Die Alzheimer-Demenz ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit. Sie manifestiert sich durch einen fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten, der das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Orientierung betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form darstellt. Obwohl eine Heilung derzeit nicht möglich ist, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.
Was ist Alzheimer-Demenz?
Die Alzheimer-Demenz ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns, die durch das Absterben von Nervenzellen und den Verlust von Verbindungen zwischen ihnen gekennzeichnet ist. Diese Veränderungen führen zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen. Die Alzheimer-Krankheit ist eine der über 50 verschiedenen Ursachen einer Demenz.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt, darunter:
- Amyloid-Plaques: Ablagerungen von Beta-Amyloid-Proteinen zwischen den Nervenzellen, die die Kommunikation stören und die Zellen schädigen können.
- Tau-Fibrillen: Verdrehte und faserige Ablagerungen von Tau-Proteinen innerhalb der Nervenzellen, die die Zellstruktur destabilisieren und zum Zelltod führen können.
- Genetische Faktoren: Bestimmte Genvarianten, insbesondere der ApoE4-Genotyp, erhöhen das Risiko für Alzheimer. Allerdings liegt eine genetische Ursache nur in weniger als zwei Prozent der Fälle vor.
- Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für Alzheimer. Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, steigt ab dem 65. Lebensjahr deutlich an.
- Geschlecht: Studien deuten darauf hin, dass Frauen ein höheres Alzheimer-Risiko haben als Männer.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Durchblutungsstörungen, Diabetes, hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte können das Risiko erhöhen.
- Lebensstilfaktoren: Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, soziale Isolation und mangelnde geistige Aktivität können das Risiko beeinflussen.
- Weitere Faktoren: Schwere Kopfverletzungen, Infektionen, Depressionen, chronischer Stress und Hör- oder Sehminderungen.
Symptome der Alzheimer-Demenz
Die Symptome der Alzheimer-Demenz entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich über mehrere Jahre. Der Verlauf kann jedoch von Person zu Person unterschiedlich sein. Im Allgemeinen lassen sich drei Stadien feststellen:
Frühstadium
- Leichte Gedächtnislücken, insbesondere für kurz zurückliegende Ereignisse
- Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen
- Wortfindungsprobleme
- Veränderungen im Denkvermögen, z. B. Schwierigkeiten beim Planen und Urteilen
- Örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen
- Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
- Verlust des Interesses an Aktivitäten, die früher Freude bereitet haben
Mittelstadium
- Deutliche Verschlechterung des Gedächtnisses, sowohl des Kurzzeit- als auch des Langzeitgedächtnisses
- Zunehmende Orientierungslosigkeit, auch in vertrauter Umgebung
- Sprachschwierigkeiten, z. B. Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder Gesprochenes zu verstehen (Aphasie)
- Probleme bei der Ausführung von Alltagsaufgaben wie Kochen, Anziehen oder Körperpflege
- Verhaltensänderungen, z. B. Unruhe, Aggressivität, Misstrauen oder Wahnvorstellungen
- Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
- Hinlauftendenz (Weglaufen)
Spätstadium
- Schwerer Gedächtnisverlust, Unfähigkeit, Familienmitglieder oder Freunde zu erkennen
- Verlust der Sprachfähigkeit, nur noch einzelne Wörter oder Laute
- Vollständige Orientierungslosigkeit
- Verlust der Kontrolle über Blase und Darm (Inkontinenz)
- Schluckstörungen
- Bettlägerigkeit
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen
- Teilnahmslosigkeit
Diagnose der Alzheimer-Demenz
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um Betroffenen und ihren Familien die Möglichkeit zu geben, sich rechtzeitig auf die Erkrankung einzustellen und geeignete Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen. Die Diagnose umfasst in der Regel mehrere Schritte:
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome durch Befragung des Patienten und seiner Angehörigen.
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands und der neurologischen Funktionen.
- Kognitive Tests: Durchführung von standardisierten Tests zur Überprüfung der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit, der Sprache, der räumlichen Orientierung und anderer kognitiver Fähigkeiten. Beispiele hierfür sind der Mini-Mental-Status-Test (MMST) und der Uhrentest.
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome, wie z. B. Vitaminmangel oder Schilddrüsenfunktionsstörungen.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um strukturelle Veränderungen zu erkennen und andere Erkrankungen auszuschließen.
- Spezielle Tests: In bestimmten Fällen können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie z. B. eine Liquoranalyse (Untersuchung des Nervenwassers) oder eine Amyloid-PET-Untersuchung, um Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nachzuweisen.
- Bluttests: Der Precivity-Bluttest und der Elecsys pTau181-Test können bei ersten Symptomen nachweisen, ob es sich um eine Alzheimer-Demenz handelt.
Behandlung der Alzheimer-Demenz
Obwohl die Alzheimer-Demenz derzeit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
- Cholinesterase-Hemmer: Medikamente wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn, was die geistige Leistungsfähigkeit verbessern kann. Sie werden hauptsächlich im Früh- und Mittelstadium der Erkrankung eingesetzt.
