Probanden für Migräne-Studien gesucht: Aktuelle Forschungsprojekte und Teilnahmebedingungen

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen und vielfältige Begleitsymptome gekennzeichnet ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den zehn häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Weltweit ist etwa jeder siebte Mensch von regelmäßigen Migräneattacken betroffen. Um die Erkrankung besser zu verstehen und zukünftig effektivere Behandlungen zu entwickeln, werden fortlaufend Studien mit Migränepatienten durchgeführt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Studien in Deutschland, die Probanden suchen, und informiert über die jeweiligen Teilnahmebedingungen.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen für Migräneattacken sind noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielt der Neurotransmitter Serotonin eine Rolle, dessen Konzentration sich bei einer Migräneattacke verändert und zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn führen kann. Der pochende Kopfschmerz kann dann auf den pulsierenden Blutstrom zurückzuführen sein, der durch die Blutgefäße fließt. Neben den Ursachen gibt es bei Betroffenen bestimmte Auslöser einer Migräneattacke, die einen Anfall begünstigen. Häufige Auslöser sind:

  • Schlafstörungen: zu viel oder zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus (z. B. Ausschlafen am Wochenende und frühes Aufstehen während der Woche)
  • Hormone: Frauen klagen über häufige Migräneanfälle während ihrer Periode, die während der Schwangerschaft abnehmen.

Viele Betroffene kennen die Faktoren oder Situationen, die möglicherweise die Migräneattacke auslösen, und versuchen, diese sogenannten Trigger zu vermeiden. Solche Vermeidungsstrategien können jedoch langfristig zu einer zunehmenden Sensibilisierung des Gehirns und einer erhöhten Empfindlichkeit führen.

Universitätsmedizin Würzburg sucht Teilnehmer für Migräne-Studie

Ein Team der Universitätsmedizin Würzburg sucht für eine Studie Menschen mit und ohne Migräne. Im Fokus der Studie steht die Trigger-Bewältigung. Statt Trigger komplett zu vermeiden, was im Alltag oft auch gar nicht möglich ist, empfiehlt sich daher eine Trigger-Bewältigung. Dabei setzen sich die Betroffenen den Triggern von Zeit zu Zeit bewusst aus.

Neurofeedback als Behandlungsansatz

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist Neurofeedback. „Neurofeedback ist ein Verfahren, das auf der Fähigkeit des Gehirns basiert, sich durch Training zu verändern und anzupassen“, erklärt Morgane Paternoster. Die Gehirnströme werden in Echtzeit auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Die an Migräne erkrankten Studienteilnehmer kommen für insgesamt sechs bis acht Neurofeedback-Sitzungen innerhalb von drei Wochen in das Psychologiegebäude der JMU.

Lesen Sie auch: Überforderung und Schutzengel

Interessierte können sich im Patientenportal der Uniklinik unter dem Fachbereich „Neurologische-Studien“ für die Fall- oder Kontrollgruppe anmelden.

Klinische Studien am Kopfschmerzzentrum

Am Kopfschmerzzentrum werden laufend klinische Studien zur Untersuchung sowohl neuer und bereits zugelassener Medikamente als auch Untersuchungen anderer Behandlungsoptionen durchgeführt.

Rimegepant-Studie

Rimegepant ist ein Medikament aus der Gruppe der CGRP-Antagonisten zur Prophylaxe (und Akuttherapie) episodischer und chronischer Migräne, welches auch in Deutschland zugelassen wurde.

Studie zur Akuttherapie von Cluster-Kopfschmerz

Diese Studie untersucht die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Gerätes in Verbindung mit einem Medikament zur Akuttherapie von Clusterattacken bei Patienten mit episodischen und chronischen Cluster-Kopfschmerzen.

Rehaler-Studie

Bereits seit über 70 Jahren ist bekannt, dass eine Erhöhung der CO2-Menge im Körper einen Migräneanfall verhindern kann. Der „Rehaler“ ist ein im Zulassungsprozess befindliches, alltagstaugliches und arzneimittelfreies Gerät, mit dessen Hilfe die CO2-Konzentration des Körpers erhöht werden kann, ohne dass der Sauerstoffgehalt im Blut abfällt.

Lesen Sie auch: Zukunft der Alzheimer-Forschung

Studie zu Schmerzmodulatoren und Stimmung

Viele Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen leiden auch an Depressionen. Ziel dieser Studie ist es, bei Gesunden die Wahrnehmung von wiederholten Dehnungsreizen aus dem Enddarm im Vergleich zu wiederholt auf der Haut applizierten Hitzereizen im Rahmen einer schmerzlindernden Behandlung zu untersuchen. Die Teilnehmer werden dem Zufallsprinzip nach in verschiedene Gruppen zugelost und erhalten entweder traurige oder gefühlsmäßig „neutrale“ Musik und Sätze, um vorübergehend eine negative bzw. „neutrale“ Stimmung herbeizuführen. Im Anschluss wird die Empfindlichkeit gegenüber Reizen aus dem Darm und auf der Haut untersucht. Die Studie gliedert sich in drei Tage auf, inklusive einer MRT-Messung.

