"Du gehst mir auf die Nerven": Ursachen, Auswirkungen und Lösungsansätze in Beziehungen

In jeder Liebesbeziehung kommt es vor, dass einer der Partner den anderen mit bestimmten Verhaltensweisen zur Weißglut treibt. Sätze wie "Du gehst mir auf die Nerven!" oder "Du gehst mir auf den Sack!" sind dann keine Seltenheit. Auch wenn Streit in Beziehungen langfristig sogar als positiv zu werten ist, kommt es doch sehr auf den Ton an. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für solche Gefühlsausbrüche, ihre Auswirkungen auf die Beziehung und mögliche Lösungsansätze, um konstruktiv mit diesen Situationen umzugehen.

Ursachen: Warum uns der Partner auf die Nerven geht

Es gibt kaum eine Beziehung, die durchgehend von eitel Sonnenschein geprägt ist. Beziehungsexperten sagen sogar, dass es wesentlich gesünder ist, ab und an die Luft herauszulassen und den eigenen Unmut zur Sprache zu bringen. Denn wenn Unzufriedenheit immer wieder hinuntergeschluckt wird, hat dies langfristige Folgen für eine Beziehung. Wenn uns der Partner mit seinem Verhalten auf die Nerven oder den Sack geht, kann das ganz verschiedene Ursachen haben. Diese reichen von Kleinigkeiten hin zu einer Charaktereigenschaft, die einem beinahe den Verstand raubt. Manchmal sind es viele kleine Dinge, die zusammengezählt einen Reflex auslösen, der sich in den Worten "Du gehst mir auf die Nerven" entlädt.

Bedürfnisse und Erwartungen

Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse. Gerade die Berührungspunkte dieser verschiedenen Anliegen führen zu Reibungen und Streitigkeiten. Wer sich selbst gut kennt, kann das auch nach außen hin kommunizieren. Hinter solchen Vorfällen steckt im Grunde genommen nichts anderes als ein Bedürfnis. Im Falle der Unordnung kann es sich beispielsweise um das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur handeln. Unterpunkte des Themas Sicherheit. Wenn Ihr Partner alles liegen lässt, dann untergräbt er damit Ihr Bedürfnis nach einem trauten Heim. Natürlich ist dies ein unbewusster Vorgang und wahrscheinlich hat Ihr Liebster eine ganz andere Motivation für sein Verhalten. Vielleicht braucht dieser mehr Freiraum und herumliegende Socken sind ein Ausdruck dessen, dass ihm Platz fehlt?

Das Beispiel von Erika und Bernhard

Erika und Bernhard streiten sich, seit sie sich kennen. Denn Erika ist eine Chaos-Queen. Ihre Sachen lässt sie stehen und liegen, wo sie diese gerade benutzt hat. Die berühmte offene Zahnpastatube wird zum Alptraum. Auch gemeinsame Aufräumaktionen helfen wenig, denn schon nach einem Tag sieht es wieder gleich aus wie zuvor. Socken und Papierberge. Brotkrümel überall in der Küche. Bernhards Freunde amüsieren sich köstlich über diesen Rollentausch. Bernhard ist de facto die Mutter und Frau im Haus. Wo er zu Anfang noch mitlachte, ist ihm schon längst der Humor vergangen. Er kann Erika und Ihr Chaos fast nicht mehr ertragen. Immer wieder platzt es aus ihm heraus: Du gehst mir auf den Sack!

Auswirkungen: Wenn die Nerven blank liegen

Wenn die Herausforderungen zu viele werden, das Bankkonto ständig leer ist, die To-Do-Listen über den Kopf wachsen, Konflikte sich nicht lösen lassen und dann noch die ein oder andere Hiobsbotschaft hereinbricht, verliert man das Gefühl der Sicherheit und Zufriedenheit. Das Nervensystem schaltet in einen anderen Modus und ermöglicht so, mehr Energie zu mobilisieren. Eine Zeitlang ist dieser Zustand kein Problem, aber wenn sich die Situation grundsätzlich nicht ändert oder es einem nicht gelingt, zwischendurch in den Wohlfühlmodus zurückzuschalten, dann bleibt der Körper in einer hohen Grundspannung und findet nicht mehr so leicht zurück in den gesunden Bereich der Schwingungsfähigkeit.

