Muskelschwäche in den Beinen kann viele Ursachen haben, von harmlosen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen schwacher Beine, wobei der Fokus auf den Zusammenhängen von Nerven, Muskeln und möglichen Erkrankungen liegt. Er bietet einen umfassenden Überblick, der sowohl für medizinische Laien als auch für Fachleute verständlich ist.
Einführung
Schwache Beine können sich als allgemeines Schwächegefühl, Instabilität oder Kraftverlust äußern. Die Ursachen können vielfältig sein und sowohl die Muskulatur selbst als auch die Nerven, die die Muskeln steuern, betreffen. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu ermitteln, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.
Muskuläre Ursachen
Muskelschwund (Muskelatrophie)
Muskelschwund, auch Muskelatrophie genannt, bezeichnet die Abnahme der Muskelmasse. Es ist ein Symptom, das durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann.
- Bewegungsmangel: Längere Inaktivität, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei sitzenden Tätigkeiten, führt zum Abbau von Muskelmasse. Der Körper baut Muskeln ab, die nicht beansprucht werden.
- Alter: Im Alter nimmt die Muskelmasse auf natürliche Weise ab. Dies kann durch veränderte Lebensgewohnheiten wie Appetitlosigkeit und mangelnde Bewegung verstärkt werden.
- Mangelernährung: Eine unzureichende Zufuhr von Nährstoffen, insbesondere Eiweiß, kann zu Muskelschwund führen.
- Muskelerkrankungen: Verschiedene neuromuskuläre Erkrankungen, die oft als Muskelschwund bezeichnet werden, können zu einer Abnahme der Muskelmasse führen. Diese Erkrankungen können unterschiedliche Muskelgruppen betreffen oder den gesamten Körper erfassen.
Muskelerkrankungen
Unter Muskelkrankheiten versteht man alle neuromuskulären Erkrankungen. Der Begriff Muskelschwund beschreibt ein wesentliches Krankheitszeichen, das bei diesen sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen auftritt. Dieses Symptom kann auf wenige Muskelgruppen begrenzt bleiben oder auch - je nach Erkrankungsform - die gesamte Muskulatur erfassen.
Erschöpfung und Überanstrengung
- Erschöpfung: Wenn die Muskeln nicht so leistungsfähig sind wie gewohnt, kann Erschöpfung die Ursache sein, beispielsweise durch intensives Training oder Schlafmangel. Diese Muskelschwäche ist jedoch vorübergehend.
- Muskelkater: Nach intensiver sportlicher Betätigung, insbesondere bei Sportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen, ist es normal, dass die Beinmuskulatur zunächst geschwächt ist.
Durchblutungsstörungen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Bei der PAVK werden Arme und Beine nicht mehr ausreichend durchblutet, was zu Sauerstoff- und Nährstoffmangel in Muskeln und Nerven führt. Dies kann zu Schwäche und Schmerzen beim Gehen führen.
- Herzerkrankungen, Blutarmut, Stoffwechselerkrankungen: Diese Erkrankungen können ebenfalls Durchblutungsstörungen verursachen und somit die Muskeln schwächen.
Elektrolytstörungen
Ein Mangel oder Überschuss an Elektrolyten wie Kalium und Magnesium, die für die Muskelanspannung wichtig sind, kann ebenfalls zu Muskelschwäche führen.
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Nervliche Ursachen
Neurologische Erkrankungen
- Schlaganfall, Hirnblutungen, Nervenerkrankungen: Diese Erkrankungen beeinträchtigen die Ansteuerung der Muskeln durch das Gehirn. Obwohl die Muskeln selbst nicht direkt geschädigt sind, können sie nicht mehr wie gewohnt angespannt werden.
- Multiple Sklerose (MS), Parkinson-Krankheit, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Schwächegefühl und Gangunsicherheit sind bekannte Folgen dieser strukturellen, degenerativen und entzündlichen Erkrankungen. Eine fundierte neurologische Abklärung ist hier unerlässlich.
- Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS): Diese seltene Erkrankung äußert sich vor allem durch Schwäche in den Beinen (und Schultern). Sie entsteht entweder durch eine bestimmte Form von Lungenkrebs oder durch eine Störung im Immunsystem. Die Nervenenden können ihre Funktion dann nicht mehr wie gewohnt erfüllen und geben Signale nur noch in abgeschwächter Form an den Muskel weiter.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): ALS ist eine schwere, bisher nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Dabei verlieren die motorischen Nervenzellen, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind, fortschreitend ihre Funktion. Die geschädigten motorischen Nervenzellen (Motoneurone) befinden sich im Gehirn und im Rückenmark. Der Abbau von Nervenzellen (Neurodegeneration) stellt sich für Menschen mit ALS vor allem als Kraftminderung und Muskelschwäche, Muskelschwund oder Steifigkeit dar.
Polyneuropathie
Polyneuropathie ist eine Schädigung der peripheren Nerven, die verschiedene Ursachen haben kann. Die häufigste Ursache ist Diabetes mellitus, aber auch Alkoholmissbrauch, Chemotherapie, Medikamente oder Autoimmunerkrankungen können eine Polyneuropathie verursachen.
- Auswirkungen auf die Muskeln: Die Schädigung der motorischen Nerven führt zu Störungen und Ausfällen der Muskeln, was sich in Muskelzuckungen, Muskelkrämpfen, Lähmungen, Muskelschwäche und Muskelschwund äußern kann.
- Sekundäre Muskelschwäche: Die Nervenschädigung kann auch zu Ausfallerscheinungen, Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen führen, was wiederum eine Schonhaltung und mangelnde Bewegung zur Folge hat und die Muskeln schwächt.
Myasthenia Gravis
Myasthenia gravis ist eine entzündlich neuromuskuläre Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche führt. Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, es existieren jedoch medikamentöse Therapien, die durch eine Verbesserung der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel die Symptome der Erkrankung lindern können.
Sensomotorische Amnesie und Myofasziale Dysfunktion
Die therapeutische Praxis der Pohltherapie® zeigt, dass Gangunsicherheit und Schwächegefühl auch auf funktionelle Störungen zurückzuführen sein können: auf sensomotorische Amnesie und myofasziale Dysfunktionen. Hierbei können Patienten mit und ohne neurologische Erkrankungen - darunter viele mit Polyneuropathie - von der Pohltherapie® profitieren. Bei Polyneuropathie führen Schädigungen peripherer Nerven häufig zu Missempfindungen, Taubheitsgefühlen und verminderter Muskelkontrolle.
Psychische Ursachen
- Psychosomatische Ursachen: Muskelschwäche kann auch psychisch bedingt sein. Depressionen gehen häufig mit Antriebslosigkeit und einem Gefühl von Abgeschlagenheit einher.
- Chronisches Erschöpfungssyndrom: Die dauerhafte Erschöpfung, unter der die Betroffenen leiden, lässt sich weder durch eine körperliche noch durch eine psychische Erkrankung erklären.
Weitere Ursachen
- Infektionskrankheiten: Grippe, HIV, Pfeiffersches Drüsenfieber und Hepatitis C können die Leistungsfähigkeit der Muskeln vorübergehend einschränken.
- Medikamente und Drogen: Muskelschwäche kann als Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z. B. Statine, einige Antibiotika) oder Drogen auftreten.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl Schilddrüsenüberfunktion als auch Schilddrüsenunterfunktion können Muskelschwäche verursachen.
- Krebserkrankungen: Krebserkrankungen können ebenfalls mit Muskelschwäche einhergehen.
- Fibromyalgie: Diese Erkrankung führt vor allem zu Muskelschmerzen, kann aber auch mit Muskelschwäche verbunden sein.
