Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich bei manchen Menschen durch Sehstörungen äußert. Die sogenannte Augenmigräne, auch ophthalmologische Migräne genannt, ist eine spezielle Form der Migräne, bei der visuelle Symptome im Vordergrund stehen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und vorbeugenden Maßnahmen bei Migräne mit Sehstörungen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine häufige Erkrankung, von der etwa 10 bis 15 von 100 Menschen im Laufe eines Jahres betroffen sind. Typischerweise treten bei einer Migräneattacke starke, pulsierende Kopfschmerzen meist auf nur einer Seite des Kopfes auf. Die Schmerzen verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Häufig treten Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen auf. In manchen Fällen geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus, die etwa Sehstörungen und weitere Symptome umfassen kann.
Migräne mit Aura
Etwa 15 bis 25 Prozent der Patientinnen mit Migräne kennen Aura-Symptome. Die Aura ist eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung, die während eines Migräneanfalls, aber auch ohne Kopfschmerzen, auftreten kann. Die meisten Patientinnen mit einer Migräne mit Aura kennen Migräneanfälle mit und ohne Aura-Symptomen. Häufig tritt die Aura vor Beginn der Kopfschmerzen auf, sie kann aber auch währenddessen oder danach auftreten. Bei Vielen tritt die Aura manchmal auch ganz ohne Kopfschmerzen auf. Das nennt man dann eine „isolierte Aura“.
Symptome einer Migräne-Aura
Die Beschwerden der Aura-Phase einer Migräneattacke können sich einzeln, in Kombination oder nacheinander zeigen:
- Sehstörungen: Zickzacklinien, Einschränkungen des Gesichtsfelds (Skotom), Flimmern (Flimmerskotom), blendende Kreise oder Vierecke, Lichtblitze oder Farben. Die Sehstörungen beginnen häufig in der Mitte des Gesichtsfelds und breiten sich dann langsam darüber aus. Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person.
- Gefühlsstörungen: Kribbeln oder Taubheit im Gesicht, den Händen oder Beinen einer Körperseite
- Sprachstörungen: Wortfindungsschwierigkeiten, Probleme beim Sprechen und Verstehen von Wörtern
- Hörstörungen: z. B. Tinnitus, treten seltener auf
Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.
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Eine typische Migräne-Aura dauert 5 bis 60 Minuten, seltener auch mal etwas länger.
Ursachen der Migräne mit Aura
Bei der Entstehung einer Migräne-Aura sind vermutlich mehrere Mechanismen beteiligt, die während eines Migräneanfalls im Gehirn ablaufen. Über eine Aktivierung der schmerzleitenden Nervenfasern und Schmerzzentren im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, ausgeschüttet. Diese sogenannte Schmerzkaskade löst wiederum eine Entzündung der Hirngefäße und damit eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Hirnrinde aus. Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt.
Atypische Aura
Neben den typischen Aura-Symptomen ist es außerdem möglich, eine atypische Aura vor einem Migräneanfall zu bekommen. Hierzu zählt zum Beispiel Migräne mit Hirnstammaura (Basiliarismigräne), bei der zusätzlich zu den klassischen Beschwerden folgende Symptome auftreten können:
- Schwindel (z. B. Drehschwindel)
- Ohrgeräusche wie Tinnitus oder Hörminderung (hier häufiger als bei der typischen Aura)
- Sehen von Doppelbildern
- Bewusstseinsstörungen
- Beidseitiges Taubheitsgefühl
- Koordinationsstörungen (Ataxie)
Motorische Störungen und Schwäche in den Extremitäten kommen häufig bei der familiären hemiplegischen Migräne (FHM) während der Aura vor. Im Gegensatz zu den relativ kurzen Aura-Phasen bei den meisten anderen Migräneformen, können die Aura-Symptome der FHM über Stunden anhalten. Hier und bei der Hirnstammaura besteht die Möglichkeit, den Migräneanfall mit einem Schlaganfall zu verwechseln, da die Symptome sich ähneln.
Triggerfaktoren
Viele Patient*innen kennen Auslöser, so genannte Trigger, die bei ihnen zu einem Migräneanfall führen können. Das sind zum Beispiel:
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- unregelmäßiger Schlaf
- längere Phasen ohne ausreichend zu essen und zu trinken
- Stress
- starke psychische oder körperliche Belastungen
- bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft in stickigen Räumen
- Alkohol, z.B. Rotwein, oder bestimmte Nahrungsmittel
In jedem Fall lohnt es sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann.
