Alzheimer-Studien in Deutschland: Teilnehmer gesucht für die Forschung der Zukunft

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen dar. Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz in Deutschland und weltweit ist die Forschung nach wirksamen Therapien von entscheidender Bedeutung. Aktuelle Studien eröffnen neue Perspektiven im Kampf gegen diese neurodegenerative Erkrankung.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, die etwa 50 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht. Sie ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Gehirnzellen absterben. Dieser Prozess wird durch die Ablagerung von Beta-Amyloid-Eiweißen in den Zellen verursacht, was zu Entzündungsreaktionen und schließlich zum Nervenzelltod führt.

Aktuelle Forschungslage

Bisher gibt es keine Möglichkeit, Alzheimer aufzuhalten oder zu heilen. Die in Europa zugelassenen Medikamente konzentrieren sich hauptsächlich auf die Behandlung der Symptome und nicht auf die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs. Allerdings gibt es in der Forschung bedeutende Fortschritte. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Studien zu Medikamenten durchgeführt, die an der Ursache von Alzheimer ansetzen und die schädigenden Eiweißablagerungen im Gehirn abbauen sollen. Diese Studien, die in den USA und Europa durchgeführt wurden, zeigten, dass dieser Abbauprozess grundsätzlich möglich ist. Die Effekte sind jedoch vor allem in frühen Krankheitsstadien zu erwarten.

Die Bayreuther Alzheimer-Studie: Eine Chance für Betroffene

Die Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH, unter der Leitung von Prof. Dr. Patrick Oschmann, ist eines von acht deutschen Forschungszentren, die an einer europaweiten Bestätigungsstudie für ein neuartiges Alzheimer-Medikament teilnehmen. Diese Studie soll klären, ob eine erhöhte Dosierung des Medikaments die Wirkung verbessern kann. Bis zum Jahresende sucht das Team in Bayreuth noch Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Ziel der Studie

Die aktuelle Studie ist eine Bestätigungsstudie, die auf einer ersten Studie aus dem Jahr 2019 aufbaut. Diese zeigte, dass das Medikament in einem frühen Erkrankungsstadium bestimmte Eiweiß-Ablagerungen abtransportieren kann. Da eine parallel in den USA durchgeführte Studie nicht den gleichen Erfolg brachte, vermuten Wissenschaftler, dass die Dosierung eine entscheidende Rolle spielt. In der europäischen Studie wurde das Medikament höher dosiert, was zu besseren Ergebnissen führte. Die aktuelle Studie soll nun untersuchen, ob eine angepasste Dosis tatsächlich eine signifikant höhere Wirksamkeit erzielen kann.

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Funktionsweise des Medikaments

Das Studienmedikament wirkt proteinbezogen und ist in der Lage, das Beta-Amyloid-Eiweiß zu erkennen und dessen Abbau zu fördern. Da dieses Eiweiß einer der häufigsten Komplexe ist, die für die Alzheimer-Erkrankung ursächlich sein können, ist eine sorgfältige Auswahl der Studienteilnehmer unerlässlich. Durch bildgebende Verfahren, wie sie am Klinikum Bayreuth möglich sind, kann die Ablagerung von Beta-Amyloid nachgewiesen werden. Dieser Nachweis ist eine notwendige Voraussetzung für die Studienteilnahme.

Wer kann teilnehmen?

Um an der Alzheimer-Studie teilnehmen zu können, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein:

  • Alter: Die Teilnehmer müssen zwischen 60 und 85 Jahren alt sein.
  • Krankheitsstadium: Die Alzheimer-Erkrankung muss sich in einem frühen Stadium befinden, mit leichten kognitiven Einschränkungen, aber weitgehend selbstständiger Alltagsbewältigung.
  • Unterstützung: Die Teilnehmer benötigen eine engagierte Angehörige oder einen engagierten Angehörigen, der bereit ist, die Studienteilnahme zu betreuen und zu unterstützen.

Eine Studienteilnahme ist ausgeschlossen, wenn bestimmte Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahmen vorliegen, wie z.B.:

  • Hirninfarkt, Hirnblutung oder Bewusstlosigkeit in den letzten zwölf Monaten
  • Krampfanfälle oder epileptische Anfälle in den letzten zehn Jahren
  • Bekannte Krebserkrankungen oder Chemotherapien in der Vergangenheit (eventuelle Ausnahmen sind mit den Studienärzten abzustimmen)
  • Einnahme blutverdünnender Medikamente wie Marcumar

Weitere Kriterien können direkt mit den Mitarbeitern im Studienzentrum der Klinik für Neurologie besprochen werden.

Ablauf der Studie

Vor einer möglichen Studienteilnahme sind verschiedene diagnostische Untersuchungen erforderlich, um die Eignung zu überprüfen. Dazu gehören:

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  • Körperliche und neurologische Untersuchung
  • Untersuchung von Blut und Urin
  • EKG (Elektrokardiogramm)
  • Bildgebende Verfahren vom Kopf
  • Tests zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis, Sprache, logisches Denken und Wahrnehmung)

Dieses Auswahlverfahren dauert etwa acht Wochen.

