Das Septum und das limbische System: Funktion und Auswirkungen auf Stressreaktionen

Viele Menschen leiden unter chronischen Verspannungen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, oft begleitet von flacher Atmung und unspezifischen Verdauungsstörungen wie Magenschmerzen, Sodbrennen und Kiefergelenksproblemen. Unruhiger Schlaf, Müdigkeit am Morgen, innere Gereiztheit, Angstzustände und kreisende Gedanken sind ebenfalls häufige Beschwerden. Betroffene fühlen sich getrieben, gehetzt und können nicht abschalten.

Da keine eindeutige Erklärung für diese Symptome gefunden wird, suchen viele Betroffene ärztliche Hilfe. Oftmals sind die Ergebnisse jedoch unauffällig, und die Patienten werden als organisch gesund entlassen. Symptomatische Behandlungen mit Medikamenten bringen oft keine dauerhafte Linderung. In solchen Fällen werden Patienten nicht selten als Hypochonder oder psychisch krank abgestempelt, wobei psychische Probleme in der Gesellschaft immer noch stigmatisiert werden.

Negative Emotionen werden oft als Schwäche angesehen, doch die Psyche ist ein komplexes System, das uns beschützt und am Leben erhält. Ein wichtiger Mechanismus dabei ist die Produktion von Botenstoffen, die den Adrenalin- und Noradrenalinspiegel im Blut erhöhen.

Die Stressreaktionskette

Die Stressreaktionskette beschreibt vereinfacht, wie unser Nervensystem auf Stress reagiert. Doch was genau passiert dabei, welche Gehirnbereiche sind beteiligt, was ist überhaupt Stress, und welche Rolle spielen Emotionen?

Dieser Artikel gibt einen Überblick über diesen Themenkomplex und soll dazu beitragen, die Reaktionsmuster des Körpers besser zu verstehen. Das zugrunde liegende Modell ist das psychophysiologische Stressmodell von Henry.

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Das limbische System und seine Rolle bei der Stressreaktion

Das limbische System ist eine Ansammlung von Nervenkernen im Gehirn, die eng miteinander verbunden sind. Es ist spezialisiert auf die Erkennung, Verarbeitung, Regulation und Weiterleitung von Emotionen und spielt eine wichtige Rolle im Belohnungssystem und im Triebverhalten. Das limbische System verarbeitet sensorische Reize aus der Umwelt (Gerüche, Temperatur, Berührung, Licht) sowie Signale aus dem Körperinneren. Auch Gedanken und Gefühle werden hier bewertet, und die Entstehung des Gedächtnisses beginnt hier. Darüber hinaus steuert und reguliert das limbische System das vegetative Nervensystem.

Im Zusammenhang mit der Stressreaktionskette sind vor allem die Amygdala und der Hippocampus von Bedeutung. Die Amygdala spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Emotionen, insbesondere von Furcht und Angst, und ist an der Speicherung von emotional besetzten Erinnerungen beteiligt. Der Hippocampus ist entscheidend für die Gedächtnisbildung und die Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis (Gedächtniskonsolidierung). Durch das Zusammenspiel von Amygdala und Hippocampus wird ein emotionales Gedächtnis aufgebaut.

Sämtliche Signale, ob von außen oder von innen kommend, durchlaufen zunächst Amygdala und Hippocampus. Diese bewerten die Signale auf "Gefahr" oder "keine Gefahr". Die Bewertung erfolgt durch zwei Instanzen:

  1. Erfahrungsbasierte Bewertung: Bewertung der potentiellen Gefährlichkeit auf Basis der Summe der gemachten Erfahrungen.
  2. Evolutionsbedingte Bewertung: Bewertung auf Basis der Summe der evolutionsbedingten Gefahr-Parameter, die in unseren Genen abgespeichert sind.

Aus diesen Bewertungen ergibt sich ein "Gefahrenquotient", der an den Hypothalamus weitergeleitet wird. Diese Beurteilung ist überlebenswichtig, da eine Fehlinterpretation fatale Folgen haben könnte.

