Schwindel nach Hirntumor-OP: Ursachen und Behandlungen

Schwindel ist eine häufige Beschwerde nach einer Hirntumoroperation (OP). Die Ursachen für Schwindel können vielfältig sein und reichen von direkten Auswirkungen des Tumors oder der Operation auf das Gehirn bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Schwindel nach einer Hirntumor-OP und diskutiert verschiedene Behandlungsansätze.

Einführung

Ein Hirntumor kann sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein. Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten, während sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen) von Krebszellen in anderen Körperregionen ausgehen. Die Symptome eines Hirntumors hängen von seiner Größe, Art und Lage ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen, Gedächtnisprobleme und epileptische Anfälle. Die Behandlung von Hirntumoren umfasst in der Regel eine Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie.

Ursachen von Schwindel nach Hirntumor-OP

Schwindel nach einer Hirntumor-OP kann verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Schädigung des Gehirns: Die Operation selbst kann zu einer Schädigung von Hirnarealen führen, die für das Gleichgewicht zuständig sind. Besonders betroffen sind das Kleinhirn und der Hirnstamm, da diese Regionen eine wichtige Rolle bei der Koordination von Bewegungen und der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts spielen.
  • Verletzung von Hirnnerven: Während der Operation können Hirnnerven verletzt werden, die für das Gleichgewicht und das Hören wichtig sind. Ein Beispiel hierfür ist der Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv), dessen Schädigung zu Schwindel, Hörverlust und Tinnitus führen kann.
  • Liquorleck: Nach der Operation kann es zu einem Austritt von Hirnwasser (Liquor) kommen. Ein Liquorleck kann den Hirndruck verändern und zu Schwindel führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die nach der Operation eingesetzt werden, können Schwindel als Nebenwirkung haben. Dazu gehören beispielsweise Schmerzmittel, Antiepileptika und Antidepressiva.
  • Narbenbildung: Durch die Operation und die anschließende Heilung kann es zu Narbenbildung im Gehirn kommen. Narben können die normale Funktion des Gehirns beeinträchtigen und zu Schwindel führen.
  • Lagerungsschwindel: Manchmal kann es nach einer Operation zu einem gutartigen Lagerungsschwindel kommen. Dieser wird durch kleine Kalziumkristalle im Innenohr verursacht, die sich lösen und in die Bogengänge gelangen.
  • Tumorbedingte Ursachen: Auch nach der Operation können Resttumore oder tumorbedingte Veränderungen im Gehirn Schwindel verursachen.
  • Mikrovaskuläre Kompression: Druck von Gefäßen auf den Nerven kann Trigeminusneuralgie (fünfter Hirnnerv) und Hemispasmus fazialis (siebter Hirnnerv) verursachen, aber auch Schwindel, Tinnitus, Schiefhals oder Bluthochdruck.

Fallbeispiel Elvira Goerigk

Elvira Goerigk litt jahrelang unter Tinnitus, bevor sich ihre Beschwerden im Jahr 2018 verschlimmerten. Ein MRT zeigte einen Tumor am Hör- und Gleichgewichtsnerv, ein Akustikusneurinom. Nachdem der Tumor zunächst bestrahlt wurde, kam es nach einer Ballonfahrt zu heftigem Schwindel. Eine weitere MRT-Aufnahme zeigte, dass der Tumor gewachsen war und eine Operation unumgänglich war. Im Clemenshospital in Münster wurde der Tumor erfolgreich entfernt.

Diagnose von Schwindel nach Hirntumor-OP

Die Diagnose von Schwindel nach einer Hirntumor-OP umfasst in der Regel eine gründliche neurologische Untersuchung, eine Anamnese der Symptome und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv im Nacken

  • Neurologische Untersuchung: Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Aspekte der Hirnfunktion überprüft, wie z.B. Gleichgewicht, Koordination, Reflexe und Hirnnervenfunktion.
  • Anamnese: Der Arzt wird den Patienten nach der Art des Schwindels, der Dauer, den Auslösern und den begleitenden Symptomen fragen.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT können helfen, die Ursache des Schwindels zu identifizieren, z.B. eine Schädigung des Gehirns, eine Verletzung von Hirnnerven oder ein Liquorleck.

