Meningeome sind Tumore, die von den Meningen ausgehen, den drei Membranen, die Gehirn und Rückenmark umhüllen. Sie machen etwa 36 % aller Tumore des zentralen Nervensystems (ZNS) aus und treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf. Obwohl die meisten Meningeome gutartig und langsam wachsend sind, können sie aufgrund ihrer Lage und ihrer potenziellen Auswirkungen auf das umliegende Hirngewebe erhebliche Risiken bergen, insbesondere während der Schwangerschaft.
Was ist ein Meningeom?
Meningeome sind in der Regel gutartige Neubildungen, die von den Hirnhäuten ausgehen, die Gehirn und Rückenmark umhüllen. In 90 % der Fälle handelt es sich um langsam wachsende Tumoren, die gutartig sind. Es gibt jedoch auch seltene aggressive Meningeom-Untergruppen, die eine sehr hohe Rezidivrate und rasches Wachstum zeigen. Mit 35 % zählen Meningeome zu den häufigsten Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS). Jährlich erkranken etwa 6 von 100.000 Einwohnern.
Meningeome entstehen überall, wo Hirnhäute vorkommen. Demnach können Meningeome an vielen unterschiedlichen Stellen entstehen und, je nach Lokalisation, ein breites Spektrum an Symptomen verursachen. Die Symptome eines Meningeoms hängen davon ab, wo der Tumor entstanden ist und welche Regionen des Gehirns er in Mitleidenschaft zieht. Mittellinientumoren können bei älteren Patienten zudem eine Demenz mit wenigen anderen fokalen neurologischen Defiziten verursachen.
Ursachen und Klassifikation
Die meisten Meningeome entstehen ohne spezielle Ursache. Am häufigsten sind genetische Veränderungen bestimmter Tumorsuppressorproteine verantwortlich. Diese Proteine sind dafür zuständig, die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sich aus einer Zelle eine Tumorzelle entwickelt.
Meningeome werden - wie alle Hirntumoren - auf ihre individuellen Eigenschaften untersucht und dann klassifiziert. Zudem weisen sie eine intensive Kontrastmittelaufnahme auf. Eine Computertomografie (CT) nach Kontrastmittelgabe kann den Tumor sehr gut nachweisen. Die Diagnose wird in der Regel durch eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie des Schädels gestellt. Obwohl die typische Struktur in der Bildgebung eine relativ genaue Verdachtsdiagnose erlaubt, kann eine endgültige pathologische Diagnose nur durch die operative Entnahme einer Gewebeprobe gestellt werden. Nur so können Meningeome histopathologisch nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ZNS-Tumore eingeteilt werden (Louis et al. 2016). Diese ist entscheidend für die weitere Behandlung und Abschätzung der Prognose:
Lesen Sie auch: Hilfe bei Krämpfen in der Schwangerschaft
- WHO Grad I: gutartig
- WHO Grad II: gutartig mit höherer Rezidivrate
- WHO Grad III: stärkeres/aggressives Wachstum
Meningeome und Geschlecht
Frauen haben doppelt so häufig Meningeome wie Männer. Dies scheint mit dem weiblichen Hormonhaushalt zusammenzuhängen, da einige Meningeome Rezeptoren für Progesteron und Östrogen ausbilden. Demnach kann es auch zu hormonabhängigen Größenänderungen kommen (z.B. bei dieser Subgruppe von Meningeomen während der Schwangerschaft zu einer schnelleren Größenzunahme oder nach den Wechseljahren zu einem Stillstand des Tumorwachstums).
Das Risiko von Meningeomen während der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft kann das Wachstum der Meningeome beschleunigt verlaufen. Es gibt dazu Studien aus verschiedenen Ländern, die das zumindest teilweise bestätigen. Mit "Antihormonen" lässt sich das nicht verhindern, auch das wurde z.B. Da spielt es leider keine Rolle, dass Dein Meningeom vollständig entfernt ist.
Der PRAC rät bei der Anwendung von Hormonpräparaten mit Chlormadinon und Nomegestrol zu besonderer Vorsicht. Konkret kam der Risikoausschuss zu dieser neuen Einschätzung, nachdem er zwei epidemiologische Studien aus Frankreich und zudem Sicherheitsdaten über Nebenwirkungen, die seit Zulassung der Gestagen-haltigen Arzneimittel fortlaufend erhoben werden, analysiert hatte: „Diese Daten haben gezeigt, dass das Risiko für Meningeome mit zunehmender Dosis und Behandlungsdauer steigt“, schreibt der PRAC. Dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer Behandlung mit hochdosiertem Chlormadinon oder Nomegestrol und Meningeomen vorliegt, passt auch zu der Beobachtung, dass nach Absetzen der Gestagene die Meningeome wieder kleiner wurden. Bei hochdosiertem Chlormadinon denkt der PRAC an tägliche Dosen von 5 mg bis 10 mg und bei Nomegestrol von 3,75 mg bis 5 mg.