Bei einer Bewertung als "Gefahr" wird umgehend ein Signal an den Hypothalamus gesendet. Der Hypothalamus ist der "Chef" des vegetativen Nervensystems und Vermittler zwischen Nerven- und Hormonsystem. Er beeinflusst über Sympathikus und Parasympathikus Organe, Drüsen, Sinnesorgane, Blutgefäße, Muskeln und Faszien. Hypothalamus-Hormone steuern Wasser- und Salzhaushalt, Blutdruck, Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme, Schmerzempfindungen und Sexualtrieb.

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Gefahrensignale aus dem limbischen System veranlassen den Hypothalamus, über das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) in der Hypophyse das Hormon Adrenocorticotropin (ACTH) freizusetzen. ACTH gelangt zur Niere, wo es die Freisetzung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin in den Blutkreislauf auslöst. Gleichzeitig wird Cortisol produziert.

Diese Hormone und das sympathische Nervensystem sorgen dafür, dass der Körper mehr Sauerstoff und Energie erhält, um schnell zu handeln, Schmerzen kaum wahrzunehmen und Verletzungen schnell zu heilen. Die Verdauung wird eingestellt, der Herzschlag erhöht, und die Sinne schärfen sich. Der Körper wird auf Überlebensmodus programmiert: Kampf oder Flucht.

Auch wenn die Formulierung "Kampf oder Flucht" drastisch ist, ist dieses Überlebensprogramm in unseren Genen immer noch abgespeichert. Typische Stresssituationen im Alltag sind schwere Erkrankungen, hohe körperliche Belastungen, Reizüberflutung, Schlafmangel, Leistungsdruck oder psychische Traumata. Als Dauerzustand führen diese zu einer ständigen Aktivierung der Stressreaktionskette und den damit einhergehenden Symptomen.

Gedanken, Gefühle und Kompensation

Bewusste und unbewusste mentale Konditionierungen, Blockaden und berufliche Dauerbelastungen erzeugen Stress im Nervensystem. Da alle Organe, Drüsen, Blutgefäße und Gewebsschichten mit dem Nervensystem verbunden sind, reagieren diese automatisch darauf. Auf zellulärer Ebene können Übersäuerungen oder Stoffwechselblockaden entstehen. Die Folgen sind Wassereinlagerungen, Fettdepots, Gewichtszunahme, Elastizitätsverlust von Muskeln und Faszien, Gelenkblockaden und veränderte Schmerzwahrnehmung. Der Körper gerät in ein Ungleichgewicht.

Um sich dennoch wohl zu fühlen, wird das Belohnungszentrum im Nucleus Accumbens des limbischen Systems aktiviert. Dieses setzt motivationales Verhalten in Handlung um und sorgt dafür, dass wir schnell wieder unsere emotionale "Komfortzone" erreichen. So beginnt Konditionierung, die zu automatisiertem Handeln und Sucht führen kann. Langfristig führen diese Kompensationsmuster jedoch zu einseitigem Ess- und Trinkverhalten, Bewegungsarmut, Suchtverhalten und Unzufriedenheit. Auch Verhaltensmuster wie extreme sportliche Aktivitäten, pausenlose Dauerarbeit, übermäßige Selbstdisziplin und Ehrgeiz können den Organismus schädigen, wenn sie durch das Belohnungszentrum aktiviert werden.

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Mögliche Therapieansätze

Es ist wichtig, die Auswirkungen der Stressreaktionskette zu verstehen. Jeder kann seine eigene Lebenssituation auf Stress verursachende Faktoren überprüfen. Manche Dinge lassen sich leicht ändern, andere weniger oder gar nicht. Schwierig wird es bei unbewussten Stressverursachern, bei denen Hilfe von außen benötigt wird.

Es gibt verschiedene Therapieansätze, um versteckte Stressverursacher zu identifizieren und aufzulösen.

