Spezialrehabilitation bei Morbus Parkinson: Lebensqualität und Selbstständigkeit durch gezielte Therapie

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dieser Dopaminmangel führt zu den charakteristischen Bewegungsstörungen und weiteren Symptomen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Typische Parkinson-Symptome wie Bewegungsstörungen, Sprech- und Schluckbeschwerden werden medikamentös, mit Physiotherapie oder Logopädie behandelt.

Die Spezialrehabilitation bei Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Patienten zu verbessern. Durch einen umfassenden Therapieansatz, der verschiedene medizinische Fachrichtungen einbezieht, können Betroffene Strategien zur Krankheitsbewältigung erlernen und ihre Fähigkeiten im Alltag erhalten oder wieder ausbauen. Die neurologische Rehabilitation bei Morbus Parkinson nimmt an Bedeutung beständig zu. In den letzten Jahren wurde zunehmend anerkannt, dass nicht medikamentöse Therapien wie Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie und adjuvant-physikalische Maßnahmen frühzeitig beginnen müssen, damit die Patienten optimal von diesen Therapien profitieren und der Krankheitsverlauf damit positiv beeinflusst wird.

Was ist Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson, auch bekannt als das idiopathische Parkinson-Syndrom, ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Verantwortlich sind Degenerationsprozesse im Gehirn: In einem bestimmten Hirnareal, der Substantia nigra, sterben dopaminerge Nervenzellen ab. Warum diese Nervenzellen absterben, bleibt in den meisten Fällen unklar. Der Dopaminmangel beeinträchtigt harmonische Bewegungsabläufe. Erste Symptome wie verlangsamte, unsichere Bewegungen, Versteifung oder Zittern treten meist nach dem 60. Lebensjahr - in Einzelfällen aber auch früher - auf. Derzeit sind in Deutschland ca. 400.000 Menschen betroffen, Männer etwas häufiger als Frauen.

Bei Patienten mit Morbus Parkinson sterben Zellen im Mittelhirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren, ab. Wenn ca. 60 % dieser Zellen abgestorben sind, tritt das klinische Bild eines Parkinson-Syndroms mit Bewegungsarmut auf. Die Ursache für das Absterben der dopaminergen Zellen im Mittelhirn kennen wir in den allermeisten Fällen nicht. In wenigen Fällen können genetische Veränderungen als Ursachen diagnostiziert werden. Man geht heute davon aus, dass es sich in den aller meisten Fällen um eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren handelt. Neben dem Morbus Parkinson gibt es auch atypische Parkinson-Syndrome. Bei diesen Parkinson-Syndromen sterben die Rezeptoren (Annahmestellen) für das Dopamin in den tiefen Hirnstrukturen ab, so dass das Dopamin seine Wirkung im Hirn nicht mehr entfalten kann. Dies führt zu anfänglich sehr ähnlichen Symptomen wie beim Morbus Parkinson, diese Erkrankungen verlaufen meist schneller fortschreitend und mit zusätzlichen Begleitsymptomen wie Blutdruckstörungen, Augenbewegungsstörungen oder Gedächtnisverlust. Zudem können Parkinson-Syndrome auch auftreten, wenn andere Ursachen die Tiefenhirnstrukturen (Basalganglien) beeinträchtigen. Das ist zum Beispiel bei bestimmten Hirnblutungen, Infektionen oder einem veränderten Hirndruck der Fall.

Symptome von Parkinson

Bereits vor über 200 Jahren wurde die Erkrankung beschrieben durch James Parkinson. Als Hauptsymptome beschrieb er das Zittern (Tremor), die Muskelsteifigkeit (Rigor) und die Unterbeweglichkeit (Akinese/Hypokinese). Diese motorischen Symptome schränken die Beweglichkeit ein. Das zeigt sich häufig schon früh in einer Beeinträchtigung der Schrift, häufig wird die Stimme monoton und leise und in vielen Fällen kommt es im Verlauf zu einem zunehmend kleinschrittigem Gangbild. Anfänglich sprechen all die Symptome gut auf Medikamente an, im Verlauf wechselt das Ansprechen der Symptome jedoch zunehmend. Dies macht die Behandlung durch Medikamente im fortgeschrittenem Stadium schwieriger. Heutzutage werden zunehmend nichtmedikamentöse Therapien etabliert, um die Sprache und die Motorik positiv zu beeinflussen.