DMKG-Kopfschmerzregister für Migränepatienten

Das Kopfschmerzregister der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist ein Projekt zur Erhebung von Daten von Migränepatienten zu Forschungszwecken. Das Kopfschmerzzentrum Frankfurt nimmt aktiv an diesem Forschungsprojekt teil.

Vorteile für Patienten

Das Register hilft Patienten, gut vorbereitet mit allen wichtigen Informationen zu ihrem Arzttermin zu kommen und diese mit ihrem Arzt zu teilen. Im Patientenportal werden die wichtigsten Informationen über die Kopfschmerzen, Vorbehandlungen, Medikamente etc. abgefragt. Die DMKG-App ist ein digitaler Kopfschmerzkalender.

MINT-Studien zur Vorbeugung von Migräneattacken mit Botulinumtoxin

Es gibt die MINT-C-Studie (chronische Migräne) und die MINT-E-Studie (episodische Migräne). Beide sind Phase-III-Studien zur Untersuchung von Xeomin (im Vergleich zu Placebo) in zwei verschiedenen Dosierungen, um herauszufinden, wie wirksam und sicher es zur Vorbeugung vor einer chronischen bzw. episodischen Migräne bei Erwachsenen ist. Xeomin ist ein Botulinumtoxin Typ A, das in vielen Ländern bereits zur Behandlung verschiedener anderer Erkrankungen zugelassen ist.

Studie zum Riechtraining bei Migräne mit Aura

Düfte können den Verlauf einer Migräne beeinflussen und auch eine Attacke induzieren. Es gibt bisher keine bildgebenden Studien zum Effekt eines strukturierten Riechtrainings auf die zentralnervöse Verarbeitung von Riechreizen und einen möglichen Zusammenhang zur Schmerzwahrnehmung. In dieser Studie werden Patientinnen mit Migräne mit Aura rekrutiert, um ein Riechtraining durchzuführen. Die Frauen werden vor und nach dem Riechtraining während der interiktalen Periode gescannt. Die mechanische Schmerzschwelle und die elektrische Schmerzschwelle wird mit Pin Pricks bzw. einem Elektrostimulator zu Beginn und nach 3 Monaten Riechtraining gemessen.

Lesen Sie auch: Umfassender Leitfaden Neurologen

Ausschlusskriterien für die Riechtraining-Studie

  • fMRI-inkompatibel: Klaustrophobie; magnetische Implantate jeglicher Art; Tätowierungen mit metallischer Tinte am Hals, an den Schultern, am Oberarm und am Kopf (könnten im Scanner erhitzt werden und möglicherweise Blasenbildung oder Verbrennungen verursachen); Herzschrittmacher; Aneurysmaclips und andere Gefäßstents; Filter oder andere Geräte; prothetische Herzklappen und andere Prothesen; Neurostimulationsgeräte; Cochlea-Implantate oder Augenimplantate oder bekannte Metallfragmente in den Augen; Exposition gegenüber Schrapnellen, Metallfüllungen oder Zahnspangen.
  • Signifikante medizinische Probleme wie unkontrolliertes Asthma oder Anfallsleiden, akute Herzerkrankungen, schwere und instabile psychiatrische Probleme und andere neurologische Erkrankungen (außer Migräne), andere chronische Schmerzen, die die Alltagsfähigkeit des Patienten beeinträchtigen.
  • Bevorzugt werden Patienten ohne prophylaktisches Migränemedikament.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Menschen, die an Migräne leiden, sind besonders gefährdet, einen (zusätzlichen) medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu entwickeln.

Chronisch-entzündliche oder funktionelle Darmerkrankungen und Schmerzen

Zahlreiche Patient*innen mit chronisch-entzündlichen oder funktionellen Darmerkrankungen leiden unter wiederkehrenden Schmerzen oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Insbesondere lang andauernde (chronische) Verläufe können zu einer Schmerzzunahme auch anderer Schmerzen führen.

Kontaktdaten

  • Kopfschmerzambulanz USC Uniklinikum Dresden Fetscherstr.
  • Novartis Pharma GmbH Roonstr.
  • Ethikkommission an der TU Dresden Fetscherstr.

tags: #probanden #gesucht #migrane