Spezialisten für Demenz und Alzheimer in Bonn: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose Demenz, insbesondere Alzheimer, stellt für Betroffene und Angehörige eine große Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, spezialisierte Anlaufstellen zu kennen, die eine umfassende Diagnostik, Behandlung und Betreuung anbieten. In Bonn gibt es verschiedene Einrichtungen und Experten, die sich auf Demenzerkrankungen spezialisiert haben.

Das Zentrum für Frontotemporale Demenz (FTD) am Universitätsklinikum Bonn

Ein wichtiger Bestandteil des Zentrums für Seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Bonn ist das Zentrum für Frontotemporale Demenz (FTD). Es wird von der Klinik für Alterspsychiatrie und Kognitive Störungen des Universitätsklinikums getragen und bietet spezialisierte Behandlungsmöglichkeiten für Patient:innen mit Erkrankungen aus dem Spektrum Demenzen. Unter der Leitung von Frau Professorin Dr. Schneider werden Patient:innen mit behavioraler FTD, primär progressiven Aphasien und Progressiver Supranukleärer Blickparese betreut.

Was sind Frontotemporale Demenzen (FTD)?

Frontotemporale Demenzen (FTD) umfassen eine vielfältige Gruppe von neurodegenerativen Krankheiten, die sich hinsichtlich der Klinik, Neuropathologie und Genetik unterscheiden. Es handelt sich um eine hinsichtlich der Klinik, der Neuropathologie und der Genetik heterogene Gruppe von neurodegenerativen Krankheiten. Im Wesentlichen werden eine Verhaltensvariante (behaviorale FTD) von primär durch Sprachstörungen gekennzeichneten Syndromen (Primär progressive Aphasien mit drei Subtypen) unterschieden. Es besteht eine Überlappung mit (ebenfalls seltenen) Krankheiten bzw. Syndromen, bei denen auch motorische Störungen vorkommen (Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Corticobasales Syndrom (CBS)). Die klinische Klassifikation ist im Fluss und es existieren möglicherweise weitere abgrenzbare Krankheitsentitäten wie eine primäre Sprechapraxie (primary apraxia of speech, PAOS).

Interdisziplinäre Betreuung im Zentrum für FTD

Das Zentrum besteht aus einem interdisziplinären Team, das Sozialarbeiter, Fachärzte und Neuropsychologen umfasst. Durch Fallkonferenzen mit neuroradiologischer Expertise profitiert das Zentrum zusätzlich. Das Zentrum für Frontotemporale Demenz ist bestrebt, den Patient:innen die bestmögliche Betreuung und Unterstützung zu bieten.

Kontakt:

  • Prof. Dr. med. Anja Schneider (Sprecherin des Zentrums, Direktorin der Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie)
  • Dr. K. Fließbach (Oberarzt, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie)
  • Dr. Claus Escher (Oberarzt, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie)
  • Dr. Pascal Kalbhen (Oberarzt, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie)
  • Dr. Johanna Knöferle (Fachärztin, Klinik für Kognitive Störungen und Alterspsychiatrie)

Terminvereinbarungen:

Spezialsprechstunde innerhalb der Öffnungszeiten der Gedächtnisambulanz (Montag-Freitag 8:30-16:00 Uhr)

Lesen Sie auch: Übersicht der Parkinson-Ärzte in Essen

Klinik und Poliklinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie

Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1

53127 Bonn

Telefon: +49 (0) 228 287-16367 (Mo.-Do. 14-16 Uhr, Fr.

Lesen Sie auch: Detaillierte Informationen zu Alzheimer-Spezialisten

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn forscht intensiv an den Ursachen, der Früherkennung und der wirksamen Behandlung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Die Fachleute des DZNE in Bonn stellen sich diesen Herausforderungen, indem sie die Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen erforschen und in klinischen Studien - meist gemeinsam mit anderen Standorten des DZNE - neue Ansätze der Diagnose und Therapie erproben. Im Mittelpunkt stehen dabei Demenzerkrankungen wie Alzheimer und Bewegungsstörungen wie Parkinson und ALS.

Viele Menschen klagen mit zunehmendem Alter über Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme. Dabei kann es sich um eine „normale“ altersbedingte Vergesslichkeit handeln. Nicht selten sind solche Beschwerden jedoch auch Ausdruck einer Erkrankung (z.B. Durchblutungsstörungen, Depression, Stoffwechselstörungen) und eventuell auch einer beginnenden Demenzerkrankung wie z.B. Es ist wichtig, diese Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, da mit den heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten der Verlauf in vielen Fällen günstig beeinflusst werden kann.

