Speed- und Crystal-Konsum: Risiken und Auswirkungen auf die Gesundheit, insbesondere Multiple Sklerose

Das Sprichwort "Aus dem Osten kommt das Licht" mag in vielen Bereichen zutreffen, doch im Kontext des Drogenkonsums, insbesondere von Crystal Meth und Speed, sehen Suchtmediziner die Realität anders. Die Liberalisierung des Drogengesetzes in der Tschechischen Republik im Jahr 2010 hat in den Nachbarländern, darunter Deutschland, zu einem Anstieg des Konsums dieser Substanzen geführt.

Zunehmender Konsum von Crystal und Speed in Deutschland

Die Zahl der Konsumenten von Crystal Meth und Speed ist in Deutschland weiterhin steigend. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da der chronische Konsum dieser Substanzen schwerwiegende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben kann. Um Hilfesuchenden ein passendes Angebot für den Weg aus der Suchtproblematik anzubieten, wurde ein umfassendes Behandlungskonzept entwickelt.

Was sind Amphetamine?

Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth) sind synthetische Psychostimulanzien, die zur Gruppe der Phenylethylamine gehören. Diese Stoffe wirken anregend, indem sie die Freisetzung von Botenstoffen wie Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin im Gehirn fördern. Insbesondere Methamphetamin aktiviert das Dopamin-vermittelte Belohnungssystem und führt so zu einer starken psychischen Abhängigkeit.

Wirkungsweise von Amphetaminen

Amphetamine bringen den Körper in einen künstlichen Stresszustand, indem sie den Organismus anregen, aufputschen und für eine deutliche Leistungssteigerung sorgen. Sie beseitigen Müdigkeit, steigern den Antrieb und mindern den Appetit. Viele Konsumenten fühlen sich während des Rausches sehr selbstbewusst und voller Energie. Methamphetamin bewirkt eine höhere Dopamin-Ausschüttung, wodurch das Gefühl der Euphorie stärker ist als bei Amphetamin, ebenso wie die Suchtgefahr.

Konsumformen

Amphetamin wird meist als weißes Pulver durch die Nase geschnieft, aber auch in Getränken gelöst, in Kapselform geschluckt oder gespritzt. Methamphetamin liegt in Form von weißlich-durchsichtigen Kristallen vor. Zu Pulver verarbeitet kann es geschnupft oder geschluckt werden, geraucht oder in Wasser gelöst intravenös injiziert.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Amphetamine?

Risiken und Folgen des Konsums

Der Konsum von Crystal und Speed birgt erhebliche Risiken für die Gesundheit. Neben der starken psychischen Abhängigkeit können folgende Beeinträchtigungen auftreten:

Neurochemische und neuroanatomische Veränderungen

Chronischer Konsum von Methamphetamin und Amphetamin verursacht neurochemische und neuroanatomische Veränderungen im Gehirn. Dies kann zu Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit, der Entscheidungsfreude und der mündlichen Ausdrucksfähigkeit führen. Neuere Studien belegen zudem, dass der Drogenkonsum die Fortsätze der Nervenzellen und damit das Gehirn schädigt.

Körperliche Auswirkungen

In der Regel ist die körpereigene Wahrnehmung gestört, einhergehend mit Mangelernährung und Gewichtsverlust. Die Schleimhäute in Mund und Nase können sich zersetzen, und in der Folge von vermindertem Speichelfluss und Zähneknirschen können die Zähne ausfallen. Bei einer Überdosis kann es zu Bluthochdruck, Herzrasen, Brustschmerzen, Angstzuständen, Schwitzen, Zittern und Krämpfen kommen. Es kann auch zu Herzrhythmusstörungen und zum akuten Koronarsyndrom kommen, einer Vorstufe des Herzinfarktes.

Psychische Auswirkungen

Die Störung ist häufig mit emotionalen Einschränkungen verbunden, die sich als Gefühlskälte ausdrückt. Dies führt eher zu einem verringerten Kompetenzerleben in sozialen Situationen. Teilweise entsteht eine depressive Symptomatik, andere Symptome ähneln denen der paranoiden Schizophrenie. Nach exzessivem Konsum kann es vorkommen, dass man paranoide Wahnvorstellungen, Halluzinationen und gesteigerte Aggressivität entwickelt.

Substanzinduzierte Psychose

Auslöser können verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol oder Drogen wie Kokain, Cannabinoide, Ecstasy und Amphetamine sein. Weitere mögliche Auslöser sind halluzinogene Substanzen, zu denen etwa LSD und halluzinogene Pilze gehören.

