Schwedenkräuter: Wirkung und Anwendung – Ein umfassender Überblick

Schwedenkräuter, insbesondere der "Kleine Schwedenbitter", erfreuen sich großer Beliebtheit als traditionelles Hausmittel. Maria Treben (1907-1991), eine angesehene Kräuterkundige, trug maßgeblich zu ihrer Verbreitung bei. Ihr Kräuterfibel "Gesundheit aus der Apotheke Gottes" wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und ein Welterfolg. Das Rezept soll aus dem Nachlass des schwedischen Arztes Dr. Samst stammen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und wichtige Hinweise zu Schwedenkräutern.

Was sind Schwedenkräuter?

Schwedenkräuter sind eine Kräutermischung, die traditionell zur Herstellung eines alkoholischen Auszugs, des Schwedenbitters, verwendet wird. Es gibt verschiedene Rezepturen, darunter den "Kleinen" und den "Großen" Schwedenbitter. Die Zusammensetzung kann variieren, aber die Wirksamkeit wird ähnlich beschrieben.

Inhaltsstoffe des Kleinen Schwedenbitters (alte Rezeptur nach Maria Treben):

  • 10 g Aloe oder Enzianwurzel (alternativ Wermutpulver)
  • 5 g Myrrhe
  • 0,2 g Safran
  • 10 g Sennesblätter
  • 10 g Kampfer (Naturkampfer)
  • 10 g Zitwerwurzel
  • 10 g Manna
  • 10 g Theriak venezian (eine weitere Kräutermischung)
  • 5 g Eberwurzel
  • 10 g Angelikawurzel

Hinweis: Diese Rezeptur ist in freiverkäuflichen Kräutermischungen nicht immer erlaubt. Änderungen in der Zusammensetzung können aus lebensmittelrechtlichen Gründen erforderlich sein.

Wirkungsweise der Schwedenkräuter

Die Hauptwirkung der Schwedenkräuter wird auf die enthaltenen Bitterstoffe (Amara) zurückgeführt. Diese regen die Verdauung an, indem sie die Sekretion von Speichel, Magensaft, Gallenflüssigkeit und Bauchspeichel erhöhen. Dies kann Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Oberbauchbeschwerden lindern. Durch die verbesserte Aufschlüsselung der Nahrung und gesteigerte Resorption wird der gesamte Stoffwechselprozess optimiert und die Selbstheilungskräfte des Organismus unterstützt.

Weitere Wirkungen der einzelnen Inhaltsstoffe:

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  • Theriak: Geschätzt bei Erkrankungen der oberen Atemwege.
  • Eberwurz: Schweißtreibend.
  • Zittwerwurzel: Krampflösend und pilzvertreibend im Darm.
  • Angelikawurzel: Harntreibendes Blasen- und Nierenmittel.
  • Aloe: Dermatologisch hochwirksam, aktiviert Antikörper, Fress- und Killerzellen des Immunsystems.
  • Manna und Sennesblätter: Stuhlerweichend und abführend bei Verstopfung.
  • Natürlicher Kampfer: Regulierende Wirkung auf psychische und organische Über- und Unterfunktion, eingesetzt bei Schock, Ohnmacht sowie Herz- und Kreislaufproblemen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die einzelnen Inhaltsstoffe sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können.

Anwendungsgebiete von Schwedenkräutern

Traditionell werden Schwedenkräuter bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt. Die "Alte Handschrift" beschreibt 46 Punkte, bei denen die Tropfen zur Heilung eingesetzt werden können. Einige Anwendungsgebiete sind:

  • Verdauungsbeschwerden: Magenkrämpfe, Blähungen, Koliken, Appetitlosigkeit.
  • Äußerliche Anwendung: Hautentzündungen, Hautverbrennungen, Wundheilung, Narbenbehandlung (z.B. Blatternarben), Unterstützung der Gallenfunktion.
  • Weitere: Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, Augenentzündungen, grauer Star.

Wichtiger Hinweis: Viele der alten Anwendungsgebiete sind heute jedoch kritisch zu betrachten und wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Anwendung von Schwedenkräutern

Innerliche Anwendung

Die traditionelle Dosierungsempfehlung lautet, morgens und abends je einen Teelöffel Schwedenbitter verdünnt einzunehmen. Die Empfehlungen können jedoch variieren. Der Schwedenbitter kann verdünnt in Tee, Saft oder Wasser (100-200 ml) eingenommen werden, idealerweise ca. 15 Minuten vor den Mahlzeiten oder vor und nach den Mahlzeiten.

Äußerliche Anwendung

  • Einreibungen: Tinktur (eventuell verdünnt) auf die betroffene Stelle auftragen.
  • Umschläge: Leintücher oder Wattebäuschchen mit Tinktur tränken, auflegen, mit Kunststofffolie umhüllen und mit einem Handtuch bedecken. Mindestens 4 Stunden einwirken lassen.
  • Schwedenkräuter-Creme: Alternative zum Umschlag, einfacher in der Anwendung.

Anleitung für Schwedenbitter-Umschläge:

  1. Betroffene Hautstelle mit Ringelblumen-Balsam oder einer fetthaltigen Salbe einreiben.
  2. Wattestück oder Vliestuch mit Schwedenbitter befeuchten und auf die Stelle auflegen.
  3. Mit Haushaltsfolie oder Wachspapier umwickeln.
  4. Handtuch darüber legen.
  5. Einwirken lassen, solange es sich gut anfühlt (nicht über Nacht).

Weitere Anwendungen: Betupfen von Warzen, Hühneraugen, Narben, Altersflecken, Hautirritationen.