Das Septum: Eine Schlüsselstruktur im limbischen System

Die Septumregion ist ein vergleichsweise kleiner Bereich des vorderen inneren Großhirns, der oft als "Außenposten des Zwischenhirns" betrachtet wird. Sie umfasst drei Kerngebiete: den medialen Kern, den lateralen Kern und das diagonale Band von Broca. Nach oben hin wird die Septumregion vom vorderen Bereich des Balkens begrenzt, seitlich vom Nucleus accumbens.

Eine der wichtigsten Verbindungen des Septums ist die zum Hippocampus über den Fornix. Diese enge Verbindung zwischen einer zentralen Struktur der Gedächtnisbildung und dem Septum deutet auf dessen Bedeutung hin. Weitere Verbindungen bestehen zu den olfaktorischen Cortexarealen und - ebenfalls über den Fornix - zu weiteren Strukturen des limbischen Systems. Auch dopaminerge Bahnen aus dem Mittelhirn enden im Septum. Nicht zuletzt hat die Septumregion ausgiebige wechselseitige Verbindungen mit dem Hypothalamus.

Im Septum wurden bis zu 35 unterschiedliche chemische Botenstoffe gefunden, darunter Vasopressin, das eine wichtige Rolle bei der Fieberreaktion spielt. Daher wird das Septum zum antipyretischen Gebiet gezählt und ist Angriffspunkt vieler fiebersenkender Medikamente.

Neurone der medialen Septumkerne senden ihre Fasern in den Hippocampus, wo sie die hemmende GABA und Acetylcholin freigeben. Diese cholinergen Eingänge benötigt der Hippocampus zur Encodierung neuer Gedächtnisinhalte. Schädigungen des Septums können daher zu Gedächtnisausfällen führen.

Funktionen des Septums

Das Septum ist also eine komplexe Struktur mit vielfältigen Funktionen:

  • Schnittstelle zwischen Emotion, Gedächtnis und vegetativer Steuerung: Die Septumregion verbindet diese wichtigen Bereiche des Gehirns.
  • Fiebersenkung: Das Septum trägt zur Regulation der Körpertemperatur bei.
  • Gedächtnisbildung: Durch die Verbindungen zum Hippocampus spielt das Septum eine Rolle bei der Encodierung neuer Gedächtnisinhalte.
  • Vermittlerfunktion: Das Septum vermittelt zwischen dem motorischen System (z.B. Lautäußerungen), dem Cortex, den limbischen Thalamuskernen, dem Culliculus superior, der Formatio reticularis und dem tegmentalen Höhlengrau.
  • Schaltstelle zwischen limbischem System und Isocortex: Das Septum ist eine wichtige Schaltstelle zwischen diesen beiden Bereichen des Gehirns.
  • Bewertung: Das Septum ist an der Bewertung dessen beteiligt, was das Gehirn tut und welche Konsequenzen dies hat.

Das limbische System im Überblick

Das limbische System ist ein Gehirnbereich, der uns hilft, Gefühle zu empfinden, Erinnerungen zu speichern und unser Verhalten zu steuern. Es ist an Trieben wie Hunger, Durst oder Sexualität beteiligt und spielt eine wichtige Rolle bei der Reaktion auf Freude, Angst oder Stress.

Bestandteile des limbischen Systems:

  • Hippocampus: Gedächtnisbildung und -abruf.
  • Amygdala (Mandelkern): Emotionale Bewertung von Gedächtnisinhalten, insbesondere Angstgedächtnis.
  • Gyrus cinguli: Aufmerksamkeit, Motivation.
  • Hypothalamus: Steuerung von Trieben und Instinkten.
  • Septum: Schaltstelle zwischen verschiedenen Bereichen des limbischen Systems.

Funktionen des limbischen Systems:

  • Emotionen: Verarbeitung und Regulation von Emotionen.
  • Gedächtnis: Bildung und Abruf von Gedächtnisinhalten.
  • Motivation: Steuerung von Trieben und Instinkten.
  • Verhalten: Steuerung des Verhaltens in Reaktion auf Emotionen und Umweltreize.
  • Vegetative Funktionen: Steuerung von Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmus und anderen vegetativen Funktionen.

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