Handgelenksoperationen: Sehnen- und Nervenrekonstruktion, Risiken und Komplikationen

Die Hand ist ein komplexes und wichtiges Organ, dessen reibungslose Funktion für viele alltägliche Aktivitäten unerlässlich ist. Handgelenksoperationen, einschließlich Sehnen- und Nervenrekonstruktionen, können notwendig sein, um Verletzungen zu behandeln, Funktionsstörungen zu beheben und Schmerzen zu lindern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Handgelenksoperationen, ihre Risiken und Komplikationen sowie Informationen zur Rehabilitation.

Einleitung

Die Hand besteht aus 54 Knochen, was etwa 25 Prozent aller Knochen im menschlichen Körper entspricht. 15 Scharnier-, Kugel-, Sattel- und Eigelenke verbinden die Knochen miteinander und gewährleisten so die Bewegungsfreiheit. Verletzungen und Erkrankungen der Hand können die Funktionalität erheblich beeinträchtigen und die Lebensqualität mindern. Die Handchirurgie hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Verfahren entwickelt, um Beschwerden und Erkrankungen im Handbereich effektiv zu behandeln.

Häufige Handgelenkserkrankungen und -verletzungen

Zu den häufigsten Erkrankungen und Verletzungen, die eine Operation am Handgelenk erforderlich machen können, gehören:

  • Karpaltunnelsyndrom: Ein Engpass im Bereich des Nervus medianus (mittlerer Handnerv), der zu Kribbeln, Schmerzen und Taubheitsgefühl in den Fingern führt.
  • Kahnbeinbruch: Ein Bruch des Kahnbeins, eines der Handwurzelknochen, meist durch einen Sturz auf die Hand verursacht.
  • Radiusfraktur: Ein Bruch des Radius (Speiche), eines der Unterarmknochen, oft in der Nähe des Handgelenks.
  • Rhizarthrose: Gelenkverschleiß im Daumensattelgelenk, der zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.
  • Schnellender Finger (Triggerfinger): Eine Verdickung der Beugesehne eines Fingers, die das Gleiten durch das Ringband behindert und zu einem Schnappen oder Blockieren des Fingers führt.
  • Dupuytren-Kontraktur: Eine strangförmige Verdickung und Knotenbildung der Hohlhandfaszie, die zu einer Verkrümmung der Finger führt.
  • Nervenverletzungen: Schädigungen der Nerven in der Hand, die durch Unfälle, Tumore oder Komplikationen bei Operationen verursacht werden können.
  • Sehnenverletzungen: Risse oder Durchtrennungen von Sehnen in der Hand oder im Unterarm.
  • Ganglion: Eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste, die mit einem Gelenk oder einer Sehnenscheide verbunden ist.

Operative Eingriffe am Handgelenk

Es gibt verschiedene operative Eingriffe im Bereich der Hand und des Handgelenks, die je nach Art der Erkrankung oder Verletzung eingesetzt werden:

  • Karpaltunnel-Release: Durchtrennung des Karpalbandes, um den Druck auf den Nervus medianus zu verringern.
  • Triggerfinger-Release: Spaltung des Ringbandes, um die Bewegung der Beugesehne zu erleichtern.
  • Sehnen- und Nervenreparaturen: Naht oder Transplantation von beschädigten Sehnen oder Nerven.
  • Gelenkarthroskopien: Minimalinvasive Eingriffe zur Behandlung von Gelenkproblemen.
  • Frakturreparaturen: Stabilisierung von Knochenbrüchen mit Schrauben, Platten oder Drähten.
  • Entfernung von Ganglienzysten: Exzision des Ganglions.
  • Daumensattelgelenk-OP: Entfernung des Vieleckbeins (Resektionsarthroplastik) oder Teilversteifung des Gelenks zur Behandlung der Rhizarthrose.
  • Operation der Dupuytren-Kontraktur: Entfernung oder Durchtrennung der verdickten Hohlhandfaszie.
  • Nervenrekonstruktion: Wiederherstellung der Nervenfunktion durch Naht oder Transplantation.
  • Sehnenverlagerung: Verlagerung einer benachbarten Sehne, um die Funktion einer geschädigten Sehne zu übernehmen.

Anästhesie

Die meisten Hand-OPs werden in örtlicher Betäubung durchgeführt. Bei Kindern oder sehr ängstlichen Patient:innen empfiehlt sich jedoch ein Eingriff in Vollnarkose.

