Ein Schlaganfall, auch Apoplex genannt, ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Er entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, was zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung und zum Absterben von Hirnzellen führt. Schwindel kann ein Symptom eines Schlaganfalls sein, aber auch viele andere Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Schlaganfall und Schwindel.
Schlaganfall: Ein medizinischer Notfall
Ein Schlaganfall tritt meist plötzlich auf, kann sich aber auch langsam ankündigen. Bei einem Apoplex werden Hirnregionen aufgrund einer Mangeldurchblutung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was zum Absterben von Hirnzellen führt. Nach einem Apoplex zählt daher jede Minute.
Schlaganfall-Vorboten und Symptome
Es ist wichtig, die Symptome eines Schlaganfalls schnell zu erkennen und sofort Hilfe zu alarmieren. Wenn bei Ihnen oder einem Menschen aus Ihrem Umfeld ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko bekannt ist, sollten Sie diese Warnzeichen kennen. Wenn diese Warnzeichen innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, kann es sich um einen leichten Schlaganfall handeln.
Typische Symptome und Anzeichen für einen Schlaganfall sind:
- Plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen, meist nur auf einer Körperseite. Eine Hand, Arm und/oder Bein lassen sich nicht mehr richtig bewegen, kribbeln oder fühlen sich taub an. Charakteristisch kann auch ein herunterhängender Mundwinkel sein.
- Sprachstörungen: Die Betroffenen finden plötzlich nicht mehr die richtigen Wörter, reden abgehackt, nuscheln oder lallen. Mitunter verstehen sie nicht, was gesagt wird, obwohl sie es hören.
- Sehstörungen: Die Person nimmt Dinge auf einer Körperseite schlechter oder nicht mehr wahr. Andere sehen doppelt oder verschwommen. Wenn sie nach etwas greifen wollen, greifen sie daneben.
- Schwindel und Gangunsicherheit: Die Betroffenen haben das Gefühl, dass sich alles dreht oder schwankt wie auf einem Schiff. Sie haben Probleme, das Gleichgewicht zu halten.
- Starke Kopfschmerzen: Die Schmerzen treten plötzlich auf und sind ungewohnt heftig.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Schlaganfall die gleichen Symptome zeigt. Nur selten treten alle Symptome auf einmal auf. Plötzliche Symptome wie Seh- und Sprachstörungen, heftiger Schwindel, Kribbeln in Armen und Beinen, taube Finger oder Lippen, Schluckbeschwerden und Gesichtslähmungen weisen auf einen Schlaganfall hin. Nur ein Arzt kann die Diagnose Apoplex sicher bestätigen oder ausschließen. Hierzu kommen verschiedene Schlaganfall-Tests zum Einsatz.
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Eine einfache Test-Methode, mit der Sie einen Schlaganfall schnell erkennen können, ist der sogenannte FAST-Test:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Wenn ein Mundwinkel oder Augenlid herabhängt oder Speichel unkontrolliert aus dem Mund fließt, ist das ein Anzeichen für die typischen halbseitigen Lähmungserscheinungen.
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme mit den Handflächen nach oben und nach vorne zu strecken. Gelingt dies bei einem Arm nicht oder dreht sich der Arm nach innen, ist dies ein Anzeichen für eine Lähmungserscheinung. Sie können die Person auch bitten, im Stehen ein Bein anzuheben und oben zu halten. Bei Gleichgewichtsstörungen, die für einen Schlaganfall typisch sind, wird dies nicht möglich sein.
- Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Falls es ihr gar nicht, nur lallend oder abgehackt gelingt, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf einen Schlaganfall.
- Time (Zeit): Verlieren Sie keine Zeit. Rufen Sie die 112.