In Bonn betreibt das DZNE überdies die „Rheinland Studie“: Diese auf Jahrzehnten angelegte, bevölkerungsbasierte Studie untersucht, welche Faktoren, die menschliche Gesundheit bis ins hohe Alter beeinflussen. Mit rund 600 Beschäftigten ist Bonn größter Standort des DZNE sowie Sitz des Vorstands und der zentralen Verwaltung.

Forschungsschwerpunkte des DZNE

Das DZNE konzentriert sich auf die Erforschung der Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen und die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze. Dabei stehen Demenzerkrankungen wie Alzheimer und Bewegungsstörungen wie Parkinson und ALS im Mittelpunkt.

Gedächtnisambulanzen in Deutschland

Gedächtnisambulanzen sind auf die Diagnostik von Gedächtnisproblemen spezialisiert. Ärztinnen, Ärzte und andere Fachkräfte untersuchen dort, welche Ursachen den Gedächtnisproblemen zugrunde liegen und ob eine Demenzerkrankung wie Alzheimer vorliegt. In Deutschland gibt es rund 160 dieser Einrichtungen, die auch als Memory Kliniken oder Gedächtnissprechstunden bezeichnet werden. Die Überweisung erfolgt durch die Hausärztin oder den Hausarzt.

Lesen Sie auch: Parkinson-Experten in Ihrer Nähe

Die Rolle der Gedächtnisambulanzen bei neuen Alzheimer-Medikamenten

Mit den neuen Alzheimer-Medikamenten kommt den Gedächtnisambulanzen eine zusätzliche Rolle zu: Erste Zentren koordinieren bereits die notwendigen Schritte für eine mögliche Behandlung mit Leqembi oder Kisunla und begleiten die erforderlichen Untersuchungen.

Liste von Gedächtnisambulanzen in Deutschland

Hier ist eine Liste von Gedächtnisambulanzen in Deutschland:

  • Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Universitäts-Gedächtnisambulanz, Dresden
  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, Gedächtnisambulanz, Leipzig
  • Helios Park-Klinikum Leipzig Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Psychiatrische Institutsambulanz - Gedächtnissprechstunde, Leipzig
  • Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Altenburg, Gerontopsychiatrische Ambulanz / Gedächtnissprechstunde Altenburg, Altenburg
  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Halle, Gedächtnissprechstunde, Halle
  • Universitätsklinikum Halle (Saale), Klinik und Poliklinik für Neurologie, Neurologie-Ambulanz, Gedächtnissprechstunde, Halle
  • Universitätsklinikum Jena - Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gedächtnissprechstunde Psychiatrische Ambulanz, Jena
  • Gedächtniszentrum des Universitätsklinikums Jena, Klinik für Neurologie (in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie), Jena
  • HELIOS Klinikum Aue, Gedächtnissprechstunde, Aue
  • Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig- Krankenhaus, Gedächtnissprechstunde, Berlin
  • Charité Mitte Psychiatrische Institutsambulanz, Gedächtnissprechstunde, Berlin
  • Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge Abt. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Gedächtnisambulanz, Berlin
  • Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Berlin
  • Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Modul Altersmedizin, Berlin
  • Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Neurologie, MVZ Neurologie, Berlin
  • St. Joseph Krankenhaus Berlin-Weißensee, Memory-Klinik, Berlin
  • Charité - Universitätsmedizin Berlin Campus Berlin Buch, Gedächtnissprechstunde, Berlin
  • Ernst von Bergmann Klinikum, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Institutsambulanz 2 / Gedächtnissprechstunde, Potsdam
  • Asklepios Fachklinikum Brandenburg Klinik für Gerontopsychiatrie, Gedächtnissprechstunde, Brandenburg a.d. Havel
  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gedächtnissprechstunde, Frankfurt Oder
  • Asklepios Fachklinik Teupitz Klinik für Psychiatrie, Psychologie und Psychosomatik, Gedächtnissprechstunde, Teupitz
  • Martin Gropius Krankenhaus GmbH Psychiatrische Institutsambulanz für Erwachsene, Memory-Klinik, Eberswalde
  • Ev. Krankenhaus Bethanien gGmbH Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Memory-Klinik, Greifswald
  • Gedächtnissprechstunde / Forschungsambulanz Universitätsmedizin Rostock Sektion für Gerontopsychosomatik und dementielle Erkrankungen an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Gedächtnissprechstunde, Rostock
  • Helios Kliniken Schwerin GmbH, Klinik für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, Schwerin

Diagnostische Verfahren in der Demenzdiagnostik

Um die Ursachen von Gedächtnisproblemen abzuklären und eine Demenzerkrankung zu diagnostizieren, werden verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt.