Augenmigräne (Ophthalmologische Migräne)
Die Augenmigräne wird medizinisch auch als ophthalmologische Migräne bezeichnet. Weil die Symptome der Augenmigräne besonders das Sehen beeinträchtigen, spricht man auch von einer visuellen Migräne. Die Augenmigräne geht mit einer Aura einher. Die Aura-Symptomatik kündigt die Migräneattacke an. In seltenen Fällen treten die Symptome der Aura ohne nachfolgende Kopfschmerzen auf.
Symptome der Augenmigräne
Die Symptome der ophthalmologischen Migräne (Augenmigräne) betreffen vor allem die Aura. Während der Migräneattacke, die auf die Aura folgt, treten hauptsächlich allgemeine Symptome auf, die sich nicht spezifisch der Augenmigräne zuordnen lassen. Symptome der Aura bei Augenmigräne:
- Skotom: Bei einem Skotom kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Ausfall von Gesichtsfeldern. Die Betroffenen sehen dann im Bereich des Skotoms schlechter.
- Flimmerskotom: Das Flimmerskotom geht ebenfalls mit Gesichtsfeldausfällen einher. Flimmern oder Blitze in den betroffenen Bereichen des Gesichtsfeldes beeinträchtigen das Sehen.
- Szintillationen: Szintillationen sind Flimmererscheinungen. Manchmal tritt das Flimmern auch bei geschlossenen Augen auf. Das macht dieses Symptom besonders belastend für die Betroffenen.
- Farbige Girlanden: Einige Betroffene berichten von Girlanden, die sich fadenartig und in verschiedenen Farben quer durch das Sichtfeld ziehen.
- Lichtblitze: Viele Patienten und Patientinnen leiden unter Lichtblitzen. Diese hellen, nur kurz aufflackernden Blitze durchzucken ohne äußeren Grund das Sichtfeld. Man kann sich diese Lichtblitze so vorstellen, als würde man direkt in die Sonne schauen.
- Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen müssen nicht erst nach der Aura-Phase auftreten, manche Patienten leiden bereits unter Kopfschmerzen, während die Aura noch anhält. Dieses Symptom ist sehr individuell. Auch die Intensität der Kopfschmerzen unterscheidet sich im Einzelfall.
- Schwindel: Auch Schwindel kann nicht nur während der eigentlichen Migräneattacke auftreten, sondern vorher schon in Zusammenhang mit der Aura. Eine Ursache können die verwirrenden visuellen Signale sein, zum Beispiel Lichtblitze, die das Gehirn herausfordern. Der Schwindel kann aber auch als eigenständiges Symptom auftreten.
- Motorische Störungen der Augenmuskeln: In seltenen Fällen leiden Betroffene unter einer motorischen Störung der Augenmuskeln. Die Patienten können ihre Augen nicht mehr willkürlich in alle Richtungen bewegen; vor allem Kinder sind davon oft betroffen.
Wenn im Volksmund von einer Migräne mit Sehstörungen die Rede ist, ist damit jedoch nicht unbedingt die Augenmigräne gemeint. Auch andere Migräneformen führen zu Sehstörungen. Die einzelnen Formen der Migräne können daher nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt werden. Das gilt auch für eine „Migräne mit Augenflimmern“. Das Flimmern ist kein spezifisches Symptom der Augenmigräne.
Ursachen der Augenmigräne
Zu den Ursachen der Augenmigräne gehören genetische Faktoren (familiäre Prädisposition), individuelle Umstände wie Stress oder andere Umweltfaktoren. Die Aura-Symptome bei der Augenmigräne haben eine andere Ursache als die Symptome der eigentlichen Migräneattacke, die sich bei den verschiedenen Migräneformen nicht unterscheiden.
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Die Augenmigräne geht mit Symptomen einher, die vor allem die Augen und das Sichtfeld betreffen. Daher liegt es nahe, dass die Ursachen der Augenmigräne in dem Teil des Gehirns liegen, in dem sich die Sehrinde befindet. Was genau die Symptome jedoch auslöst, ist noch nicht abschließend erforscht.
Experten gehen davon aus, dass die allgemeinen Risikofaktoren für eine Aura auch auf die Aura der Augenmigräne zutreffen. Im Moment geht man davon aus, dass besonders Käse, Nüsse und Natriumglutamat in Lebensmitteln eine Augenmigräne begünstigen. Man nimmt außerdem an, dass ein Magnesiummangel Augenmigräne verursachen kann.
