Schlaf ist essenziell für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Er ermöglicht es dem Körper, sich zu erholen und wichtige Funktionen auszuführen. Doch wie viel Schlaf ist optimal? Internationale Studien deuten darauf hin, dass sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt erhöhen können.
Schlaf und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
In Deutschland werden jährlich etwa 212.000 Herzinfarkte stationär behandelt, wobei über 44.000 Menschen daran versterben. Zudem erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Neben bekannten Auslösern wie Stress, körperlicher Belastung und Drogenkonsum steht auch der Schlaf im Verdacht, eine Rolle bei der Entstehung von Infarkten zu spielen. Dies liegt unter anderem daran, dass Infarkte gehäuft in den Morgenstunden und am Nachmittag auftreten.
ACROSSS-Studie untersucht Schlafcharakteristiken
Am Universitätsklinikum Essen untersucht ein Forschungsteam um Prof. Dr. med. Andreas Stang (MPH), Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE), im Rahmen der ACROSSS-Studie (Acute Coronary Syndrome, Stroke and Sleep) den Schlaf von Patienten, die erstmals einen Herz- oder Hirninfarkt erlitten haben. Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob bestimmte Schlafcharakteristiken das Risiko für diese Ereignisse beeinflussen und ob es Schlafmerkmale gibt, die sogar vorbeugend wirken können.
Die Deutsche Herzstiftung fördert das Forschungsvorhaben mit knapp 70.000 Euro. Bis zum Sommer 2022 befragt das Forscherteam knapp 700 Patienten aus Essener Kliniken zu ihren Schlaf- und Lebensgewohnheiten. Dabei werden unter anderem folgende Aspekte erfasst:
- Schlafdauer (Langschläfer vs. Kurzschläfer)
- Regelmäßigkeit des Schlafs
- Schlafzeiten (Frühaufsteher vs. Spätaufsteher)
- Mittagsschlaf (Ja/Nein, Dauer, Regelmäßigkeit)
Mögliche Risikofaktoren und Schutzmechanismen
Die Forscher vermuten, dass verschiedene Mechanismen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Schlaf beeinflussen können. So kann der morgendliche Blutdruckanstieg bei Menschen mit bereits geschädigten Gefäßen dazu führen, dass sich Blutgerinnsel lösen und einen Infarkt verursachen. Auch die Schlafapnoe, eine Erkrankung mit Atemaussetzern im Schlaf, die zu Sauerstoffmangel führt, ist ein bekannter Risikofaktor.
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Die Rolle des Mittagsschlafes ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Bisherige Beobachtungen deuten sowohl auf günstige als auch auf ungünstige Effekte in Abhängigkeit von Regelmäßigkeit und Länge hin.
Im Rahmen von Follow-up-Untersuchungen nach drei und zwölf Monaten wollen die Forscher herausfinden, wie sich der Schlaf der Studienteilnehmer entwickelt hat und ob es auffällige Veränderungen im Schlafverhalten gibt, beispielsweise durch Erschöpfung, Ängste, Depressionen oder Schlafstörungen infolge des erlittenen Infarkts.
Studienergebnisse und ihre Bedeutung
Langschläfer und Schlaganfallrisiko
Eine Langzeitstudie der University of Cambridge ergab, dass Menschen, die täglich mehr als acht Stunden schlafen, ein um 46 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Besonders gefährdet sind demnach Frauen und Menschen, die erst im Laufe der Zeit zu Langschläfern geworden sind.
Kurzschläfer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Eine schwedische Studie der Universität Göteborg zeigte, dass Männer, die fünf Stunden oder weniger pro Nacht schlafen, ein doppelt so hohes Risiko haben, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie einen Schlaganfall zu erleiden.
Mittagsschlaf und Schlaganfallrisiko
Chinesische Forscher fanden heraus, dass Erwachsene, die mittags länger als 90 Minuten schlafen und nachts mindestens neun Stunden schlummern, ein um 85 Prozent höheres Schlaganfallrisiko haben.
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Schlafqualität und Schlaganfallrisiko
Eine weitere Studie aus China ergab, dass eine schlechte Schlafqualität das Schlaganfallrisiko um 29 Prozent erhöht. In Kombination mit einer nächtlichen Schlafdauer von mindestens neun Stunden steigt das Risiko sogar um 82 Prozent.
Fragmentierter Schlaf und Schlaganfallrisiko
Eine Studie der University of Toronto deutet darauf hin, dass ein unregelmäßiger Schlaf mit häufigen Unterbrechungen (fragmentierter Schlaf) ebenfalls mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden sein könnte.
Was tun für einen gesunden Schlaf?
Um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, ist es wichtig, auf einen gesunden Schlaf zu achten. Hier einige Tipps:
- Regelmäßige Schlafzeiten: Versuchen Sie, jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch am Wochenende.
- Optimale Schlafdauer: Die empfohlene Schlafdauer für Erwachsene liegt zwischen sieben und acht Stunden.
- Richtige Schlafumgebung: Sorgen Sie für ein ruhiges, dunkles, gut gelüftetes und nicht zu warmes Schlafzimmer (ideale Temperatur: 18 Grad).
- Verzicht auf Koffein und Alkohol am Abend: Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke und Alkohol vor dem Schlafengehen, da diese die Schlafqualität beeinträchtigen können.
- Nutzung des Lese- oder Nachtmodus von Smartphones: Das Blaulicht von Bildschirmen kann die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmen.
- Schlafrituale: Führen Sie ein entspannendes Schlafritual ein, z.B. Meditation, ein warmes Bad oder Musik hören.
- Vermeidung langer Wachphasen im Bett: Wenn Sie längere Zeit nicht einschlafen können, stehen Sie auf und verlassen Sie das Schlafzimmer.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Schlaf verbessern, aber vermeiden Sie anstrengenden Sport unmittelbar vor dem Schlafen.
- Keine Zigarette vor dem Schlafen: Nikotin stört den Schlaf und erhöht das Risiko für einen Schlaganfall.
- Schlaftabletten nur dosiert einnehmen: Verwenden Sie Schlaftabletten nur bei Bedarf und in Absprache mit einem Arzt.
- Kein Fernsehen im Bett: Vermeiden Sie es, im Bett fernzusehen oder andere elektronische Geräte zu benutzen, da das künstliche Licht die Müdigkeit unterdrücken kann.
- Gesunde Ernährung: Rösten Sie Gemüse, um den Salzkonsum zu reduzieren.
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