Leichter Schlaganfall (TIA)
Die Symptome eines leichten Schlaganfalls gleichen den Symptomen eines schweren beziehungsweise großen Schlaganfalls. Der einzige Unterschied liegt in der Dauer der Beschwerden: die Vorboten äußern sich meist nur wenige Minuten (jedoch maximal 24 Stunden), während die Symptome bei einem großen Schlaganfall über dieses maximale Zeitfenster hinaus andauern. Ein leichter Schlaganfall wird durch eine Durchblutungsstörung ausgelöst. Hierbei ist allerdings nur ein kleines Gebiet im Gehirn betroffen und in den meisten Fällen stirbt auch kein Gehirngewebe ab. Jeder vorübergehende Mini-Schlaganfall kann somit Vorbote eines großen beziehungsweise schweren Schlaganfalls sein. Damit die TIA-Diagnose gesichert werden kann. Damit eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden kann.
Stiller Schlaganfall
Manchmal äußert sich ein Schlaganfall nur durch eine kurzzeitige taube Lippe. In diesem Fall spricht man vom sogenannten stillen oder unbemerkten Schlaganfall. Er kann eine Vorstufe von schweren Schlaganfällen sein. Daher ist auch hier schnelles Handeln gefragt.
Schlaganfall-Risiko bei Frauen
Studien zeigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern häufiger einen Schlaganfall erleiden. Dies hängt mit speziellen Risikofaktoren zusammen, denen in der Regel nur Frauen ausgesetzt sind. Betroffene Frauen bekommen doppelt so häufig einen Schlaganfall wie Männer mit Vorhofflimmern. Auch Frauen mit Diabetes sind stärker gefährdet als Männer. Migräne mit Aura erhöht zwar für Männer und Frauen das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen. Aber Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer.
Erste Hilfe bei Verdacht auf Schlaganfall
Wenn Sie bei sich oder bei einer anderen Person mögliche Symptome eines Schlaganfalls bemerken, sollten Sie unmittelbar handeln. Rufen Sie sofort den ärztlichen Notdienst, der europaweit unter der 112 erreichbar ist. Je mehr Zeit nach dem akuten Schlaganfall verstreicht, umso schwerwiegender können die Folgen sein, da Hirnzellen bei fehlender Sauerstoffversorgung innerhalb weniger Minuten absterben.
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Wenn der Notarzt eintrifft, sind für ihn drei Dinge besonders wichtig:
- Wann haben die Symptome begonnen?
- Welche Symptome sind aufgetreten und wie haben sie sich entwickelt?
- Welche Medikamente nimmt die Person zurzeit ein?
Diese Informationen sind relevant für die Auswahl der richtigen Therapie nach einem Schlaganfall. Wenn Sie wissen, dass Sie ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben, sollten Sie immer einen aktuellen Medikamentenplan, die Adresse Ihres Arztes und eine kurze Auflistung Ihrer Vorerkrankungen bereitliegen haben. All das kann dann dem Notarzt mitgegeben werden.
Akutbehandlung im Krankenhaus
In vielen Kliniken gibt es spezielle Abteilungen für Schlaganfall-Patienten, sogenannte „Stroke Units“, die auf die multidisziplinäre Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind. Im Krankenhaus werden Maßnahmen eingeleitet, um bei einem ischämischen Schlaganfall die Durchblutung des betroffenen Gehirnareals wieder herzustellen und bei einem hämorrhagischen Schlaganfall, also einer Hirnblutung, die Ursache und die Folgen in den Griff zu bekommen. Dies ist jedoch oft nur in den ersten Stunden nach dem Ereignis möglich, weshalb rasches Handeln so wichtig ist.
Mittels Computer- oder Magnetresonanztomografie mit Gefäßdarstellung können Ärzte und Ärztinnen das Ausmaß und die Ursache des Schlaganfalls erkennen - also ob ein Gerinnsel oder eine Blutung vorliegt. Danach richten sich die Behandlung und das weitere Vorgehen. Bei einem verschlossenen Gefäß im Gehirn wird durch Medikamente (Thrombolyse) und über einen Katheter (Thrombektomie) das Gerinnsel aus dem Blutgefäß gelöst. Bei einigen Unterformen der Hirnblutung besteht die Möglichkeit, die Blutung zu stoppen.