Behandlung von Schwindel nach Hirntumor-OP

Die Behandlung von Schwindel nach einer Hirntumor-OP richtet sich nach der Ursache des Schwindels.

  • Vestibuläre Rehabilitation: Vestibuläre Rehabilitation ist eine Form der Physiotherapie, die darauf abzielt, das Gleichgewichtssystem zu trainieren und die Symptome von Schwindel zu reduzieren.
  • Medikamente: Medikamente können eingesetzt werden, um die Symptome von Schwindel zu lindern. Dazu gehören z.B. Antihistaminika, Antiemetika und Benzodiazepine.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache des Schwindels zu beheben, z.B. um ein Liquorleck zu verschließen oder einen Tumorrest zu entfernen.
  • Befreiungsmanöver: Bei gutartigem Lagerungsschwindel können Befreiungsmanöver wie das Epley-Manöver oder das Sémont-Manöver helfen, die Kalziumkristalle aus den Bogengängen zu entfernen.
  • Anpassung der Medikation: Wenn Medikamente als Ursache für den Schwindel identifiziert werden, kann eine Anpassung der Medikation erforderlich sein.
  • Supportive Therapie: Supportive Therapien können helfen, Beschwerden zu lindern, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen.

Behandlung von Akustikusneurinomen

Bei Akustikusneurinomen, wie im Fall von Elvira Goerigk, kann die Behandlung je nach Größe und Lage des Tumors variieren. In einigen Fällen kann eine Bestrahlung ausreichend sein, während in anderen Fällen eine Operation erforderlich ist. Ziel der Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, ohne die umliegenden Hirnnerven zu schädigen.

Reha und Nachsorge

Nach einer Hirntumor-OP ist eine Reha wichtig, um die körperlichen und geistigen Fähigkeiten wiederherzustellen. Die Reha kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Im Vordergrund stehen die Behandlung der durch den Hirntumor hervorgerufenen Beeinträchtigungen, also geistige Ausfälle, Beeinträchtigungen der Motorik, Störungen der Sprache oder des Gleichgewichts oder Lähmungen.

Die Nachsorge umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um einen Rückfall der Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Auch Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Spezifische Tumorarten und ihre Auswirkungen

  • Gliome: Gliome sind Tumoren, die sich aus den Gliazellen des Gehirns entwickeln. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, wie Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
  • Meningeome: Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen. In der Regel sind sie gutartig und wachsen langsam.
  • Neurinome/Schwannome: Neurinome/Schwannome sind Tumoren, die von den Zellen ausgehen, die die Hirnnerven umhüllen. Das Akustikusneurinom ist ein häufiges Beispiel.
  • Medulloblastome: Medulloblastome sind Tumoren, die von unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn ausgehen. Sie treten häufiger bei Kindern auf.

Fallbeispiel: Schwindel nach Temodal- und Phenytoin-Einnahme

Ein weiteres Fallbeispiel beschreibt einen Mann, der 2003 ein Oligodendrogliom WHOIII hatte und nach OP, Radio-Chemotherapie mit Temodal und Phenytoin-Einnahme 14 Jahre beschwerdefrei war. Nach einem erneuten Tumor und OP im Januar 2018 sowie anschließender Temodal-Behandlung trat plötzlich Schwindel auf. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob der Schwindel im Zusammenhang mit dem Liquor, dem Temodal und/oder dem Phenytoin steht. Ein MRT zeigte keine Auffälligkeiten, jedoch sollte ein Neurochirurg die Bilder begutachten.

Lesen Sie auch: Warnsignale für leichten Schlaganfall und Schwindel

Lesen Sie auch: Parkinson, Schwindel, Übelkeit: Ein Überblick

tags: #schwindel #nach #hirntumor #op