Klinikum Neurologie PJ Erfahrungen: Ein umfassender Überblick

Das Praktische Jahr (PJ) ist ein entscheidender Abschnitt im Medizinstudium, in dem angehende Ärzte wertvolle klinische Erfahrungen sammeln. Ein Tertial in der Neurologie kann besonders aufschlussreich sein, da dieses Fachgebiet eine rasante Entwicklung durchläuft und vielfältige Behandlungsmöglichkeiten bietet. Dieser Artikel fasst Erfahrungen von PJ-Studierenden in verschiedenen neurologischen Kliniken zusammen, um einen umfassenden Überblick über die Lernmöglichkeiten, Arbeitsbedingungen und die allgemeine Atmosphäre zu geben.

Einführung

Die Neurologie ist ein dynamisches und sich ständig weiterentwickelndes Fachgebiet. Das PJ-Tertial bietet die Möglichkeit, die gesamte Bandbreite neurologischer Erkrankungen kennenzulernen und praktische Erfahrungen in Diagnostik und Therapie zu sammeln. Die hier zusammengetragenen Erfahrungsberichte sollen Medizinstudierenden helfen, eine fundierte Entscheidung für ihr Wahltertial zu treffen.

Kliniken und ihre Besonderheiten

Kbo-Inn-Salzach-Klinikum

Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum wird von PJ-Studierenden als besonders positiv hervorgehoben. Hier werden PJler herzlich aufgenommen und in das Team integriert.

Positive Aspekte:

  • Freundliches und wertschätzendes Team: Das pflegerische und ärztliche Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Fragen sind jederzeit willkommen.
  • Proaktives Teaching: Oberärzte und der Chefarzt engagieren sich aktiv in der Ausbildung der PJ-Studierenden.
  • Eigenverantwortliches Arbeiten: Nach einer Einarbeitungszeit dürfen PJ-Studierende eigene Patienten betreuen, Arztbriefe schreiben, Untersuchungen anordnen und Patienten aufnehmen.
  • Rotation in verschiedene Bereiche: Einsatz auf der Normalstation, Stroke Unit und in der Notaufnahme. Möglichkeit, Sprechstunden zu besuchen und bei diagnostischen Untersuchungen zuzuschauen.
  • Fortbildungen: Wöchentliche Kurzfortbildungen "Neurologie am Mittag" zur Vorbereitung auf das M3-Examen.
  • Flexible Arbeitszeiten: Elektronische Erfassung der Arbeitszeit (40h/Woche). Möglichkeit, Studientage zu nehmen.
  • Kostenlose Verpflegung und Unterkunft: Kostenloses Mittagessen und bei Bedarf ein Zimmer im Wohnheim.
  • Familiäre Atmosphäre: Das Haus hat nur selten Studenten, sodass man als etwas Besonderes angesehen wird.

Aufgaben:

  • Lumbalpunktionen unter Aufsicht
  • Arztbriefe verfassen
  • Patientenaufnahme
  • Reha-Anträge bearbeiten
  • Blutabnahmen und Viggos legen (Unterstützung durch Stationsassistentinnen)
  • Patientenvorstellung
  • Telefonate mit Angehörigen und externen Ärzten
  • Visiten begleiten
  • Patientenkurven führen
  • Untersuchungen, Diagnostik und Therapie anordnen
  • Befunde zu Untersuchungen schreiben

Besondere Schwerpunkte:

  • Schlaganfallbehandlung
  • MS-Betreuung (insbesondere ambulant)
  • Parkinson-Behandlung
  • Schmerzkomplexbehandlung

Kritik:

  • Keine strukturierte Lehre. Es gab keine explizite Examensvorbereitung.

Fazit:

Das Tertial in der Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum wird als krönender Abschluss des PJs beschrieben. Das selbstständige Arbeiten und das tolle Arbeitsklima werden besonders hervorgehoben.

Klinikum Bogenhausen

Das Klinikum Bogenhausen in München bietet Medizinstudierenden ebenfalls die Möglichkeit, das PJ in der Neurologie zu absolvieren. Hier wird besonders die gute Atmosphäre unter den Assistenzärzten gelobt. Je nach Eigeninitiative besteht die Möglichkeit, Patienten aufzunehmen, zu untersuchen und vorzustellen. Wöchentliche PJ-Fortbildungen durch Oberärzte und Rotationen in verschiedene Bereiche (Normalstation, Notaufnahme, Stroke Unit, Funktionsdiagnostik) werden angeboten.

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Klinikum rechts der Isar (MRI) der Technischen Universität München

Das Klinikum rechts der Isar (MRI) der Technischen Universität München wird als lehrreiches und vielseitiges Tertial beschrieben.

Positive Aspekte:

  • Wertschätzende und hilfsbereite Assistenzärzte: Die Assistenzärzte sind kompetent und unterstützen die PJ-Studierenden aktiv.
  • Wöchentliche PJ-Visite: Vorstellung von Patienten unter Anleitung erfahrener Ärzte.
  • Engagierte PJ-Koordinatorin: Frau Schmidt-Graf setzt sich für die Belange der Studierenden ein.
  • Eigenständige Patientenbetreuung: Möglichkeit, fast die gesamte Zeit einen Patienten eigenständig zu betreuen.
  • Praktische Erfahrung: Häufige Möglichkeit zur Durchführung von Lumbalpunktionen.
  • Breites Spektrum neurologischer Krankheitsbilder: MS, Schlaganfall, Kopfschmerzen, IFP, Myasthenie, Schwindel, PNP, GBS, Parkinson, ALS, Enzephalitis und Kleinhirnsyndrome.
  • Rotation in verschiedene Bereiche: Normalstation, Notaufnahme, Stroke Unit.
  • Gute Organisation und Betreuung: Engagierte PJ-Koordinatorin und Möglichkeit zur Teilnahme an Fortbildungen und Kongressen.
  • Anstellung als studentische Hilfskraft: Monatlicher Lohn von ca. 200 Euro.

