Sehnervschädigung durch Hirntumor: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Hirntumoren, also Geschwülste im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten, sind seltene Erkrankungen, die jedoch jeden treffen können. Etwa einer von 10.000 Menschen ist betroffen. Oft werden sie erst spät erkannt, da sie zu Beginn keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden verursachen. Die Symptome können je nach Größe und Lage des Tumors stark variieren. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für die Heilungschancen.

Was sind Hirntumoren?

Hirntumoren können gut- oder bösartig sein. Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), während Hirnmetastasen Tochtergeschwülste eines Tumors außerhalb des Gehirns darstellen. Das Gehirn ist ein hochspezialisiertes Organ, das komplexe Körperfunktionen steuert, darunter Sinnesreize, Gedächtnis, Lernprozesse, Bewegungen, Sprache und Emotionen. Es liegt geschützt im knöchernen Schädel, was jedoch bei Erkrankungen mit zunehmender Gehirnmasse zu einem lebensbedrohlichen Druckanstieg im Schädelinneren führen kann. Das zentrale Nervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark, die aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen) bestehen.

Arten von Hirntumoren

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrem Ursprungsgewebe und ihrer Wachstumsgeschwindigkeit unterscheiden:

  • Gliome: Mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems sind Gliome die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab, den Stützzellen des Gehirns. Zu den bekanntesten Formen zählen Astrozytome, Oligodendrogliome und das besonders aggressive Glioblastom.
  • Astrozytome: Sie entstehen aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten) und können in verschiedenen Bösartigkeitsgraden (WHO-Grade 1-4) auftreten.
  • Oligodendrogliome: Sie entstehen aus den Stützzellen, welche die Markscheiden bilden (Oligodendrozyten).
  • Ependymome: Sie entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.
  • Medulloblastome: Sie gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter und entstehen im Kleinhirn aus unreifen Zellen des kindlichen Gehirns.
  • Meningeome: Sie entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute und machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Sie sind überwiegend gutartig und wachsen langsam.
  • Neurinome: Sie bilden sich aus den Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven, meist am achten Gehirnnerv (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom).
  • Lymphome: Tumoren aus Lymphzellen, die an der körpereigenen Abwehr beteiligt sind.
  • Hypophysenadenome: Sie entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen.
  • Gehirnmetastasen: Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe im Gehirn.

Ursachen von Hirntumoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind oft unklar. Vermutet wird ein Zusammenspiel genetischer Faktoren und äußerer Einflüsse. Bestimmte Erbkrankheiten, wie die Neurofibromatose, erhöhen das Risiko für ein Gliom. Es gibt auch Hinweise darauf, dass ionisierende Strahlung die Entstehung von Hirntumoren begünstigen kann. Auch Neurinome bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven.

Sehnervschädigung durch Hirntumor

Ein Hirntumor kann auf verschiedene Weisen zu einer Schädigung des Sehnervs führen:

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  • Direkter Druck: Der Tumor drückt direkt auf den Sehnerv oder die Sehbahn. Dies kann insbesondere bei Tumoren in der Nähe der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) vorkommen, wie z.B. bei Hypophysenadenomen oder Meningeomen.
  • Erhöhter Hirndruck: Das Wachstum des Tumors erhöht den Druck im Schädelinneren, was zu einer Stauungspapille (Papillenödem) und einer Schädigung des Sehnervs führen kann.
  • Infiltration: In seltenen Fällen kann der Tumor den Sehnerv direkt infiltrieren.

Spezifische Tumoren und ihre Auswirkungen auf den Sehnerv

  • Hypophysenadenome: Diese Tumoren können auf den Sehnerv drücken, was zu Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfällen oder Doppelbildern führen kann. Im schlimmsten Fall kann es zur Erblindung kommen. Die Hypophyse befindet sich etwa in der Kopfmitte in einer Vertiefung des Schädelknochens unterhalb des Hirns. Sie zählt zwar streng genommen nicht zum Hirn, ist jedoch mit dem Zwischenhirn verbunden.
  • Optikusgliome: Diese vor allem bei Kindern auftretenden Tumoren wachsen entlang des Sehnervs bzw. der Sehbahn. Zu häufigen Beschwerden zählen ein eingeschränktes Sichtfeld und eine Sehschwäche. Das Auge kann deutlich hervortreten.
  • Meningeome: Diese langsam wachsenden Tumoren können den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren.
  • Raumforderungen im Gehirn: Hirntumore können zu verschiedensten Augensymptomen führen. Je nach Lage des Tumors entsteht ein gemischtes Bild an neuro-ophthalmologischen Ausfällen. So treten oftmals Gesichtsfeldausfälle und Augenbewegungsstörungen auf.

