Spinalkanalmetastasen: Wann ist eine Operation notwendig?

Knochenmetastasen, die von einem Tumor außerhalb der Knochen stammen, weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin und werden auch als Fernmetastasen bezeichnet. Eine Heilung ist selten möglich, daher zielt die Behandlung vor allem darauf ab, Beschwerden zu lindern, die Stabilität und Funktion der Knochen zu erhalten und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Therapie von Knochenmetastasen: Ein Überblick

Ein wichtiger Baustein in der Behandlung von Knochenmetastasen ist die Strahlentherapie. Betroffene können aber auch eine Operation, Chemotherapie oder weitere Behandlungen erhalten. Die Therapie ist jedoch auch vom Ursprungstumor abhängig.

Da Knochenmetastasen von Tumoren in anderen Organen ausgehen, erhalten Patientinnen und Patienten mit Knochenmetastasen in der Regel bereits Therapien für ihre ursprüngliche Erkrankung. Das behandelnde Ärzteteam ist auch für die Behandlung von Knochenmetastasen der erste Ansprechpartner.

Strahlentherapie bei Knochenmetastasen

Bei der perkutanen Strahlentherapie werden die Metastasen gezielt von außen bestrahlt. Diese Behandlung eignet sich besonders, wenn Knochenmetastasen in einem begrenzten Bereich des Körpers liegen. Die Strahlentherapie kann dabei helfen, Schmerzen zu lindern und Knochenbrüchen vorzubeugen. Nach einer Operation von Knochenmetastasen kann eine zusätzliche Strahlentherapie möglicherweise übrig gebliebene Tumorzellen zerstören. Die Strahlentherapie erfolgt ambulant und dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Etwa 25 von 100 Patientinnen und Patienten haben Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung. Manchmal nehmen Schmerzen nach der Strahlentherapie zunächst zu, bevor sie dann wieder nachlassen (Flare-Phänomen). Um dem entgegenzuwirken, können die behandelnden Ärzte vorbeugend sogenannte Steroide verschreiben. Nicht immer lassen sich Knochenschmerzen durch eine Strahlentherapie lindern. Auch können Schmerzen wieder zunehmen, wenn ein Tumor weiter wächst. Dann können Patientinnen und Patienten eine erneute Bestrahlung bekommen (Re-Bestrahlung).

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Radionuklidtherapie: Bestrahlung von innen

Manchmal lassen sich Knochenmetastasen auch mit speziellen Medikamenten behandeln, die Radionuklide genannt werden. Sie reichern sich in den Tumorzellen an und geben schwache radioaktive Strahlung in das naheliegende Tumorgewebe ab. Da sich die Radionuklide unabhängig von der Lage im Körper in den Tumorzellen anreichern, können mit der Radionuklidtherapie auch weit verteilte Knochenmetastasen gut behandelt werden.

Damit sich die Radionuklide anreichern können, muss ein Patient oder eine Patientin sogenannte osteoblastische Knochenmetastasen haben. Für manche Tumorarten gibt es zielgerichtete Medikamente, an die Radionuklide gekoppelt werden können. Die Radionuklidtherapie kann zum Einsatz kommen, wenn eine perkutane Strahlentherapie nicht möglich ist oder die Tumorzellen nicht auf andere Therapien ansprechen.

Beispiele für die Radionuklidtherapie sind die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs und die PSMA-gerichtete Therapie bei Prostatakrebs.

Operation von Knochenmetastasen

Operationen spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Knochenmetastasen, insbesondere wenn diese die Wirbelsäule betreffen.

Operation bei Wirbelsäulenmetastasen: Vertebroplastie und Kyphoplastie

Verursachen Knochenmetastasen Brüche der Wirbelkörper, können zwei spezielle Operationsverfahren helfen:

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  • Vertebroplastie: Mit diesem Verfahren können erfahrene Operateure Brüche in den Wirbelkörpern stabilisieren.
  • Kyphoplastie: Dabei werden die Wirbelkörper nach einem Bruch stabilisiert und zusätzlich wieder aufgerichtet.

Beide Verfahren können mit anderen Operationen oder einer anschließenden Strahlentherapie kombiniert werden. Ärztinnen und Ärzte setzen die Vertebroplastie oder Kyphoplastie ein, wenn Patientinnen und Patienten Wirbelsäulenmetastasen haben, die Metastasen Schmerzen verursachen und sie diese nicht anders behandeln können. Vertebroplastie und Kyphoplastie sind nicht geeignet, wenn eine Patientin oder ein Patient bereits neurologische Ausfälle wie etwa Lähmungserscheinungen als Symptom zeigt. Ziel beider Verfahren ist es, die Schmerzen von Betroffenen zu lindern. Einige Patientinnen und Patienten sind nach der OP sogar frei von Schmerzen. Das kann die Lebensqualität verbessern und Betroffene wieder beweglicher machen.