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Die Leitsymptome (auch Kardinal- oder Kernsymptome) des Parkinson-Syndroms sind unterschiedlich. Weitere mögliche Begleitsymptome bei Parkinson sind Gang- und Geruchsstörungen, eine verminderte Artikulation sowie die zunehmende Abnahme der Feinmotorik und des Gedächtnisses. Darüber hinaus wird die Krankheit auch von depressiven Symptomen begleitet.

Ziele der Spezialrehabilitation

Die Therapie und Rehabilitation von Parkinson ist sehr komplex und wird von verschiedenen medizinischen Fachrichtungen durchgeführt. Die Ziele der medizinischen Rehabilitation variieren je nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten und werden individuell festgelegt. Diese Ziele umfassen die Steigerung der Lebensqualität, die Förderung der Selbstständigkeit, die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und die Prävention der Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands. Ziel Ihrer Parkinson Reha bei Medical Park ist es, eingeschränkte Fähigkeiten zu verbessern und auf einem möglichst hohen Niveau zu erhalten. Auch bereits verloren gegangene Fähigkeiten werden wieder neu vermittelt. Bei Medical Park stimmen wir die Therapie bei individuell auf Sie ab.

Der Behandlungserfolg beruht jedoch auf der erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb des multiprofessionellen Teams. Das wichtigste Teammitglied ist dabei der Patient - mit seinen eigenen Erfahrungen, die er im Umgang mit Parkinson im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Auch Angehörige werden aktiv in den Prozess einbezogen.

Formen der Rehabilitation

Häufig findet die Reha für Menschen mit Parkinson stationär statt. Die Reha kann aber auch ambulant erfolgen. Das hat den Vorteil, dass die erlernten Strategien zur Krankheitsbewältigung direkt im häuslichen Umfeld erprobt und ggf. angepasst werden können.

Inhalt der Rehabilitation

Inhalt der Reha kann z.B. die Förderung der Selbstständigkeit im Alltag sein. Während einer medizinischen Reha besteht in der Regel die Möglichkeit einer Sozialberatung. Diese kann Sie bei Antragstellungen auf Leistungen unterstützen.

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Die intensive Behandlung sollte für drei bis sechs Wochen erfolgen. Die Wiederholung einer intensiven Rehabilitation ist alle ein bis zwei Jahre vorgesehen. Die Frequenz und Intensität der Therapien muss jedoch nach individuellen Krankheitssymptomen eines jeden Patienten unterschiedlich angesetzt werden. Eine neurologische Rehabilitation im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung ist insbesondere sinnvoll nach der Versorgung mit einer Tiefenhirnstimulation oder einer Medikamentenpumpe oder aber auch nach einem akutstationären Aufenthalt zur medikamentösen Optimierung, um die Effekte einer stationären Behandlung weiter zu optimieren.

Im Rahmen der neurorehabilitativen Komplextherapie werden auch notwendige Hilfsmittel erprobt, angepasst, deren Gebrauch geübt und verordnet. Zusätzlich zur körperlichen Rehabilitation gibt es weitere Bereiche, die bei der Behandlung von Parkinson-Patienten von Bedeutung sind. Dazu gehören Beratungsleistungen bzgl. Nachsorge und möglichen sozialen Leistungen sowie Gesundheitsbildungsmaßnahmen bzgl. Risiken und Lebensführung, Krankheitsverlauf und Hilfen bei der Krankheitsverarbeitung.

Therapieansätze und Behandlungsmöglichkeiten

In den letzten Jahren wurde zunehmend anerkannt, dass nicht medikamentöse Therapien wie Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie und adjuvant-physikalische Maßnahmen frühzeitig beginnen müssen, damit die Patienten optimal von diesen Therapien profitieren und der Krankheitsverlauf damit positiv beeinflusst wird.

