Der Nervus dorsalis scapulae spielt eine wichtige Rolle bei der Innervation der Rückenmuskulatur im Bereich des Schultergürtels. Dieser Artikel beleuchtet den Verlauf, die Funktion, mögliche Schädigungen und die klinische Relevanz dieses Nervs.
Anatomie und Verlauf des Nervus dorsalis scapulae
Der Nervus dorsalis scapulae entspringt den Nervenwurzeln C4, C5 und gelegentlich C6 des Rückenmarks. Nach seinem Ursprung tritt der Nerv durch den Musculus scalenus medius und zwischen dem Musculus levator scapulae und dem Musculus scalenus posterior hindurch. Anschließend verläuft er zu den Musculi rhomboideus minor und major, die er motorisch innerviert.
Innervation durch den Nervus dorsalis scapulae
Der Nervus dorsalis scapulae innerviert hauptsächlich folgende Muskeln:
- Musculus levator scapulae: Dieser Muskel hebt das Schulterblatt und neigt bzw. rotiert den Hals. Interessanterweise erhält der M. levator scapulae zusätzlich Fasern aus dem Plexus cervicalis.
- Musculi rhomboideus minor und major: Diese Muskeln ziehen das Schulterblatt nach kranial und medial und unterstützen somit die Rückführung des erhobenen Armes in die Neutral-Null-Stellung.
Klinische Tests zur Beurteilung des Nervus dorsalis scapulae
Zur klinischen Untersuchung des Nervus dorsalis scapulae und der von ihm innervierten Muskeln können verschiedene Tests durchgeführt werden:
- Armstemmtest: Der Patient stemmt den Arm in die Hüfte und drückt den Arm gegen den Widerstand des Untersuchers nach hinten.
- Armhebetest in Bauchlage: Der Patient hebt den Arm in Bauchlage nach hinten an.
- Palpation der Musculi rhomboidei: Die Muskeln werden abgetastet, um Verspannungen oder Atrophien festzustellen.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Hinweise auf eine Nervenschädigung geben.
Schädigung des Nervus dorsalis scapulae
Eine Schädigung des Nervus dorsalis scapulae kann verschiedene Ursachen haben:
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- Trauma: Direkte Verletzungen im Bereich des Nervs oder der ihn umgebenden Strukturen.
- Kompression: Druck auf den Nerv, beispielsweise durch Muskelverspannungen oder Fehlhaltungen.
- Iatrogen: Schädigung des Nervs im Rahmen einer Operation.
Symptome einer Schädigung
Eine Schädigung des Nervus dorsalis scapulae kann zu folgenden Symptomen führen:
- Schmerzen: Schmerzen im Bereich der Schulterblätter (Musculi rhomboidei) und des Nackens.
- Kraftverlust: Schwäche beim Anheben und Zurückziehen des Schulterblattes.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Schwierigkeiten bei bestimmten Armbewegungen.
- Scapula alata: In manchen Fällen kann eine Schädigung des Nervus dorsalis scapulae zu einem "flügelartigen" Abstehen des Schulterblattes führen. Allerdings ist die Scapula alata bei einer Schädigung des N. dorsalis scapulae typischerweise weniger ausgeprägt als bei einer Schädigung des N. thoracicus longus.
Therapie einer Schädigung
Die Therapie einer Schädigung des Nervus dorsalis scapulae richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome.
- Ursächliche Therapie: Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, z.B. operative Entfernung einer raumfordernden Struktur oder Entlastung des Nervs bei Kompression.
- Symptomatische Therapie:
- Schmerzlinderung: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente.
- Physiotherapie: Dehnübungen für den Musculus pectoralis (Antagonist der Rhomboiden) zur Entlastung der Mm. rhomboidei, Kräftigungsübungen für die betroffenen Muskeln.
- Massage: Massage der Rhomboideusmuskulatur zur Entspannung.
- Elektrotherapie: Reizstrombehandlung zur Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit bei Nervenschädigung.
Differentialdiagnostische Überlegungen
Bei unklaren Schulterschmerzen und Kraftabschwächung sollten neben einer Schädigung des Nervus dorsalis scapulae auch andere mögliche Ursachen in Betracht gezogen werden, wie beispielsweise:
- Nervus suprascapularis-Syndrom: Druckschädigung des Nervus suprascapularis.
- Radikulopathie der Halswirbelsäule (HWS): Nervenwurzelkompression im Bereich der HWS.
- Sehnenschädigung: Verletzungen der Rotatorenmanschette.
Scapula alata: Differentialdiagnose und Therapie
Die Scapula alata, ein flügelartiger Hochstand des Schulterblattes, ist ein Symptombild, das verschiedene Ursachen haben kann. Neben der Schädigung des N. dorsalis scapulae kommen auch Läsionen des N. thoracicus longus oder muskuläre Dysbalancen in Frage.
Ursachen der Scapula alata
- Nervenschädigung: Insbesondere des N. thoracicus longus (innerviert den M. serratus anterior) oder des N. dorsalis scapulae (innerviert die Mm. rhomboidei).
- Muskelerkrankungen: Seltenere Erkrankungen wie Muskeldystrophien können zu einer Schwächung der Schulterblattmuskulatur führen.