Beide Verfahren sind als offene Operation oder als weniger eingreifendes, örtliches Verfahren (minimal-invasiv) möglich. Mit einer speziellen Nadel sticht der Operateur in den Knochen und spritzt einen speziellen Knochenzement in die Bruchstelle. Bei einer Kyphoplastie wird zunächst mit Hilfe eines Ballons ein Hohlraum erzeugt. Dadurch werden die Wirbelkörper aufgerichtet. In den Hohlraum wird anschließend der Zement gespritzt. Bei einer Vertebroplastie wird der Zement dagegen direkt unter hohem Druck in den Wirbelkörper eingespritzt. Bei beiden Verfahren kann es passieren, dass der Zement austritt. Betroffene spüren davon meistens nichts. Der Zement kann aber auf Nerven oder Rückenmark drücken oder in andere Körperbereiche gelangen und dadurch Beschwerden verursachen. Auch lokale Infektionen können auftreten.

Spinale Tumoren und ihre Behandlung

Spinale Tumoren sind Geschwülste der Wirbelsäule, die von den Wirbeln ausgehen (extradurale Tumoren) oder innerhalb der Rückenmarkshaut liegen (intradurale Tumoren). Bei den intraduralen Tumoren unterscheidet man Tumoren des Rückenmarkes (intramedulläre Tumoren) und extramedulläre Tumoren, die nicht vom Rückenmark entspringen. Die häufigsten Symptome eines spinalen Tumors sind Schmerzen und neurologische Störungen, wie z. B. Taubheitsgefühl, Kraftminderung, Blasen-Mastdarm-Störungen und Störungen der Sexualfunktionen.

Bei den meisten spinalen Tumoren ist die Operation die Therapie der Wahl. Die Operation dient der Entlastung des Rückenmarkes bzw. der Nervenwurzeln und / oder der Stabilisierung der Wirbelsäule. Handelt es sich um gutartige Tumoren, kann bei vollständiger Tumorentfernung eine Heilung erzielt werden. Bei malignen Tumoren, wie z. B. Metastasen erfolgt nach der Operation immer eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie.

Die häufigsten extraduralen Tumoren sind Töchtergeschwülste (Metastasen) anderer Tumoren (80 %). Der Lungen-, Brust-, Nieren-, Prostata- und Krebs macht besonders häufig Wirbelsäulenmetastasen. Aber auch Plasmozytome, Lymphome, Sarkome, Osteome, Chordome und Chondrome können in der Wirbelsäule gefunden werden. Tumoren der Wirbelkörper können zu einer Instabilität der Wirbelsäule führen. Spontanfrakturen ohne adäquates Trauma sind häufig. Durch die Fraktur oder Raumforderung kann es zu einer Querschnittssymptomatik kommen. Ziel der Operation ist die Dekompression des Rückenmarkes bzw. der Nervenwurzeln sowie die Stabilisierung der Wirbelsäule.

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Die häufigsten intraduralen Tumoren sind Meningeome (Tumoren der Rückenmarkshaut) und Neurinome (Tumoren der Nervenwurzeln). Aber auch Ependymome und Lipome kommen vor. Da diese Tumoren fast immer gutartig sind, ist die komplette Tumorentfernung Ziel der Operation.

Rückenmarktumoren sind selten (ca. 2 % aller Tumoren des zentralen Nervensystems). Die häufigsten Tumoren sind Ependymome (ca. 45 %) und Astrozytome (ca. 35 %). Hämangioblastome machen ca. 10 % aus. Da diese Tumoren fast immer gutartig sind, ist die komplette Tumorentfernung Ziel der Operation. Eine Strahlentherapie ist nicht sinnvoll, da zum einem die Tumoren nicht strahlensensibel sind und zum anderen das Rückenmark bei hoher Strahlendosis geschädigt wird. Die Patienten werden meist durch Schmerzen auffällig. Später entwickeln sich Sensibilitätsstörungen und eine Gangunsicherheit. Die Ergebnisse der Operationen von Rückenmarktumoren sind durch die Anwendung der mikroskopischen Präparationstechnik und des intraoperativen Monitoring der sensiblen und motorischen Bahnen deutlich besser geworden.