Ursachen für einen Schlaganfall
Die häufigste Ursache eines Schlaganfalls ist ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopft (ischämischer Schlaganfall). Ein Blutgerinnsel kann sich beispielsweise durch Entzündungen in der Wand eines Blutgefäßes bilden. Zu den Risikofaktoren für die Bildung von Blutgerinnseln zählen aber auch bestimmte Erkrankungen wie Bluthochdruck und anhaltendes Vorhofflimmern, eine Herzerkrankung. Einige Menschen haben auch eine genetische Veranlagung dafür, dass sich Blutgerinnsel bilden. Ein weiterer Mechanismus ist eine starke Gefäßverengung oder ein Verschluss durch starke Ablagerungen, die als Arteriosklerose bekannt ist. In beiden Fällen ist die Durchblutung gestört.
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Daneben gibt es eine weitere, aber seltenere Form des Schlaganfalls. Dabei platzt ein Blutgefäß im Gehirn und das Blut tritt ins Hirngewebe aus (hämorrhagischer Schlaganfall). In der Folge wird das Hirnareal, das von dem Blutgefäß versorgt wird, unzureichend durchblutet. Gleichzeitig übt das austretende Blut Druck auf das umliegende Hirngewebe aus, was ebenfalls zu Schäden führen kann.
Folgende Erkrankungen können in seltenen Fällen ebenfalls Ursache für einen Schlaganfall sein:
- Infektionen insbesondere im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder nach Schädeloperationen kann sich die Gerinnungsneigung erhöhen, wodurch sich schneller und mehr Gerinnsel bilden.
- Wenn Gefäßaussackungen oder Gefäßfehlbildungen platzen, lösen sie eine größere Blutung im oder in der Nähe des Gehirns aus, wodurch sich der Druck auf die Gehirnmasse erhöht.
- Entzündungen des zentralen Nervensystems sowie der kleinen oder der mittleren Arterien können Gefäßverschlüsse fördern.
- Blutungen durch innere Gefäßverletzungen nach Gewalteinwirkung auf den Kopf beziehungsweise Hals oder durch starkes Husten oder Niesen können den Druck auf die Gefäße steigen lassen.
- In der Altersspanne von 16 bis 55 Jahren steckt oft ein kleiner angeborener Defekt im Herzen hinter einem Schlaganfall - ein offenes oder persistierendes Foramen ovale (PFO).
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Mit dem Alter steigt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Die wichtigsten Risikofaktoren gelten für alle Geschlechter:
- Bluthochdruck
- Herzerkrankungen (insbesondere Vorhofflimmern)
- Diabetes
- Rauchen
- Hohe Cholesterinwerte
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
Schlaganfall und Herzinfarkt
Es gibt Unterschiede zwischen beiden Erkrankungen, die Sie kennen sollten. Heftige, ziehende Schmerzen im rechten Arm deuten eher auf einen Herzinfarkt hin. Beim Schlaganfall kann es hingegen eher zu unangenehmen Taubheitsgefühlen oder Kribbeln auf einer bestimmten Armseite kommen. Auch ein gelähmter Arm zählt zu den spezifischen Symptomen eines Schlaganfalls. Darüber hinaus äußern sich Herzinfarkt-Symptome bei bestimmten Personengruppen nochmals anders. Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes kommt es beispielsweise weniger zu dem typischen Schmerz in der Brust, sondern eher zu einem Druckgefühl in Brust und Bauch.
Schwindel: Symptom mit vielen Ursachen
Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das bei verschiedenen Erkrankungen auftreten kann. Im engen Sinne ist Schwindel das Gefühl von Bewegung, wenn keine Bewegung da ist, oder eine gestörte Orientierung im Raum. Dabei passen die Informationen, die der Sehapparat (Auge) an das Gleichgewichtsorgan im Ohr sendet, nicht exakt mit den dort gespeicherten Informationen zusammen. Das Gehirn kann die widersprüchlichen Informationen nicht korrekt verarbeiten und die Welt nicht mehr so abbilden, wie sie ist.
Arten von Schwindel
Man unterscheidet verschiedene Schwindelarten wie Dreh-, Schwank- und Benommenheitsschwindel.