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Der stille Burnout

Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein „stiller Burnout“ die tückische, schleichende Variante. Bis er sich im umgangssprachlichen Nervenzusammenbruch Bahn bricht. Nicht jeder Burnout zeigt sich durch übersteigerten Arbeitsdrang mit perfektionistischen Ansprüchen, der alsbald durch den hohen Einsatz in sozialen Rückzug, massive Verhaltensänderungen und offensichtliche Erschöpfung wie chronische Müdigkeit mündet. Entsprechend verschleppen viele Betroffene ihren Burnout: Sie machen kurze, aber wenig erholsame Verschnaufpausen und danach weiter in ihrem Tagesprogramm. So gleiten sie langsam aber sicher in einen schweren Burnout, der dann nur scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen „Nervenzusammenbruch“ zu Tage tritt.

Die Eskalation im Alltag

Die Anforderungen des Alltags sind oft hektisch und vielfältig. Und während nach außen der Schein ein wunderbares Bild von einem erfüllten Leben repräsentiert, sieht es innerlich in manchen Menschen ganz anders aus. Ständig drehen sich die Gedanken um To-Do-Listen und Termine, um kommende Ereignisse und vergangene „Kleinigkeiten“. Selbst in der Nacht ist kaum mehr an Ruhe zu denken. Betroffene fahren nachts im Bett hoch, weil ihnen als wichtig empfundene Sachen einfallen. Das Gedankenkarussell spult alle „Wenns“ und „Abers“ ab und Eigenschaften wie Geduld, Mitgefühl und Weitblick gehen immer mehr verloren.

Lösungsansätze: Wege zu einer entspannteren Beziehung

Wenn Ihr Partner Sie mit seinem Verhalten zur Weißglut treibt, bleiben Ihnen drei Möglichkeiten, mit den Problemen fertig zu werden: Akzeptanz, Veränderung oder Trennung.

Akzeptanz: Lieben mit Fehlern

Auch wenn es manchmal schwerfällt, kann es langfristig gesehen einfacher sein, eine bestimmte Verhaltensweise zu akzeptieren. Damit ist nicht gemeint, dass Sie seufzend und traurig resignieren. Nein! Es geht vielmehr darum, ob Sie bereit sind, Ihren Partner mit all seinen Fehlern wirklich zu lieben. Denn Menschen verändern sich nicht von heute auf morgen. Zumindest nicht was eingeschliffene Verhaltensweisen anbelangt. Akzeptanz bedeutet im Grunde genommen, dass Sie jede herumliegende Socke mit einem liebevollen Auge betrachten und sich klarmachen, dass dies ein Persönlichkeitsaspekt Ihres Partners ist. Weg mit „Du gehst mir auf die Nerven“ und her mit „Ich liebe Dich und Deine Flausen!“

Veränderung: Gemeinsam an sich arbeiten

Wenn Sie das mit dem Akzeptieren nicht hinbekommen, weil vielleicht Geduld nicht zu Ihren starken Eigenschaften zählt, bleibt auch noch die etwas anstrengendere Variante der Veränderung. Diese kann sowohl auf Ihrer Seite stattfinden, im Fall der Socken sollte aber auch Ihr Partner bereit sein, irgendetwas in Zukunft besser zu machen. Während Ihr Anteil vielleicht darin bestehen könnte, Ihre Einstellung gegenüber Ordnung allgemein zu verändern, muss Ihr Partner sicherlich lernen, seinen Kram endlich mal wegzuräumen.

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Passen Sie bei diesem Vorschlag auf, dass Sie nicht in die Mutter- oder Therapeutenrolle rutschen. Die Wandlung können Sie nur anstoßen, ausführen muss sie der Partner ganz von allein!

Kommunikation: Der Schlüssel zum Erfolg

Wie heißt es so schön: Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies kann doppelt und dreifach unterstrichen werden. Wenn Sie sich angewöhnen, herumliegende Socken nicht als Kampfansage an Ihre Person zu sehen und darauf mit den entsprechenden Geschützen zu reagieren, sondern versuchen sich über Ihre Bedürfnisse klar zu werden und diese auszudrücken, können Sie und Ihr Partner anfangen, sich wirklich zu verstehen.