Symptome der Muskelschwäche
Die Symptome einer Muskelschwäche hängen davon ab, welche Muskeln betroffen sind. Mögliche Symptome sind:
- Gangunsicherheit
- Schwierigkeiten beim Greifen
- Schnelle Ermüdbarkeit bei Bewegung
- Unfähigkeit, bestimmte Bewegungen auszuführen
- Bewegungen können nicht mit voller Kraft ausgeführt werden
- Sprech- und Schluckbeschwerden
- Schwere Augenlider
Diagnose
Die Diagnose von Muskelschwäche erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme stellen. Die körperliche Untersuchung umfasst die Prüfung der Muskelkraft, Reflexe und Sensibilität.
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Zusätzlich können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
- Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung von Elektrolytwerten, Schilddrüsenfunktion, Entzündungswerten und anderen Parametern.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Elektroneurographie): Zur Messung der Funktion der peripheren Nerven.
- Elektromyographie (EMG): Zur Messung der Muskelaktivität.
- Bildgebende Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie): Zum Ausschluss von strukturellen Ursachen wie Bandscheibenvorfällen oder Tumoren.
- Muskelbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Muskelbiopsie erforderlich sein, um die Ursache der Muskelschwäche zu bestimmen.
- Quantitative Sensorische Testung: Zur Messung des Temperaturempfindens und zur Erkennung von Schädigungen der Nervenfasern.
- Hautbiopsie: Zur Untersuchung von Gewebeproben bei Verdacht auf Small-Fiber-Neuropathien.
Behandlung
Die Behandlung von Muskelschwäche richtet sich nach der Ursache.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
- Physiotherapie: Gezielte Physiotherapie kann die Muskelkraft und Koordination verbessern.
- Ergotherapie: Bei Muskelschwäche in den Händen kann Ergotherapie die Funktionen der Hände verbessern.
- Medikamentöse Therapie: Je nach Ursache können Medikamente zur Schmerzlinderung, Muskelentspannung oder zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß ist wichtig für den Muskelaufbau und die Muskelfunktion. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige Bewegung und Sport können die Muskelkraft und Ausdauer verbessern. Geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Nordic Walking sowie sanfte Sportarten wie Pilates oder Yoga.
- Pohltherapie®: Bei funktionellen Störungen kann die Pohltherapie® durch Bindegewebsmassagen und Körperwahrnehmungstechniken helfen, Verspannungen zu lösen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.
- Immuntherapie: Am Deutschen Zentrum Immuntherapie kann die Erkrankung in interdisziplinärere Zusammenarbeit mit den beteiligten Kliniken zudem mittels Immuntherapie behandelt werden. Bei dieser kommen spezielle Immuntherapeutika zum Einsatz, die die Bildung schädigender Antikörper unterdrücken.
- Elektrotherapie: Dabei werden die Nerven mit elektrischen Impulsen stimuliert und die Schmerzen können gelindert werden.
Spezielle Aspekte: Schwächegefühl in den Beinen ohne medizinischen Befund
Viele Menschen klagen über Schwächegefühle in den Beinen, obwohl keine medizinische Ursache gefunden werden kann. Oft haben sie Angst vor einer unentdeckten schweren Erkrankung. Entgegen der landläufigen Meinung ist der Mangel an Kraft in den Beinen und das Schwächegefühl nicht unbedingt auf zu schwache Muskulatur zurückzuführen. In solchen Fällen können sensomotorische Amnesie und myofasziale Dysfunktionen eine Rolle spielen.
Alltagsgewohnheiten und Fehlhaltungen
Meistens entstehen Schwächegefühle in den Beinen durch Alltags-Gewohnheiten, von denen man im Allgemeinen selbst keine Ahnung hat, weil im Gehirn eine Sensomotorische Amnesie entstanden ist. Eine solche Gewohnheit ist zum Beispiel das Stehen mit dem Gewicht auf einem Bein. Auch falsche Sitzgewohnheiten können zu ständig gebeugten Knien und einem kleinschrittigen Gang führen. Die Pohltherapie® kann hier helfen, diese Gewohnheiten zu erkennen und zu verändern.
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