Lichtempfindliche Epilepsie, auch bekannt als photosensitive Epilepsie, ist eine Form der Epilepsie, bei der Anfälle durch visuelle Reize wie flackerndes Licht, bestimmte Muster oder kontrastreiche Bilder ausgelöst werden. Obwohl sie nur einen kleinen Prozentsatz der Menschen mit Epilepsie betrifft, ist es wichtig, sich der Auslöser und Vorsichtsmaßnahmen bewusst zu sein, um Anfälle zu vermeiden.
Was sind Temporal Light Artefacts (TLA)?
Temporal Light Artefacts (TLA) sind Wahrnehmungen, die auf zeitlichen Schwankungen der Helligkeit oder der spektralen Verteilung von Licht beruhen. Diese Schwankungen können als Flimmern oder Stroboskopeffekte wahrgenommen werden. Lichtquellen, die mit Wechselstrom betrieben werden, können solche Schwankungen verursachen, da die Helligkeit mit der Frequenz des Wechselstroms variiert.
Wie entstehen TLA?
Bei Wechselstrom ändert sich die Stromstärke mit einer Frequenz von 50 Hz, was bedeutet, dass sich die Helligkeit 100 Mal pro Sekunde ändert. Sowohl Leuchtstofflampen als auch LEDs reagieren schnell auf diese Strom- oder Spannungsschwankungen. Um Flimmern bei LEDs zu vermeiden, muss die Lichtquelle über einen kurzen Zeitraum weiterhin konstant mit Strom versorgt werden, auch wenn die Eingangsspannung abfällt. Die Qualität des Vorschaltgerätes spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Auch beim Dimmen von LEDs kann Flimmern entstehen, insbesondere bei Verwendung der Pulsweitenmodulation (PWM). Dabei wird die Helligkeit der LED durch schnelles An- und Ausschalten verändert. Je schneller das geschieht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Flimmern wahrgenommen wird.
Wahrnehmung von Flimmern
Das menschliche Auge kann Schwankungen der Lichtintensität visuell als Flimmern wahrnehmen, wenn die Frequenz niedrig genug und die Veränderung groß genug ist. Bei höheren Frequenzen kann das Auge die Veränderungen nicht mehr auflösen und nimmt die Strahlung als kontinuierlich wahr. Die sogenannte "Flimmerverschmelzungsfrequenz" (FVF) hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Lichtintensität, beteiligten Sehrezeptoren (Stäbchen und Zapfen) und dem Alter des Betrachters. Jüngere Menschen können höhere Flimmer-Frequenzen auflösen als ältere.
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Gesundheitliche Auswirkungen von TLA
Neben visuell wahrgenommenem Flimmern können auch oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz Beschwerden wie Kopf- und Augenschmerzen oder verminderte visuelle Leistungsfähigkeit auftreten. Besonders wichtig ist das Risiko für Anfälle bei Menschen mit photosensitiver Epilepsie, bei denen Lichtreize als Auslöser wirken können. Am ehesten scheinen derartige Anfälle von Frequenzen um 15-25 Hz ausgelöst werden zu können.
Maßnahmen zur Minimierung von TLA
Es gibt derzeit keine harmonisierten Normen zur Vermeidung oder Minimierung von TLA, aber das Thema wird von Leuchtmittelherstellern und Normungsgremien diskutiert. Die EU-Verordnung 2019/2020 zur Festlegung von Ökodesign-Anforderungen an Lichtquellen enthält jedoch Anforderungen, die Flimmern und Stroboskopeffekte bei LED-Lichtquellen begrenzen sollen. Leuchtmittelhersteller sind zudem verpflichtet, Produktinformationen, darunter die Werte zu Flimmern und Stroboskopeffekten, in einer EU-weiten Datenbank (EPREL) zu registrieren.
Auslöser der lichtempfindlichen Epilepsie
Lichtempfindliche Epilepsie wird durch spezifische visuelle Reize ausgelöst, darunter:
- Flimmerndes Licht: Schnell blinkendes Licht, wie es in Diskotheken, bei Stroboskopen oder in einigen Videospielen vorkommt.
- Bestimmte Muster: Kontrastreiche Streifen- oder Schachbrettmuster.
- Schnelle Farbwechsel: Rasche Wechsel zwischen verschiedenen Farben, insbesondere Rot und Blau.
Die Frequenz des flackernden Lichts, die am ehesten Anfälle auslöst, liegt typischerweise zwischen 5 und 50 Hz.
