Papst Franziskus hat in seiner Amtszeit wiederholt Missstände innerhalb der katholischen Kirche und insbesondere der römischen Kurie angeprangert. Seine Weihnachtsansprache 2014, in der er von "15 Krankheiten" der Vatikanverwaltung sprach, darunter "spiritueller Alzheimer", erregte dabei besondere Aufmerksamkeit. Doch was bedeutet diese Diagnose genau, und welche weiteren "Krankheiten" hat der Papst identifiziert? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe von Franziskus' Kritik, analysiert seine Kommunikationsstrategie und untersucht, ob und inwieweit er tatsächlich Reformen innerhalb der Kirche durchsetzen konnte.
Die "15 Krankheiten" der Kurie
In seiner Weihnachtsansprache 2014 benannte Papst Franziskus eine Reihe von Problemen, die seiner Meinung nach die Arbeit der Kurie beeinträchtigen. Zu diesen "Krankheiten" gehören:
- "Spiritueller Alzheimer": Das Vergessen der persönlichen Heilsgeschichte und der ersten Begegnung mit Christus.
- "Existenzielle Schizophrenie": Das Führen eines Doppellebens und die Abkoppelung von der Realität.
- "Mentale und spirituelle Erstarrung": Der Verlust von Empathie und die Unfähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen.
- "Rivalität und Eitelkeit": Das Streben nach Titeln und Auszeichnungen sowie der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit.
- Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen.
- Die Ansicht, "unsterblich" zu sein.
- Das Ansammeln materieller Güter.
- Ein "Terrorismus der Geschwätzigkeit".
Franziskus verglich die von Intrigen und Affären erschütterte Kirchenverwaltung mit einem "Orchester, das schief spielt". Er betonte, dass diese Krankheiten eine Gefahr für jeden Christen darstellten, aber dass die Benennung und das Bewusstsein für sie bereits der erste Schritt zur Besserung seien. "Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, auf den neusten Stand bringt und verbessert, ist ein kranker Körper", so der Papst.
Franziskus' Kommunikationsstil: Unruhe stiften und zur Umkehr bewegen
Papst Franziskus' Kommunikationsstil unterscheidet sich deutlich von dem seiner Vorgänger. Er scheut sich nicht, klare Worte zu wählen und Missstände offen anzusprechen. Dabei bedient er sich einer bildhaften Sprache und verwendet Ironie, um seine Botschaften zu verdeutlichen. Beispiele hierfür sind Aussagen wie "Museums-Christen", "Fledermaus-Christen" oder "aseptische Priester, die aus dem Labor kommen".
Ein zentrales Element seiner Kommunikation ist der ständige Verweis auf das "Weiter". Franziskus ist ein Papst der geistlichen Dynamik und kritisiert immer wieder die in sich verkrümmte Kirche, die nicht aus sich herausgeht. Er will mit seinem Sprechen "innere Regungen" wachrufen und die Menschen dazu bewegen, über ihr eigenes Leben und ihren Glauben nachzudenken.
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Auch seine Körpersprache und sein Verhalten tragen zu seiner authentischen und glaubwürdigen Ausstrahlung bei. Er verzichtet auf prunkvolle Insignien, fährt kleinere Autos und sucht die Nähe zu den Menschen, insbesondere zu den Armen und Ausgegrenzten. Seine Besuche auf Lampedusa oder in Jugendgefängnissen sind Ausdruck seiner Solidarität und seines Engagements für eine gerechtere Welt.
Reformen und Widerstände: Kann Franziskus die Kirche verändern?
Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat Papst Franziskus mehrfach umfassende Reformen angekündigt. Er gründete ein eigenes Finanzministerium im Vatikan und setzte einen Rat aus acht Kardinälen ein, der Reformen erarbeiten soll. Trotz dieser Initiativen stieß er jedoch immer wieder auf Widerstände innerhalb der Kurie.
Einige Beobachter werfen Franziskus vor, dass er zwar die Außendarstellung der Kirche verändert hat, aber intern auf Kontinuität setzt. Die geplante Kurienreform wurde mehrfach verschoben und fiel letztendlich weniger umfassend aus als erwartet. Auch in Bezug auf strittige theologische Fragen wie die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder die Rolle der Laien in der Kirche hat Franziskus keine grundlegenden Veränderungen durchgesetzt.
Dennoch hat Franziskus' Wirken bereits jetzt deutliche Spuren hinterlassen. Er hat die Kirche stärker auf die Bedürfnisse der Armen und Ausgegrenzten ausgerichtet, den Dialog mit anderen Religionen gefördert und sich für den Schutz der Umwelt eingesetzt. SeineAuthentizität und sein unkonventioneller Kommunikationsstil haben ihm weltweit Anerkennung eingebracht und das Image der katholischen Kirche positiv beeinflusst.
Der Synodale Weg in Deutschland: Ein Sonderfall?
In Deutschland hat der sogenannte Synodale Weg, ein Reformprojekt, das von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert wurde, für Kontroversen gesorgt. Ziel des Synodalen Wegs ist es, strittige Themen wie die Sexualmoral, die Rolle der Frau in der Kirche und die Machtverteilung zwischen Klerikern und Laien zu diskutieren und Reformvorschläge zu erarbeiten.
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Einige Beobachter sehen im Synodalen Weg einen Kommentar des Papstes zum Synodalen Weg in Deutschland, wo Laienfunktionäre die Einrichtung neuer Gremien anstreben, in denen sie über den Kurs der Kirche bestimmen können. Indessen wurde auch beim Synodalen Weg fleißig diagnostiziert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, sagte bei der Abschluss-Pressekonferenz zur fünften und letzten Synodalversammlung in Frankfurt Mitte März 2023: „Wir haben Menschen überall, die sich schwertun mit den Beschlüssen. Mein Punkt ist immer: Was nehmen wir ihnen? Das sind mehr psychologische Gründe als echte theologische Gründe oder Fragen der Frömmigkeit.“
Papst Franziskus selbst hat sich jedoch zurückhaltend zum Synodalen Weg geäußert. In einem Brief an die Gläubigen in Deutschland warnte er vor "Trägheit und nebensächlichem Komfort" und kritisierte den ständigen "Wunsch nach Selbstrechtfertigung und Selbsterhaltung". Er mahnte zur Einheit der Kirche und betonte die Bedeutung des christlichen Glaubens.
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