Elektroenzephalografie (EEG)

Ein EEG, kurz Elektroenzephalografie, ist ein diagnostisches Verfahren, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst und aufzeichnet. Diese Aktivität entsteht durch die elektrische Kommunikation zwischen Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn und kann durch Elektroden, die auf der Kopfhaut angebracht werden, erfasst werden. Die elektrische Aktivität des Gehirns wird in Form von Wellenmustern dargestellt, die verschiedene Frequenzen und Amplituden aufweisen. Diese Muster werden von einem Arzt bzw. einer Ärztin analysiert, um Auffälligkeiten zu erkennen.

MoCA-Test

Der MoCA-Test, kurz für Montreal Cognitive Assessment, ist ein weit verbreiteter kognitiver Test, der entwickelt wurde, um leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) frühzeitig zu erkennen. Er wird häufig in der Neurologie eingesetzt, um Anzeichen von Demenz, Alzheimer oder anderen kognitiven Störungen zu diagnostizieren. Der MoCA-Test besteht aus einer Reihe von Aufgaben, die verschiedene kognitive Fähigkeiten überprüfen, darunter:

  • Kurzzeitgedächtnis: Erinnerung an eine Liste von Wörtern oder Zahlen.
  • Aufmerksamkeit und Konzentration: Zahlensymboltest, Aufgaben zur geteilten Aufmerksamkeit.
  • Exekutive Funktionen: Aufgaben zur Planung, Problemlösung und Abstraktion.
  • Sprache: Benennung von Tieren, Wiederholung von Sätzen.
  • Visuokonstruktion: Zeichnen von Figuren, Nachzeichnen eines Würfels.
  • Orientierung: Fragen zur zeitlichen und räumlichen Orientierung.

Der Test dauert etwa 10-15 Minuten und wird von einem Arzt bzw. einer Ärztin oder qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt. Der MoCA-Test wird eingesetzt, um frühzeitig kognitive Beeinträchtigungen zu erkennen, die mit dem normalen Altern oder neurologischen Erkrankungen einhergehen können. Typische Anwendungsbereiche sind:

  • Früherkennung von Alzheimer und Demenz: Der Test hilft, Anzeichen von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen in ihren frühen Stadien zu identifizieren. So kann möglicherweise Demenz vorgebeugt werden.
  • Diagnose leichter kognitiver Beeinträchtigungen (MCI): MCI kann ein Vorläufer von Demenz sein. Der MoCA-Test ist ein zuverlässiges Instrument zur Erkennung.
  • Überwachung des kognitiven Zustands: Der Test wird verwendet, um den Fortschritt oder die Stabilität kognitiver Beeinträchtigungen im Laufe der Zeit zu überwachen.

Beck Depressions-Inventar (BDI)

Der BDI-Test, auch bekannt als Beck Depressions-Inventar, ist ein weit verbreitetes psychologisches Selbstbewertungsinstrument zur Messung des Schweregrads von Depressionen. Der Test wurde von dem Psychologen Aaron T. Beck entwickelt und hat sich als eines der zuverlässigsten Werkzeuge zur Erkennung und Bewertung von Depressionen etabliert. Der BDI-Test besteht aus einer Reihe von 21 Fragen, die sich auf verschiedene Symptome und Anzeichen von Depressionen beziehen. Jede Frage bietet vier Antwortmöglichkeiten, die den Schweregrad des jeweiligen Symptoms von “gar nicht” bis “sehr stark” abdecken. Die Antworten werden punktuell bewertet, und die Gesamtpunktzahl gibt einen Hinweis auf den Grad der Depression:

  • 0-13 Punkte: Keine oder minimale Depression
  • 14-19 Punkte: Leichte Depression
  • 20-28 Punkte: Mittelschwere Depression
  • 29-63 Punkte: Schwere Depression

Der Test dauert in der Regel nur wenige Minuten und kann sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Umgebungen durchgeführt werden. Der BDI-Test wird häufig in der klinischen Psychologie und Psychiatrie eingesetzt zur:

  • Diagnose von Depressionen: Der Test hilft bei der Identifizierung von Depressionen und deren Schweregrad.
  • Überwachung des Therapieverlaufs: Er wird verwendet, um die Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen über die Zeit zu bewerten.
  • Screening von Risikopatient:innen: Der Test kann auch als Frühwarnsystem für Personen mit erhöhtem Depressionsrisiko dienen.

Doppler-Untersuchung

Die Doppler-Untersuchung, auch als Dopplersonografie bekannt, ist ein nicht-invasives diagnostisches Verfahren, das die Blutflussgeschwindigkeit in den Gefäßen misst. Sie wird häufig verwendet, um den Zustand der Arterien und Venen zu beurteilen und mögliche Gefäßerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Die Doppler-Untersuchung basiert auf dem Doppler-Effekt, bei dem sich die Frequenz von Schallwellen ändert, wenn sie auf bewegliche Objekte wie Blutkörperchen treffen. Ein spezieller Ultraschallkopf sendet Schallwellen in die Blutgefäße, die von den sich bewegenden Blutzellen reflektiert werden. Diese reflektierten Schallwellen werden dann analysiert, um die Geschwindigkeit und Richtung des Blutflusses zu bestimmen.

