Polyneuropathie ist eine weitverbreitete, aber oft missverstandene neurologische Erkrankung. Symptome wie brennende Füße, Ameisenkribbeln und Taubheitsgefühle können den Alltag stark beeinträchtigen. In Hattingen und Umgebung gibt es verschiedene Initiativen und Anlaufstellen, die Betroffenen Unterstützung und Austauschmöglichkeiten bieten. Dieser Artikel beleuchtet die Situation der Polyneuropathie-Selbsthilfe in Hattingen und gibt einen Überblick über Anlaufstellen, Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang mit der Erkrankung.
Die Polyneuropathie: Eine komplexe Erkrankung
Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Schädigung oder Funktionsstörung mehrerer Nerven gleichzeitig gekennzeichnet ist. Die Symptome sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Häufige Beschwerden sind:
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder ein Gefühl, wie auf Watte zu gehen.
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, Krämpfe, Lähmungserscheinungen.
- ** vegetative Störungen:** Beeinträchtigung der Funktion innerer Organe, wie z.B. Verdauungsstörungen oder Herzrhythmusstörungen.
Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem:
- Diabetes mellitus: Eine der häufigsten Ursachen für PNP.
- Alkoholmissbrauch: Regelmäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, können Polyneuropathie verursachen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Borreliose oder HIV, können PNP auslösen.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Nerven angreift.
- Genetische Faktoren: In seltenen Fällen ist PNP erblich bedingt.
- Tumore: In Verbindung mit Tumorerkrankungen kann es zu Polyneuropathien kommen.
Die Diagnose und Behandlung von Polyneuropathie sind oft komplex und erfordern eine sorgfältige Abklärung der Ursache.
Selbsthilfegruppen als wichtige Stütze
Für Menschen mit Polyneuropathie sind Selbsthilfegruppen eine wichtige Anlaufstelle. Hier können sie sich mit anderen Betroffenen austauschen, Erfahrungen teilen und gegenseitige Unterstützung finden. Die Gruppenmitglieder bauen sich gegenseitig auf und gehen manchmal auch mit Galgenhumor gegen brennende Füße, Ameisenkribbeln und Taubheitsgefühl an.
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In Hattingen und Sprockhövel plant die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) der Diakonie Mark-Ruhr im Herbst 2024 die Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe für Polyneuropathie (PNP). Die KISS ist generell Anlaufstelle für Menschen, die gemeinsam mit anderen Betroffenen soziale und gesundheitliche Probleme bewältigen möchten. Dabei übernehmen sie für sich selbst Verantwortung und profitieren in einer Gruppe von den Erfahrungen anderer.
Eine bereits bestehende Selbsthilfegruppe in der Region wird von Joachim Müller geleitet. Die Gruppenmitglieder sind zwischen Mitte 50 und Mitte 80. Bei Vorträgen können es auch schon mal 40 Personen sein. Im Moment diskutieren acht lebhaft im Konfiraum des Ev. Gemeindezentrums Augustastraße über Medikamente und mehr, ihre Sorgen und wo im wahrsten Sinn des Wortes der Schuh drückt.
Erfahrungen aus der Selbsthilfe
In Selbsthilfegruppen tauschen sich Betroffene über verschiedene Aspekte ihrer Erkrankung aus. Dazu gehören:
- Symptome und Beschwerden: Die Mitglieder berichten von ihren individuellen Erfahrungen mit den vielfältigen Symptomen der Polyneuropathie.
- Diagnose und Behandlung: Sie diskutieren über ihre Erfahrungen mit Ärzten, Therapien und Medikamenten.
- Alltagsbewältigung: Sie geben sich gegenseitig Tipps und Ratschläge, wie sie ihren Alltag trotz der Einschränkungen durch die Erkrankung meistern können.
- Umgang mit der Erkrankung: Sie tauschen sich über ihre Ängste, Sorgen und Gefühle aus und unterstützen sich gegenseitig bei der Krankheitsbewältigung.
- Reaktionen der Umwelt: Sie berichten von ihren Erfahrungen mit dem Unverständnis und der mangelnden Rücksichtnahme ihrer Mitmenschen.
Ein Betroffener schildert beispielsweise, dass er in öffentlichen Verkehrsmitteln selten einen Sitzplatz angeboten bekommt, obwohl ihm das Gehen schwerfällt.