- Verletzungen des Skelettsystems: Frakturen im Bereich der Schulter oder des Schulterblattes können die Stabilität beeinträchtigen und zu einem Hochstand führen.
- Falsches Tragen schwerer Rucksäcke: Kann zu einer Kompression der Nerven führen.
- Idiopathische Nervenläsion: In einigen Fällen ist die Ursache der Nervenlähmung unbekannt.
Diagnostik der Scapula alata
- Klinische Untersuchung: Inspektion des Schulterblattes, Beurteilung der Beweglichkeit, Provokationstests. Der typische Test ist das Vorwärtsstrecken der Arme, wobei sich die Engelsflügel-Fehlstellung zeigt.
- Bildgebende Verfahren:
- Ultraschall: Darstellung von Muskeln und Sehnen, Nachweis von Verletzungen oder Entzündungen.
- Röntgen: Beurteilung knöcherner Strukturen, Nachweis von Frakturen.
- MRT: Detaillierte Darstellung von Muskeln, Sehnen, Nerven und anderen Weichteilstrukturen, wichtig zur Ursachenfindung.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, Nachweis von Nervenschädigungen.
- Muskulärer Dysbalance-Check: Untersuchung der Dicke, Ausbildung und Beweglichkeit der symmetrischen Muskelgruppen.
- Wirbelsäulenvermessung: Feststellung von Fehlbelastungen.
Therapie der Scapula alata
Die Therapie der Scapula alata richtet sich nach der Ursache.
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- Konservative Therapie:
- Physiotherapie: Kräftigung der Schulterblattmuskulatur, Verbesserung der Stabilität.
- Elektrotherapie: Reizstrombehandlung zur Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit.
- Operative Therapie: In seltenen Fällen, z.B. bei Frakturen oder Muskelverletzungen, kann eine Operation erforderlich sein.
- Korrektur und Fixierung bei Frakturen.
- In einigen Fällen Transposition von Muskeln.
Prognose der Scapula alata
Die Prognose ist abhängig von der Ursache. Bei mechanischen Ursachen (z.B. Fraktur) ist bei erfolgreicher Behandlung mit einer vollständigen Wiederherstellung zu rechnen. Bei Nervenschädigungen hängt die Prognose von der Möglichkeit ab, die Ursache zu beheben. Bei idiopathischer Scapula alata kann es zu einer bleibenden Beeinträchtigung kommen.
Der Plexus brachialis: Das Nervengeflecht der oberen Extremität
Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das aus den Spinalnerven C5 bis Th1 (teilweise auch C4 und Th2) gebildet wird und die gesamte obere Extremität motorisch und sensibel versorgt.
Aufbau des Plexus brachialis
Der Plexus brachialis besteht aus verschiedenen Abschnitten:
- Nervenwurzeln (Rami anteriores): C5 bis Th1.
- Trunci: Zusammenschluss der Nervenwurzeln zu drei Stämmen (Truncus superior, medius und inferior).
- Divisiones: Jeder Truncus teilt sich in eine vordere (anterior) und eine hintere (posterior) Division.
- Fasciculi: Die Divisiones vereinigen sich zu drei Faszikeln (Fasciculus lateralis, medialis und posterior), die die Arteria axillaris umgeben.
- Periphere Nerven: Aus den Faszikeln entspringen die peripheren Nerven, die die Muskeln und die Haut der oberen Extremität versorgen.
Wichtige Nerven des Plexus brachialis
- Nervus musculocutaneus: Innerviert die Beugemuskeln des Oberarms (M. biceps brachii, M. brachialis, M. coracobrachialis) und die Haut der lateralen Unterarmseite.
- Nervus axillaris: Innerviert den Musculus deltoideus und den Musculus teres minor sowie die Haut über dem lateralen Oberarm.
- Nervus radialis: Innerviert die Streckmuskeln des Arms und Unterarms sowie die Haut der dorsalen Hand.
- Nervus medianus: Innerviert einen Teil der Unterarmmuskulatur und die Thenarmuskulatur der Hand sowie die Haut der radialen Handfläche.
- Nervus ulnaris: Innerviert einen Teil der Unterarmmuskulatur und die Hypothenarmuskulatur der Hand sowie die Haut der ulnaren Handfläche.
- Nervus thoracicus longus: Innerviert den Musculus serratus anterior.
- Nervus dorsalis scapulae: Innerviert den Musculus levator scapulae und die Musculi rhomboidei.
- Nervus suprascapularis: Innerviert den Musculus supraspinatus und den Musculus infraspinatus.
- Nervus subclavius: Innerviert den Musculus subclavius.
- Nervus pectoralis lateralis und medialis: Innervieren die Mm. pectorales major und minor.
- Nervus subscapulares: Innervieren den M. subscapularis und den M. teres major.
- Nervus thoracodorsalis: Innerviert den M. latissimus dorsi.
- Nervus cutaneus brachii medialis: Sensible Innervation der Medialseite des Oberarms.
- Nervus cutaneus antebrachii medialis: Sensible Innervation der Medialseite des Unterarms.
Läsionen des Plexus brachialis
Verletzungen des Plexus brachialis können durch verschiedene Ursachen entstehen, z.B. durch Traumata, Kompressionen oder Entzündungen. Die Symptome hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Schädigung ab und können von Kribbeln und Schmerzen bis hin zu Lähmungen und Muskelatrophie reichen.
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