Während des anschließenden Behandlungszeitraums erhalten zwei Drittel der ausgewählten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer zwei Jahre lang das Medikament in vierwöchigem Rhythmus als Infusion. Ein Drittel erhält ein Placebo. Während dieser Zeit findet eine engmaschige Betreuung mit umfangreicher Dokumentation statt. Die Patienten müssen bereit sein, in regelmäßigen Abständen in die Klinik zu kommen. Bei bestimmten Untersuchungsterminen ist die Begleitung durch den Studienpartner oder die Studienpartnerin erforderlich. An den Behandlungszeitraum schließt sich noch einmal eine 18-wöchige Nachbeobachtungsphase an.

Weitere Alzheimer-Studien in Deutschland

Neben der Studie in Bayreuth gibt es zahlreiche weitere Forschungsprojekte in Deutschland, die sich mit der Alzheimer-Krankheit und anderen neurodegenerativen Erkrankungen beschäftigen. Diese Studien suchen regelmäßig Probanden und bieten Betroffenen die Möglichkeit, an der Entwicklung neuer Therapien mitzuwirken. Einige Beispiele sind:

  • DZNE (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen): Das DZNE betreibt an zehn Standorten in Deutschland Forschung zu Alzheimer, Parkinson und ALS mit dem Ziel, neue Strategien der Prävention, Therapie und Patientenversorgung zu entwickeln.
  • DELCODE-Studie: Diese Studie untersucht verschiedene Risikogruppen und Personen in einem frühen Krankheitsstadium über mehrere Jahre hinweg.
  • ENABLE-Studie: Diese Studie prüft, ob die Amyloid-PET-Untersuchung das Potenzial hat, die Versorgung von Menschen mit Demenz im deutschen Gesundheitssystem zu verbessern.
  • DIAN-Studie (Dominantly Inherited Alzheimer Network): Diese internationale Studie erforscht die genetisch bedingten Formen der Alzheimer-Erkrankung.
  • TREND-Studie (Tübinger Erhebung von Risikofaktoren zur Erkennung von Neurodegeneration): Diese Studie untersucht Risikofaktoren für die spätere Entwicklung von Parkinson- oder Alzheimer-Erkrankungen.
  • TuCAN (Tübingen Cognitive Assessment for Neuropsychiatric Disorders): Dieses Projekt entwickelt eine Tablet-App für die frühere, schnellere und genauere Differenzialdiagnostik verschiedener Demenzformen.

Viele Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen bieten zudem Gedächtnissprechstunden an, in denen Basisuntersuchungen durchgeführt und Studienteilnahmen vermittelt werden können.

Finanzielle Aufwandsentschädigung

Für die Teilnahme an den meisten Studien wird eine finanzielle Aufwandsentschädigung gezahlt. Diese variiert je nach Studie und Aufwand, beträgt aber in der Regel etwa 12 Euro pro Stunde.

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Einordnung und Zukunftsperspektiven

Um die aktuellen Entwicklungen in der Alzheimer-Forschung besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Fortschritte in der Behandlung von Multipler Sklerose (MS). Vor 20 Jahren befand sich die MS-Therapie in einer ähnlichen Situation wie die heutige Alzheimer-Forschung. Es gab nur wenige Medikamente mit begrenzter Wirksamkeit. Durch intensive Forschung und klinische Studien konnten jedoch zahlreiche neue Medikamente entwickelt werden, die es heute ermöglichen, die Erkrankung bei vielen Patienten zum Stillstand zu bringen.

Ähnliche Fortschritte werden auch im Bereich der Alzheimer-Forschung erwartet. Es wird vermutet, dass die aktuellen Medikamente bei bestimmten Patientengruppen besser wirken als bei anderen. In den kommenden Jahren wird es darum gehen, herauszufinden, in welchen Fällen die Medikamente anschlagen und wie sie verändert werden können, um auch bei anderen Patientengruppen ähnliche Erfolge zu erzielen.

Bedeutung der Studienteilnahme

Die Teilnahme an Alzheimer-Studien ist von großer Bedeutung, um die Forschung voranzutreiben und neue Therapien zu entwickeln. Betroffene haben dadurch die Möglichkeit, frühzeitig Zugang zu innovativen Medikamenten zu erhalten und einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität zukünftiger Patienten zu leisten.

Prof. Oschmann rät Betroffenen, die Chance zur Studienteilnahme wahrzunehmen, da schwerwiegende Nebenwirkungen laut bisheriger Erfahrungen nicht zu erwarten sind. Für Patientinnen und Patienten, die bereits an Alzheimer leiden, wenn auch in einem sehr frühen Stadium, ist die Studie damit die derzeit beste Chance, ein Medikament zu erhalten, das eine realistische Aussicht bietet, Alzheimer in seiner Ursache zu behandeln.

Unterstützung durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) unterstützt die wissenschaftliche Forschung im Bereich Demenz und bietet Betroffenen und Angehörigen umfassende Informationen und Beratung. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus und unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise durch die Bereitstellung von Expertenwissen in Projektbeiräten.

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