Spiele für Sehbehinderte und Demenz: Eine umfassende Übersicht

Studien haben gezeigt, dass Spiele im Alter eine wichtige Rolle spielen, um das Gedächtnis und die soziale Interaktion zu fördern, was wiederum zu einem gesteigerten Wohlbefinden beiträgt. Speziell entwickelte Spiele für Senioren mit Sehbehinderung und Demenz berücksichtigen altersbedingte Schwierigkeiten und zielen darauf ab, den Spaß am Spielen bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Herausforderungen und Anpassungen

Herkömmliche Spiele sind oft ungeeignet, da sie zu kleine Teile haben, zerbrechlich oder rutschig sind und sich schlecht greifen lassen. Auch die Farben und Symbole sind oft schwer zu erkennen. Daher ist es wichtig, Spiele an die besonderen Bedürfnisse dieser Zielgruppe anzupassen.

Materialien und Design

Die Materialien für altersgerechte Spiele werden sorgfältig ausgewählt. Stärkere oder beschichtete Materialien werden häufig für Spielkarten und -elemente verwendet. Holzspiele sind besonders hochwertig und robust. Wichtig ist, dass Motive, Schriften, Zahlen, Zeichen und Abbildungen klar erkennbar und wenig verwirrend sind. Die Oberflächen aller Figuren und aufnehmbarer Spielelemente sollten griffig und leicht zu greifen sein.

Inhalte und Ziele

Die Inhalte der Spiele sind vielfältig und verfolgen unterschiedliche Ziele. Sie sollen nicht nur Spaß machen, sondern auch Fertigkeiten und Fähigkeiten fördern, die für das alltägliche Leben von Bedeutung sind. Spiele können das Gehirn aktivieren, die Konzentration fördern, das Gedächtnis trainieren und kognitive Funktionen stimulieren.

Vorteile von Spielen für Senioren mit Demenz

Spiele für Senioren mit Demenz sind nicht nur unterhaltsam, sondern bieten auch eine wertvolle Möglichkeit, Spaß und Aktivität in ihren Alltag zu integrieren.

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Anregung des Gehirns

Spiele sind eine hervorragende Möglichkeit, das Gehirn aktiv zu halten. Sie fordern das Gedächtnis heraus, fördern die Konzentration und stimulieren kognitive Funktionen.

Verbesserung des Selbstwertgefühls

Angenehme Aktivitäten wie Spiele bringen Freude und Zufriedenheit. Sie erzeugen positive Emotionen, steigern das Selbstwertgefühl und tragen zu einem Gefühl von Sinnhaftigkeit bei.

Integration in die Erfahrungswelt

Speziell entwickelte Spiele können sich in die Erfahrungswelt von Menschen mit Demenz einfügen und Erinnerungen wecken.

Förderung der Kommunikation

Spiele sind oft ein natürlicher Anlass für Gespräche, und spezielle Fragen-Spiele sorgen dafür, dass die Gespräche in Gang kommen.

Spiele für Sehbehinderte

Spiele für sehbehinderte Menschen sind speziell darauf ausgelegt, Senioren mit einer visuellen Beeinträchtigung dabei zu unterstützen, aktiv zu bleiben und Freude am Spielen zu haben. Da das Sehvermögen mit zunehmendem Alter häufig nachlässt, konzentrieren sich diese Spiele darauf, andere Sinne wie Hören, Fühlen und Riechen zu stimulieren.

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Sensorische Stimulation

Diese Spiele ermöglichen es, an Aktivitäten teilzunehmen, ohne auf gutes Sehvermögen angewiesen zu sein. Egal, ob es sich um ein Tastspiel, ein Spiel mit Musik oder Geräuschen oder eine Aktivität handelt, bei der der Geruchssinn im Mittelpunkt steht, jedes Spiel ist sorgfältig ausgewählt, um zugänglich zu sein und die Sinne zu stimulieren. Dies fördert die Motorik und ermöglicht es Senioren, weiterhin an sozialen und unterhaltsamen Aktivitäten teilzunehmen, was zu ihrem allgemeinen Wohlbefinden beiträgt.

Kognitive Stimulation

Kognitive Stimulation durch Spiele ist von großer Bedeutung, sowohl für Jung als auch für Alt, aber besonders auch für Menschen mit Einschränkungen wie einer Sehbehinderung. Das aktive Einbeziehen des Gehirns durch Spiele unterstützt nicht nur die kognitiven Funktionen, sondern fördert auch das Gedächtnis, die Konzentration und die Problemlösungsfähigkeit. Für Senioren mit einer Sehbehinderung ist diese Stimulation besonders wichtig, da der Einsatz anderer Sinne wie Hören und Fühlen dabei hilft, neue Verbindungen im Gehirn zu schaffen und bestehende Fähigkeiten zu erhalten.