Ein möglicher Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und Meningeomen ist seit langem bekannt und zeige sich darin, dass vorwiegend Frauen (und weniger Männer) ein Meningeom entwickeln und dass auch eine Schwangerschaft das Wachstum eines Meningeoms beschleunigen könne. Nach Entbindung nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit hingegen wieder ab. In 60 bis 80 Prozent der Meningeome ließen sich zudem Progesteronrezeptoren im Tumorgewebe nachweisen, was auch von der Lokalisation des Tumors abhängt. So sollen vor allem Meningeome an der Schädelbasis über viele Progesteronrezeptoren verfügen, was den Wissenschaftlern der französischen Studie zufolge auch zu ihrer Beobachtung passt: Unter Nomegestrolacetat (3,75 mg bis 5 mg) und Chlormadinonacetat (5 mg bis 10 mg) herrschten Meningeome der Schädelbasis vor.
Mögliche Komplikationen
Ein Meningeom kann während der Schwangerschaft verschiedene Komplikationen verursachen, darunter:
Lesen Sie auch: Was tun bei Bauchkrämpfen in der Schwangerschaft?
- Zunahme der Symptome: Bestehende Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schwäche können sich verschlimmern.
- Neurologische Ausfälle: Je nach Lage des Tumors können neue neurologische Ausfälle auftreten.
- Erhöhter Hirndruck: Ein wachsender Tumor kann den Hirndruck erhöhen, was zu Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen führen kann.
- Beeinträchtigung der Schwangerschaft: In seltenen Fällen kann ein Meningeom die Schwangerschaft beeinträchtigen und zu Komplikationen wie Frühgeburt oder Kaiserschnitt führen.
Management von Meningeomen während der Schwangerschaft
Das Management von Meningeomen während der Schwangerschaft erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der Neurochirurgen, Neurologen und Geburtshelfer umfasst. Die Behandlungsstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, die Schwangerschaftswoche und der allgemeine Gesundheitszustand der Mutter.
Überwachung
Viele Meningeome sind asymptomatisch, so dass keine Behandlung notwendig wird. Eine regelmäßige MRT-Kontrolle reicht aus. Zufällig entdeckte Meningeome rufen oft keine Symptome hervor.
Konservative Behandlung
Bei kleinen, asymptomatischen Meningeomen kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst regelmäßige MRT-Kontrollen, um das Wachstum des Tumors zu überwachen.
Medikamentöse Therapie
Eine vielversprechende wirksame medikamentöse Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung.
Operation
Sollte sich hierbei eine eindeutige Wachstumstendenz zeigen, oder spezifische Symptome auftreten, wird eine Behandlung notwendig. Dann erfolgt die operative Entfernung des Meningeoms wodurch die Patienten in der Regel geheilt werden können. Die mikrochirurgische Resektion ist die bevorzugte Behandlungsmethode bei Meningeomen: Ziel des minimal-invasiven Eingriffs ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Da die Neurochirurgin oder der Neurochirurg dabei mit einer stark vergrößernden Sehhilfe arbeitet, ist eine hohe Präzision möglich und das Risiko, dass das umliegende Gewebe Schaden nimmt, ist sehr gering.
Lesen Sie auch: Sichere Schwangerschaft trotz Epilepsie
Strahlentherapie
Wenn eine Operation aufgrund der Lage des Meningeoms ein zu großes Risiko für den Patienten bedeutet, oder eine OP aufgrund eines schlechten Gesundheitszustandes nicht möglich ist, kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. Ebenso bei höhergradigen Meningeomen (WHO Grad II oder III). Die Bestrahlung ist eine häufige Behandlungsmethode bei Meningeomen. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine operative Entfernung des Tumors nicht möglich ist, oder wenn sich der Tumor bei einem mikrochirurgischen Eingriff nicht komplett entfernen ließ. Dabei gibt es zwei Therapieformen: Bei der sogenannten stereotaktischen Radiochirurgie wird der Tumor einmalig sehr präzise mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt. Das schont das umliegende gesunde Gewebe. Die fraktionierte Strahlentherapie verteilt die Gesamtdosis der Strahlung auf mehrere Sitzungen, was das Risiko von Nebenwirkungen reduzieren kann. In unseren Asklepios Kliniken bieten wir beide Methoden an.
