Sehr empfindliche Zähne: Ursachen, Behandlung und Rolle des zentralen Nervensystems

Viele Menschen leiden unter sehr empfindlichen Zähnen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von falscher Putztechnik bis hin zu Stress. Auch das zentrale Nervensystem spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Wahrnehmung von Zahnschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von sehr empfindlichen Zähnen unter Berücksichtigung des zentralen Nervensystems.

Einführung

Sehr empfindliche Zähne können eine erhebliche Belastung im Alltag darstellen. Schmerzen beim Essen, Trinken oder Zähneputzen sind keine Seltenheit. Die Ursachen sind vielfältig und oft komplex. Neben lokalen Faktoren wie freiliegenden Zahnhälsen spielt auch das zentrale Nervensystem eine entscheidende Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung.

Ursachen für sehr empfindliche Zähne

Die Ursachen für sehr empfindliche Zähne sind vielfältig. Einige der häufigsten Ursachen sind:

  • Freiliegende Zahnhälse: Wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht, liegen die Zahnhälse frei. Diese sind nicht durch den schützenden Zahnschmelz bedeckt und reagieren daher empfindlicher auf Reize wie Hitze, Kälte oder Säure.
  • Zahnschmelzerosion: Säurehaltige Lebensmittel und Getränke können den Zahnschmelz angreifen und abbauen. Dadurch wird das darunterliegende Dentin freigelegt, das empfindlicher ist als der Zahnschmelz.
  • Zähneknirschen (Bruxismus): Durch das Aufeinanderpressen oder Reiben der Zähne, insbesondere nachts, können Zahnschmelz und Zahnhälse abgenutzt werden.
  • Falsche Putztechnik: Zu starkes Schrubben oder die Verwendung einer Zahnbürste mit zu harten Borsten können das Zahnfleisch schädigen und zu freiliegenden Zahnhälsen führen.
  • Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontitis: Entzündungen des Zahnfleisches können zu Zahnfleischrückgang und freiliegenden Zahnhälsen führen.
  • Zahnaufhellungsbehandlungen (Bleaching): Bleaching-Produkte können die Zähne vorübergehend empfindlicher machen.
  • Karies: Karies kann den Zahnschmelz zerstören und das Dentin freilegen.
  • Risse und Frakturen in den Zähnen: Risse und Frakturen können den Zahnnerv reizen und zu Empfindlichkeit führen.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung zu Mundtrockenheit führen, was die Zähne anfälliger für Empfindlichkeit macht.
  • Säurehaltige Ernährung: Häufiger Konsum von säurehaltigen Lebensmitteln wie Zitrusfrüchten, Limonaden und Fruchtsäften kann den Zahnschmelz angreifen.

Die Rolle des zentralen Nervensystems

Das zentrale Nervensystem (ZNS) spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen. Wenn Reize wie Hitze, Kälte oder Druck auf die Zähne einwirken, werden diese von Nervenfasern im Zahninneren aufgenommen und als Schmerzsignale an das Gehirn weitergeleitet.

Periphere und zentrale Sensibilisierung

Bei chronischen Schmerzen kann es zu einer peripheren und/oder zentralen Sensibilisierung kommen. Bei der peripheren Sensibilisierung reagieren die Nervenenden im Zahn empfindlicher auf Reize. Bei der zentralen Sensibilisierung verändert sich die Schmerzwahrnehmung im Gehirn, sodass bereits geringe Reize als starker Schmerz wahrgenommen werden.

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Stress und Zähneknirschen

Stress kann eine wichtige Rolle bei der Entstehung von sehr empfindlichen Zähnen spielen. Viele Menschen neigen dazu, bei Stress mit den Zähnen zu knirschen oder die Zähne aufeinander zu pressen (Bruxismus). Dies kann zu einer Abnutzung des Zahnschmelzes und zu freiliegenden Zahnhälsen führen. Studien haben gezeigt, dass ein hohes Stresslevel mit einem erhöhten Cortisolspiegel im Speichel einhergeht. Das nächtliche Zähneknirschen dient vermutlich dem Stressabbau.