- Glutamat-Antagonisten: Memantin blockiert die Wirkung von Glutamat, einem anderen Botenstoff im Gehirn, und kann die Symptome bei fortgeschrittener Demenz lindern.
- Antidepressiva: Viele Alzheimer-Patienten leiden auch an Depressionen, die mit Antidepressiva behandelt werden können.
- Amyloid-Antikörper-Therapie: Seit September 2025 ist in Deutschland der Antikörper-Wirkstoff Lecanemab auf dem Markt, der die Amyloid-Plaques im Gehirn angreift und deren Beseitigung durch das Immunsystem fördert. Für den Antikörper Donanemab hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine Zulassungsempfehlung erteilt. Diese Medikamente können das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung verlangsamen, sind jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen wie Hirnblutungen und -schwellungen verbunden. Vor Beginn der Behandlung ist ein Gentest auf die Genvariante ApoE4 erforderlich, da das Vorliegen von zwei Kopien dieses Gens das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Kognitive Stimulation: Gezielte Übungen und Aktivitäten zur Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit, z. B. Gedächtnistraining, Wortspiele oder das Lösen von Rätseln.
- Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben und der Anpassung der Wohnumgebung, um die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.
- Physiotherapie: Förderung der körperlichen Aktivität und Beweglichkeit, um die Muskelkraft und Koordination zu verbessern und Stürzen vorzubeugen.
- Musik-, Kunst- und Tanztherapie: Kreative Ansätze zur Förderung der Kommunikation, des emotionalen Ausdrucks und des Wohlbefindens.
- Biografiearbeit: Aktivierung von Erinnerungen und Förderung des Selbstwertgefühls durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte.
- Realitätsorientierungstraining (ROT): Hilfestellung zur Orientierung in Zeit, Raum und Person, z. B. durch das Anbringen von Kalendern, Uhren und Fotos.
- Validation: Wertschätzender und akzeptierender Umgang mit den Gefühlen und Bedürfnissen der Betroffenen, auch wenn diese nicht immer rational erscheinen.
- Tiergestützte Therapie: Einsatz von Tieren, z. B. Hunden oder Katzen, zur Förderung der sozialen Interaktion, zur Reduktion von Unruhe und zur Verbesserung des emotionalen Zustands.
- Anpassung der Wohnumgebung: Schaffung einer sicheren und vertrauten Umgebung, z. B. durch das Entfernen von Stolperfallen, das Anbringen von Orientierungshilfen und das Vermeiden von Reizen.
- Unterstützung für Angehörige: Beratung, Schulung und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, um Überlastung und Erschöpfung vorzubeugen.
Lebensstiländerungen
Eine gesunde Lebensweise kann dazu beitragen, das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern:
- Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gehirnfunktion unterstützen.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitiven Fähigkeiten verbessern.
- Geistige Aktivität: Aktivitäten, die das Gehirn fordern, wie z. B. Lesen, Kreuzworträtsel oder das Erlernen einer neuen Sprache, können die geistige Leistungsfähigkeit erhalten.
- Soziale Interaktion: Der Kontakt zu anderen Menschen und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten können die Stimmung verbessern und die geistige Stimulation fördern.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Der Verzicht auf Rauchen, ein moderater Alkoholkonsum und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das Risiko für ein Fortschreiten der Demenz verringern.
Prävention der Alzheimer-Demenz
Obwohl es keine Garantie dafür gibt, dass man nicht an Alzheimer erkrankt, gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Risiko zu verringern:
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche und geistige Aktivität, soziale Interaktion und der Verzicht auf Rauchen können das Risiko senken.
- Kontrolle von Risikofaktoren: Die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, hohen Cholesterinwerten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann das Risiko verringern.
- Impfungen: Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Impfungen, insbesondere gegen Herpes Zoster (Gürtelrose), das Demenzrisiko senken können.
- Früherkennung und Behandlung von Depressionen: Depressionen können das Demenzrisiko erhöhen. Eine frühzeitige Behandlung kann das Risiko verringern.
Leben mit schwerer Alzheimer-Demenz
Im Spätstadium der Alzheimer-Demenz sind die Betroffenen vollständig auf die Pflege und Betreuung durch andere angewiesen. Die Kommunikation ist stark eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, und die Fähigkeit, sich selbstständig zu bewegen, geht verloren. In dieser Phase ist es besonders wichtig, den Betroffenen eine würdevolle und respektvolle Pflege zukommen zu lassen.
- Palliativversorgung: Im Vordergrund steht die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden sowie die Sicherstellung des Wohlbefindens.
- Basale Stimulation: Angebote zur Aktivierung der Sinne, z. B. durch Berührungen, Musik oder Düfte.
- Sorgfältige Körperpflege: Regelmäßige Körperpflege, um Infektionen und Druckgeschwüren vorzubeugen.
- Ernährung: Angepasste Ernährung, um Schluckstörungen zu berücksichtigen und Mangelernährung vorzubeugen.
- Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten: Verständnisvoller Umgang mit Unruhe, Aggressivität oder anderen Verhaltensauffälligkeiten.
- Unterstützung der Angehörigen: Beratung und Begleitung der Angehörigen, um sie in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.
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