Mikrochirurgische Dekompression

Bei einer mikrochirurgischen Dekompression wird durch Entfernung von störendem Gewebe Druck von den komprimierten Nerven oder Nervenwurzeln genommen. Das dafür verwendete Operationsmikroskop ermöglicht einen optimal beleuchteten, dreidimensionalen und vergrößerten Blick auf das Operationsgebiet. Eingesetzt wird die mikrochirurgische Dekompression vor allem bei Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalstenosen im Lendenwirbelsäulenbereich, aber auch in allen Bereichen der Halswirbelsäule. Die mikrochirurgische Dekompression kommt auch im Rahmen der Palliativmedizin zum Einsatz, wenn z. B. Metastasen oder Tumoren auf das Nervengewebe drücken und Schmerzen oder sogar Lähmungen auslösen.

Medikamentöse Therapie bei Knochenmetastasen

Schmerztherapie

Schmerzhafte Knochenmetastasen lassen sich auf mehrere Weisen behandeln. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Schmerzen einer Patientin oder eines Patienten sind. Betroffene können entzündungshemmende Medikamente erhalten, die vor allem lokal wirken. Bei stärker ausgeprägten Schmerzen können sie auch schwache bis starke Opioide bekommen.

Ärztinnen und Ärzte können mit Schmerzmitteln dem sogenannten "Flare-Phänomen" bei einer perkutanen Strahlentherapie vorbeugen. Besonders Steroide wie Dexamethason eignen sich zur Vorbeugung des Flare-Phänomens.

Den Knochenabbau hemmen: Bisphosphonate und Denosumab

Es gibt Medikamente, die den Knochenabbau hemmen und dadurch die Knochen stabilisieren. Die Knochen sind dann weniger anfällig für Brüche. Fachleute bezeichnen solche Medikamente auch als "antiresorptiv".

Chemotherapie und zielgerichtete Therapien

Eine Knochenmarkkarzinose kann zu einem Mangel an roten oder weißen Blutkörperchen und Blutplättchen führen. Je nach Ursprungstumor kommen dafür eine Chemotherapie oder zielgerichtete Therapien infrage. Konkrete Empfehlungen für die Behandlung einer Knochenmarkkarzinose gibt es jedoch nur für Patientinnen mit Brustkrebs: Hier kann eine Chemotherapie mit Epirubicin, Doxorubicin, Paclitaxel oder Capecitabin angewendet werden. Abhängig vom Hormonrezeptor-Status können weitere Therapien möglich sein.

Leben mit Knochenmetastasen

Sport und Bewegung

Bewegung kann auch bei Knochenmetastasen sinnvoll sein. Betroffene sollten jedoch darauf achten, dass sportliche Aktivitäten die Knochen nicht zusätzlich belasten. Auch das Sturzrisiko sollte möglichst gering sein. Sie sollten daher mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten klären, welche Bewegungsarten sinnvoll sind und ob sie eine fachliche Anleitung bei sportlichen Übungen brauchen.

Ernährung

Patientinnen und Patienten dürfen bei Knochenmetastasen meistens alles essen: Es gibt in der Regel keine besonderen Einschränkungen. Fachleute empfehlen insgesamt eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Betroffene sollten außerdem darauf achten, dass sie einer Mangelernährung vorbeugen - beispielsweise, wenn sie durch die Erkrankung oder Therapien unter Appetitlosigkeit leiden.

Unterstützung finden

Eine psychoonkologische Begleitung kann Betroffenen helfen, eine Krebserkrankung zu verarbeiten. Hilfe und Unterstützung finden Betroffene zum Beispiel bei Krebsberatungsstellen, in spezialisierten psychotherapeutischen Praxen oder auch direkt in der behandelnden Klinik. Auch der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten kann helfen: Selbsthilfe-Gruppen bieten die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Betroffenen zu knüpfen.

Wann ist eine Operation indiziert?

Die Entscheidung für oder gegen eine Operation bei Spinalkanalmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Art und Ausdehnung der Metastasen: Einzelne, gut lokalisierte Metastasen können eher operativ entfernt werden alsMultiple, weit verbreitete Metastasen.
  • Stabilität der Wirbelsäule: Bei Instabilität der Wirbelsäule kann eine Operation zur Stabilisierung notwendig sein.
  • Neurologische Symptome: Bei neurologischen Ausfällen wie Lähmungen oderSensibilitätsstörungen kann eine Operation zur Dekompression des Rückenmarks indiziert sein.
  • Allgemeinzustand des Patienten: Der Allgemeinzustand des Patienten spielt eine entscheidende Rolle bei derIndikationsstellung zur Operation.
  • Lebenserwartung: Bei Patienten mit einer begrenzten Lebenserwartung kann einpalliativer Therapieansatz im Vordergrund stehen.

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