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Herstellung von Schwedenkräuter-Creme

Zutaten:

  • 30 ml Schwedenbitter-Tinktur
  • 60 ml Trägeröl (z.B. Mandelöl)
  • 10 g Lanolin-Anhydrid (Emulgator)

Zubereitung:

  1. Trägeröl und Lanolin-Anhydrid in einem Wasserbad bei ca. 50°C erwärmen und vermengen.
  2. Schwedenbitter-Tinktur in einem separaten Glas im Wasserbad erwärmen.
  3. Beide Gläser aus dem Wärmebad nehmen.
  4. Schwedenbitter-Tinktur langsam unter Rühren zum Öl-Lanolin-Gemisch geben.
  5. Weiter rühren, bis die Creme nur noch lauwarm ist.
  6. In ein Gefäß umfüllen und beschriften.

Wichtige Hinweise und Gegenanzeigen

  • Nebenwirkungen: Bei häufiger und anhaltender Verwendung können Durchfall oder allergische Reaktionen auftreten.
  • Kritik: Sennesblätter und Aloe können stark abführend wirken und bei regelmäßiger Anwendung zu Problemen führen (z.B. Erschlaffung der Darmmuskulatur).
  • Zweifelhafte Anwendungen: Die Behandlung von Brandblasen mit konzentriertem Alkohol oder die Anwendung bei Schwangerschaftsbeschwerden und Gelbsucht sind heute nicht mehr zeitgemäß.
  • Ersatz für Arztbesuch: Die Anwendung von Schwedenbitter ersetzt nicht den Arztbesuch!
  • Qualität der Kräuter: Die Qualität der verwendeten Kräuter ist entscheidend für die Wirksamkeit des Schwedenbitters.
  • Alkoholgehalt: Bei Umschlägen mit alkoholhaltigem Schwedenbitter kann es bei zu langer Einwirkzeit zu Hautreizungen kommen.
  • Vorsicht bei ätherischen Ölen: Bei bestimmten Grunderkrankungen wie Epilepsie und Asthma sollte vor der Anwendung von ätherischen Ölen ein Arzt konsultiert werden.

Brustwickel als Alternative bei Atemwegserkrankungen

Bei Erkältungsbeschwerden können Brustwickel eine sanfte Alternative oder Ergänzung zu Schwedenkräutern darstellen. Sie werden seit Jahrhunderten als Hausmittel bei Husten und Bronchitis eingesetzt.

Arten von Brustwickeln:

  • Heißer Brustwickel: Wirkt krampflösend auf die Bronchienmuskulatur, löst Schleim und fördert den Auswurf. Nicht bei Fieber anwenden!
  • Kalter Brustwickel: Steigert die Durchblutung, verdünnt zähes Bronchialsekret, wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend.

Herstellung eines Brustwickels:

  1. Innentuch: In heißem oder kaltem Wasser (evtl. mit Zusätzen wie Kräutertee oder Zitronensaft) tränken, auswringen und fest um die Brust wickeln.
  2. Zwischentuch: Sauberes, trockenes Tuch darüberlegen.
  3. Außentuch: Wärmendes Tuch (z.B. Wolle) darüberbreiten und festziehen.

Der Wickel sollte fest anliegen, aber nicht beengend sein. Naturfasern sind besser geeignet als Kunstfasern.

Zusätze für Brustwickel:

  • Zitrone: Entzündungshemmend, krampflösend (Saft einer Zitrone in 250 ml warmes Wasser).
  • Quark: Krampf- und schleimlösend (250-500 g Magerquark auf Körpertemperatur erwärmen und auf das Innentuch streichen).
  • Kartoffeln: Speichern die Wärme und verstärken die Wirkung (gekochte, zerstampfte Kartoffeln leicht abkühlen lassen und in das Innentuch geben).
  • Ätherische Öle: Lavendel (fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, desinfizierend, beruhigend), Eukalyptus, Thymian, Myrte, Ravintsara (in Trägeröl mischen).

Anwendung von Brustwickeln:

  • Patient sollte entspannt auf dem Rücken liegen.
  • Heiße Wickel: So lange auf der Brust lassen, wie sie als warm und angenehm empfunden werden.
  • Kalte Wickel: Wirken, indem sie den Organismus zur Erwärmung anregen. Wenn nach 10 Minuten kein Wärmegefühl entsteht, entfernen. Ansonsten belassen, bis ein intensives Wärmegefühl entsteht (ca. 45-75 Minuten).
  • Nach Abnahme des Wickels: Mindestens 15 Minuten Ruhe.
  • Maximal zwei- bis dreimal täglich anwenden. Bei ätherischen Ölen meist nur einmal täglich.

Anwendungsgebiete von Brustwickeln:

  • Bronchitis und Husten.
  • Lungenentzündung und Asthma (ergänzend zur medikamentösen Behandlung).
  • Funktionelle Herzerkrankungen (Herzneurosen).
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) - vorher mit Arzt besprechen!

Gegenanzeigen für Brustwickel:

  • Herz- oder Kreislaufbeschwerden, die mit Unverträglichkeit gegenüber starken Wärmebehandlungen verbunden sind (heiße Brustwickel).
  • Durchblutungsstörungen.
  • Überempfindlichkeit gegenüber Kälte bzw. Wärme.
  • Kein Wärmegefühl bei kaltem Brustwickel.
  • Offene Hautverletzungen oder Hautirritationen im Brustbereich.
  • Gestörte Wahrnehmung von Kälte- oder Wärmereizen (z.B. bei Diabetes mellitus).
  • Überempfindlichkeit gegenüber ätherischen Ölen.
  • Bestimmte Grunderkrankungen wie Epilepsie und Asthma (vorher mit Arzt sprechen, insbesondere bei Kindern).

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