Behandlungsmöglichkeiten der Polyneuropathie
Die Behandlung der Polyneuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Diabetes mellitus bedingter Polyneuropathie muss der Blutzucker adäquat eingestellt werden. Bei Tumor assoziierter Polyneuropathie steht die Behandlung des zugrunde liegenden Tumors im Fokus. Bei autoimmun entzündlichen Polyneuropathien, steht die Behandlung des Immunsystems im Vordergrund, u.a. mit intravenösem Kortison oder intravenösem Immunglobulin (IVIG).
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Neben der Behandlung der Ursache gibt es verschiedene symptomatische Therapien, die die Beschwerden lindern können:
- Medikamente: Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Linderung von Schmerzen und neuropathischen Beschwerden eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Krankengymnastik kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapeutische Maßnahmen können die Selbstständigkeit im Alltag fördern und Kompensationsstrategien erlernen.
- ** Hilfsmittel:** Fußheberorthesen, Gehstöcke oder Rollatoren können die Mobilität verbessern und die Sturzgefahr reduzieren.
- Komplementärmedizin: Einige Patienten profitieren von komplementärmedizinischen Behandlungen wie Akupunktur, Ayurveda oder Yoga.
Abteilung für Neurologie und Komplementärmedizin im Ev. Krankenhaus Hattingen
Die Abteilung für Neurologie und Komplementärmedizin im Ev. Krankenhaus Hattingen bietet ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten für neurologische Erkrankungen, darunter auch Polyneuropathie. Die Abteilung ist spezialisiert auf die Behandlung von Patienten mit motorischen Störungen und bietet neben der schulmedizinisch basierten medikamentösen Therapie auch komplementärmedizinische Behandlungen wie Yoga, Meditation, Massagen und ayurvedische Anwendungen an.
Die Abteilung wurde 2009 durch Univ.-Prof. Dr. Dr. Horst Przuntek gegründet und mit Unterstützung durch Frau Dr. Szymanski, Frau Dr. Mackowiak und den Ayurveda-Ärzten Dr. Sunil Kumar und Dr. Sandeep Nair aufgebaut.
Leben mit Polyneuropathie: Ein Erfahrungsbericht
Ein Betroffener namens Kurt Podstata berichtet von seinem Leben mit Polyneuropathie. Er beschreibt seinen Krankheitsverlauf, von den ersten Symptomen bis zur Diagnose und Behandlung. Er schildert die vielfältigen Beschwerden, die ihn im Alltag einschränken, und berichtet von seinen Erfahrungen mit verschiedenen Therapien und Hilfsmitteln.
Podstata betont die Bedeutung der Selbsthilfe und berichtet von seiner eigenen Initiative zur Gründung einer Selbsthilfegruppe in Rostock. Er schildert, wie er durch den Austausch mit anderen Betroffenen neue Kraft und Zuversicht schöpfen konnte.
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Die Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe
Die Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe ist eine bundesweite Organisation, die sich für die Belange von Menschen mit Polyneuropathie einsetzt. Die Organisation bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen. Sie organisiert regelmäßig Veranstaltungen und Kongresse, bei denen sich Betroffene austauschen und von Experten informieren können.
Am vergangenen Wochenende lud die Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe zum Austausch in die Waldstadt ein. Am Freitagabend begann das Patienten-Symposium im Hotel Vierjahreszeiten Iserlohn mit einer Veranstaltung der örtlichen Selbsthilfegruppen „Sauerland-Nord“. Dabei erfolgte eine Vorstellung der einzelnen Gruppen und ihrer Tätigkeiten. So konnte man sich einerseits in der Region noch besser vernetzen, sowie auch sich gegenseitig kennenlernen und über die Polyneuropathie austauschen.
Fazit
Polyneuropathie ist eine komplexe Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Selbsthilfegruppen, spezialisierte Kliniken und Selbsthilfeorganisationen bieten wichtige Unterstützung und Austauschmöglichkeiten. Durch eine frühzeitige Diagnose, eine individuelle Behandlung und den Austausch mit anderen Betroffenen können Menschen mit Polyneuropathie ihre Lebensqualität verbessern und ihren Alltag besser bewältigen.
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