Sepia: Wirkung auf Nerven und Anwendungsgebiete in der Homöopathie

Sepia officinalis, gewonnen aus der Tinte des Tintenfisches, ist in der Homöopathie ein vielseitiges Mittel, das vor allem bei Frauenbeschwerden Anwendung findet. Es wird als sogenanntes Polychrest betrachtet, ein Arzneimittel mit einem breiten Wirkungsspektrum, das tiefe und langanhaltende Wirkungen erzielen kann, insbesondere bei chronischen Beschwerden.

Gewinnung und Eigenschaften von Sepia

Das homöopathische Mittel Sepia wird aus dem Inhalt des Tintenbeutels des im Mittelmeer, in der Nordsee und im Atlantischen Ozean lebenden Tintenfisches Sepia officinalis gewonnen. Die Tinte ist eine schwarzbraune Flüssigkeit, deren Farbe hauptsächlich auf das Pigment Melanin zurückzuführen ist. Ein leichter Gelbstich entsteht durch den zweiten Farbstoff Sepiapterin.

Anwendungsgebiete von Sepia

Sepia wird hauptsächlich zur unterstützenden Behandlung von gynäkologischen Problemen eingesetzt, wie beispielsweise:

  • Regelstörungen
  • Probleme in der Schwangerschaft
  • Wechseljahresbeschwerden

Im Zentrum der Anwendung steht das weibliche Becken. Sepia kann auch bei Beschwerden infolge einer Gebärmuttersenkung, Blasenschwäche (insbesondere bei körperlicher Belastung) oder Hämorrhoiden durch Verstopfung infrage kommen. Darüber hinaus kann Sepia bei typischen Begleiterscheinungen des Klimakteriums, wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, bei Schwangerschaftsübelkeit sowie ausbleibender, unregelmäßiger und schmerzhafter Periode und dem prämenstruellen Syndrom hilfreich sein.

Neben den körperlichen Beschwerden wird Sepia auch zur Behandlung psychischer Leiden eingesetzt und kann unterstützend und begleitend zu einer konventionellen Therapie eingesetzt werden.

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Sepia bei Wechseljahresbeschwerden

Bei Wechseljahresbeschwerden werden häufig Potenzen wie D12 eingesetzt. Hochpotenzen wie C30 kommen dagegen bei chronischen Beschwerden infrage. Dosierung und Einnahme sollten individuell erfolgen und von fachkundigen Personen begleitet werden. Viele Frauen in den Wechseljahren haben Angst vor dem Altwerden, nehmen an Gewicht zu und können sich damit nicht abfinden. Bei kleinster Anstrengung können heftige Hitzewellen auftreten.

Sepia für Kinder

Auch Kinder können von Sepia profitieren. Besonders bei größeren Kindern sollen Sepia-Globuli bei einigen Problemen sehr gut helfen, wenn die Gesamtheit der Symptome den Besonderheiten des Mittels entspricht. Kinder, für die Sepia geeignet sein soll, sind oft ängstlich, überempfindlich und regen sich schnell auf. Erleben die Kinder Stress, Kummer oder eine starke Enttäuschung, können sie distanziert und introvertiert reagieren und sich abkapseln. In dieser Phase treten dann häufig körperliche Beschwerden auf, die gut auf Sepia-Globuli ansprechen. Wenn ein Kind in so einer Lebensphase beginnt einzunässen, Hautausschläge entwickelt, Schulschwierigkeiten und Kopfschmerzen beklagt oder andauernd an Infektionen (besonders der Atemwege und der Harnblase) erkrankt, ist eine homöopathische Behandlung mit Sepia in Betracht zu ziehen.

Sepia und die Psyche

Ein wesentlicher Aspekt von Sepia ist das Fehlen von Spannung. Dies gilt in körperlicher und seelischer Hinsicht. Im seelischen Bereich herrscht bei Sepia-Typen Gleichgültigkeit, emotionale Distanz, Trägheit und geistige Abstumpfung vor. Das kann so weit gehen, dass sich besonders Sepia-Frauen innerlich von ihrer Familie und der sozialen Gemeinschaft entfernen und alle Ansprüche von Seiten der Familie einzig als Belastung empfinden. Dies kann zu unkontrollierten Wutausbrüchen führen, aber auch zu totaler Gleichgültigkeit gegenüber den mütterlichen Pflichten. Sepia-Männer haben große Schwierigkeiten, sich selbst zu motivieren und Verantwortung zu übernehmen. Fehlendes Selbstvertrauen ist oft typisch.