Positive Rituale statt nerviger Gewohnheiten

Wenn es unerträglich scheint, sollte man das Thema vorwurfsfrei ansprechen und anbieten, die nervigen Rituale gegen positive Rituale zu stellen. Denn am Ende setzen sich immer die positiven durch, wenn beide Partner an der Beziehung festhalten wollen. Das kann sein zu sagen: Okay, du darfst weiterhin deine Klamotten wie eine Spur im Schlafzimmer abwerfen. Und dafür singe ich dir morgens unter der Dusche „Die Königin der Nacht“. Es gibt nichts, was sich nicht tauschen ließe und je kreativer ein Paar ist umso mehr Spaß wird es daran haben.

Trennung: Wenn nichts mehr hilft

Die dritte Möglichkeit ist, einfach zu gehen. Eine Trennung ohne Streit und große Dramen. Menschen sind verschieden und manche passen schlicht und ergreifend nicht zusammen. Das ist kein Weltuntergang, sondern einfacher Fakt. Der kontinuierliche Gedanke „Du gehst mir auf die Nerven“ bzw. "Du gehst mir auf den Sack" ist sozusagen das Grundmotiv Ihrer Beziehung geworden? Dann ist es vielleicht Zeit für eine Trennung.

Die Rolle des Nervensystems

Dein Nervensystem ist ein ausgeklügeltes, komplexes System, mit dem dein Körper mit der Umwelt kommuniziert. Besonders interessant ist hier das autonome Nervensystem. Wenn du dich zufrieden und wohl fühlst, hast du vermutlich „ruhige“ Nerven. Du siehst deine Welt mit einem klaren Blick, schaffst deine Aufgaben und findest Lösungen für auftretende Probleme. Zwischendurch machst du Pause, trinkst dein Lieblingsgetränk, sprichst mit einem guten Freund oder hältst ein kleines Nickerchen. Dann krempelst du die Ärmel hoch und motivierst dich für die nächste Aufgabe. Vielleicht ist es auch eine Herausforderung, der du dich stellst, und die jede Faser deiner Aufmerksamkeit verlangt. In der ganzen Zeit fühlst du dich sicher. Den ganzen Tag über bist du hin- und hergependelt zwischen entspannteren und angespannteren Situationen. Du konntest dich selbst motivieren und auch selbst wieder beruhigen.

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Pferde als Spannungsleser

Pferde sind Spannungsleser. Pferde sind - wie alle Säugetiere - mit einem baugleichen Gehirn wie wir ausgestattet. Auch ihr autonomes Nervensystem steuert sie. Da sie Flucht- und Beutetiere sind, können sie deutlich schneller als wir aus dem Bereich der Sicherheit in den Bereich der Gefahr wechseln und wieder zurück. In einem Moment grasen sie, dann hebt ein Pferd in der Herde den Kopf und alle stürmen los. Kleinste Spannungen innerhalb einer Herde werden sofort registriert und fordern eine Reaktion heraus. Kurze Zeit später ist die Gefahr - vielleicht ein Eichhörnchen am Baum - verschwunden. Wenn du mit einem Pferd arbeitest, wird es auch deine Spannung lesen, denn es möchte bei dir Sicherheit und Schutz erfahren. Deshalb wird es dir sehr unmittelbar und jederzeit ein Feedback geben, wo sich dein autonomes Nervensystem gerade befindet.

Umgangssprachliche Bedeutung

Umgangssprachlich bedeutet "jemandem auf die Nerven gehen" (oft durch aufdringliches, lästiges Verhalten), bei jemandem Überdruss und Ärger hervorzurufen; jemanden nerven.

Beispiele aus der Presse

  • "Bei einem engen Zusammenleben über längere Zeit kommt es häufig dazu, dass uns »der andere« auf die Nerven geht, man sich selbst über Kleinigkeiten extrem ärgern kann und schnell Konflikte und Streit entstehen." (Münchner Merkur)
  • "Wenn wir uns verlieben, denken wir nicht im Traum daran, dass die junge Liebe irgendwann einmal schwierig werden könnte. Dass der Lieblingsmensch vielleicht schnarcht und uns das irgendwann unheimlich auf die Nerven gehen wird." (St. Galler Tagblatt)
  • "Stuttgart war nicht mehr seine Welt. Der Lärm, die schlechte Luft, der Verkehr, das alles ging ihm auf die Nerven." (Badische Zeitung)

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