Sehnerventzündung bei Katzen: Ursachen, Behandlung und Prävention

Das Katzenauge ist ein komplexes Sinnesorgan, das Katzen zu einer außergewöhnlichen Sehkraft verhilft. Doch die empfindlichen Augen der Katze sind zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, die zu Erkrankungen führen können. Entzündungen verschiedener Augenstrukturen treten bei Katzen relativ häufig auf und bergen die Gefahr, die Sehfähigkeit des Tieres vorübergehend oder dauerhaft zu beeinträchtigen. Eine solche Erkrankung ist die Sehnerventzündung (Optikusneuritis).

Was ist eine Sehnerventzündung?

Optikusneuritis, eine Entzündung des Sehnervs bei Katzen, stört die Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn und kann zu Sehverlust führen. Der Sehnerv verbindet die Netzhaut des Auges mit dem Gehirn und überträgt visuelle Informationen, die von den Photorezeptoren der Netzhaut aufgenommen werden, zum Gehirn, wo diese Informationen in Bilder umgewandelt werden.

Ursachen der Sehnerventzündung

Optikusneuritis kann primär oder sekundär auftreten. Primäre Optikusneuritis ist eine direkte Entzündung des Sehnervs selbst, während sekundäre Optikusneuritis durch eine andere Erkrankung verursacht wird, die den Sehnerv indirekt beeinflusst.

Zu den Ursachen zählen:

  • Infektionen: Infektionen können durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht werden, die den Sehnerv direkt oder das umliegende Gewebe infizieren. Häufige infektiöse Auslöser bei Katzen sind das Feline Leukämievirus (FeLV) oder das Feline Immundefizienz-Virus (FIV).
  • Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen oder Gewebe an.
  • Traumata: Körperliche Verletzungen oder Schäden, die durch äußere Einwirkungen wie Unfälle, Stürze oder Angriffe verursacht werden.

Symptome einer Sehnerventzündung

Die Symptome einer Sehnerventzündung können variieren, aber häufige Anzeichen sind:

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  • Plötzliche Erblindung
  • Erweiterte Pupillen
  • Sichtbares Blut im Auge

Diagnose einer Sehnerventzündung

Um die Diagnose "Sehnerventzündung" stellen zu können, wird der Tierarzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und verschiedene Augenuntersuchungen durchführen. Dazu gehören:

  • Bestimmung der Sehschärfe: Mithilfe einer in bestimmten Abstand angebrachten Buchstaben- oder Zahlentafel wird die Sehschärfe bestimmt. Sie ist bei einer Sehnerventzündung gemindert.
  • Test der Pupillenreaktion: Der Arzt leuchtet abwechselnd mit einer kleinen Lampe in die Augen und beobachtet die Reaktion der Pupillen. Bei einer Sehnerventzündung liegt oft ein sogenannter relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD) vor.
  • Prüfung der Augenbeweglichkeit: Der Arzt überprüft die Beweglichkeit der Augen, um festzustellen, ob die Augenbewegungen Schmerzen verursachen oder Doppelbilder entstehen.
  • Bestimmung des Gesichtsfeldes: Das Gesichtsfeld wird getestet, um festzustellen, ob Einschränkungen im zentralen Bereich vorliegen (Zentralskotom).
  • Untersuchung des Augenhintergrundes (Funduskopie): Der Arzt spiegelt den Augenhintergrund, um die Netzhaut und den Sehnerv zu beurteilen.
  • Prüfung der Farbwahrnehmung: Die Farbwahrnehmung wird getestet, da bei einer typischen Neuritis nervi optici vor allem die Farbsättigung für Rot abgeschwächt ist.
  • Test der Sehnervleitung (Visuell evozierte Potentiale, VEP): Mithilfe von VEP kann die Leitungsgeschwindigkeit des Sehnervs überprüft werden.

Abhängig von den Ergebnissen der ersten Untersuchungen können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, um die Ursache der Sehnerventzündung zu ermitteln. Dazu gehören:

  • Kernspintomografie (MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule: Um Multiple Sklerose (MS) auszuschließen.
  • Liquorpunktion: Entnahme und Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) auf Entzündungszeichen.
  • Blutuntersuchungen: Um andere Krankheiten oder Infektionen auszuschließen.

Behandlung einer Sehnerventzündung

Die Behandlung der Sehnerventzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Antimikrobielle Mittel: Bei bakteriellen, viralen oder pilzbedingten Infektionen werden entsprechende Medikamente eingesetzt.
  • Immunsuppressiva: Bei Autoimmunerkrankungen werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Kortikosteroide können eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

Prognose bei Sehnerventzündung

Die Prognose für Katzen mit Sehnerventzündung hängt von der Ursache und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können oft zu einer vollständigen Genesung führen. In einigen Fällen kann es jedoch zu dauerhaften Schäden am Sehnerv und zu einem bleibenden Sehverlust kommen.

