Migräne mit Aura: Spezialisten, Diagnose und Behandlung

Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, meist einseitige, pochende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, denen neurologische Symptome, die sogenannte Aura, vorausgehen. Diese Aura manifestiert sich typischerweise in Form von Sehstörungen, kann aber auch andere neurologische Ausfälle wie sensible Störungen, Sprachstörungen oder motorische Schwäche umfassen. Die Suche nach einem geeigneten Spezialisten ist entscheidend für eine effektive Behandlung und Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen.

Die Rolle des Spezialisten bei Migräne mit Aura

Die Behandlung von Migräne mit Aura erfordert häufig die Expertise verschiedener Fachrichtungen. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Ansprechpartner:

  • Hausarzt: Der erste Ansprechpartner sollte immer der Hausarzt sein. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen, die Symptome dokumentieren und bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen.

  • Neurologe: Die Verbindung aus Aura und Kopfschmerzen ist neurologischer Natur, daher ist der Neurologe ein wichtiger Ansprechpartner. Neurologen sind Experten für Erkrankungen des Nervensystems und können eine umfassende Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten. Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer gab es im Jahr 2016 6.810 Neurologen in Deutschland.

  • Schmerztherapeut: Bei chronischer Migräne oder wenn sich das Schmerzgeschehen kontinuierlich steigert und immer mehr Medikamente benötigt werden, kann ein ausgebildeter Schmerztherapeut eine wertvolle Unterstützung sein.

    Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

  • Spezialisten der Alternativmedizin: Wer auf die Erfolge der Alternativmedizin vertraut, kann auch einen Spezialisten auf diesem Gebiet aufsuchen, zum Beispiel einen Akupunkteur oder einen Chiropraktiker.

Den richtigen Migräne-Spezialisten finden

Die Suche nach dem richtigen Spezialisten kann Zeit in Anspruch nehmen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) sowie die regional zuständigen Ärztekammern können Adressen von Migräne-Spezialisten vermitteln. Viele Patienten sind mit der Art und Weise, wie das Gespräch mit dem Arzt abläuft, unzufrieden. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass sie sich unverstanden fühlen oder sie nicht alle Fragen stellen konnten, weil der Arzt unter Zeitdruck stand.

Vorbereitung auf den Arzttermin

Um die Zeit beim Spezialisten optimal zu nutzen, ist eine gute Vorbereitung wichtig:

  • Beschwerdebild genau schildern: Hilf dem Migräne-Arzt, indem du dein Beschwerdebild so genau wie möglich schilderst.
  • Unterlagen mitbringen: Bringe alle notwendigen Unterlagen zum Termin mit.
  • Krankengeschichte vorbereiten: Bereite deine Krankengeschichte so ausführlich und vollständig wie möglich vor.
  • Migränetagebuch führen: Um den Verlauf deiner Migräne zu dokumentieren, kann das Führen eines Migränetagebuchs sehr sinnvoll sein. Darin notierst du neben der Schmerzdauer und -stärke sowie des Schmerzcharakters auch individuelle Einflussfaktoren wie zum Beispiel wenig Schlaf, Stress oder ungeregelte Tagesabläufe. Durch stichhaltige Informationen zum Ablauf der Kopfschmerzen kannst du dem Migräne-Arzt dabei helfen, sich ein umfangreiches Bild über die Beschwerden zu machen und eine zuverlässige Diagnose zu stellen.

Symptome und Diagnose der Migräne mit Aura

Migräne ist nach Spannungskopfschmerz der häufigste Kopfschmerztyp. Laut WHO sind von ihr weltweit 8% der Männer und 18% der Frauen betroffen; in Deutschland geht man von 8 Millionen Menschen mit Migräne aus. Am häufigsten beginnt die Erkrankung zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr. Frauen sind bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer.