Lesen Sie auch: Sonographische Anleitung

Risiken und Komplikationen von Handgelenksoperationen

Wie bei jeder Operation können auch bei Handgelenksoperationen Komplikationen auftreten. Zu den möglichen Risiken und Komplikationen gehören:

  • Allgemeine Operationsrisiken:
    • Wundheilungsstörungen: Bluterguss (Hämatom), Infektion.
    • Blutverlust: Kann durch die Verwendung einer Drainage vermieden werden.
    • Allergische Reaktionen: Auf Betäubungsmittel, Desinfektionsmittel oder Nahtmaterial.
    • Thrombose und Embolie: Selten, aber möglich.
  • Spezifische Risiken von Handgelenksoperationen:
    • Nervenverletzungen: Beschädigung von Fingernerven oder anderen Nerven in der Hand, die zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen führen können.
    • Sehnenverletzungen: Riss oder Beschädigung von Sehnen, die zu Bewegungseinschränkungen führen können.
    • Gefäßverletzungen: Beschädigung von Blutgefäßen, die zu Blutungen oder Durchblutungsstörungen führen können.
    • Verwachsungen: Verklebungen und Verwachsungen zwischen verschiedenen Strukturen in der Hand, die zu Bewegungseinschränkungen führen können.
    • Narbenbildung: Verdickte Narben (Hypertrophe Narben), insbesondere in der Handfläche und an den Beugeseiten der Finger, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können.
    • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Eine sehr seltene Komplikation, bei der die Hand auf das Trauma „überreagiert“ und es zu überproportionalen Schmerzen, Schwellungen, Hautveränderungen und Bewegungseinschränkungen kommt.
    • Re-Operation: Erneute Operation aufgrund von Komplikationen oder unzureichendem Erfolg der ersten Operation.

Eine Studie aus Oxford analysierte Daten des National Health Service (NHS) von 855.832 operativen Dekompressionen aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms, die zwischen 1998 und 2017 durchgeführt wurden. Es wurde festgestellt, dass bei 3,42 % der Eingriffe (29.288) eine Re-Operation erforderlich war. Bei 0,070 % der Eingriffe (620) kam es innerhalb von 30 Tagen nach der ersten Operation zu schwerwiegenden Komplikationen, bei 0,082 % der Eingriffe (698) innerhalb von 90 Tagen nach der Operation. Am häufigsten traten Nahtdehiszenzen und Sehnenverletzungen auf.

Männer schienen ein höheres Komplikationsrisiko zu haben. Lokale Komplikationen innerhalb von 90 Tagen nach der Operation waren assoziiert mit männlichem Geschlecht und einem Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Das Risiko für eine erneute Operation war ebenfalls mit männlichem Geschlecht assoziiert, aber auch mit einem höheren Alter der Patienten, einer höheren Komorbidität sowie einem schwächeren sozialen Status.

Maßnahmen zur Risikominimierung

Um das Risiko von Komplikationen zu minimieren, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Blutleere: Die meisten handchirurgischen Operationen werden in einer sogenannten Blutleere, Blutsperre oder WALANT-Betäubung ausgeführt, um eine bessere Übersicht im Operationsgebiet zu gewährleisten.
  • Optische Vergrößerung: Die geringe Größe der Strukturen an der Hand erfordert die Verwendung einer optischen Sichtvergrößerung, in der Regel eine Lupenbrille oder ein Operationsmikroskop.
  • Sorgfältige Operationstechnik: Schonung der anatomischen Strukturen und ggf. Rekonstruktion von beschädigten Nerven oder Blutgefäßen.
  • Frühe Bewegung: Frühe Bewegung nach dem Eingriff hilft, das Risiko von Verwachsungen zu reduzieren.
  • Narbenbehandlung: Kompressionsbandagen, Silikonauflagen und Narbenmassagen können helfen, die Narbenbildung zu verbessern.
  • Antibiotikaprophylaxe: In der Regel nicht notwendig, wird aber bei besonderer Gefährdung durchgeführt.

Rehabilitation nach Handgelenksoperationen

Die Rehabilitation nach einer Hand-OP ist ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Sie umfasst in der Regel:

Lesen Sie auch: Sehnenentzündung: Ursachen und Symptome

  • Physiotherapie und Ergotherapie: Therapiemaßnahmen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit, Kraft und Funktion der Hand.
  • Schmerzkontrolle: Medikamente zur Schmerzlinderung.
  • Schwellungsmanagement: Hochlagern der Hand und Kühlung zur Reduzierung von Schwellungen.
  • Narbenbehandlung: Massagen und andere Techniken zur Verbesserung der Narbenbildung.
  • Anpassung der Aktivitäten: Vermeidung von Überlastung und Anpassung der Aktivitäten an die individuellen Fähigkeiten.

Die Dauer der Krankschreibung nach einer Hand-OP hängt von der Art der Erkrankung, dem Aufwand des Eingriffs und der beruflichen Tätigkeit ab.

In bestimmten Fällen kann eine stationäre Reha-Klinik erforderlich sein, insbesondere bei Handwerkern, denen ohne Reha eine Erwerbsminderung oder gar eine Berufsunfähigkeit droht.

Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Fußnerven und Sehnen

tags: #sehnen #und #nerven #am #rechten #habdgelebk