Symptome und Anfallsformen
Die Symptome eines Anfalls, der durch lichtempfindliche Epilepsie ausgelöst wird, können variieren. Einige Betroffene erleben einen Grand-mal-Anfall, der mit Bewusstlosigkeit, Muskelkrämpfen und Zuckungen einhergeht. Andere erleben subtilere Anfallsformen, wie z.B.:
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- Absencen: Kurze Bewusstseinsstörungen, bei denen die Betroffenen für einige Sekunden in die Leere starren.
- Myoklonische Anfälle: Kurze, ruckartige Muskelzuckungen.
- Fokale Anfälle: Anfälle, die von einem bestimmten Bereich des Gehirns ausgehen und sich durch verschiedene Symptome äußern können, wie z.B.Halluzinationen, veränderte Sinneswahrnehmungen oder Automatismen (wiederholte Handlungen).
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Mensch mit lichtempfindlicher Epilepsie alle diese Symptome erlebt. Die Anfallsform und -häufigkeit können von Person zu Person unterschiedlich sein.
Diagnose
Die Diagnose der lichtempfindlichen Epilepsie erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Beschreibung der Anfälle.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Messung der Hirnströme, um epilepsietypische Veränderungen festzustellen. Bei der Untersuchung wird der Patient oft flackerndem Licht ausgesetzt, um eine Reaktion auszulösen.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen, um andere Ursachen für die Anfälle auszuschließen.
Umgang mit Videospielen und Bildschirmen
Videospiele und Bildschirme können für Menschen mit lichtempfindlicher Epilepsie problematisch sein, da sie flackernde Lichter und Muster enthalten können. Hier sind einige Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen werden können:
- Begrenzung der Bildschirmzeit: Vermeiden Sie übermäßige Bildschirmzeit und machen Sie regelmäßige Pausen.
- Gut beleuchtete Umgebung: Spielen oder betrachten Sie Bildschirme in einer gut beleuchteten Umgebung, um den Kontrast zu reduzieren.
- Abstand zum Bildschirm: Halten Sie einen ausreichenden Abstand zum Bildschirm ein.
- Flimmerfreie Bildschirme: Verwenden Sie LCD/TRF-Monitore anstelle von herkömmlichen Röhrenmonitoren, da sie in der Regel flimmerfreier sind.
- Einstellungen anpassen: Reduzieren Sie die Helligkeit und den Kontrast des Bildschirms und vermeiden Sie schnelle Bildwechsel oder blinkende Effekte.
- VR-Headsets: Seien Sie vorsichtig bei der Verwendung von VR-Headsets, da diese Kinetose, Übelkeit, Orientierungsverlust und Sehstörungen verursachen können.
Weitere Vorsichtsmaßnahmen
Neben Videospielen und Bildschirmen gibt es noch andere Situationen, in denen Menschen mit lichtempfindlicher Epilepsie Vorsicht walten lassen sollten:
- Diskotheken und Konzerte: Vermeiden Sie Diskotheken und Konzerte mit Stroboskopeffekten.
- Sonnenlicht: Tragen Sie im Freien eine polarisierte Sonnenbrille, insbesondere bei hellem Sonnenschein oder beim Autofahren entlang einer Baumreihe.
- Baden: Seien Sie beim Baden vorsichtig, besonders bei Sonnenschein.
- Bestimmte Muster: Vermeiden Sie das Betrachten kontrastreicher Streifen- oder Schachbrettmuster.
Behandlung
Die Behandlung der lichtempfindlichen Epilepsie zielt darauf ab, Anfälle zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
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- Medikamente: Antiepileptika können helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Vermeidung von Auslösern: Das Vermeiden von flackerndem Licht und anderen visuellen Reizen, die Anfälle auslösen können.
- Sonnenbrille: Das Tragen einer polarisierten Sonnenbrille kann helfen, die Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht zu verringern.
Erste Hilfe bei einem Anfall
Es ist wichtig, dass Angehörige und Betroffene wissen, wie man schnell und präzise Erste Hilfe während eines Anfalls leistet:
- Ruhe bewahren: Bleiben Sie ruhig und gelassen.
- Sicherheit gewährleisten: Sorgen Sie dafür, dass der Betroffene sich nicht verletzen kann. Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, den Betroffenen festzuhalten oder die Muskelkrämpfe zu unterdrücken.
- Atemwege freihalten: Legen Sie den Betroffenen in die stabile Seitenlage, um die Atemwege freizuhalten.
- Arzt rufen: Rufen Sie einen Arzt, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, sich wiederholt oder wenn der Betroffene sich verletzt hat.