MRT Kopf

Ein Kopf-MRT, auch als Magnetresonanztomografie des Gehirns bezeichnet, ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren, das detaillierte Bilder des Gehirns und der umliegenden Strukturen liefert. Im Rahmen einer Gedächtnissprechstunde dient es dazu, strukturelle Veränderungen zu erkennen, die Gedächtnisstörungen verursachen könnten. Dieses bildgebende Verfahren ist besonders hilfreich, um neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, vaskuläre Demenz, Tumoren im Kopf, Schlaganfälle oder andere Gehirnverletzungen zu diagnostizieren, die das Gedächtnis beeinträchtigen können. Durch das MRT können unsere Fachärztinnen und Fachärzte Hirnareale, die für das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen verantwortlich sind, genau untersuchen und mögliche Schäden oder Anomalien feststellen. Es ermöglicht auch, den Verlauf bestimmter Erkrankungen zu beobachten und die Wirksamkeit von Therapien zu bewerten.

Alzheimer und Demenz: Was ist der Unterschied?

Dr. Jens Felix Wagner erklärt den Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz: Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit dem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern und Orientierung einhergehen. Der Morbus Alzheimer ist mit etwa 60 Prozent die häufigste Ursache einer Demenz.

Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer

Dr. Jens Felix Wagner betont, dass die Alzheimer-Krankheit bisher unheilbar ist. Es gibt trotz intensiver Forschung bislang kein Medikament, das den Verlust der Nervenzellen im Gehirn aufhalten kann. Trotzdem kann der Verlauf durch eine medikamentöse Behandlung verzögert und die Symptome gelindert werden. Die Zahl der betroffenen Personen wächst. Denn die allgemeine Lebenserwartung nimmt zu und das Krankheitsrisiko steigt mit dem Alter. Gleichzeitig deutet die Forschung darauf hin, dass die Grundlagen für ein Altern bei guter Gesundheit schon frühzeitig gelegt werden.

Neue Therapieansätze: Lecanemab (Leqembi®)

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am 14.11.24 bekannt gegeben, dass sie eine Zulassung des Wirkstoffes Lecanemab zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit empfiehlt. Es handelt sich dabei um eine aufwändige Therapie mit Infusionen in 14-tägigem Abstand. Der Wirkstoff trägt zum Abbau der Amyloid-Ablagerungen im Gehirn bei, die bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Allerdings wird die Behandlung nur für bestimmte Patientengruppen nach strengen Auswahlkriterien in Frage kommen.

Auswahlkriterien für die Behandlung mit Lecanemab

Damit Sie selber abschätzen können, ob eine Behandlung für Sie oder Ihren Angehörigen in Betracht kommt, möchten wir die wichtigsten dieser Kriterien nennen:

  • Eine Alzheimer-Krankheit muss durch den Nachweis von Amyloid-Ablagerungen entweder im Liquor cerebrospinalis („Nervenwasser“) oder in einer Amyloid-PET-Untersuchung (Positronen-Emmissions-Tomographie) nachgewiesen sein. Patienten mit anderen Demenzformen (vaskuläre Demenz, Parkinson-Demenz, frontotemporale Demenz) können von der Behandlung nicht profitieren.
  • Die Krankheit muss sich im sehr frühen Stadium (leichte kognitive Störung oder leichtgradige Demenz) befinden. Bei bereits fortgeschrittener oder sogar schwerer Demenz ist eine Behandlung ausgeschlossen.
  • Patienten, die eine Gerinnungshemmung mit Marcumar oder einem der neuen oralen Gerinnungshemmer (wie Eliquis, Lixiana, Xarelto) benötigen, können nicht behandelt werden.
  • Patienten, die keine Kernspintomographien bekommen können (z.B. bei Herzschrittmacher oder anderen Implantaten) können nicht behandelt werden. Im Laufe der Behandlung werden wiederholt kernspintomographische Untersuchungen durchgeführt.

Es gibt weitere Kriterien, die dazu führen, dass Sie möglicherweise für eine Therapie mit Lecanemab nicht in Frage kommen. Außerdem ist die Frage der Kostenerstattung für die sehr teure Behandlung noch keineswegs geklärt. Daher wird es voraussichtlich noch mehrere Monate dauern, bis die Behandlung zur Verfügung steht.

tags: #spezialisten #fur #demenz #und #alzheimer #in