Symptome einer Sehnervschädigung durch Hirntumor

Die Symptome einer Sehnervschädigung durch einen Hirntumor können vielfältig sein und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Sehstörungen:
    • Verschwommenes Sehen
    • Flimmern vor den Augen
    • Doppelbilder
    • Gesichtsfeldausfälle (z.B. eingeschränktes Sichtfeld, Tunnelblick)
    • Nachlassen der Sehkraft
    • Verlust des Farbsehens
  • Kopfschmerzen: Insbesondere nachts und am frühen Morgen, die sich im Liegen verstärken und innerhalb weniger Tage oder Wochen heftiger werden.
  • Übelkeit und Erbrechen: Häufig zeitgleich mit den Kopfschmerzen, vor allem auf nüchternem Magen.
  • Neurologische Ausfälle:
    • Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen in Armen, Beinen oder anderen Regionen
    • Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln auf der Haut oder Berührungsempfindlichkeiten
    • Sprachstörungen (Aphasie)
    • Schluckbeschwerden (Dysphagie)
    • Schwerhörigkeit, oft begleitet von Ohrgeräuschen (Tinnitus), insbesondere bei einseitiger Verschlechterung der Hörleistung
  • Epileptische Anfälle: Oft das erste Symptom, das Betroffene bewusst wahrnehmen.
  • Hormonelle Störungen: Insbesondere bei Hypophysenadenomen, die zu einer Überproduktion von Hormonen führen können. Dies kann bei Männern zu Funktionsstörungen der Hoden führen, bei Frauen zu Zyklusstörungen und einem krankhaften Milchfluss aus den Brüsten (Galaktorrhoe).
  • Wesensveränderungen: Plötzliche Reizbarkeit, Ablenkbarkeit oder Introvertiertheit.
  • Psychische Probleme: Depressionen.
  • Anisokorie: Eine Differenz der Pupillendurchmesser zwischen beiden Augen.

Diagnose einer Sehnervschädigung durch Hirntumor

Bei Verdacht auf eine Sehnervschädigung durch einen Hirntumor sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und führt eine allgemeine körperliche Untersuchung durch.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Hirnfunktionen, der Nervenfunktionen und der Reflexe.
  • Augenärztliche Untersuchung:
    • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Messung des Gesichtsfelds, um Ausfälle zu erkennen.
    • Funduskopie (Augenspiegelung): Beurteilung des Augenhintergrunds, insbesondere des Sehnervenkopfes (Papille), um eine Stauungspapille (Papillenödem) festzustellen.
    • Elektrophysiologische Untersuchungen (ERG, EOG und VEP): Prüfung der Umsetzung der Lichtsignale in elektrische Impulse in der Netzhaut sowie deren Weiterleitung.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Die wichtigste Methode zur detaillierten Darstellung des Hirngewebes und des Sehnervs.
    • Computertomographie (CT): Kann ergänzend zur MRT durchgeführt werden.
    • Positronenemissionstomographie (PET): Kann die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar machen und bei der Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Tumoren helfen.
  • Liquorpunktion (Lumbalpunktion): Entnahme von Nervenwasser zur Untersuchung auf Tumorzellen, insbesondere bei Verdacht auf ein Medulloblastom oder meningeale Karzinose.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen (histologischen) und molekulargenetischen Untersuchung. Dies kann durch eine offene Operation oder eine stereotaktische Biopsie erfolgen.

Behandlung einer Sehnervschädigung durch Hirntumor

Die Behandlung einer Sehnervschädigung durch einen Hirntumor richtet sich nach der Tumorart, der Größe, der Lage, dem Malignitätsgrad und dem individuellen Zustand des Patienten. Ziel der Behandlung ist es, den Tumor zu entfernen oder zu verkleinern, den Hirndruck zu senken und die Sehnervenfunktion zu verbessern oder zu erhalten.

Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist oft die erste Wahl, insbesondere bei gutartigen Tumoren. Je nach Lage des Tumors kann dies jedoch schwierig oder unmöglich sein.
  • Strahlentherapie: Kann eingesetzt werden, um das Wachstum des Tumors zu verlangsamen oder ihn zu zerstören, insbesondere bei bösartigen Tumoren oder wenn eine Operation nicht möglich ist.
  • Chemotherapie: Wird häufig in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, insbesondere bei bösartigen Tumoren.
  • Medikamentöse Therapie: Kann zur Behandlung von hormonellen Störungen eingesetzt werden, die durch Hypophysenadenome verursacht werden. In einigen Fällen kann auch eine alleinige medikamentöse Behandlung erfolgreich sein. Bei der Leber’schen hereditären Optikusneuropathie (LHON) kann ein neues Medikament (Idebenon, Raxone) eingesetzt werden.
  • Symptomatische Therapie: Zur Linderung von Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Neuro-ophthalmologische Erkrankungen

Prinzipiell sind die meisten neuro-ophthalmologischen Erkrankungen behandelbar. Therapie und Prognose sind dabei entscheidend abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Vor jeder Therapie kommt deshalb immer die richtige Diagnose. Das Team der neuro-ophthalmologischen Spezialsprechstunde verfügt über eine langjährige Erfahrung und die notwendige, umfangreiche Diagnostik.

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Aneurysma-Behandlung

Unter einem zerebralen Aneurysma versteht man eine krankhafte Erweiterung an Hirngefäßen, die meist angeboren ist. Es kommt am häufigsten an Gefäßaufzweigungen an der Hirnbasis vor. Oftmals machen solche Gefäßaussackungen keine Symptome.

Prognose einer Sehnervschädigung durch Hirntumor

Die Prognose einer Sehnervschädigung durch einen Hirntumor hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Art des Tumors: Gutartige Tumoren haben in der Regel eine bessere Prognose als bösartige Tumoren.
  • Größe und Lage des Tumors: Tumoren, die sich in der Nähe des Sehnervs befinden oder diesen direkt komprimieren, können schwieriger zu behandeln sein.
  • Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors: Langsam wachsende Tumoren haben oft eine bessere Prognose als schnell wachsende Tumoren.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten: Patienten mit einem guten allgemeinen Gesundheitszustand haben oft eine bessere Prognose.
  • Frühzeitigkeit der Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Prognose verbessern.

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