Der heilige Valentin ist weithin als Schutzpatron der Liebenden bekannt. Doch seine Bedeutung reicht tiefer, denn seit dem Mittelalter wird er auch als Schutzpatron gegen Epilepsie verehrt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Facetten des Heiligen Valentin, seine Rolle als Schutzpatron der Epilepsie und die Veränderungen in der Verehrung im Laufe der Jahrhunderte.
Valentinstag: Mehr als nur Blumen und Herzen
Der Valentinstag, der jährlich am 14. Februar gefeiert wird, ist heute vor allem für Blumen, Pralinen und romantische Gesten bekannt. Ursprünglich fußt der Valentinstag auf heidnischen Bräuchen. Der Tag geht zurück auf den Gedenktag für die heidnische Göttin Juno, die als Schützerin von Ehe und Familie galt. Ihr wurden beim sogenannten Lupercalia-Fest am 14. Februar Blumen geopfert, und Paare wurden per Lotterie für ein Jahr verbandelt.
Im Mittelalter passte der Klerus Feiertage und Bräuche an den christlichen Glauben an. Da der 14. Februar fast mit dem Todestag des heiligen italienischen Bischofs Valentin von Terni zusammenfiel, wurde die Kirche nach ihm benannt. Um ihn rankten sich später Legenden, wonach er Liebespaaren Blumen schenkte und Soldaten riet, bei den Frauen zu bleiben, anstatt in den Krieg zu ziehen.
Der Valentinstag, wie wir ihn heute kennen, hat sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland etabliert. Amerikanische Soldaten brachten den Brauch aus den USA mit, wo er bereits eine lange Tradition hatte. 1950 fand in Nürnberg der erste "Valentinsball" statt, und der Valentinstag war eingeführt.
Valentin als Schutzpatron der Epilepsie
Neben seiner Rolle als Schutzpatron der Liebenden wird Valentin seit dem Mittelalter auch als Schutzpatron gegen Epilepsie verehrt. Im Volksmund wurde Epilepsie früher auch als "fallende Krankheit" oder "Valentinsplage" bezeichnet.
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Gerhard Kluger, Kinderarzt in Vogtareuth bei Rosenheim und Freizeit-Valentinsforscher, fand heraus, dass Valentin diese Ehre ohne eigenes Zutun zuteilwurde. "Weil das, was ähnlich klingt, im Volksmund auch ähnliches bedeutet, wurde Valentin - Fall net hin - zum Schutzpatron gegen die fallende Krankheit", so Kluger. Als Gegenmittel diente der Beifuß, in vielen Gegenden als Valentinskraut bekannt.
Stoffmützen mit dem Abbild des Sankt Valentin, sogenannte Fraisenhäubchen, sollten Säuglinge vor fiebrigen Krämpfen schützen. Im Alpenraum ist "Fraisen" ein gebräuchlicher Begriff für epileptische Anfälle. Leidet man darunter ist man "in dFroas gfalln".
Ursprung des Patronats
Der wichtigste "Epilepsiespezialist" in der 40-köpfigen Patronatsschar war (zumindest im deutschsprachigen Raum) der Heilige Valentin - wahrscheinlich wegen seines Namens: ‚Valentin - fall net hin!’ Die Person dieses Heiligen historisch zu fassen, ist nicht ganz einfach - es gibt mehrere Heilige dieses Namens. Die beiden wichtigsten - insbesondere auch im Hinblick auf das Epilepsiepatronat - waren der Heilige Valentin von Terni, der um 270 n. Chr. in Rom als Bischof von Interamna (dem heutigen Terni) den Märtyrer-Tod starb, und der Heilige Valentin von Rätien oder Passau, der etwa 200 Jahre nach dem erstgenannten als Wanderbischof zwischen Donau und Alpen unterwegs war. Die Legenden dieser beiden Valentine haben sich seit dem 9. Jahrhundert vermischt, und nicht immer kann zweifelsfrei geklärt werden, welchem der beiden Heiligen eine bestimmte Abbildung oder Skulptur zuzuordnen ist.