  • Logopädie: Mit Hilfe der Lee Silverman Voice Therapie® üben Patienten in unserer Rehaklinik in Bayern gemeinsam mit Logopäden die Lautstärke der Stimme und die Sprechmelodie zu verbessern. Kleine »Hausaufgaben« motivieren zum eigenständigen Training und erleichtern den Transfer der erlernten Sprechtechnik in den Alltag. Studien belegen, dass diese Therapie langfristig zu einer Verbesserung der Stimmqualität führt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich HNO-Phoniatrie unseres Reha-Zentrums können Schluckstörungen abgeklärt und effiziente Schlucktechniken erlernt werden, um so eine sichere Nahrungsaufnahme zu gewährleisten.
  • Physio- und Ergotherapie: Wissenschaftlich etablierte Konzepte, wie die LSVT-BIG-Therapie® zielen darauf ab, den Bewegungsumfang zu vergrößern und mehr Sicherheit in der Bewegung zu erreichen. Gemeinsam mit Physio- und Ergotherapeuten trainieren Betroffene verschiedenste Bewegungsabläufe entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse. Um die erzielten Erfolge aufrechtzuerhalten, bieten wir Nachsorgeprogramme an. Durch die LSVT-BIG-Therapie® werden die Lebensqualität, Körperhaltung, Gehfähigkeit sowie Arm- und Handbewegungen positiv beeinflusst.
  • Tanztherapie: Zunehmend belegen Studien, dass Parkinson-Patienten von Tanztherapien in hohem Maße profitieren. Deshalb bieten wir unseren Patienten eine Besonderheit der Region an: Mitten in der Hopfenregion hat der Schäfflertanz große Tradition und »Tanzen wie die Schäffler« ist für unsere Patienten eine willkommene Therapie - und es macht auch noch richtig Spaß.
  • Neuropsychologie: Während der Reha können in der Neuropsychologie spezielle Trainingsverfahren angeboten werden, die auf wissenschaftlicher Basis und nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die kognitiven Fähigkeiten der Patienten besonders trainieren. Dazu gehört insbesondere das kognitive Stimulationsprogramm NEUROvitalis.
  • Theaterpädagogik: In Kooperation mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg werden theaterpädagogische Übungen mit Parkinson-Patienten von Studierenden erprobt. Diese theaterpädagogischen Übungen werden im Rahmen der Einzel- und Gruppentherapie in der Sprachtherapie genutzt, um den mimischen Ausdruck und die Stimmkraft zu fördern.
  • Boxtraining: Boxtraining, fordert die gesamte Muskulatur des Körpers. Dabei sind sowohl Bein- und Fußbewegungen als auch Kopfbewegungen wichtig. Die Konzentration muss auf den Gegner, die eigene körperliche und seelische Verfassung sowie die Position im Raum gerichtet sein. Gleichzeitig müssen die Raumwahrnehmung und Orientierung funktionieren, was die Sinnesorgane kontinuierlich unter Druck setzt. In dieser Stresssituation erlebt der Organismus einen Alarmzustand, wobei Körper und Geist stark gefordert sind - eine Extremsituation für Parkinsonkranke, die mit dieser Herausforderung umgehen müssen. Gelingt ihnen dies, lernt der Organismus, mit dieser Beanspruchung umzugehen. Im Passauer Wolf setzen wir es daher als Kraft- und Gleichgewichtstraining ein zur Verbesserung der posturalen Stabilität.
  • Lyra Gangtrainer: Der Gangtrainer Lyra wird im Passauer Wolf Bad Gögging in allen Phasen der Rehabilitation eingesetzt. Er hilft Patienten dabei, ihre Gehfähigkeit wiederzuerlangen, indem das natürliche Bewegungsmuster für das Gehen simuliert wird. Davon profitieren z. B. Patienten mit Schlaganfall, Morbus Parkinson sowie anderen neurologischen und auch geriatrischen Erkrankungen. Neben dem effizienten Gangtraining nach dem Endeffektor-Prinzip bietet der Gangtrainer auch hochmoderne Netzwerk-Funktionen: Der Therapeut hat bereits während des Trainings Zugriff auf alle Trainingsdaten und -protokolle und kann diese jederzeit an das Behandlungsteam weitergeben. Dies unterstützt die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Ärzte- und Therapeutenteams optimal.
  • Meine Reha® - ein Nachsorge-Programm für zu Hause: Heimübungsprogramme helfen dabei, die Erfolge auszubauen und zu stabilisieren. Deshalb entwickelten wir gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin ein Computerprogramm, welches das Training zu Hause nach der Behandlung in der Parkinson-Klinik erleichtert. Parkinson-Patienten können damit Bewegungselemente aus der LSVT-BIG-Therapie® selbständig, aber kontrolliert, am Computer durchführen. Das ist ideal für die Nachsorge, denn so können Behandlungserfolge langfristig aufrecht erhalten werden.