Chemotherapie
Eine Chemotherapie, wie sie in der Krebstherapie angewendet wird, kommt bei Meningeomen seltener zum Einsatz, da diese Tumoren oft nicht besonders empfindlich auf chemotherapeutische Medikamente reagieren. Wenn aber Meningeome trotz einer Strahlentherapie schnell weiterwachsen oder wenn es sich doch um ein malignes, also um ein „bösartiges“ Meningeom handelt, kann eine Chemotherapie dabei helfen, das Tumorwachstum zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern. Bei Asklepios legen wir großen Wert darauf, mit Ihnen gemeinsam die für Sie beste Therapie zu finden. Dafür werden unsere Expert:innen mit Ihnen eingehend über mögliche Risiken, die Prognose und Erfolgsaussichten der verschiedenen Methoden sprechen.
Geburtsplanung
Die Geburtsplanung bei Schwangeren mit Meningeomen sollte individuell erfolgen. In vielen Fällen ist eine vaginale Geburt möglich. Allerdings kann ein Kaiserschnitt erforderlich sein, wenn der Tumor den Geburtskanal blockiert oder andere Komplikationen auftreten.
Prognose
Sollte eine Behandlung notwendig sein, ist die Prognose in den meisten Fällen gut, da es sich in über 90% um eine gutartige Tumorerkrankung handelt, die durch eine Operation geheilt werden kann. Ausnahmen sind seltene aggressive Meningeom-Untergruppen (WHO Grad III), die eine sehr hohe Rezidivrate und ein rasches Wachstum zeigen können. Problematisch sein können auch langsam-wachsende Meningeome (WHO Grad I oder II), die in unmittelbarer Nähe zu Nerven- und Gefäßstrukturen liegen und deren Entfernung schwierig ist. In diesen Fällen ist die interdisziplinäre Therapie in einem erfahrenen onkologischen Zentrum notwendig.
Überlegungen für Frauen mit Kinderwunsch
Wenn bei einer Frau im gebärfähigen Alter ein Meningeom diagnostiziert wird, sollte sie sich vor einer Schwangerschaft von einem multidisziplinären Team beraten lassen. Die Beratung sollte die potenziellen Risiken einer Schwangerschaft, die verfügbaren Behandlungsoptionen und die Auswirkungen der Behandlung auf die Fruchtbarkeit umfassen.
Ein rasches Wachstum eines Grad I Meningeoms durch eine Schwangerschaft ist eher unwahrscheinlich. Wenn der Tumor bislang nicht erneut gewachsen ist, ist er kein Argument gegen eine Schwangerschaft, nicht einmal gegen eine Geburt ohne Kaiserschnitt, wobei man da auf den Frauenarzt hören sollte. Ein MRT ohne Kontrastmittel führen die Radiologen je nach Indikation in der Schwangerschaft durch, in welcher Phase, muß man mit den Kollegen besprechen. Prof. Dr. med. Wenn ich Prof. Mursch richtig verstehe, ist ein Meningiom keine Kontraindikation für einen Kinderwunsch. Ein Abbruch ist ( zum Glück) deine ganz persönliche Lebensentscheidung. nach der Entfernung des Meningeoms wurde das Tumormaterial pathologisch untersucht. Dabei sollte auch festgestellt worden sein, ob es Hormonrezeptoren hat. Wenn welche gefunden wurden, ist es ganz evtl. Für die Schwangerschaft und die Entbindung ist das kein Problem.
Vermeidung von Hormonpräparaten mit Chlormadinon und Nomegestrol
Der PRAC empfiehlt nun, dass Ärzte diese beiden synthetischen Gestagene nur noch verordnen sollen, wenn sich andere Gestagene oder Maßnahmen für die Behandlung der vorliegenden gynäkologischen Beschwerden nicht eignen. Sodann sollen Patientinnen Chlormadinon und Nomegestrol in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzestmögliche Zeit anwenden. Zudem dürfen Patientinnen, die bereits an einem Meningeom leiden, weder Chlormadinon noch Nomegestrol erhalten. Für sinnvoll erachtet es der Risikoausschuss zudem, wenn Patientinnen unter Chlormadinon- beziehungsweise Nomegestrol-Therapie auf typische Meningeomsymptome überwacht werden, wie Sehveränderungen, Hörverlust oder Ohrensausen, Geruchsverlust, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Krampfanfälle und Schwäche in Armen oder Beinen. Lässt sich ein Meningeom nachweisen, müssen die Patientinnen ihre Chlormadinon- oder Nomegestrol-Therapie „dauerhaft“ absetzen. Der PRAC will zudem, dass alle Produktinformationen Chlormadinon- und Nomegestrol-haltiger Arzneimittel - so nicht bereits aufgeführt - über die mögliche Nebenwirkung der Gestagene informieren.
tags: #schwangerschaft #nach #meningeom