Ikonographische Darstellungen
Bildnerische Darstellungen (Malerei, Skulptur) des Heiligen Valentin als ‚Fallsucht-Patron’ finden sich im mitteleuropäischen Raum vor allem aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. In der Pfarrkirche St. Andreas in Karlstadt am Main kann man jedoch neben dem südlichen Torbogen, der zum Chorumgang führt, ein Fresko aus der Mitte des 15. Jahrhunderts entdecken, das den Bischof Valentin als Schutzpatron der Epilepsiekranken darstellt.
Diese Darstellungen zeigen oft den Heiligen Valentin in bischöflicher Kleidung, segnend über einem Menschen, der am Boden liegt und einen epileptischen Anfall hat. Die Anfallsymptomatik ist dabei unterschiedlich gestaltet, was auf den medizinischen Wissenstand der jeweiligen Epoche schließen lässt.
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Lukas Cranach d. Ä. (1472-1553) hat sich in seinen Werken immer wieder der Person des Heiligen Bischofs Valentin von Terni und dessen Patronat über die Epilepsie zugewandt. 1509 hat Cranach für das ‚Wittenberger Heiltumsbuch’ zahlreiche Holzschnitte angefertigt, u. a. auch vom Hl. Valentin. Dargestellt ist der stehende Heilige in kostbarem Bischofsornat. Er wendet sich in leicht gebeugter Haltung einem auf dem Boden liegenden Kranken zu. Bei dem Liegenden handelt es sich offensichtlich um einen Epilepsiekranken im Augenblick eines Anfallsgeschehens. Der sichtbare linke Arm ist steif vom Körper weggestreckt, die Hand ist geöffnet, die Beine sind in den Kniegelenken gebeugt; der Körper ist in einem angedeuteten ‚arc de cercle’ nach oben gekrümmt - eine Position, die man eigentlich eher mit dem ‚hysterischen Anfall’ verbindet. Der Künstler möchte aber mit der Darstellung des aus dem Mund quellenden Schaums keinen Zweifel an der Diagnose ‚Fallsucht’ aufkommen lassen.
Volksmedizinische Praktiken
Die Verehrung des Heiligen Valentin als Schutzpatron der Epilepsie war oft mit volksmedizinischen Praktiken verbunden. So glaubte man beispielsweise, dass das Tragen von Stoffmützen mit dem Abbild des Heiligen (Fraisenhäubchen) Säuglinge vor fiebrigen Krämpfen schützen konnte.
In einigen Regionen wurde der Beifuß als "Valentinskraut" gegen Epilepsie eingesetzt. Auch das Berühren der Statue des Heiligen mit Zweigen von auf dem Kirchhof wachsenden Eiben und das anschließende Kochen von Tee daraus sollte gegen die Fallsucht helfen.
Weitere Epilepsie-Schutzheilige
Neben dem Heiligen Valentin wurden auch andere Heilige um Hilfe gegen Epilepsie angerufen, darunter die Heilige Anastasia. Anastasia hatte im Mittelalter eine große Bedeutung als "Kopfheilige", also als Helferin gegen unterschiedliche Krankheiten und Leiden im Kopfbereich.
Der Heilige Valentin im Wandel der Zeit
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Verehrung des Heiligen Valentin gewandelt. Während er im Mittelalter vor allem als Schutzpatron gegen Epilepsie verehrt wurde, rückte in der Neuzeit seine Rolle als Schutzpatron der Liebenden in den Vordergrund.
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Streichung aus dem Kirchenkalender
Aus dem kirchlichen Heiligenkalender wurde Valentin 1970 gestrichen. Doch das tut seinem Bekanntheitsgrad keinen Abbruch.
Heutige Bedeutung
Heute ist der Heilige Valentin vor allem durch den Valentinstag bekannt, der als kommerzielle Erscheinung von Floristen und anderen Händlern genutzt wird. Die Verehrung des Heiligen als Schutzpatron der Epilepsie ist hingegen in den Hintergrund getreten.
Dennoch gibt es auch heute noch Menschen, die den Heiligen Valentin als Fürsprecher bei Epilepsie anrufen. Gerhard Kluger gründete mit elf anderen Kinder- und Jugendärzten aus ganz Deutschland einen "Valentinskreis", um die Bedeutung des Heiligen Valentin als Schutzpatron der Epilepsie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
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