Eine ursächliche Behandlung des Parkinson-Syndroms, die eine fortschreitende Degeneration der Nervenzellen des nigrostriatalen (Dopamin-)Systems verhindert, gibt es aktuell noch nicht. Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Parkinson erfolgt in unseren Reha-Fachkliniken für Neurologie im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Psychologische Beratung für Sie und Ihre Angehörigen hilft Ihnen ein besseres Krankheitsverständnis zu entwickeln und die Herausforderungen des Alltags besser zu meistern.

Die Rolle der Sozialberatung

Die Mitarbeiter der Sozialberatung des Passauer Wolf Bad Gögging verfügen über langjährige Erfahrung in der sozialmedizinischen Weiterversorgung von Patienten, die an Parkinson erkrankt sind. Sie unterstützen beispielsweise bei der Beantragung eines Grades der Behinderung (GdB) oder der Wiedereingliederung in die bisherige berufliche Tätigkeit. Darüber hinaus arbeiten sie eng mit Selbsthilfeorganisationen zusammen, insbesondere mit der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. (DPV), dem Parkinson Verbund e.V. und dem Parkinson Journal, um eine umfassende Aufklärung der Patienten zu gewährleisten.

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Spezialisierte Pflege: Die Parkinson Nurse

Als Parkinson Nurse bezeichnet man Pflegefachkräfte, die eine spezialisierte Fortbildung durchlaufen haben, die sich auf die Betreuung von Parkinson-Patienten konzentriert. Die Fortbildung qualifiziert für ein breites Aufgabengebiet, die neben der klassischen Pflege auch die Betreuung von Patienten mit Pumpensystem oder Tiefen-Hirnstimulatoren umfasst. Darauf, dass es diese spezialisierte Pflege auch im Passauer Wolf Bad Gögging gibt, sind wir stolz - denn diese Kompetenzen werden bundesweit nur in wenigen Kliniken angeboten.

Fragen und Antworten zur neurologischen Reha bei Parkinson

  • Wie lange dauert eine Reha bei Parkinson? Die Reha erstreckt sich mit der intensiven Behandlung über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen. Da es sich bei Parkinson um eine fortschreitenden Erkrankung handelt, sollten die Rehamaßnahmen regelmäßig wiederholt werden, wobei die Frequenz und die Intensität der Therapien jedoch individuell an die Krankheitssymptome jedes Patienten angepasst werden.
  • Was kann durch eine Parkinson-Reha erreicht werden? Für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, bietet eine regelmäßige neurologische Rehabilitation zahlreiche Vorteile. Wird diese frühzeitig begonnen, kann sie sich positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Insbesondere die Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags können in einem geschützten Umfeld während der Rehabilitation erworben werden.
  • Wie beantrage ich eine Reha bei Parkinson? Mehr Informationen, wie man eine Parkinson-Reha beantragen kann, finden Sie hier.
  • Wie ist die Lebenserwartung von an Parkinson erkrankten Menschen? Dank den modernen Medikamenten und anderer Therapieverfahren entspricht die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten der von gesunden Menschen. Da Parkinson eine fortschreitende Erkrankung ist, können im Alltag Beeinträchtigungen vorkommen.
  • Können Personen mit Parkinson noch ihren Beruf ausüben? Die Möglichkeit für Personen mit Parkinson, ihre berufliche Tätigkeit fortzusetzen, variiert je nach ihrem individuellen Krankheitsverlauf und den spezifischen Anforderungen ihres Berufs. Daher kann nicht generell gesagt werden, ob Betroffene Personen ihren Beruf noch ausüben können.

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