Typische Symptome

  • Wiederholtes Auftreten meist einseitiger, pochender/hämmernder Kopfschmerzen, die mehrere Stunden andauern.
  • Begleitende Symptome wie Überempfindlichkeit gegen Licht (Photophobie), laute Geräusche (Phonophobie) und Gerüche (Osmophobie).
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit (bis 80%) und Erbrechen (bis 50%).
  • Vorboten (Prodromi) bei ca. 1/3 der Patienten, die der Migräneattacke wenige Stunden bis zu zwei Tage vorausgehen (psychische, neurologische und vegetative Krankheitszeichen wie Müdigkeit oder Überaktivität, verminderte Leistungsfähigkeit, Gähnen, Stimmungsschwankungen, Durst oder innere Unruhe).

Aura-Symptome

Bei der Migräne mit Aura kommt es typischerweise vor Auftreten der Kopfschmerzen zu neurologischen Ausfallerscheinungen, in den meisten Fällen zu Sehstörungen. Diese werden als Flimmern, Schleiersehen oder teilweise als gezackte Figuren im Gesichtsfeld wahrgenommen; teilweise treten auch Gesichtsfeldausfälle auf. Seltener kommt es zu anderen vorübergehenden neurologischen Ausfällen wie zum Beispiel Lähmungen einer Körperhälfte oder eines Arms / Beins, sensible Ausfälle, Schwindel oder Sprachstörungen. Die Dauer ist typischerweise begrenzt (ca. 5-60 Minuten).

Lesen Sie auch: Spezialist für Neurologie – Was macht er?

Sonderformen der Migräne mit Aura

  • Migräne mit motorischer Aura: Diese Art der Migräneaura geht mit motorischen Störungen einher, die innerhalb von 72 Stunden verschwinden. Hierzu gehört beispielsweise eine halbseitige Lähmung oder visuelle und sprachliche Störungen.
  • Retinale Migräne: Das Wort „Retina“ bedeutet Netzhaut.
  • Basilarismigräne: Bei einer Basilarismigräne kommt es zusammen mit den Kopfschmerzen, die meist am Hinterkopf wahrgenommen werden, zu Schwindel, der die Kopfschmerzen überdauern kann. Teilweise auch zu Sehstörungen (Doppeltsehen) und Missempfindungen an den Extremitäten. Bei dieser Erkrankungsform ist vor allem das Gleichgewichtsorgan betroffen. Kopfschmerzen sind in den meisten Fällen ebenfalls spürbar.
  • Alice-im-Wunderland-Syndrom: Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen während einer Migräne auf, in den meisten Fällen zusätzlich zu einer bestehenden Aura. Bei diesem Syndrom handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust der betroffenen Person auftreten.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen muss:

  1. Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
  2. Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
  3. Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
  4. Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
  5. Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen von Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von ganz überwiegend genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst.

  • Genetische Faktoren: Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden hierbei mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.
  • Neurologische und biochemische Mechanismen: Weiter geht man davon aus, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Die Wissenschaft hat die genauen Ursachen der kurzzeitigen Veränderung in der Gehirnaktivität bislang nicht vollständig verstanden, wobei sich unser Erkenntnisstand in den letzten Jahren insbesondere durch moderne bildgebende Untersuchungsmöglichkeiten deutlich erweitert hat.
  • Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.

Für viele Betroffene, die an Migräne mit Aura leiden, können bestimmte Triggerfaktoren Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern, also Auslösern, gehören Stress, hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel und Getränke, intensive Gerüche, grelles Licht und starke körperliche Anstrengung, manchmal sogar Entlastung („Wochenendmigräne“). Es gibt verschiedene Faktoren und Substanzen, die einen Migräneanfall auslösen können, die sogenannten „Triggerfaktoren“. Diese Migräneauslöser sind individuell sehr unterschiedlich. Alkoholkonsum (v.a. Rotwein), Wetteränderungen (v.a. Föhn), Stress, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus und hormonelle Umstellungen (Menstruation) sind häufige Trigger.

Diagnose

Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.

Therapie der Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden:

Lesen Sie auch: Alles über HWS-Beschwerden

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
  • Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
  • Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.

Regelmäßiger Ausdauersport wird empfohlen. Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jakobson sind ebenfalls hilfreich. Auch Akupunktur ist als nichtmedikamentöses Verfahren wirksam in der Behandlung einer akuten Migräne.

