dass die Kinder hier Motivation und Anerkennung erfahren, was ihr Selbstvertrauen stärkt. Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Schutzengel-Haus wird durch Spenden finanziert und erfährt Unterstützung von Organisationen, Firmen und Privatpersonen. Der Austausch mit dem Jugendamt verläuft reibungslos, um gefährdete Kinder zu identifizieren und zu unterstützen.
Herausforderungen während der Corona-Krise
Die Corona-Krise stellte das Schutzengel-Haus vor besondere Herausforderungen. Homeschooling verschärfte die Situation vieler Familien, da es an Laptops und Druckern mangelte. Das Team des Schutzengel-Hauses hielt jedoch täglich Kontakt zu den Kindern, um ihnen das Gefühl zu geben, nicht vergessen zu sein. Spender und Unterstützer packten "Entertainment-Pakete" und sogar Drucker, um den Kindern in dieser schwierigen Zeit zu helfen.
Erweiterung des Angebots: Ein Hof für Tiere und Kinder
Das SchutzengelWerk plant in Kooperation mit "Stevies Hundeseniorenhospiz e. V." und "Helges Hunderunde" die Eröffnung eines Hofes mit Tieren. Dort sollen Tiere ihren Lebensabend verbringen und Kinder die Möglichkeit haben, sich spielerisch mit Natur und Umwelt auseinanderzusetzen. Gehege mit Kleinfedervieh und vielleicht sogar einem Pony sind geplant. Das SchutzengelWerk möchte Kinder und Jugendliche in die Pflege der Tiere einbeziehen und ihnen so Naturzusammenhänge und Nachhaltigkeit vermitteln. Für dieses Projekt wird jedoch noch ein geeigneter Hof gesucht.
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Schutzengel Huus Michael: Unterstützung für Familien mit schwerstpflegebedürftigen Kindern
Die Diakoniestation Hesel-Jümme-Uplengen in Remels plant den Bau des Schutzengel Huus Michael, um Familien mit schwerstpflegebedürftigen Kindern zu unterstützen. Dieses Haus soll kein Heim oder Hospiz sein, sondern ein Ort, an dem Familien in einer außergewöhnlich schwierigen Lebensphase aufgefangen werden und Unterstützung erfahren.
Das Schutzengel Huus soll schwerstkranke Kinder und Jugendliche aufnehmen, die aus einer Klinik oder einer Reha entlassen werden und deren Eltern sich noch nicht in der Lage sehen, sich zu Hause intensiv um sie zu kümmern. Es sind sieben Zimmer für junge Patienten, drei Elternappartements und mehrere Therapieräume geplant. Pflegefachkräfte und pädagogische Mitarbeiter werden die Familien individuell an die Betreuung heranführen. Ziel ist es, dass das Kind nach Hause kann und die Eltern die Sicherheit haben, ihrer Aufgabe gewachsen zu sein.
Ambulante Versorgung und Fachkräftemangel
Während die Familien im Schutzengel Huus vorbereitet werden, kümmert sich die Diakonie um den Aufbau eines kompetenten Pflegeteams für die ambulante Versorgung der Kinder zu Hause. Ein großes Problem ist jedoch der Fachkräftemangel. Die Diakoniestation betreut bereits 15 Familien, in denen ein Kind ambulant 24 Stunden am Tag gepflegt wird. Jeder neue Fall bringt die Mitarbeiter an die Grenze des Machbaren. Deshalb ist der Bau des Schutzengel Huus so wichtig.
Mobile Familienzentren: Niedrigschwellige Angebote für Familien
Mobile Familienzentren sind eine weitere Möglichkeit, Familien in schwierigen Situationen zu unterstützen. Sie bieten niedrigschwellige Angebote wie Elterncafés, Spielgruppen und Beratungen an. In ungezwungener Atmosphäre können sich Eltern austauschen, Kontakte knüpfen und Vertrauen gewinnen.
Die Angebote sind offen und kostenlos. Hebammen und Pädagogen stehen für informelle Gespräche zur Verfügung und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfen. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und den Weg zur Beratung zu erleichtern.
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Stärkung der Elternkompetenzen
Die Eltern werden in verschiedenen Bereichen wie Erziehung, Gesundheit und Ernährung beraten. Familienhebammen sind vor allem für medizinische und soziale Fragen zuständig. Familienbegleiter unterstützen die Eltern im Alltag bei Behördengängen, Erziehungsfragen und der Haushaltsorganisation.
Durch die Kombination aus ungezwungenem Austausch, praktischer Alltagshilfe und kompetenten Ansprechpartnern erreichen die Projekte auch Familien, die sonst als unerreichbar gelten. Die Flexibilität der Angebote ermöglicht es, auf die individuellen Bedürfnisse der Familien einzugehen und ihnen die bestmögliche Unterstützung zu bieten.
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