Spastik der oberen Extremitäten: Ursachen, Symptome und Therapie (ICD-10)

Einführung

Spastik ist ein Zustand erhöhter Muskelspannung, der die willkürliche Bewegung beeinträchtigen kann. Sie tritt häufig als Folge von Schädigungen des zentralen Nervensystems auf, wie sie beispielsweise bei Multipler Sklerose, Schlaganfall oder Querschnittslähmung vorkommen. Dieser Artikel beleuchtet speziell die Spastik der oberen Extremitäten, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten. Zudem wird auf die Bedeutung des ICD-10-Codes eingegangen.

Was ist Spastik?

Spastik, auch Spastizität genannt, beschreibt eine übermäßig starke Ruhespannung einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Dies führt dazu, dass Extremitäten in nichtfunktionelle Haltungsmuster gezwungen werden. Charakteristisch ist ein gesteigerter, geschwindigkeitsabhängiger Dehnungswiderstand der Skelettmuskulatur, der als Folge einer Läsion deszendierender motorischer Bahnen auftritt.

Die Muskeltonuserhöhung kann von schmerzhaften Krämpfen, Muskelsteifheit, Spannungsgefühl und Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen, Kontrakturen sowie Sensibilitäts-, Koordinations- und Bewegungsstörungen begleitet sein.

Ursachen der Spastik der oberen Extremitäten

Die Ursache für Spastik liegt in einer Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks. Vom Rückenmark und vom Gehirn aus verlaufen viele Nerven zu den Organen, zur Haut und zu den Muskeln im Körper. Damit man die Muskeln richtig bewegen kann, müssen sie über die Nerven vom Gehirn gesteuert werden. Bei einer Schädigung dieser Nervenbahnen kann es zu einer Spastik kommen.

Mögliche Ursachen für eine solche Schädigung sind:

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  • Schlaganfall: Eine der häufigsten Ursachen für Spastik.
  • Multiple Sklerose (MS): Spastische Beschwerden betreffen 60 bis 84 Prozent der MS-Patienten und gehören damit zu den häufigsten Symptomen bei Multipler Sklerose.
  • Zerebrale Parese: Hier können Betroffene seit der frühen Kindheit ihre Arme oder ihre Beine nicht richtig bewegen. Die Ursache ist eine Schädigung Ihres Gehirns.
  • Querschnittslähmung: Eine Schädigung des Rückenmarks kann ebenfalls zu Spastik führen. Ursachen für eine Querschnittssymptomatik können Trauma (v.a. Unfälle), Kompressionen (v.a. (Hämorrhagien) sein. Auch im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen (Amyotrophe Lateralsklerose, etc.) und Stoffwechselstörungen (Vitamin B12 Mangel) kann eine Querschnittssymptomatik auftreten.
  • Hirnverletzungen: Schädigungen des Gehirns können während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in der ersten Zeit nach der Geburt entstehen. Das Gehirn kann zum Beispiel durch Giftstoffe oder Sauerstoffmangel geschädigt werden. Es gibt aber auch andere mögliche Ursachen.
  • Hereditäre Spastische Spinalparalyse (HSP): Genetisch bedingte Erkrankung, die zu einer spastischen Paraparese führt. Erkrankung in jedem Alter möglich (ab Geburt bis zur 7.

Symptome der Spastik der oberen Extremitäten

Bei Spastik der oberen Extremitäten ist der Tonus der Flexormuskulatur meist stärker erhöht als der Tonus der Extensormuskulatur. Dies führt zu einer Beugung der Arme, Hände und Finger. Die Symptome können je nach Ausprägung der Spastik variieren:

  • Tonuserhöhung: Erhöhte Muskelspannung, die zu Steifheit und Bewegungseinschränkungen führt.
  • Spasmen: Einschießende Tonuserhöhungen, die durch Schmerzen oder Reizzustände ausgelöst werden können.
  • Schmerzen: Muskel- und Gelenkschmerzen aufgrund der erhöhten Muskelspannung und Fehlhaltungen.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten bei der Ausführung von alltäglichen Aufgaben wie Greifen, Halten oder Schreiben.
  • Kontrakturen: Versteifung von Gelenken aufgrund der anhaltenden Muskelspannung.
  • Funktionsverlust: Im schlimmsten Fall kann es zum teilweisen oder vollständigen Funktionsverlust eines Körperteils oder Organsystems kommen.

Diagnostik der Spastik der oberen Extremitäten

Die Diagnostik umfasst in der Regel:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung des Muskeltonus, der Reflexe und der Beweglichkeit. Nachweis der Spastik durch passive rasche Beugung im Kniegelenk (Streckspastik) und rasche Abduktionsbewegung (Adduktionssspasmus)
  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und aktueller Beschwerden. Erkennung aktueller Triggerfaktoren, z. B. Blasenentzündung, Dekubitus.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT zur Darstellung von Schädigungen des Gehirns oder Rückenmarks.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelaktivität.

Therapie der Spastik der oberen Extremitäten

Die Therapie der Spastik zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.

