Sulcus Ulnaris Syndrom und Sport: Ursachen, Symptome und Behandlung

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnel-Syndrom, ist eine Nervenkompressionserkrankung, die den Nervus ulnaris am Ellenbogen betrifft. Dieser Nerv versorgt einen Teil der Handmuskulatur und leitet das Gefühl an der Handkante, am kleinen Finger und einer Hälfte des Ringfingers weiter. Die anatomische Knochenrinne, durch die der Nerv am Ellenbogen verläuft, wird als "Sulcus ulnaris" bezeichnet.

Ursachen des Sulcus-Ulnaris-Syndroms

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Druckeinwirkung am Ellenbogen: Zu langes Auflegen des Ellenbogens an der Tischkante bei der Arbeit am Computer oder andere Gewohnheiten, die mit einer Druckeinwirkung am inneren Ellenbogen einhergehen, können den Nervus ulnaris reizen und schädigen.
  • Anatomische Enge: In manchen Fällen liegt eine anatomische Enge vor, wodurch der Nerv beim Eintritt in die Unterarmmuskulatur geschädigt wird. Dies wird als Kubitaltunnel-Syndrom bezeichnet.
  • Sportliche Betätigung: Bestimmte sportliche Aktivitäten, die wiederholte oder anhaltende Beugung des Ellenbogens erfordern, können das Risiko eines Sulcus-ulnaris-Syndroms erhöhen.
  • Trauma: Ein Trauma am Ellenbogen, wie z.B. ein Bruch oder eine Luxation, kann den Nervus ulnaris schädigen.

Symptome des Sulcus-Ulnaris-Syndroms

Die Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms können variieren, umfassen aber typischerweise:

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Taubheitsgefühl und Kribbeln im kleinen Finger und der ulnaren Hälfte des Ringfingers sind häufige Symptome. Diese Empfindungen können sich bis in die Handkante ausbreiten.
  • Schmerzen: Schmerzen am Ellenbogen, die sich bis in den Unterarm und die Hand ausbreiten können.
  • Schwäche: Schwäche der Handmuskulatur, insbesondere beim Greifen oder Abspreizen der Finger. Dies kann sich als Schwierigkeit beim "Fingerhakeln" mit dem kleinen Finger äußern.
  • Koordinationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten bei der Koordination der Finger, insbesondere bei feinen motorischen Aufgaben.

Fallbeispiel: Ein 29-jähriger Computerspielentwickler suchte aufgrund von Taubheitsgefühlen im Ringfinger und kleinen Finger seiner rechten Hand, die seit zwei Wochen andauerten, ärztliche Hilfe. Er bemerkte, dass sich das Taubheitsgefühl bei der Arbeit am Computer verschlimmerte. Bei der Untersuchung wurden auch ein Taubheitsgefühl an der rechten Handkante und eine leichte Schwäche beim versuchten "Fingerhakeln" mit dem kleinen Finger rechts festgestellt.

Diagnose des Sulcus-Ulnaris-Syndroms

Die Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms basiert in der Regel auf einer körperlichen Untersuchung, der Anamnese des Patienten und gegebenenfalls elektrophysiologischen Tests wie der Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG). Die körperliche Untersuchung umfasst die Beurteilung der Sensibilität, der Motorik und der Reflexe in der betroffenen Hand und dem Arm. Die NLG kann helfen, die Funktion des Nervus ulnaris zu beurteilen und den Ort der Kompression zu lokalisieren.

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Konservative Behandlung

In vielen Fällen kann das Sulcus-ulnaris-Syndrom konservativ behandelt werden. Zu den konservativen Maßnahmen gehören:

  • Vermeidung von Druck: Vermeiden Sie es, den Ellenbogen auf harten Oberflächen abzustützen. Legen Sie stattdessen den Unterarm am Schreibtisch auf.
  • Ellenbogenpolster: Das Tragen eines Ellenbogenpolsters, insbesondere nachts, kann unwillkürliche Druckeinwirkungen vermeiden und dem Nerv eine Erholung ermöglichen. Es wird empfohlen, das Ellenbogenpolster für 4-6 Wochen zu tragen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit des Ellenbogens zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Nervenfunktion zu fördern.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
  • Injektionen: In einigen Fällen können Kortikosteroidinjektionen in den Kubitaltunnel verabreicht werden, um Entzündungen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.

