Die Behandlung einer Sehnerventzündung (SNE) erfordert oft den Einsatz von Cortison, einem Medikament, das zwar wirksam Entzündungen reduziert, aber auch eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Sehnerventzündung, Müdigkeit, den Nebenwirkungen von Cortison und möglichen Behandlungsstrategien.
Einführung in die Sehnerventzündung und ihre Behandlung
Eine Sehnerventzündung ist eine Entzündung des Sehnervs, der für die Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn verantwortlich ist. Symptome können verschwommenes Sehen, Schmerzen bei Augenbewegungen und Farbverlust sein. In vielen Fällen wird eine hochdosierte Cortison-Stoßtherapie eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren und die Sehkraft wiederherzustellen.
Häufige Nebenwirkungen von Cortison
Cortison ist ein Hormon, das in der Nebenniere gebildet wird und entzündungshemmend, antiallergisch und immunsuppressiv wirkt. Obwohl es bei der Behandlung von SNE wirksam ist, kann es eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Psychische und neurologische Auswirkungen
- Schlaflosigkeit und Hyperaktivität: Viele Patienten berichten von Schlaflosigkeit, begleitet von einem Gefühl der Überdrehtheit und Hyperaktivität. Einige beschreiben sogar submanische Zustände. Dieses Phänomen kann neu für Betroffene sein und ihren Zustand erklären.
- Unruhe und Rastlosigkeit: Ein Gefühl der Unruhe und Rastlosigkeit ist ebenfalls häufig. Der Körper verlangt nach Ruhe, aber gleichzeitig verspürt man einen inneren Drang, Dinge sofort zu erledigen.
- Stimmungsschwankungen: Cortison kann die Stimmung beeinflussen und zu Stimmungsschwankungen führen, einschließlich depressiver Verstimmungen.
- Angst und Panikattacken: In einigen Fällen kann es zu Angstzuständen und Panikattacken kommen, die das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.
Körperliche Auswirkungen
- Erhöhter Blutdruck: Cortison kann den Blutdruck erhöhen, was zu Unwohlsein und Sehstörungen führen kann.
- Sehstörungen: Neben den durch die Sehnerventzündung verursachten Sehstörungen können auch durch Cortison selbst bedingte Sehstörungen auftreten. Es ist ratsam, die Augen regelmäßig kontrollieren zu lassen, da Cortison den Augeninnendruck erhöhen (grüner Star) und zur Bildung eines grauen Stars führen kann.
- Muskelschmerzen und -schwäche: Muskelschmerzen und -schwäche sind weitere mögliche Nebenwirkungen.
- Elektrolytungleichgewicht: Hohe Dosen von Cortison können zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte im Körper führen, was eine regelmäßige Kontrolle erforderlich macht.
- Heißhungerattacken und Gewichtszunahme: Viele Patienten berichten von gesteigertem Appetit und Heißhungerattacken, was zu Gewichtszunahme führen kann.
- Hitzewallungen (Flush): Durch die Erhöhung des Pulses und des Blutdrucks kann es zu Hitzewallungen und einer Rötung der Haut kommen.
- Müdigkeit: Obwohl Cortison zunächst zu Hyperaktivität führen kann, berichten viele Patienten später über Müdigkeit und Erschöpfung.
Auswirkungen auf den Stoffwechsel
- Erhöhter Blutzuckerspiegel: Cortison kann den Blutzuckerspiegel erhöhen, da der Körper in Gefahrensituationen mehr Energie benötigt und diese aus Zucker gewinnt.
- Leberwerterhöhung: In hohen Dosen kann Cortison die Leber aktivieren und zu einer Erhöhung der Leberwerte führen.
Umgang mit Cortison-Nebenwirkungen
Es gibt verschiedene Strategien, um mit den Nebenwirkungen von Cortison umzugehen:
- Anpassung der Lebensweise:
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Muskelschwäche und Müdigkeit entgegenzuwirken.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Gewichtszunahme und Elektrolytungleichgewichte zu kontrollieren. Es ist ratsam, den Kaliummangel durch den Verzehr kaliumreicher Lebensmittel auszugleichen.
- Schlafhygiene: Eine gute Schlafhygiene kann helfen, Schlaflosigkeit zu reduzieren.
- Medikamentöse Behandlung:
- Kaliumpräparate: Bei einem ausgeprägten Kaliummangel können Kaliumpräparate erforderlich sein.
- Magensäurehemmer: Um die Magensäureproduktion zu reduzieren und das Risiko von Magenbeschwerden zu verringern.
- Psychologische Unterstützung:
- Entspannungstechniken: Meditation, autogenes Training und andere Entspannungstechniken können helfen, Angstzustände und Panikattacken zu bewältigen.
- Ablenkung: Aktivitäten, die Freude bereiten, können helfen, von negativen Gedanken abzulenken.
- Anpassung der Cortison-Dosis:
- Ausschleichen: Das langsame Reduzieren der Cortison-Dosis (Ausschleichen) kann helfen, Entzugserscheinungen zu minimieren.
- Alternative Behandlungsmöglichkeiten: In einigen Fällen können alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die Cortison-Dosis zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.
Die Rolle der interdisziplinären Zusammenarbeit
Die Behandlung von Sehnerventzündung und die Bewältigung der Cortison-Nebenwirkungen erfordern oft eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachärzten, darunter Augenärzte, Neurologen, Internisten und Rheumatologen. Dies ist besonders wichtig bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, da diese häufig auch die Augen betreffen können.
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Sehnerventzündung und Multiple Sklerose (MS)
Eine Sehnerventzündung kann ein erstes Symptom von Multipler Sklerose (MS) sein, obwohl sie auch isoliert auftreten kann. Bei Verdacht auf MS ist eine umfassende neurologische Untersuchung erforderlich, einschließlich einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und der Augen.
Alternative Behandlungen und Erfahrungen
Einige Patienten ziehen es vor, einen Schub ohne Cortison auszusetzen, insbesondere wenn die Symptome erträglich sind. Es gibt jedoch auch Bedenken hinsichtlich möglicher langfristiger Folgen einer unbehandelten Entzündung. Die Entscheidung sollte in Absprache mit einem Arzt getroffen werden.
Fluorchinolone und ihre potenziellen Nebenwirkungen
Es ist wichtig zu beachten, dass Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone in seltenen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen im Bereich der Sehnen, Muskeln, Gelenke und des Nervensystems hervorrufen können. Patienten, die Fluorchinolone einnehmen, sollten sich dieser Risiken bewusst sein und bei Auftreten von Symptomen sofort ihren Arzt informieren.
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