  • Physiotherapie: Dehnübungen, Kräftigungsübungen und Bewegungsübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Muskelkraft.
  • Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten zur Verbesserung der Selbstständigkeit.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Muskelrelaxantien: Medikamente zur Reduzierung der Muskelspannung.
    • Botulinumtoxin (Botox): Injektionen in die betroffenen Muskeln zur gezielten Entspannung.
  • Orthesen: Hilfsmittel zur Unterstützung und Stabilisierung der Gelenke.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Stimulation der Muskeln mit elektrischen Impulsen zur Verbesserung der Muskelkraft und Beweglichkeit. Informieren Sie sich, wie die funktionelle Elektrostimulation mit dem STIWELL® bei der Therapie einer inkompletten Querschnittslähmung eingesetzt werden kann!STIWELL® Elektrotherapie
  • Chirurgische Eingriffe: In seltenen Fällen können operative Maßnahmen zur Reduzierung der Spastik erforderlich sein.

Faktoren, die eine Spastik auslösen oder verschlimmern

Eine Spastik kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst und/oder verschlimmert werden. Typische Trigger sind:

  • Emotionale Anspannung wie Angst, Wut, Stress, Verzweiflung oder Trauer
  • Schmerzen
  • Entzündungen/Infekte (Erkältung, Harnwegsinfekt)
  • Erhöhte Körpertemperatur, Fieber
  • Kälte
  • Stuhl- und Harndrang
  • Verdauungsstörungen
  • Zu enge Kleidung oder Schuhe
  • Abrupte Bewegungsänderungen
  • Immobilität
  • Schlechte Körperhaltung, zum Beispiel durch falsch angepasste Hilfsmittel (Orthesen, Rollstuhl)
  • Thrombosen, Frakturen und Dekubitalulzera

ICD-10-Code

Der ICD-10-Code ist ein internationaler Standard zur Klassifizierung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen. Bei Spastik der oberen Extremitäten kann je nach Ursache und Ausprägung unterschiedliche ICD-10-Codes verwendet werden.

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Zusatzkennzeichen: Auf ärztlichen Dokumenten wird der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben. G: Gesicherte Diagnose V: Verdacht Z: Zustand nach A: Ausschluss L: Links R: Rechts B: Beidseitig

Begleitsymptomatik

Spastizität kann zu starken Beschwerden, erheblichen Einschränkungen (bis zum Verlust der Arbeitsfähigkeit) und einer deutlich reduzierten Lebensqualität führen.

Die häufigsten Probleme bei MS-induzierter Spastik sind:

  • Hypertoner Muskeltonus
  • Spontane Muskelaktivität
  • Gesteigerte Muskeleigenreflexe

Daraus entwickelt sich folgende Begleitsymptomatik:

  • Steifheit von Muskeln und Gelenken
  • Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
  • Leichte Muskelverspannungen bis zu unkontrollierbaren, schmerzhaften Muskelbewegungen (vor allem während einer Aktivität)
  • Muskelschwäche, isoliert oder generalisiert
  • Haltungsanomalien (spastische Dystonie), Gangschwierigkeiten
  • Verschlechterung der aktiven und passiven Beweglichkeit, inklusive Beeinträchtigungen von Sprache, Mimik und Sehen
  • Verlust der Geschicklichkeit und Einschränkungen der selektiven Bewegungskontrolle
  • Spastische Hyperreflexie
  • Zentrale Paresen
  • Spinale Automatismen
  • Pyramidenbahnzeichen, zum Beispiel Babinski-Phänomen
  • Kontrakturen mit Veränderungen in Muskel, Gelenken, Sehnen und Bändern
  • Miktionsstörungen, imperativer Harndrang
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit, rasche Erschöpfung, Kraftlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen bis Gedächtnisverlust

Hereditäre Spastische Spinalparalyse (HSP)

  • Prävalenz ca. 2-5/100.000
  • Register für Hereditäre Spastische Spinalparalyse beim Deutschen Zentrum für Neurodegnerative Erkrankungen - DZNEAnsprechpartner:Dr.
  • Motoneuronerkrankung
  • Affektion des 1. Motoneurons:
    • Gesteigerte Reflexe PSR (kloniform, verbreiterte Reflexzone) und ASR (kloniform)
    • Pyramidenbahnzeichen
    • Nachweis der Spastik durch passive rasche Beugung im Kniegelenk (Streckspastik) und rasche Abduktionsbewegung (Adduktionssspasmus)
  • Begleitsymptomatik (abhängig vom Manigestationstyp)
    • Vibrationsempfinden beeinträchtigt (Ca.
  • Genetische Formen
    • Autosomal-rezessive Vererbung (am häufisgten), autosomal-dominante und x-chromosomale (Ca.
  • Reine Formen"Klassiche Manifestation" mit spastischer Paraparese
  • Komplizierte bzw.
  • SPG2 - Spastische Paraplegie Typ 2X-chromosmale Vererbung Genetik: OMIM 312920
  • SPG3 - Spastische Paraplegie Typ 3Autosomal dominante VererbungGennetik: OMIM 182600
  • SPG4 - Spastische Paraplegie Typ 4Autosomal dominante VererbungHäufigstes Gen autosomal dominater HSP (Ca.
  • Abhängig vom GenotypPatienten nach über 2 Dekaden ca. 50% noch gehfähig Nach 40 Jahren Erkrankugnsdauer ca.

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