- Drehschwindel: Gleicht dem Schwindelgefühl bei einer Karussellfahrt. Hierbei haben Betroffene das Gefühl, Karussell zu fahren, andere beschreiben einen Schwankschwindel wie auf einem Boot.
- Schwankschwindel: Die Betroffenen haben das Gefühl, auf einem Schiff auf bewegter See zu sein.
- Benommenheitsschwindel: Ein Gefühl der Unsicherheit und Desorientierung.
Ursachen von Schwindel
Schwindel kann im Gehirn ausgelöst werden oder entsteht durch eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Ohr. Auch Störungen der Gefühlswahrnehmung an den Füßen (Polyneuropathie) können sich als Schwindel äußern.
Häufige Ursachen für Schwindel sind:
- Gutartiger Lagerungsschwindel: Er ist die häufigste Ursache für kurze, heftige Schwindel-Attacken. Sie treten zum Beispiel morgens beim Umdrehen im Bett auf, aber auch beim Bücken oder beim Gurgeln im Badezimmer. Auslöser sind kleine Kristalle im Gleichgewichtsorgan.
- Vestibuläre Migräne: Über Stunden anhaltende Schwindel-Attacken sind meist die Folge einer Migräne.
- Menière-Erkrankung: Bei der Menière-Erkrankung begleiten Ohrendruck und Ohrgeräusche den Schwindel.
- Schlaganfall: Eine plötzliche und heftige Schwindel-Attacke, die stundenlang anhält und mit Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen einhergeht, kann auch auf einen Schlaganfall hinweisen. Hier muss sofort reagiert werden.
- Angst und Depressionen: Auch wenn Angst oder Depressionen die Schwindel-Attacken auslösen, lässt sich dies in der Regel gut behandeln. Oft ist eine andere Erkrankung vorausgegangen, die belastend war.
- Andere Erkrankungen: Ursachen für Schwindel können zum Beispiel auch Blutdruckprobleme, Angstzustände, Migräne, Gehirnerkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder die Nebenwirkungen von Medikamenten sein.
Diagnose von Schwindel
Der erste und wichtigste Diagnoseschritt ist das Gespräch mit den Betroffenen. Wichtig ist eine genaue Beschreibung des Schwindels und bei Attacken die Schilderung der Anfälle. So ergibt sich in den meisten Fällen bereits im Erstgespräch eine Verdachtsdiagnose. Viele Schwindelanfälle entstehen, wenn das Zusammenspiel zwischen Augen und Gleichgewichtsorgan gestört ist. Normalerweise sorgt ein Reflex dafür, dass jede Kopfbewegung von den Augen ausgeglichen wird. Funktioniert dieser Reflex nicht, wirkt die Welt bei Kopfbewegungen verwackelt. Verschiedene Balance- und Bewegungstests zeigen, ob Ihre subjektive Vorstellung von „senkrecht“ der Realität entspricht. Schwindel geht oft mit Gangunsicherheit und Sturzgefahr einher. Mittels einer Ganganalyse lassen sich Bewegungsstörungen genau einordnen. Die Standanalyse (Posturografie) dient zur Feststellung von Körperschwankungen.
Behandlung von Schwindel
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Der häufige benigne paroxysmale Lagerungsschwindel kann durch gezielte Befreiungsmanöver geheilt werden, hierdurch wird die Blockade der Gleichgewichtsgänge im Innenohr gelöst. In manchen Fällen, vor allem in der Akutphase, ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll, in anderen Fällen kann durch ein gezieltes Training die Symptomatik gelindert werden, hierzu gehören Fixationsübungen mit den Augen sowie statische und dynamische Gleichgewichtübungen.
Schwindel als Symptom eines Schlaganfalls
Plötzlich auftretender Schwindel bei einem Schlaganfall tritt in der Regel heftig und kombiniert mit einer Gangunsicherheit auf. Betroffene berichten hierbei meist von einem Drehschwindel oder einem Schwankschwindel. Insbesondere Dreh- bzw. Schwankschwindel und Gleichgewichtsstörungen weisen auf die Ischämie im hinteren Stromgebiet hin.
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