Lesen Sie auch: Unterschätzte Gefahr: Schlaganfall durch Speed

Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei jungen Menschen

Zum Internationalen Anti-Drogen-Tag warnt der Chefarzt der Klinik für Neurologie vor der Schlaganfallgefahr für junge Menschen durch Drogenkonsum. Schlaganfälle mit Hirnblutungen bei unter 45-Jährigen sind häufig auf den Konsum von Drogen, v. a. von Methamphetaminen (Chrystal Meth), zurückzuführen. Methamphetamine können die Wand der Blutgefäße im Gehirn direkt schädigen. Dadurch entsteht ein hohes Risiko, dass die Gefäßwand einreißt und es zu einer schweren Hirnblutung kommt.

Amphetaminkonsum-assoziierte ZNS-Vaskulitis

Die neuropathologischen Untersuchungen zeigten nekrotisierende Gefäßwandveränderungen. Eine Studie mit Rhesusaffen, denen für den Missbrauch beim Menschen adaptierte Amphetamindosen verabreicht wurden, zeigte in 80 % der Primaten angiographische Veränderungen und Sektionsbefunde einer nekrotisierenden Vaskulitis.

Auswirkungen auf Schwangerschaft und Stillzeit

Amphetamine und Metamphetamine durchdringen die Plazentaschranke und gelangen in die Muttermilch. Dies kann zu Schädigungen des ungeborenen Kindes oder des Säuglings führen.

Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS)

Obwohl der Artikel keine direkten Beweise für einen Zusammenhang zwischen Speed-/Crystal-Konsum und der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) liefert, ist es wichtig zu erwähnen, dass Drogenkonsum im Allgemeinen das Immunsystem schwächen und Entzündungsprozesse im Körper verstärken kann. Da MS eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angreift, könnte ein geschwächtes Immunsystem und verstärkte Entzündungen möglicherweise das Risiko für MS erhöhen oder den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen. Es bedarf jedoch weiterer Forschung, um einen direkten Zusammenhang zwischen Speed-/Crystal-Konsum und MS zu bestätigen.

Therapieangebote für Stimulanzienabhängigkeit

Um den Konsumenten von Crystal Meth und Speed zu helfen, aus der Suchtproblematik auszusteigen, gibt es spezielle Therapieangebote. Diese basieren auf einem umfassenden Behandlungskonzept, das sich aus vier Bausteinen zusammensetzt:

Lesen Sie auch: Erfahrungen mit dem Cannondale Synapse Tiagra

  1. Patientenorientiertes Manual zur Psychoedukation
  2. Achtsamkeitstraining
  3. Achtsamkeitsbasierte Bewegungstherapie
  4. Ernährungsgruppe

Psychoedukation

Es findet eine Auseinandersetzung mit Konsummustern und Wirkung der Droge sowie mit Kreuzreaktionen anderer psychoaktiver Substanzen statt. Die Patienten erhalten Kenntnisse über langfristige Auswirkungen des Konsums von Methamphetamin und Amphetamin verbunden mit der Darstellung neurobiologischer Hintergründe.

Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention

Im MBRP (mindfulness based relapse prevention) verbinden sich achtsamkeitsbasierte Meditationspraktiken als effektive und weltanschaulich neutrale Methode der Stressbewältigung mit bisherigen Ansätzen zur Rückfallprävention.

Achtsamkeitsbasierte Bewegungstherapie

Das bewegungstherapeutische Angebot unterstützt den Patienten in der Vertiefung und Verfeinerung seiner Körperselbstwahrnehmung, fördert die Stresstoleranz und bietet Möglichkeiten der Impulskontrolle zu erlernen.

Ernährungsgruppe

Es erfolgt eine intensive Ernährungsberatung und praktische Anleitung zur gesunden Ernährung und Lebensweise. Hintergrund ist die Erfahrung, dass insbesondere (meth-) amphetaminabhängige Patienten während einer Entwöhnungsbehandlung an Körpergewicht zunehmen.

Online-Selbsttest der BZgA

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einen neuen Online-Selbsttest veröffentlicht. Mit ihm können Amphetaminkonsumenten anonym und qualitätsgesichert ein persönliches Risikoprofil erstellen und so Hinweise auf eine mögliche Abhängigkeit erhalten. Der "Speed Check"-Test regt Konsumenten dazu an, ihr Verhalten kritisch zu überdenken und zu verändern.

tags: #speed #konsum #ausloser #multiple #sklerose