In der Regel bessern sich die Symptome durch diese Maßnahmen von selbst, allerdings kann es Wochen bis Monate dauern, bis die Gefühlsstörung wieder vollständig verschwunden ist.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Operation erforderlich sein. Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms, darunter:

  • Dekompression des Nervus ulnaris: Bei diesem Verfahren wird der Druck auf den Nervus ulnaris im Kubitaltunnel reduziert. Dies kann durch die Entfernung von Gewebe, das auf den Nerv drückt, oder durch die Verlagerung des Nervs an eine andere Stelle erfolgen.
  • Epikondylektomie: Bei diesem Verfahren wird ein Teil des Epicondylus medialis, des Knochenvorsprungs an der Innenseite des Ellenbogens, entfernt, um den Druck auf den Nervus ulnaris zu reduzieren.
  • Transposition des Nervus ulnaris: Bei diesem Verfahren wird der Nervus ulnaris von seiner ursprünglichen Position hinter dem Epicondylus medialis an eine neue Position vor dem Epicondylus medialis oder unter die Muskeln des Unterarms verlagert.

Die Wahl des operativen Verfahrens hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Sulcus-ulnaris-Syndroms ab.

Sportorthopädische Aspekte

Im Bereich der Sportorthopädie ist es wichtig, die spezifischen Belastungen und Risiken für Sportler zu berücksichtigen, die ein Sulcus-ulnaris-Syndrom entwickeln. Sportarten, die wiederholte Ellenbogenbeugung oder direkten Druck auf den Nervus ulnaris beinhalten, können das Risiko erhöhen. Dazu gehören beispielsweise:

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  • Tennis und Golf: Wiederholte Schwungbewegungen können den Ellenbogen belasten und den Nervus ulnaris reizen.
  • Baseball und Speerwurf: Diese Sportarten erfordern kräftige Überkopfbewegungen, die den Ellenbogen belasten können.
  • Gewichtheben: Das Heben schwerer Gewichte kann zu einer Kompression des Nervus ulnaris führen.
  • Radsport: Längeres Abstützen auf dem Lenker kann Druck auf den Ellenbogen ausüben.

Präventive Maßnahmen für Sportler:

  • Ergonomische Anpassungen: Stellen Sie sicher, dass die Ausrüstung und die Technik korrekt sind, um unnötigen Druck auf den Ellenbogen zu vermeiden.
  • Aufwärmen und Dehnen: Vor dem Training oder Wettkampf sollten die Muskeln und Sehnen des Arms und Ellenbogens ausreichend aufgewärmt und gedehnt werden.
  • Krafttraining: Stärken Sie die Muskeln, die den Ellenbogen stabilisieren, um die Belastung des Nervus ulnaris zu reduzieren.
  • Pausen: Machen Sie regelmäßige Pausen, um den Ellenbogen zu entlasten.
  • Schutzausrüstung: Tragen Sie bei Bedarf Ellenbogenschützer oder Polster, um den Nervus ulnaris vor direkten Stößen zu schützen.

Weitere Erkrankungen im orthopädischen Bereich

Neben dem Sulcus-ulnaris-Syndrom gibt es zahlreiche weitere Erkrankungen im orthopädischen Bereich, die Patienten betreffen können. Dazu gehören:

  • Kniegelenk: Meniskusverletzungen, vordere Kreuzbandruptur (ACL), Kreuzbandrevision, hintere Kreuzbandruptur (PCL), Seitenbandverletzungen, Kniescheibenluxation, Knorpelschaden, Arthrose.
  • Schultergelenk: Ausgekugelte Schulter (Schulterluxation), Engpass-Syndrom der Schulter (Impingement), Kalkschulter (Tendinitis calcarea), Rotatorenmanschettenläsion, Schmerzen der Bizepssehne, Schulterarthrose (Omarthrose), Schultersteife (Frozen Shoulder).
  • Wirbelsäule: Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps), Rückenschmerzen, ISG-Syndrom, Spinalkanalstenose, Lumbalsyndrom (Lendenwirbelsäulensyndrom).
  • Kinderorthopädie: Fußfehlstellungen, Hüftgelenkserkrankungen, Osteochondrosis dissecans, Skoliose, Wachstumsschmerzen, X- und O-Beine.
  • Sportorthopädie: Akute Muskel- und Sehnenverletzung, Sportlerleiste, Läuferknie (Tractus-iliotibialis-Syndrom), Patellaspitzensyndrom, Sprunggelenkverstauchung (OSG-Distorsion), Achillodynie, CAM-Impingement, Werferschulter.
  • Weitere: Osteoporose und Knochenstoffwechsel.

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