Die Symptome entstehen durch eine verminderte Durchblutung der Sehrinde, vermutlich aufgrund einer kurzzeitigen Störung der Blutversorgung in diesem Bereich. Das führt zu einem Sauerstoffmangel an der Sehrinde im Gehirn. Bei den Betroffenen äußert sich das in Form der entsprechenden Symptome.
Retinale Migräne
Die retinale Migräne (Netzhautmigräne) ist keine Augenmigräne. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten der Migräne, auch wenn sie immer die Augen betreffen. Die Augenmigräne beeinträchtigt jedoch beide Augen, die retinale Migräne tritt nur einseitig auf. Diese Form der Augenmigräne ist sehr selten. Wie viele Migränepatienten diese Erkrankung der Retina (Netzhaut) betrifft, ist jedoch unklar. Hierbei treten die Symptome allerdings nicht beidseitig, sondern nur auf einem Auge auf. Als Ursache vermuten Wissenschaftler eine fehlende Durchblutung der Retina oder des Sehnervs, die zeitweise zu visuellen Störungen während einer retinalen Migräne führt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Augenflimmern, Lichtblitze oder Sehstörungen können äußerst beängstigend wirken. Auch wenn sich die Symptome nach einiger Zeit wieder gelegt haben, solltest du einen Arzt aufsuchen, in der Regel einen Augenarzt. Mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden kann er feststellen, ob die Beschwerden durch Veränderungen im Auge herbeigeführt wurden. Dafür nutzt er unter anderem die Spaltlampe, mit der er den Augenhintergrund begutachtet. Wird der Facharzt für Augenheilkunde nicht fündig, ist der nächste Ansprechpartner ein Neurologe. Er kann mittels eines Elektroenzephalogramms (EEG) die Gehirnströme messen und bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) nutzen, um das Gehirn auf Besonderheiten zu untersuchen.
Wichtig für dich: Bevor du einen Arzt aufsuchst, überleg dir genau, welche Symptome du hattest und wann diese aufgetreten sind. Denn danach wird der Behandler fragen, genauso wie nach deinen Medikamenten, Alkohol- oder Zigarettenkonsum oder Vorerkrankungen.
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie unter Augenmigräne leiden. Hier sind einige Situationen, in denen es besonders wichtig ist, ärztlichen Rat einzuholen:
- Erstmalige Symptome: Wenn Sie zum ersten Mal Augenmigräne-Symptome erleben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome auszuschließen. Eine gründliche Untersuchung der Augen und des neurologischen Systems kann helfen, eine korrekte Diagnose zu stellen.
- Veränderungen der Symptome: Wenn sich Ihre Augenmigräne-Symptome plötzlich verändern, intensivieren oder länger andauern als zuvor, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen. Dies kann darauf hinweisen, dass sich etwas verändert hat oder dass andere Faktoren in Ihrem Gesundheitszustand eine Rolle spielen.
- Beeinträchtigung der Lebensqualität: Wenn die Augenmigräne-Symptome Ihre täglichen Aktivitäten und Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Ein Arzt kann Ihnen helfen, Behandlungsoptionen zu besprechen und Strategien zur Verbesserung Ihrer Symptome zu entwickeln.
- Begleitende Symptome: Wenn Sie neben den visuellen Symptomen von Augenmigräne zusätzliche Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder neurologische Symptome (z. B. Taubheitsgefühl, Sprachstörungen) haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dies kann darauf hinweisen, dass es sich um eine andere Art von Migräne oder eine andere zugrunde liegende Erkrankung handelt, die eine genaue Diagnose erfordert.
- Häufige oder schwere Episoden: Wenn Sie häufige oder schwere Episoden von Augenmigräne haben, die sich nicht ausreichend durch Selbsthilfemaßnahmen oder verschreibungspflichtige Medikamente kontrollieren lassen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Ein Augenarzt kann eine individuelle Behandlungsstrategie entwickeln und möglicherweise andere Medikamente oder therapeutische Ansätze empfehlen.
Entscheidend ist bei der Diagnostik zudem andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Hier sind einige Erkrankungen, die in Betracht gezogen werden sollten:
- Retinale Probleme: Retinale Probleme wie Netzhautablösung, Netzhautriss oder Makuladegeneration können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen. Eine gründliche Untersuchung der Netzhaut durch einen Augenarzt kann helfen, diese Probleme auszuschließen.
