Spanische Fliege: Wirkung auf die Nerven, Anwendung und Risiken

Die Spanische Fliege, oder Lytta vesicatoria, ist ein Käfer, der in der Volksmedizin und Homöopathie eine Rolle spielt. Obwohl der Name irreführend ist, da es sich weder um eine Fliege noch um eine spezifisch spanische Art handelt, ist der Käfer für seine Inhaltsstoffe und deren Wirkungen bekannt.

Beschreibung des Käfers

Die Spanische Fliege ist ein schlanker, länglicher Käfer von 1,5 bis 3 cm Länge. Seine Deckflügel sind metallisch-smaragdgrün und glänzend, mit zwei feinen Längsrippen. Die braunen Flugflügel sind durchscheinend und geadert. Beine und Unterseite sind zottig weißlich behaart.

Verbreitung und Lebensraum

Der Käfer ist in Mittel- und Südeuropa heimisch, von Spanien bis Südrussland und in Asien bis China. In Mitteleuropa ist er unregelmäßig verbreitet und selten geworden, kann aber auch in Massen auftreten. In den Alpen findet man ihn bis 1700 m ü. d. M. Die Spanische Fliege lebt in warmen Laubwäldern und an Waldrändern.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Eier werden in den Erdboden gelegt. Nach dem Schlüpfen erklettern die Larven eine blühende Pflanze und warten auf eine Wildbiene, an der sie sich festklammern und ins Erdnest tragen lassen. Dort ernährt sich der Brutparasit von den Eiern und Honigvorräten der Wildbiene, bis er sich nach 14 Tagen verpuppt und zum schillernden Käfer wandelt.

Cantharidin: Der Inhaltsstoff

Die Käfer sind hochgiftig, da sie 0,3 bis 0,8 % Cantharidin enthalten. Cantharidin ist ein Monoterpen, das Haut und Nieren reizt. Es wurde erstmals 1810 von Pierre Jean Robiquet isoliert.

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Chemische Eigenschaften

Cantharidin kristallisiert in farblosen, orthorhombischen Plättchen. Es hat eine Schmelztemperatur von 218 °C und sublimiert ab 84 °C. Es ist unlöslich in Wasser, aber löslich in Chloroform, Aceton und Alkohol.

Biologische Bedeutung

Cantharidin ist in der Hämolymphe verschiedener Käferarten enthalten, insbesondere bei Ölkäfern, Feuerkäfern und Scheinbockkäfern. Bei Ölkäfern dient es als Wehrsekret, bei Feuerkäfern als Lockpheromon.

Wirkung als Reiz- und Nervengift

Cantharidin wirkt stark reizend auf Haut und Schleimhäute. Es verursacht Blasenbildung, Nekrosen, Entzündungen und Nierenschäden. Die geringste tödliche Dosis (LDLo) für Menschen liegt bei etwa 0,5 mg/kg Körpergewicht.

Historische und medizinische Verwendung

Im Mittelalter waren Spanische Fliegen Bestandteil gefährlicher Liebestränke. Äußerlich wurden sie in Form von Tinkturen, öligen Extrakten, Salben und Pflastern zur Hautreiztherapie bei Neuralgien und Rheuma eingesetzt.

Cantharidenpflaster

Cantharidenpflaster wurden zur Hautreiztherapie eingesetzt. Sie verursachen Blasenbildung auf der Haut, was zur Ableitung von Schadstoffen und zur Anregung des Nerven- und Kreislaufsystems beitragen soll. Sie wurden bei rheumatischen Erkrankungen, Ischiasschmerzen, Asthma bronchiale und nervalen Störungen eingesetzt.

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Homöopathische Anwendung

In der Homöopathie wird Cantharis bei brennenden Schmerzen eingesetzt, insbesondere bei Blasenentzündungen, Hautreizungen durch Verbrennungen und Verbrühungen. Das homöopathische Mittel wird aus dem zerstoßenen, getrockneten Insekt hergestellt und potenziert. Niedrige Potenzen (D1 bis D3) sind verschreibungspflichtig, da sie geringe Mengen des giftigen Cantharidin enthalten.