Medikamentöse Therapie

  • Akuttherapie: Ziel der Akuttherapie ist es, die Migräneattacke möglichst schnell und vollständig zu beenden. Verschiedene Medikamente können eine einsetzende Migräne unterdrücken (beispielsweise Triptane, Ditane und Geptane) oder das Verschlimmern bestehender Symptome aufhalten (unter anderem Dihydroergotamin und Antiemetika). Leiden die Betroffenen unter Übelkeit, Schwindel und starken Schmerzen, können diese ebenfalls medikamentös behandelt werden, etwa mit Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen die Übelkeit und den Schwindel.
  • Prophylaktische Therapie: Bei einer hohen Anzahl von Migräneattacken pro Monat kommt weiterhin die prophylaktische Therapie zum Einsatz. Diese soll langfristig die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren. Um einer Migräne mit Aura vorzubeugen, können ebenfalls Medikamente verschrieben werden, darunter Antiepileptika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva.

Medikamente für die prophylaktische Therapie können Betablocker, Substanzen aus der Klasse der antiepileptischen Medikamente, Antidepressiva oder einige Blutdrucksenker (Ca-Antagonisten) sein. Nach sorgfältiger Abwägung kann in einigen Fällen einer chronischen Migräne eine chronische Stimulation des N. occipitalis major (ONS) eingesetzt werden. Seit 2011 ist hierfür ein Neurostimulator zugelassen. Auch nichtinvasiv kann eine Neurostimulation erfolgen, die dann an Ausläufern des N. vagus (z.B. über eine Ohrelektrode) oder des N. trigeminus erfolgt. Es gibt Verfahren mit repetitiver transkranieller Stimulation (rTMS) oder Stimulation über die Haut mittels TENS. Hierbei soll die kortikale Erregbarkeit und damit der Kopfschmerz v.a. bei Migräne mit Aura reduziert werden.

Medikamentenübergebrauch

Diese Medikamente und Schmerzmittel wie Triptane sollten bei einer Migräne mit oder ohne Aura jedoch nicht regelmäßig eingesetzt werden, da ein Zuviel an diesen Medikamenten langfristig zu einer chronischen Migräne mit täglichen Attacken führen kann. Dies beschreibt einen chronischen, d.h. mindesten 15 Tage pro Monat auftretenden Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (an 10-15 Tagen pro Monat, seit ≥ 3 Monaten). Laut DGN kann der Übergebrauch jeglicher Kopfschmerzmittel (Analgetika, Ergotamin, Triptane, Benzodiazepine, Opioide, Barbiturate) zur Entwicklung eines Kopfschmerzes führen. Therapeutisch muss ein Medikamentenentzug erfolgen. Überbrückend müssen meist andere Medikamente, teilweise auch Cortison, eingesetzt werden.

Leben mit Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Von leichten bis starken Schmerzen und Schwindel bis hin zu motorischen Beeinträchtigungen, Seh- und Sprachstörungen ist die Bandbreite an möglichen Symptomen bei einer Migräne mit Aura hoch. Viele Migränepatienten und -patientinnen leiden zusätzlich unter einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, wodurch sich diese in ein dunkles Zimmer zurückziehen müssen. Den normalen Alltag zu bestreiten oder gar der Arbeit nachzugehen, bleibt für viele Betroffene während eines Migräneanfalls unmöglich. Eine Migräne mit Aura zu kontrollieren, zu behandeln und ihr vorzubeugen, gehört dementsprechend zum Anliegen vieler Patientinnen und Patienten, beispielsweise durch das Identifizieren von Auslösern und deren Vermeidung sowie Strategien bei herannahenden Anfällen oder zur Linderung bestehender Attacken.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Sollten Sie Symptome einer Migräne mit Aura zeigen, ohne zuvor eine Migräneattacke erlebt zu haben, sollten Sie einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen. Dies insbesondere, falls Sie unter Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen leiden, da diese auch auf einen medizinischen Notfall wie einen Schlaganfall hinweisen können.

tags: #spezialist #migrane #aura