- Glaukom: Glaukom, auch bekannt als grüner Star, ist eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und zu einem progressiven Sehverlust führen kann. In einigen Fällen können die Symptome des Glaukoms, wie Sehstörungen oder Augenschmerzen, mit den Symptomen von Augenmigräne verwechselt werden.
- Augenmuskelerkrankungen: Bestimmte Erkrankungen der Augenmuskeln, wie Okuläre Myasthenie oder Strabismus, können zu Sehstörungen und Augenbeschwerden führen. Eine Untersuchung durch einen Augenarzt kann helfen, diese Bedingungen auszuschließen.
- Augeninfektionen: Augeninfektionen wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung) können ebenfalls visuelle Symptome wie Rötung, Schwellung oder Tränenfluss verursachen. Es ist wichtig, Infektionen als mögliche Ursache für die Symptome von Augenmigräne auszuschließen.
- Neurologische Erkrankungen: Bestimmte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Sehnerventzündung oder Migräne mit Aura können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen. Eine gründliche neurologische Untersuchung kann helfen, diese Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung von Migräne mit Sehstörungen
Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräneanfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräneattacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
Die Behandlung der Augenmigräne unterscheidet sich nicht von der Behandlung anderer Migräneformen. Das bedeutet, dass sich Medikamente wie Schmerzmittel oder Triptane meist positiv auswirken. Auch das Vermeiden von Auslösern, sogenannten Triggern, ist hilfreich: Stress zu reduzieren oder bestimmte Lebensmittel zu meiden, falls sie einen Migräneanfall auslösen, ist also sinnvoll. Eine spezielle Therapie, die nur bei der Augenmigräne zur Anwendung kommt, gibt es nicht. Während der Aura-Phase, wenn die typischen Symptome der Augenmigräne auftreten, hilft es vielen Betroffenen, bestimmte Trigger zu meiden: In einem abgedunkelten Raum zur Ruhe zu kommen, ohne die Augen durch Handy, TV und andere Bildschirme zu belasten, tut den Patienten und Patientinnen in dieser Phase erfahrungsgemäß gut.
Zur akuten Behandlung der Aura-Symptome stehen keine Medikamente zur Verfügung. Mit bestimmten Medikamenten zur Prophylaxe lässt sich aber meist die Anzahl der Migräne- und damit Aura-Attacken verringern. Betroffene sollten dies mit ihrer behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen. Wer als Akutbehandlung der Migräne Triptane einnimmt, sollte dies erst nach Abklingen der Aura tun. Zum einen wirken die Triptane nicht gegen die Aura-Symptome, zum anderen kann sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Patientinnen und Patienten sollten in Hinblick auf Diagnose, Behandlung und Medikation stets Rücksprache mit den behandelnden Ärzten halten. Wer Aura-Symptome verspürt, sollte daher nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Durch das eingeschränkte Sichtfeld ist eine sichere Fahrweise nicht mehr gegeben. Sollten die Aura-Symptome plötzlich auftauchen, sollten Autofahrende die nächste Haltemöglichkeit aufsuchen und abwarten, bis die Symptome abklingen.
Selbsthilfemaßnahmen
Was also tun, wenn sich die Augenmigräne ankündigt?
- Zieh dich in ein ruhiges und abgedunkeltes Zimmer zurück.
- Leg ein kühles Tuch auf dein Gesicht.
- Versuch, dich zu entspannen. Dafür empfiehlt es sich, ein Entspannungsverfahren wie die Muskelentspannung nach Jacobson zu lernen.
In der Regel vergehen die Beschwerden wie Flimmerskotome oder Flackern im Auge von allein wieder, sodass die Behandlung einer Augenmigräne ohne Medikamente auskommt. Sollten die Beschwerden jedoch häufig und intensiv sein, halt Rücksprache mit deinem Arzt. In manchen Fällen kannst du auf ein Schmerzmittel zurückgreifen. Möglicherweise eignen sich Arzneimittel, die auch bei der Migräne-Therapie zum Einsatz kommen, bei Augenmigräne.
Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung und ärztlichen Betreuung können Selbsthilfemaßnahmen und Lebensstiländerungen dazu beitragen, die Häufigkeit und Schwere von Augenmigräne-Episoden zu reduzieren. Dabei sollten Sie individuelle Lebensstiländerungen finden, die für Sie am besten funktionieren.
- Ruhe und Entspannung: Während einer Augenmigräne-Episode ist es wichtig, sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen und sich zu entspannen. Eine ruhige Umgebung ohne grelles Licht oder starke Gerüche kann helfen, die Symptome zu lindern.
