Spastische geschwollene Augen: Ursachen und Behandlung

Geschwollene Augen, begleitet von Spasmen oder unkontrollierten Zuckungen, können auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Ursachen für spastische, geschwollene Augen und die entsprechenden Behandlungsansätze. Dabei werden sowohl allgemeine Augenerkrankungen als auch systemische Erkrankungen berücksichtigt, die sich auf die Augen auswirken können.

Ursachen für spastische, geschwollene Augen

Die Ursachen für spastische, geschwollene Augen können vielfältig sein und reichen von lokalen Augenproblemen bis hin zu systemischen Erkrankungen. Hier sind einige mögliche Ursachen:

  • Blepharospasmus: Dies ist eine neurologische Bewegungsstörung, die durch unwillkürliche, krampfartige Kontraktionen der Augenlidmuskeln gekennzeichnet ist. Der Zustand tritt vorwiegend bei Frauen im mittleren bis höheren Lebensalter auf. Die Ursache für den Lidkrampf ist, dass sich ein bestimmter Augenmuskel zeitweilig oder ständig unwillkürlich anspannt. Die Ursache dafür bleibt meist unbekannt.
  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen: Eine Entzündung der Siebbeinzellen (Sinusitis ethmoidalis) oder der Keilbeinhöhlen (Sinusitis sphenoidalis) kann Schwellungen und Schmerzen im Bereich der Augen verursachen. Die Siebbeinzellenentzündung äußert sich durch Schmerzen zwischen und hinter den Augen. Eine Keilbeinhöhlenentzündung kommt eher selten vor und macht sich vor allem durch Schmerzen im Hinterkopf bemerkbar.
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Eine Entzündung der Bindehaut kann zu Rötung, Schwellung und Ausfluss aus den Augen führen. Bei Neugeborenen kann eine Bindehautentzündung durch bakterielle oder virale Infektionen oder durch chemische Reizungen verursacht werden.
  • Entropium: Ein Entropium ist eine Lidfehlstellung, bei der sich das Augenlid nach innen dreht, sodass die Wimpern auf der Hornhaut reiben. Dies kann zu Reizungen, Schmerzen und Tränenfluss führen.
  • Vaskulitis: Eine Gefäßentzündung (Vaskulitis) ist eine krankhafte chronische Entzündung überwiegend kleiner Blutgefäße, die im gesamten Körper auftreten kann und die Gefäßwände schädigt. Sie kann zu Durchblutungsstörungen und Einwanderung entzündeter Zellen in umliegendes Gewebe, wie Haut, Nerven und Organe, führen und diese stark schädigen und zerstören.
  • Sjögren-Syndrom: Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die hauptsächlich Frauen betrifft und durch trockene Augen und trockenen Mund gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann auch andere Organe betreffen.
  • Hereditäre Optikusneuropathien: Hierbei handelt es sich um seltene, vererbte Sehnervenerkrankungen, die zu einer beidseitigen Optikusatrophie führen können. Die autosomal-dominanten Optikusatrophien (ADOA) betreffen beide Augen simultan und weisen einen langsamen Verlauf über Jahre und Jahrzehnte auf. Bei der Leberschen hereditären Optikusneuropathie (LHON) erleiden beide Augen simultan oder sukzessiv mit einem in der Regel kurzen Intervall eine massive Sehverschlechterung.
  • Polyneuropathie: Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft. In einigen Fällen kann dies auch die Nerven beeinflussen, die die Augenmuskeln steuern, was zu Muskelkrämpfen oder Zuckungen führen kann.

Diagnostische Verfahren

Um die Ursache für spastische, geschwollene Augen zu ermitteln, können verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt werden:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben und eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen, um die Symptome einzuordnen und andere mögliche Erkrankungen auszuschließen.
  • Augenärztliche Untersuchung: Eine umfassende Augenuntersuchung kann helfen, lokale Augenprobleme wie Bindehautentzündung, Entropium oder Hornhautverletzungen zu identifizieren.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf einen Blepharospasmus oder eine andere neurologische Ursache kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven und Muskeln zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein, um die Nasennebenhöhlen, den Sehnerv oder das Gehirn zu untersuchen.
  • Laboruntersuchungen: Blut- und Urinuntersuchungen können helfen, Entzündungszeichen, Infektionen oder Autoantikörper nachzuweisen, die auf eine systemische Erkrankung hindeuten könnten.
  • Elektromyografie (EMG): Mittels Elektromyografie (EMG) kann die elektrische Aktivität des Augenringmuskels und anderer relevanter Muskeln gemessen werden.
  • Biopsie: Erhärten die Untersuchungen den Verdacht und lassen sie Rückschlüsse auf einen bestimmten Körperbereich beziehungsweise bestimmte Gefäße zu, können wir die Diagnose anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) absichern.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von spastischen, geschwollenen Augen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige mögliche Behandlungsansätze:

  • Blepharospasmus: Die Behandlung der Wahl ist die Injektion von Botulinumtoxin A in die Augenlidmuskeln. Dadurch werden die Muskeln gelähmt und die Krämpfe reduziert. In manchen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein. Dabei können zum Beispiel jene Nervenfasern des Gesichtsnerven (Nervus facialis) durchtrennt werden, die zum Augenringmuskel ziehen. Auch eine (Teil-)Entfernung des Muskels ist möglich.
  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen: Die Therapie zielt darauf ab, die Belüftung der Nebenhöhlen wiederherzustellen. Dies kann durch Inhalationen, Nasenduschen und die Einnahme von Schmerzmitteln erreicht werden. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Nebenhöhlen zu erweitern und Polypen zu entfernen.
  • Bindehautentzündung: Die Behandlung hängt von der Ursache der Entzündung ab. Bakterielle Infektionen werden mit antibiotischen Augentropfen oder -salben behandelt, während virale Infektionen in der Regel von selbst abheilen. Bei allergischen Reaktionen können Antihistaminika helfen.
  • Entropium: In den allermeisten Fällen ist eine operative Korrektur erforderlich, um das Augenlid wieder in die richtige Position zu bringen.
  • Vaskulitis: Die Behandlung hängt von der Art und Schwere der Vaskulitis ab. In der Regel werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) und die Entzündung reduzieren.
  • Sjögren-Syndrom: Die Behandlung erfolgt symptomatisch und zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Trockene Augen können mit Tränenersatzmitteln behandelt werden, während trockener Mund durch vermehrte Flüssigkeitsaufnahme und die Anwendung von Speichelersatzmitteln gelindert werden kann.
  • Hereditäre Optikusneuropathien: Im Falle der LHON ist eine rasche Therapieeinleitung wichtig. Anders als bei LHON liegt bei ADOA keine Veränderung des mitochondrialen Genoms vor, sondern Mutationen autosomaler Gene, die Proteine kodieren, die für den mitochondrialen Stoffwechsel relevant sind.
  • Polyneuropathie: Bei einer erworbenen Form richtet sich die Behandlung nach Ursache und Ausmaß der Beschwerden. Ist die Polyneuropathie beispielsweise Folge einer anderen Erkrankung, muss diese behandelt werden. Bei einer angeborenen Polyneuropathie gibt es keine ursächliche Behandlung - hier steht die Linderung der Beschwerden im Fokus.

Weitere Maßnahmen zur Behandlung bei Polyneuropathie

Je nachdem, welche Ursache die Polyneuropathie auslöst, kommen weitere Maßnahmen zur Behandlung infrage:

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  • Gifte wie Blei oder Arsen: Im Fall einer Blei- oder Arsenvergiftung können Bindemittel wie Penicillamin helfen. Gefahrenstoffe im beruflichen und privaten Umfeld, die für die Nervenkrankheit verantwortlich sein könnten, sollten Betroffene meiden.
  • Nebenwirkung von Medikamenten: Kommt es zu einer Polyneuropathie durch die Einnahme von Arzneimitteln, sollten Betroffene mit demder ArztÄrztin besprechen, ob das Medikament abgesetzt oder auf ein anderes Präparat gewechselt werden kann. Nach Absetzen des Medikaments können sich die Beschwerden nach einiger Zeit zurückbilden.
  • Infektionskrankheit: Eine bakterielle Infektionskrankheit wie zum Beispiel Borreliose oder Diphtherie lässt sich mit Antibiotika behandeln.
  • Nährstoffmangel: Bei einem nachweislichen Nährstoffmangel (wie z. B. Vitamin B12, Vitamin B1 oder Folsäure) sollte der Mangel ausgeglichen werden. Das kann über Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen erfolgen.

Medikamentöse Behandlung bei Polyneuropathie

Schmerzen im Rahmen einer Polyneuropathie lassen sich durch bestimmte Medikamente lindern, die jedoch täglich eingenommen werden müssen. Als wirksam haben sich vor allem Wirkstoffe aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva erwiesen (z. B. Amitriptylin, Duloxetin). Aber auch Wirkstoffe, die normalerweise zur Behandlung von Krampfanfällen genutzt werden (Antiepileptika), können helfen (etwa Pregabalin, Gabapentin, ggf. Carbamazepin).

Die schmerzlindernde Wirkung dieser Medikamente tritt allerdings nicht sofort ein, sondern meist erst nach etwa 2 bis 4 Wochen regelmäßiger Einnahme.

Gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen dagegen oft kaum gegen die Nervenschmerzen und sind zudem nicht für eine dauerhafte Einnahme zu empfehlen. Opiodhaltige Schmerzmittel (wie Tramadol) kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Unterstützende Maßnahmen bei Polyneuropathie

Bestehen im Rahmen der Polyneuropathie auch Beschwerden wie Muskelschwäche, können Physiotherapie oder Ergotherapie ratsam sein.

Was Sie selbst tun können

Zusätzlich zu den ärztlichen Behandlungen können Sie selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden zu lindern:

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  • Regelmäßige Augenpflege: Reinigen Sie Ihre Augen regelmäßig mit lauwarmem Wasser und vermeiden Sie es, die Augen zu reiben.
  • Feuchtigkeit: Verwenden Sie bei trockenen Augen regelmäßig Tränenersatzmittel.
  • Schutz vor Reizungen: Vermeiden Sie es, Ihre Augen unnötigen Reizungen wie Rauch, Staub oder Zugluft auszusetzen.
  • Stressreduktion: Stress kann die Symptome einiger Augenerkrankungen verschlimmern. Versuchen Sie, Stress abzubauen, indem Sie Entspannungsübungen machen oder sich ausreichend Ruhe gönnen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann dazu beitragen, die Gesundheit Ihrer Augen zu erhalten.
  • Alkohol- und Nikotinverzicht: Für LHON gilt es als erwiesen, dass Nikotinabusus und insbesondere exzessiver Alkoholgenuss krankheitsauslösend sein können. Ist die Polyneuropathie durch hohen Alkoholkonsum entstanden, ist ein völliger Verzicht auf Alkohol beziehungsweise ein Entzug die dringlichste Maßnahme.

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