Dosierung und Anwendung

Für die Selbstbehandlung mit Sepia werden vor allem die niedrig dosierten Potenzen Sepia D6 und Sepia D12 empfohlen. Die Einnahme kann dabei mittels Globuli erfolgen. In der Apotheke steht Sepia auch in Form von homöopathischen Tabletten bzw. Tropfen zur Verfügung.

Erwachsene nehmen dazu drei Mal täglich entweder fünf Globuli oder fünf Tropfen der homöopathischen Lösung oder alternativ eine Tablette ein. Kinder bekommen jeweils drei Globuli, drei Tropfen in Wasser gelöst oder eine halbe Tablette. Für Kleinkinder und Säuglinge sind die kleinen, süß schmeckenden Globuli auf Basis von Milchzucker zur Einnahme besonders gut geeignet. Hiervon nehmen Kleinkinder jeweils zwei Kügelchen. Säuglinge bekommen je einen Globulus in die Backentasche geschoben. Grundsätzlich können auch entsprechend viele Tropfen der homöopathischen Lösung oder entsprechend viele Tablettenanteile in Wasser gelöst verabreicht werden.

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Bessern sich die Beschwerden, darf die Anzahl der Gaben auf zwei- bzw. einmal täglich reduziert werden. Sobald die Symptome verschwunden sind, sollte die Behandlung beendet werden.

Bei chronischen und besonders hartnäckig anhaltenden Beschwerden kann auch die kurzfristige Gabe von besonders hohen Potenzen, wie etwa Sepia C 30, Sepia C 200 oder noch höher als Konstitutionsmittel mit langanhaltender Tiefenwirkung verabreicht werden. Bei der Gabe von Hochpotenzen sollte allerdings keine Selbstbehandlung erfolgen, sondern im Vorfeld immer ein homöopathisch erfahrener Arzt um Rat gefragt werden, der eine eingehende Anamnese durchführt und die Therapie verantwortungsvoll begleitet.

Sepia D6 und D12

  • Akute Krankheiten: mehrmals täglich drei Sepia-Globuli. Sepia D6 kann im Akutfall halbstündlich eingenommen werden, aber insgesamt nicht öfter als 6-mal in 24 Stunden. Sepia D12 sollte nicht öfter als drei Mal am Tag wiederholt werden.
  • Wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden: sollten nicht selbst behandelt werden.

Sepia C30

Ein Versuch mit Sepia C30 kann bei wenigen anhaltenden Beschwerden unternommen werden. Diese Potenz eignet sich für Behandlungsversuche von Bettnässen, Menstruations- und Senkungsbeschwerden.

Hochpotenzen (C200, C1000, LM6)

Hochpotenzen wie Sepia C200 und Sepia C1000 sind für eine Selbstbehandlung nicht geeignet und der Verordnung muss eine ausführliche Anamnese vorausgehen. Das Gleiche gilt für die Verwendung von homöopathischen Tropfen, sogenannten Q oder LM-Potenzen. Eine typische Potenz ist hier Sepia LM6, die sich gut für die Behandlung chronischer Beschwerden eignet.

Anwendungsgebiete und Dosierung im Überblick

  • Kopfschmerzen und Migräne: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.
  • Erkältung, grippaler Infekt: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.
  • Übelkeit und Erbrechen, auch Schwangerschaftserbrechen: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.
  • Verstopfung: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.
  • Hämorrhoiden: 3 Globuli Sepia D12 zwei Mal täglich. Eine Woche lang wiederholen.
  • Bettnässen: 2 Globuli Sepia C30 einmalig. Nach einer Woche wiederholen. Homöopathische Anamnese in Betracht ziehen.
  • Menstruationsbeschwerden: 3 Globuli Sepia D12 zwei Mal täglich. Nach Möglichkeit zwei Tage vor der Blutung beginnen und aufhören, wenn die Blutung vorbei ist.
  • Senkungsbeschwerden: 3 Globuli Sepia C30. Für vier Wochen lang einmal wöchentlich wiederholen.
  • Wechseljahresbeschwerden: 3 Globuli Sepia C30. Für vier Wochen lang einmal wöchentlich wiederholen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.
  • Hautausschläge und Schweiß: 3 Globuli Sepia D6 bis zu sechs Mal täglich oder 3 Globuli Sepia D12 bis zu drei Mal täglich.