Psychische Faktoren

Auch psychische Faktoren wie Angststörungen und Depressionen können das Risiko für Bruxismus erhöhen und somit zu sehr empfindlichen Zähnen beitragen. In manchen Fällen ist daher auch eine Psychotherapie ratsam.

Symptome sehr empfindlicher Zähne

Die Symptome sehr empfindlicher Zähne können vielfältig sein. Einige der häufigsten Symptome sind:

  • Ziehende Schmerzen: Die Schmerzen treten meist blitzartig auf und verschwinden schnell wieder. Sie können durch kalte, heiße, saure, salzige oder süße Speisen und Getränke ausgelöst werden. Auch ein Luftzug oder die Berührung der Zähne können Schmerzen verursachen.
  • Schmerzen beim Zähneputzen: Viele Betroffene empfinden das Zähneputzen als unangenehm oder schmerzhaft.
  • Druckempfindlichkeit: Die Zähne können empfindlich auf Druck reagieren, beispielsweise beim Kauen.
  • Zahnfleischrückgang: Das Zahnfleisch zieht sich zurück und legt die Zahnhälse frei.
  • Sichtbar längere Zähne: Durch den Zahnfleischrückgang erscheinen die Zähne länger.

Diagnose

Die Diagnose von sehr empfindlichen Zähnen erfolgt in der Regel durch eine zahnärztliche Untersuchung. Der Zahnarzt wird die Zähne und das Zahnfleisch sorgfältig untersuchen und nach möglichen Ursachen für die Empfindlichkeit suchen. Dazu können folgende Untersuchungen gehören:

  • Visuelle Inspektion: Der Zahnarzt untersucht die Zähne auf Karies, Risse, Frakturen und Zahnschmelzerosion.
  • Tastuntersuchung: Der Zahnarzt tastet die Zähne mit einem Instrument ab, um empfindliche Stellen zu identifizieren.
  • Kälte- und Wärmetest: Der Zahnarzt bringt kalte oder warme Reize auf die Zähne auf, um die Reaktion zu testen.
  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können helfen, Karies, Entzündungen oder andere Probleme im Zahninneren oder im Kieferknochen zu erkennen.
  • BruxChecker: Eine spezielle Folie, die auf die Zähne gelegt wird, um Abriebspuren sichtbar zu machen.

Um das Krankheitsbild ganzheitlicher zu erfassen, sollte die psychische Komponente möglichst frühzeitig erfasst werden. Ein strukturiertes Konzept mit speziell entwickelten Fragebögen und mit Vorlagen für Schmerzzeichnungen können bereits bei der Anamnese Hinweise auf das Krankheitsbild geben. Die klinische Diagnostik sollte neben der konventionellen zahnärztlichen Basisdiagnostik auch ein neurophysiologisches Screening vor allem des N. trigeminus beinhalten. Dies ist für die Unterscheidung zwischen nozizeptivem und neuropathischem Schmerz essenziell. Gibt es Hinweise auf das Vorliegen einer neuropathischen Schmerzkomponente, so kann zur Präzisierung des Schmerzscreenings ergänzend der painDETECT-Fragebogen eingesetzt werden. Dieses Untersuchungsverfahren überschreitet die alltägliche zahnärztlich-sensorische Basisdiagnostik und vergleicht das betroffene Areal mit einem Referenzareal. Es ist ein psychophysiologisches Diagnostikverfahren, welches nichtinvasiv die Funktionalität von myelinisierten A?-, A?-Fasern und unmyelinisierten C-Fasern (Small Fibers) überprüft. Es werden kalibrierte thermische und mechanische Reize appliziert. Am Ende der standardisiert durchgeführten Testbatterie ist ein komplettes sensorisches Profil erstellt. Es zeigen sich sensible Plus- und/oder Minuszeichen, wodurch sowohl periphere und/oder zentrale Sensitivierungen als auch neuropathische Störungen erkennbar werden.