Prävention von Augenerkrankungen bei Katzen

Auch wenn nicht alle Auslöser von entzündlichen Erkrankungen der Augen bei Katzen vermieden werden können, lässt sich doch einiges tun, um solchen Problemen vorzubeugen:

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  • Regelmäßige Impfungen: Zum Schutz vor infektiösen Erkrankungen, die auch die Augen betreffen können, sollte eine Katze alle empfohlenen Impfungen in den dafür vorgesehenen Abständen regelmäßig erhalten.
  • Parasitenkontrolle: Katzen sollten regelmäßig gegen Endoparasiten wie Spul- und Bandwürmer behandelt werden. Bei Freigängern empfiehlt sich außerdem ein Schutz gegen Flöhe und Zecken.
  • Gesunde Ernährung: Die gesunde Ernährung der Katze mit hochwertigem Premiumfutter von Anfang an kann das Immunsystem stärken und so dem Organismus helfen, Krankheitskeime erfolgreich abzuwehren.
  • Luftfeuchtigkeit: In der kalten Jahreszeit und bei trockener Heizungsluft können einfache Verdampfer oder ein Zimmerbrunnen die Umgebungsluft anfeuchten, was einer Austrocknung der Schleimhäute entgegen wirkt.
  • Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Die Samtpfote sollte regelmäßig beim Tierarzt durchgecheckt und beim Auftreten erster Anzeichen einer Erkrankung möglichst schnell untersucht und behandelt werden, um schweren Verläufen rechtzeitig vorzubeugen.

Weitere Augenerkrankungen bei Katzen

Neben der Sehnerventzündung gibt es noch weitere Augenerkrankungen, die bei Katzen auftreten können:

  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung): Die wohl häufigste Form der Augenentzündung bei Katzen ist die Konjunktivitis, also eine Entzündung der Lidbindehäute.
  • Uveitis (Entzündung der Iris): Wenn der Bereich der Iris betroffen ist, spricht man von einer Uveitis.
  • Keratitis (Hornhautentzündung): Bei einer Keratitis ist die Hornhaut des Auges entzündet.
  • Retinitis (Netzhautentzündung): Eine Retinitis betrifft die empfindliche Netzhaut.
  • Glaukom (Grüner Star): Das Glaukom bezeichnet eine Erkrankung des Auges, bei der der intraokulare Druck (IOD) krankhaft erhöht ist.
  • Katarakt (Grauer Star): Bei einer Katarakt ist die Linse im Auge eingetrübt.

Wann sollte man zum Tierarzt?

Als aufmerksamer Katzenbesitzer wird Ihnen schnell auffallen, dass mit Ihrer Samtpfote etwas nicht stimmt. Erkrankungen an den Augen sind extrem unangenehm und können das Allgemeinbefinden der Katze erheblich einschränken. Schnell kann sich eine Entzündung auch ausweiten und verschlimmern, dadurch drohen dauerhafte Schädigungen bis hin zur Erblindung oder zum Verlust des Auges.

Halten die Symptome bei der erkrankten Katze trotz durchgeführter Erste-Hilfe-Maßnahmen weiter an oder verschlimmern sich sogar, dann sollte der Tierarztbesuch nicht länger hinausgezögert werden.

Erste Hilfe bei Augenerkrankungen

Reinigen Sie die tränenden Katzenaugen mit abgekochtem, auf Handwärme abgekühltem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch vorsichtig, entfernen Sie vor allem verklebte Sekretspuren aus dem Fell rund um Augen und Nase. Geschwollene Augenlider können durch Auflegen einer feuchten, nicht zu kalten Kompresse (feuchter Waschlappen) vorsichtig beruhigt werden. Beobachten Sie zunächst, ob sich die Probleme durch diese Maßnahmen verringern und sich das Verhalten Ihrer Samtpfote wieder normalisiert. Achten Sie unbedingt darauf, dass sich die Katze nicht Ihrem Blickfeld entzieht und beispielsweise nach draußen verschwindet oder sich über Stunden in ihrer Schlafhöhle versteckt, wo Sie den Zustand der Augen nicht beurteilen können.

Medikamentengabe bei Katzen

Jeder Katzenhalter weiß, dass die Verabreichung von Medikamenten bei Katzen nicht immer einfach ist. Gerade am Auge lassen sich die Samtpfoten nur ungern anfassen, und so kann eine angeordnete Therapie schnell zur Kraftanstrengung und Geduldsprobe für Mensch und Tier werden. Da aber gerade bei entzündlichen Augenerkrankungen eine regelmäßige und genaue Dosierung der Medikamente unumgänglich für den Heilungserfolg ist, sollten Sie sich von Ihrem Tierarzt genau zeigen lassen, wie Sie am besten vorgehen.

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Einfacher wird es, wenn bei der täglichen Behandlung des Patienten eine zweite Person helfen kann, die das Tier vorsichtig festhält und beruhigend krault. Nehmen Sie die Medikamentenflasche oder -tube in eine Hand, und mit der freien Hand umfassen Sie nun sanft von vorne den Katzenkopf, heben ihn leicht an und schieben mit Daumen und Zeigefinger die Augenlider etwas auseinander. In den unteren Bindehautsack wird jetzt die Medizin eingebracht, um danach sofort die Katze mit Streicheln und einem besonderen Leckerli für ihre Kooperation zu belohnen.

Sofern die regelmäßige Behandlung des Stubentigers zu Hause allerdings nicht möglich ist oder das Tier sich standhaft erfolgreich widersetzt, bleibt nichts anderes übrig als der tägliche Gang zum Tierarzt oder in die Tierklinik. Unbehandelt besteht sonst die große Gefahr von Folgeschäden wie einer Ausweitung der Entzündung auf tiefere Bereiche des Auges, Bildung von Geschwüren, chronischen Verläufen oder dem völligen Verlust der Sehkraft oder des Augapfels.

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