- Dunkelheit: Das Aufsuchen eines abgedunkelten Raums oder das Tragen einer Sonnenbrille kann dabei helfen, empfindliche Augen vor hellem Licht zu schützen und die visuellen Symptome zu reduzieren.
- Auslöser vermeiden: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Ihre Augenmigräne und versuchen Sie, diese so konsequent wie möglich zu vermeiden. Dazu gehören Stress, bestimmte Lebensmittel (wie koffeinhaltige Getränke, Schokolade, Käse oder Lebensmittel mit hohem Histamingehalt), Schlafmangel, grelles Licht, starke Gerüche oder bestimmte Umweltfaktoren. Ein Migränetagebuch kann dabei helfen, Auslöser zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
- Stressmanagement: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne und kann auch Augenmigräneepisoden auslösen. Stressmanagementtechniken wie Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Episoden zu reduzieren. Regelmäßige körperliche Aktivität kann auch helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßiger Schlaf: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten. Schlafmangel kann die Wahrscheinlichkeit von Migräne-Episoden erhöhen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Überspringen Sie keine Mahlzeiten und halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein. Niedriger Blutzucker kann Migräne-Episoden auslösen.
- Ausreichende Flüssigkeitsmenge: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Flüssigkeit trinken, insbesondere Wasser. Dehydration kann Migräne-Symptome verstärken.
- Augenschutz: Schützen Sie Ihre Augen vor grellem Licht, indem Sie eine Sonnenbrille tragen, insbesondere bei hellem Sonnenlicht oder grellem Kunstlicht.
- Entspannungstechniken für die Augen: Übungen zur Augenentspannung können helfen, die Belastung der Augen zu verringern. Dies kann das Schließen der Augen, regelmäßiges Blinzeln oder das Ausführen von Blickbewegungen umfassen.
- Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Wenn Sie viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, nehmen Sie regelmäßige Pausen, um Ihre Augen zu entlasten. Blicken Sie in die Ferne, um Ihre Augenmuskeln zu entspannen.
Vorbeugung von Migräne mit Sehstörungen
Außerdem kann man die Migräne mit Aura auch vorbeugend behandeln. Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren, die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken. Auch psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen. Wenn man solche nicht-medikamentösen Maßnahmen regelmäßig anwendet, merkt man dann, dass die Migräne weniger häufig auftritt und Attacken weniger schwer verlaufen.
Wenn diese Maßnahmen nicht reichen, können verschiedene Medikamente zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören Blutdruckmittel wie Betablocker, Antidepressiva, die auch in der Behandlung von Schmerzen gut wirksam sind, und bestimmte Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie wirken, die aber auch in der Behandlung einer Migräne wirksam sind. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräneanfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.
Vorbeugen können Sie dann besonders gut, wenn Sie Ihre individuellen Trigger-Faktoren kennen. Versuchen Sie zu beobachten, worauf Sie besonders empfindlich reagieren oder unter welchen Bedingungen ein Anfall einsetzt - so können Sie über die Zeit Strategien zur Vermeidung der Auslöser entwickeln. Die Häufigkeit der Attacke kann sich damit stark reduzieren.
Weitere Empfehlungen richten sich vor allem nach der Therapie der klassischen Migräne, da es hier die meisten Erfahrungswerte gibt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt in der Leitlinie zur Therapie der Migräne beispielsweise die Einnahme von Magnesium und Vitamin B12, da diese eine vorbeugende Wirkung haben können.
Was Sie im Umgang mit der Augenmigräne darüber hinaus machen können: sich mit anderen Betroffenen austauschen. Auf der Internetsite der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft finden Sie diverse Selbsthilfegruppen. Vielleicht lässt sich dem nächsten Anfall auch durch den Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe vorbeugen - zum Beispiel durch Tipps anderer Menschen, die auch unter Augenmigräne leiden. Grundsätzlich gilt: Alle Techniken und Methoden, die zur Entspannung und inneren Ruhe beitragen, können Ihnen helfen. Stress sollte dagegen so gut wie möglich vermieden oder durch entsprechende Techniken in seiner Wirkung abgemildert werden. Damit tun Sie nicht nur etwas gegen die Augenmigräne, sondern auch für Ihr allgemeines Wohlbefinden.
Maßnahmen zur Vorbeugung
- Regelmäßiger Sport: Regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen.
- Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
- Medikamente: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wie Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage.
- Antikörpertherapie: Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.
- Remote Electrical Neuromodulation (REN): Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.
- Migräne-Apps: Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.
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