Das Sepia-Bild in der Homöopathie

In der Homöopathie wird jedem Mittel ein bestimmtes "Bild" zugeordnet, das sich aus körperlichen und psychischen Symptomen zusammensetzt. Das Sepia-Bild ist geprägt von:

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  • Erschöpfung und Schwäche: Sepia-Patienten fühlen sich oft müde und ausgelaugt, sowohl körperlich als auch geistig.
  • Gleichgültigkeit und Reizbarkeit: Ein Desinteresse an der Familie, dem Partner oder den eigenen Interessen ist typisch. Gleichzeitig können die Betroffenen sehr gereizt und leicht beleidigt sein.
  • Hormonelle Beschwerden: Sepia ist ein wichtiges Mittel bei Frauenbeschwerden wie Menstruationsstörungen, Wechseljahresbeschwerden und Schwangerschaftsübelkeit.
  • Hautprobleme: Braune Flecken im Gesicht, Ekzeme und andere Hautausschläge können ebenfalls auf Sepia hinweisen.
  • Verlangen nach Saurem: Ein starkes Verlangen nach sauren Speisen wie Essig oder Zitronen ist ein weiteres charakteristisches Symptom.

Typische Sepia-Symptome und Beschwerden

  • Gereiztheit
  • Gleichgültigkeit
  • Senkungs- und Erschlaffungsgefühl innerhalb der Bauchhöhle oder der Genitalorgane
  • Überempfindlichkeit gegen Gerüche, mit Übelkeit durch den Geruch von Speisen
  • Verstopfung ohne Stuhldrang
  • Unverträglichkeit von Milch
  • Verlangen nach sauren Dingen, insbesondere Essig
  • Urin, Stuhl und Schweiß sind übelriechend
  • Kreislaufschwäche mit niedrigem Blutdruck
  • Frieren mit kalten Händen und Füßen
  • Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • Scheidenausfluss, weiß-gelb und wundmachend
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Häufig linke Körperseite stärker betroffen

Modalitäten

  • Die Beschwerden werden besser: durch Wärme, durch Bewegung an der frischen Luft, durch kräftige Bewegungen (beispielsweise Tanzen, Sport)
  • Die Beschwerden werden schlimmer: in kalter und feuchtkalter Umgebung, durch kalte Luft, bei schwülem Wetter und Gewitter, vor und während der Perioden, nach dem Essen, im Stehen, morgens und abends

Ähnliche Mittel

In der Homöopathie gibt es eine Reihe von Mitteln, die ähnliche Symptome wie Sepia aufweisen. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Natrium chloratum: Bei Trauer und körperlichen Beschwerden, die aufgrund von Trauer entstehen. Betroffene ziehen sich zurück und meiden die Gesellschaft. Ähnlich sind Schmerzen beim Sex, Menstruationsbeschwerden, ein allgemeines Schwächegefühl sowie das Auftreten von Lippenherpes.
  • Pulsatilla: Bei Ängstlichkeit, Weinerlichkeit, stillem Kummer, Kreislaufschwäche, starken Stimmungsschwankungen und der Suche nach Trost.
  • Sulfur: Beim Gefühl von Schwäche, aber auch bei Schwindel sowie Hitzewallungen im Klimakterium. Ähnlich ist hier die Gleichgültigkeit gegenüber der äußeren Erscheinung.
  • Nux vomica: Bei Reizbarkeit und Aggressivität mit Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.
  • Phosphoricum acidum: Bei Erschöpfung mit herabhängenden Augenlidern.
  • Carcinosinum: Bei Liebe zum Tanzen, Freude an Gewitter und Lust auf Schokolade.

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