Flaming Bess, eine Düsseldorfer Kultband, die bereits seit 1969 aktiv ist, versteht es, in gekonnter Weise eine mysteriöse Fantasyerzählung musikalisch eloquent umzusetzen. Mit ihrem Album „Der gefallene Stern“ knüpfen sie nach fünf Jahren an das vorangegangene Epos „Wächter des Lichts“ an. Die Band, die sich in wechselnden Besetzungen formiert hat, gehört zu den Urgesteinen der deutschen Rockszene.
Ein vertrautes Universum
Wer die Sternenprinzessin und Göttin des Lichts ‚Flaming Bess‘ zusammen mit ihrem Gemahl, dem Helden ‚Arkana‘ erwartet, der muss nicht mehr in den Geschichtsbüchern nachlesen. Die Geschichten, die musikalisch auf höchstem Niveau erzählt werden, sind vertraut. Flaming Bess schafft es immer wieder, die Legende der aus der Unendlichkeit des Universums kommenden Göttin am Leben zu erhalten, indem sie immer wieder neue Informationen zukommen lässt - aktuell mit dem neuen Werk „Der gefallene Stern“.
Die Band
Mit dabei ist auch wieder Jenny K., die diesmal die Vocals zu zwei Stücken beisteuert. Neuzugang Mike Hartmann ist als Sänger bei gleich drei Songs zu hören. Nicht wieder mit dabei ist hingegen Dieter Joswig, der lange Jahre Keyboards und Percussion bediente. Dafür ist Alt-Flaming Bessler Hans Schweiß nun (wieder) an den Drums zu hören. Das neue Album erfährt nicht zuletzt durch diese „Neubesetzung“ mehr rockigen Drive als „Wächter des Lichts“.
Das Album „Der gefallene Stern“
„Der gefallene Stern“ ist wie seine Vorgänger ein Konzeptalbum, das man naturgemäß am Stück hören sollte. Wegen der Erzählungen natürlich, aber auch der Musik wegen, die perfekt - handwerklich wie kompositorisch und dramaturgisch - damit fusioniert. Rein musikalisch gesehen, kann man der Musik alleine natürlich auch im Auto lauschen. Vielleicht dann den Player so programmieren, dass man die gesprochenen Passagen skipt. Aber dann ist „Der gefallene Stern“ ‚nur‘ die halbe Miete. Zuhause ist’s am Schönsten. Wer grad keinen Highländer hat, kann selbstverständlich auch einen mit e nehmen, oder einen guten Roten, oder einen gefälligen Tee. Trinkt, was ihr wollt.
Musikalische Vielfalt und Einflüsse
Verschiedenste Elemente in der Tradition von Pink Floyd und Camel werden, z.T. mit treibendem Druck, z.T. mit fließender Sphärenhaftigkeit zu einem traumhaften Gespinst verwoben, das besonders Progrock-Fans ansprechen dürfte. Die Musik beackert ein weites Feld. Ein sehr weites. Rockige Parts mit markanten Gitarrenspuren leben in perfekter Eintracht mit sphärischen, krautigen, psychedelischen Pendants. So alt wie die Geschichte aus Aklabeth, kommen einem manche Instrumentalpassagen vor. Prog- und Kraut-Tunes, noch älter als der alte Highland-Brand im Glas, erfreuen auch im neuen Millennium das Hirn unter den weißen Haaren. Sie leben in perfekter Symbiose mit AOR-mäßigen oder teils harten Rockmomenten und untermalen die Fantasy-Geschichte mehr als adäquat. Akustikgitarre, Flöte, süße und schwere Keyboards sorgen dafür, dass man ganz relaxt im Sessel kauert, lauscht und dann wieder gespannt den dramatisch vorgetragenen Texten folgt. Entspannt sphärische Klänge a la Pink Floyd wechseln mit treibendem Rock, groovende Rhythmik und moderne Elektronik reichen sich die Hand. Bei den Gesangsstücken findet sich funkiger Soul ebenso wie spaciger Prog.
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Die Erzählung
Die gesprochene Erzählung des dreigeteilten Albums wird an wenigen Stellen gebündelt und unterbricht so eher selten den Fluss der Musik. Dies kommt den Hörern entgegen, die nicht so die „Hörspielfans“ sind, wenngleich gerade das erzählende Element einen nicht unbeträchtlichen Reiz der Wirkung von Flaming Bess ausmacht. Markus Wierschem als Autor und Erzähler der Geschichte füllt seinen Job mit wohltönender Stimme wieder ungemein gut aus. Und auch wer der surrealen Fantasy-Handlung nicht immer zu folgen vermag, wird doch schon allein durch die Poesie der Erzählung verzaubert. Die Fantasiewelten um Arcana, Flaming Bess, dem Dieb und der Sphärenharfe sind interessant und recht gut gemacht, doch Hauptaugenmerk sollte natürlich der Musik gelten.
Die Magie der Musik
Verzaubert aber wird der Hörer natürlich vor allem durch die Musik, die diesmal vielschichtiger denn je daher kommt. Peter Figge an den Tasteninstrumenten und Claas Reimer sowie Markus Roth an den Synthies sorgen für die teils elegische, teils recht wuselige spezielle Note. Achim Wierschem setzt im Kontrast hierzu spannungsreiche Akzente durch sein wundervoll emotionales Gitarrenspiel. Gastmusiker treten in geballter Form beim gewaltigen Longtrack des Albums „Haravienna“ auf. Und Melodie und Gesang, der im Kontrast zum deutschsprachigen Erzähltext englischsprachigen Gesangsstücke, rufen bei mir vom Gefühl her immer wieder Erinnerungen an die Earth Band der 70er Jahre hervor, auch wenn keine offensichtlichen Verbindungen auszumachen sind.
Einflüsse und Vergleiche
Die Musik bewegt sich zumeist auf einem hoch melodischem Artrock, der den späten (Gilmour) Pink Floyd sicher sehr nahe steht. „Wächter des Lichts“ , der Opener ist absolut modern produziert, hat einen knackigen Bassrhythmus und eine feine Gitarre. Das Gleiche gilt für „Aklabeth“. Flaming Bess bleiben das ganze Album über ihrem Stil treu, der mal mystisch, mal bombastisch, dann wider etwas rockiger, je wie es zur erforderlichen Situation der Geschichte paßt, arrangiert wird. Man bewegt sich in traditionellen Artrockgefilden, baut jedoch genügend ungewöhnliche Parts ein und traut sich auch durchaus, mal modernere Sounds und Rhythmen einzusetzen. Dennoch sind Flaming Bess definitiv keine Retroband, sondern vor allem von den Sounds her recht aktuell unterwegs. Da stehen Passagen, die relaxtes Pink Floyd Feeling versprühen, neben modernen Beats / Loops und elektronischem Sinfonik Bombast, alles jedoch sehr geschmackvoll und mit hohem Melodieanteil stilsicher ineinander verwoben.
Eine Steigerung auf hohem Niveau
Mit „Der gefallene Stern“ gelingt Flaming Bess eine differenzierte Steigerung auf hohem Niveau, die gleichermaßen modern wie retro klingt. Laut Aussage der Band kämen ihnen die Fantasietexte in Deutsch etwas zu kitschig rüber. Die phantasievolle Story wird musikalisch vorzüglich adäquat umgesetzt und entführt den Hörer in den außergewöhnlichen Kosmos der „unsagbar schönen Königin des Lichts“ und ist eine einzige Hommage an die verzaubernde Welt der Musik.
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