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Behandlung

Die Behandlung von sehr empfindlichen Zähnen richtet sich nach der Ursache. Einige der gängigen Behandlungsmethoden sind:

  • Desensibilisierende Zahnpasta: Spezielle Zahnpasten für empfindliche Zähne enthalten Inhaltsstoffe, die die Nervenenden im Zahn beruhigen und die Empfindlichkeit reduzieren können.
  • Fluoridbehandlungen: Fluorid stärkt den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe. Fluoridbehandlungen können in der Zahnarztpraxis durchgeführt oder in Form von fluoridhaltigen Mundspülungen oder Gels zu Hause angewendet werden.
  • Versiegelung der Zahnhälse: Der Zahnarzt kann die freiliegenden Zahnhälse mit einem speziellen Lack oder Kunststoff versiegeln, um sie vor Reizen zu schützen.
  • Zahnhalsfüllungen: Bei größeren Defekten am Zahnhals kann der Zahnarzt eine Füllung aus zahnfarbenem Kunststoff anbringen.
  • Zahnfleischtransplantation: In manchen Fällen kann eine Zahnfleischtransplantation erforderlich sein, um freiliegende Zahnhälse zu bedecken.
  • Aufbissschienen: Bei Zähneknirschen kann eine Aufbissschiene helfen, die Zähne vor Abnutzung zu schützen und die Kiefermuskulatur zu entlasten.
  • Botulinumtoxin (Botox): Bei starkem Bruxismus, der auf konservative Maßnahmen nicht ausreichend anspricht, kann Botulinumtoxin in die Kaumuskulatur injiziert werden, um die Muskelaktivität zu reduzieren.
  • Stressbewältigung: Entspannungsübungen, Achtsamkeitstraining oder Psychotherapie können helfen, Stress abzubauen und Zähneknirschen zu reduzieren.
  • Physiotherapie und Osteopathie: Können muskuläre Verspannungen und Funktionsstörungen behandeln.
  • Craniosacrale Therapie: Diese sanfte Form der Osteopathie wirkt über minimale manuelle Impulse im Bereich von Schädel, Wirbelsäule und Kreuzbein. Ziel ist es, Spannungen im craniosakralen Rhythmus zu lösen und die körpereigene Regulation zu unterstützen.
  • Hypnose: Kann bei Bruxismus helfen, insbesondere wenn dieser mit inneren Konflikten, Ängsten oder traumatischen Erfahrungen in Zusammenhang steht.

Vorbeugung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um sehr empfindlichen Zähnen vorzubeugen:

  • Richtige Putztechnik: Verwenden Sie eine Zahnbürste mit weichen Borsten und putzen Sie Ihre Zähne mit sanften, kreisenden Bewegungen. Vermeiden Sie zu starkes Schrubben.
  • Schonende Zahnpasta: Verwenden Sie eine Zahnpasta für empfindliche Zähne oder eine Zahnpasta mit niedrigem Abrasionswert.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Gehen Sie regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle und Prophylaxe, um Probleme frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen.
  • Vermeidung säurehaltiger Lebensmittel und Getränke: Reduzieren Sie den Konsum von säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken wie Zitrusfrüchten, Limonaden und Fruchtsäften. Spülen Sie Ihren Mund nach dem Verzehr säurehaltiger Produkte mit Wasser aus.
  • Verwendung von Fluoridprodukten: Verwenden Sie fluoridhaltige Zahnpasta und Mundspülungen, um den Zahnschmelz zu stärken.
  • Stressmanagement: Achten Sie auf ausreichend Entspannung und Stressabbau.
  • Vermeidung von Zähneknirschen: Wenn Sie mit den Zähnen knirschen, lassen Sie sich eine Aufbissschiene anpassen.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und lassen Sie Ihren Vitalstoffstatus überprüfen. Besonders wichtig ist der Vitamin-D-Spiegel sowie die Calcium-, Magnesium- und Omega-3-Versorgung.

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