Anwendungsgebiete in der Homöopathie

  • Blasenentzündung: Starker Harndrang mit brennenden und schneidenden Schmerzen.
  • Verbrennungen und Verbrühungen: Als Erste-Hilfe-Mittel, besonders bei Blasenbildung.
  • Hautreizungen: Bei Sonnenbrand und Gürtelrose.
  • Atemwegserkrankungen: Bei Bronchitis mit Brennen im Kehlkopf und krampfartigem Husten.
  • Halsschmerzen: Mit heftigem Brennen in Mund und Rachen.

Charakteristika des Cantharis-Typs

Dem Cantharis-Typ wird eine Neigung zu Wutanfällen und eine große Reizbarkeit zugeschrieben. Er soll auch sehr fixiert auf seine Genitalien und sexuell hochgradig erregbar sein.

Spanische Fliege als Aphrodisiakum: Mythos und Realität

Cantharidin gilt als Potenzmittel, das beim Mann eine langanhaltende Erektion herbeiführen soll. Diese Anwendung ist jedoch umstritten, da die Erektion schmerzhaft sein kann, die Dosierung schwierig ist und eine Dauererektion zu bleibender Impotenz führen kann.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Cantharidin als Aphrodisiakum ist gefährlich und kann zu schweren Vergiftungserscheinungen, Nierenschäden und sogar zum Tod führen.

Sicherere Alternativen

Es gibt sicherere Alternativen zu riskanten Substanzen wie der Spanischen Fliege, die oft fälschlicherweise als Potenzmittel angepriesen werden. Dazu gehören:

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  • Yohimbe: Ein afrikanisches und indisches Kraut, das die Nervenzentren in der Wirbelsäule stimuliert. Es kann jedoch bei hohen Dosen Angststörungen und Lähmungen verursachen.
  • Viagra: Ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von erektiler Dysfunktion. Es verbessert die Durchblutung im Schambereich, heilt aber keine erektile Dysfunktion oder steigert den Sexualtrieb.
  • Natürliche Erektionspillen: Produkte mit Inhaltsstoffen wie Ginseng, Maca und Tribulus terrestris, die die sexuelle Leistungsfähigkeit fördern können.
  • Muira Puama: Ein Baum aus den brasilianischen Regenwäldern, der traditionell als Aphrodisiakum und Potenzverstärker verwendet wird.
  • Damiana: Ein Kraut, das traditionell von Maya und Azteken als Aphrodisiakum verwendet wurde.
  • Maca: Ein adaptogenes Kraut aus Peru, das seit über 2000 Jahren zur Steigerung der Libido verwendet wird.
  • Ginseng: Ein in der traditionellen chinesischen Medizin geschätztes Mittel, das die Libido und die sexuelle Leistungsfähigkeit verbessern kann.
  • Ginkgo biloba: Ein Mittel, das die Durchblutung fördert und potenziell bei der Erektion helfen kann.

Weitere Substanzen mit aphrodisierender Wirkung

  • Weed, Psychedelika und Partydrogen: Substanzen wie XTC und 2C-B können eine aphrodisierende Wirkung haben, indem sie ein warmes und entspanntes Gefühl vermitteln und Hemmungen abbauen.
  • Cannabis: Kann aphrodisierende Eigenschaften haben, sollte aber sparsam verwendet werden, da es bei übermäßigem Konsum die sexuelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Honigprodukte: Als "Potenzhonig" verkaufte Produkte können gefährliche, nicht deklarierte Arzneistoffe wie Sildenafil und Tadalafil enthalten.
  • Illegale Potenzmittel: Im Internet angebotene Potenzmittel können gefälscht sein und unkalkulierbare Nebenwirkungen haben.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel enthalten verbotene Stoffe wie Yohimbe-Rinde, Juckbohne, Tongkat Ali, Brenndolde oder Elfenblume.

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