Beispiele für geeignete Spiele

Es gibt eine Vielzahl von Spielen, die sich für Senioren mit Sehbehinderung und Demenz eignen. Hier sind einige Beispiele:

  • Reminiszenzspiele: Diese Spiele rufen alte Erinnerungen hervor und fördern Gespräche.
  • Fragen-Spiele: Diese Spiele initiieren besondere Gespräche und fördern die soziale Interaktion.
  • Tastspiele: Diese Spiele stimulieren den Tastsinn und ermöglichen es, Gegenstände zu erkennen, ohne sie zu sehen.
  • Spiele mit Musik und Geräuschen: Diese Spiele regen den Hörsinn an und können Erinnerungen wecken.
  • Spiele mit Düften: Diese Spiele stimulieren den Geruchssinn und können positive Emotionen hervorrufen.
  • Puzzles: Puzzles mit großen Teilen sind leicht zu greifen und fördern die Motorik und das visuelle Erkennen.
  • Memory-Spiele: Memory-Spiele mit großen Karten und leicht erkennbaren Motiven erleichtern das Anfassen und Aufdecken.
  • Würfelspiele: Würfelspiele sind einfach zu verstehen und bieten eine gute Möglichkeit, soziale Interaktion zu fördern.
  • Spiele mit Sprichwörtern: Bekannte Sprichwörter erkennen und ergänzen kann das Gedächtnis trainieren und Gespräche anregen.
  • SingLiesel-Bücher: Diese Bücher sprechen das musikalische Gedächtnis an und enthalten bekannte Lieder, die mitgesungen werden können.
  • Nestelprodukte: Nesteldecken oder -kissen bieten rastlosen Händen durch viele sensorische Reize eine Beschäftigung und können eine beruhigende Wirkung haben.
  • Kartenmischer: Ein Kartenmischer erleichtert das Mischen von Spielkarten, insbesondere für Senioren mit eingeschränkter Handbeweglichkeit.

Weitere Beispiele und Ideen

  • Erinnerungsalben: Sammeln Sie Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Leben der demenzerkrankten Person.
  • Kleine Arbeiten in Haus oder Garten: Achten Sie darauf, keine zu komplizierten oder gefährlichen Aufgaben zu wählen.
  • Kreative Tätigkeiten: Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien aus der Natur oder dem Bastelladen kann Demenzerkrankten viel Freude bereiten.
  • Vorlesen: Vorlesen kann für Menschen mit Demenz genauso aktivierend sein wie Kopfrechnen für einen gesunden Menschen.
  • Spaziergänge und Ausflüge: Ideal sind Orte, die dem Demenzerkrankten immer schon gefallen haben oder einen biografischen Bezug bieten.
  • Snoezelen: Dabei werden gezielt unterschiedliche Sinne aktiviert und stimuliert.
  • Gehirnjogging: NeuroNation bietet über 30 Übungen, die in Zusammenarbeit mit Experten aus der Neuropsychologie entwickelt wurden, um einen maximalen Lerneffekt zu erzielen.

Wichtige Aspekte bei der Auswahl und Anwendung von Spielen

  • Einfachheit: Spiele sollten einfach, visuell klar und kurz sein. Zu komplexe Spiele können für Menschen mit Demenz frustrierend sein.
  • Anpassung: Die Gestaltung der Spiele spielt eine wichtige Rolle. Große, klare Buchstaben, einfache Bilder und übersichtliche Spielbretter sind entscheidend.
  • Dauer: Senioren mit Demenz haben eine eingeschränktere Aufmerksamkeitsspanne. Kurze, fesselnde Aktivitäten sind effektiver.
  • Individuelle Vorlieben: Gehen Sie auf persönliche Vorlieben und Abneigungen ein. Die Beschäftigung sollte Spaß machen.
  • Respekt: Respektieren Sie die Entscheidung des Demenzerkrankten. Lassen Sie es zu, wenn der Erkrankte nicht selbst aktiv werden möchte, sondern lieber beobachtet.
  • Toleranz: Tolerieren Sie „Fehler“. Schimpfen Sie auf keinen Fall, wenn etwas nicht funktioniert.
  • Kein Leistungsdruck: Achten Sie darauf, dass das Spielen nicht zu Leistungsdruck führt. Variieren Sie die Spielregeln lieber, als zu konsequent auf deren Einhaltung zu achten.

Digitale Technologien

Digitale Technologien können ebenfalls eine Rolle bei der Aktivierung von Menschen mit Demenz spielen. Die Tovertafel (dt. Zaubertisch) bietet interaktive und spielerische Freizeitaktivitäten, indem die Spielenden durch digitale Projektionen (Lichtanimationen) und einer Infrarot-Technologie auf projizierte Objekte multisensorisch reagieren und in Interaktion treten können.

Ethische Aspekte

Mit Blick darauf, dass digitale Technologien zunehmend Einfluss auf pflegerische Sorgebeziehungen nehmen und daher unweigerlich ein Potenzial zur Veränderung derselben aufweisen, ist der Einsatz, die Nutzung und die Implementierung solcher Technologien in der Pflege und Begleitung - verstanden als Sorge-, Beziehungs- und Interaktionsprozess - stets auch ethisch zu hinterfragen. Die Nutzung von (digitaler) Technik kann eine an den individuellen Ressourcen und Bedürfnissen orientierte, person-zentrierte pflegerische Betreuung nicht ersetzen; sie dient lediglich als zusätzliches bzw. ergänzendes Aktivierungsangebot. Zudem ist anzumerken, dass die Tovertafel nicht pauschal für alle Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder einer Demenzerkrankung geeignet ist, da die Spiele möglicherweise nicht für jedes Individuum ansprechend oder passend sind.

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