Aufgaben:

  • Blutentnahmen
  • EKGs schreiben
  • MOKA-Tests durchführen
  • Lumbalpunktionen unter Aufsicht
  • Patientenaufnahme
  • Patientenvorstellung
  • Teilnahme an Visiten
  • Rotation in die Notaufnahme und auf die Stroke Unit

Kritik:

  • Auf der größten Normalstation (L1c) war der Alltag unstrukturiert und die Aufgaben (Blutabnehmen, EKGs schreiben, Befunden nachtelefonieren) haben die Patientenbetreuung erschwert.
  • Wenig Aufmerksamkeit und Teaching durch die Oberärzte auf der Normalstation.
  • In der Notaufnahme wurden PJ-Studierende von den meisten internistischen Oberärzten oft ignoriert.
  • Die Pflegekräfte waren oft kühl und unsympathisch.
  • Umsetzung der eigenen Patientenbetreuung funktioniert nicht immer.

Fazit:

Das Tertial am MRI wird als fordernd, aber lehrreich beschrieben. Besonders positiv werden das nette Team, die gute Betreuung und die Möglichkeit zur praktischen Erfahrung hervorgehoben.

Weitere Kliniken

  • Klinikum der Universität München Großhadern und Innenstadt - Standort Großhadern: Hier wird die Integration in das Behandlungsteam, die Teilnahme an Sprechstunden und Operationen sowie wöchentliche Fortbildungen angeboten.
  • Hermann-Josef-Krankenhauses Erkelenz: Die Neurologie bietet Einblicke in die gesamte Breite des Faches, eine zertifizierte Stroke Unit und patientennahe Ausbildung. Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) ermöglicht die Versorgung sämtlicher Notfallpatienten und bietet die Möglichkeit, Erfahrungen in der Echokardiographie und Sonographie zu sammeln.
  • Weitere Kliniken: Einzelne Erfahrungsberichte erwähnen weitere Kliniken, in denen PJ-Studierende positive Erfahrungen gemacht haben.

Aufgaben und Tätigkeiten im PJ

Die Aufgaben und Tätigkeiten von PJ-Studierenden in der Neurologie sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Klinik und dem Engagement des Studierenden ab. Zu den typischen Aufgaben gehören:

  • Patientenaufnahme: Anamnese erheben, körperliche Untersuchung durchführen, neurologischen Status erheben.
  • Diagnostik: Blutentnahmen, EKGs schreiben, MOKA-Tests durchführen, Lumbalpunktionen durchführen (unter Aufsicht), neuroradiologische Bildgebung beurteilen.
  • Therapie: Medikamente anordnen, Infusionen legen, Patienten über Therapieoptionen aufklären.
  • Patientenbetreuung: Visiten begleiten, Patienten vorstellen, Arztbriefe schreiben, Reha-Anträge bearbeiten, Telefonate mit Angehörigen und externen Ärzten führen.
  • Fortbildung: Teilnahme an Visiten, Fortbildungen, Fallbesprechungen und Kongressen.
  • Rotationen: Einsatz auf der Normalstation, Stroke Unit, Intensivstation, Notaufnahme und in verschiedenen Ambulanzen.

Arbeitsbedingungen und Atmosphäre

Die Arbeitsbedingungen und die Atmosphäre in den neurologischen Kliniken werden unterschiedlich bewertet. Einige Kliniken zeichnen sich durch ein besonders freundliches und wertschätzendes Team aus, während in anderen Kliniken die Arbeitsbelastung hoch und die Betreuung weniger intensiv ist. Wichtige Faktoren für ein positives PJ-Tertial sind:

  • Gute Betreuung durch Assistenz- und Oberärzte: Engagierte Ärzte, die bereit sind, Fragen zu beantworten und Wissen zu vermitteln.
  • Wertschätzendes Arbeitsklima: Integration in das Team und Anerkennung der geleisteten Arbeit.
  • Eigenverantwortliches Arbeiten: Möglichkeit, eigene Patienten zu betreuen und selbstständig Aufgaben zu übernehmen.
  • Flexible Arbeitszeiten: Berücksichtigung der Bedürfnisse der Studierenden und Möglichkeit, Studientage zu nehmen.
  • Gute Organisation: Klare Strukturen und Ansprechpartner für Fragen und Probleme.

Tipps für ein erfolgreiches PJ-Tertial in der Neurologie

  • Eigeninitiative zeigen: Engagiert mitarbeiten, Fragen stellen und Interesse zeigen.
  • Patienten betreuen: Nach Möglichkeit eigene Patienten übernehmen, um praktische Erfahrungen zu sammeln.
  • Fortbildungen nutzen: An Visiten, Fortbildungen und Fallbesprechungen teilnehmen, um das Wissen zu erweitern.
  • Rotationen nutzen: Die verschiedenen Bereiche der Neurologie kennenlernen, um ein breites Spektrum an Erfahrungen zu sammeln.
  • Austausch mit anderen PJ-Studierenden: Erfahrungen austauschen und voneinander lernen.
  • Sich nicht entmutigen lassen: Auch in schwierigen Situationen positiv bleiben und das Beste daraus machen.
  • Rechtzeitig informieren: Vor Beginn des Tertials Informationen über die Klinik, die Aufgaben und die Ansprechpartner einholen.
  • Ziele setzen: Vor Beginn des Tertials Ziele definieren, was man lernen und erreichen möchte.
  • Freizeit planen: Neben der Arbeit auch Zeit für Entspannung und Freizeitaktivitäten einplanen.

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