In der heutigen Medienwelt, in der Informationen schnell und weit verbreitet sind, sind Spoilerwarnungen allgegenwärtig geworden. Ob es sich um Filme, Serien, Bücher oder Videospiele handelt, die Angst, wichtige Handlungselemente vorzeitig zu erfahren, ist real. Dieser Artikel beleuchtet das Phänomen der Spoilerwarnungen, ihre Bedeutung und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Was ist ein Spoiler?
Der Begriff "Spoiler" stammt aus dem Englischen und leitet sich von "to spoil" ab, was "etwas verderben" bedeutet. Ein Spoiler ist eine Information, die zentrale Handlungsstränge, Wendepunkte oder das Ende eines Werkes vorwegnimmt. Spoiler können das Seh- oder Leseerlebnis ruinieren, weil sie Überraschungen verraten und somit die Spannung in Filmen, Serien, Büchern und Videospielen zerstören können. Ein "Spoiler" ist also etwas, was das Vergnügen schmälern könnte, da der Zuschauer, Spieler oder Leser durch die Information im Vorfeld schon über eine bestimmte Wendung oder den Schluss des Films aufgeklärt wurde.
Die Entwicklung der Spoilerwarnung
Dass es als unhöflich gilt, eine Handlung oder einen wichtigen Plot-Point einer Geschichte zu verraten, ist keine moderne Entwicklung. Schon lange wurde davor gewarnt, in Theaterstücken oder Kinofilmen seinen Mitschauenden die bevorstehenden Ereignisse zu verraten, da sich die Zuschauer am liebsten selbst ein Bild machen möchten, ohne das Ende einer Handlung im Vorfeld zu kennen. In Zeiten, in denen das Theater oder das Kino neben Büchern die einzigen Möglichkeiten des Medienkonsums darstellten, war das Thema aber noch nicht besonders wichtig: Man konnte den Film schließlich erst sehen, wenn er im Kino lief und dann gingen viele Menschen in einem ähnlichen Zeitraum dorthin.
Das hat sich gravierend mit dem Internet und dem nichtlinearen Fernsehen geändert. Aufgrund der großen Auswahl und der Möglichkeit, neue Inhalte im Internet direkt nach ihrem Erscheinen anzusehen, kommt es zu immer stärkeren Wissensunterschieden. Auf der einen Seite gibt es Fans einer Serie, die neue Episoden bereits nach ihrem Erscheinen auf Englisch ansehen, und dann gibt es jene, die auf eine Übersetzung ins Deutsche warten. Eine Gruppe hat natürlich einen enormen Wissensvorsprung über die Entwicklung der Geschichte. Zudem sind wir stetig von Informationen umgeben und in Blogs, sozialen Netzwerken, Podcasts oder sonstigen Quellen schnappt man schnell mal Details zu einem Film auf, die man so genau gar nicht wissen wollte, da man anders an eine Geschichte herangeht, wenn man noch nicht viel darüber weiß.
Die Bedeutung der Spoilerwarnung
Spoilerwarnungen sind in den Online-Medien inzwischen an der Tagesordnung und fester Bestandteil vieler Kritiken, Kommentare, Foren und Videos. Der Zuschauer kann dann einfach die Lektüre abbrechen oder im Video vorspulen, bis der schändliche Spoiler vorüber ist. Die gravierende Ablehnung von Spoilern und die Tatsache, dass viele Menschen kein Detail einer noch nicht erlebten Geschichte wissen möchten, legt dies nahe.
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Ein "Spoiler-Alert" (auch: Spoiler-Warnung oder Spoiler-Alarm) ist ein expliziter Hinweis, dass im folgenden Inhalt wichtige Handlungsdetails preisgegeben werden. Um dem Zuschauer keine wichtigen Handlungsereignisse vorweg zunehmen, hat sich der sogenannte „Spoiler-Alert“ eingebürgert. Bei Medien, die sich mit Filmen, Serien, Videospielen und Büchern beschäftigen, taucht dann ein dementsprechender Hinweis im Video oder Text auf, wenn wichtige Elemente der Handlung besprochen oder beschrieben werden. Wenn ihr also ohne tiefergehende Informationen in einen Film gehen wollt und in einem Artikel die Worte „Achtung/Vorsicht Spoiler!“ entdeckt, solltet ihr ab dieser Stelle nicht weiterlesen. Ansonsten besteht die Gefahr, euch selbst zu „spoilen“ und euch so womöglich den Film zu vermiesen.
Subjektivität von Spoilern
Was dabei für die jeweilige Person ein Spoiler ist, ist sehr subjektiv. So ist beispielsweise in einem Krimi die Information, wer der Mörder ist, für die meisten ein sehr großer Spoiler. Personen, die eher „Spoiler“-sensibel sind, könnten aber auch schon die Information über die Wiederkehr eines bekannten Charakters in einem mehrteiligen Film als „Spoiler“ einstufen. Während sich andere vielleicht sogar über die Information freuen, weil sie nun wissen, dass sie einen ihrer Lieblingscharaktere wiedersehen werden.
Beispiele für Spoiler
- Anderen verraten, welcher Protagonist oder welche Person stirbt (z.B. bei Walking Dead, Game of Thrones,…).
- Anderen verraten, welche charakterliche Entwicklung eine Person durchmacht (z.B. Was wird aus Don Draper? (Mad Men)).
- Anderen verraten, wie eine Liebesgeschichte ausgeht (z.B. „How I met your Mother“ - „wer ist die Mutter?! Ist es Robin?“).
- Anderen verraten, ob ein Plan aufgeht.
- "Nein, ich bin dein Vater" - diese Aussage von Darth Vader gegenüber Luke Skywalker in "Star Wars: Das Imperium schlägt zurück".
- Bran Stark ist am Ende von "Game of Thrones" König.
- Mr. Big stirbt in Folge 1 von "And Just Like That".
- Snape tötet Dumbledore.
- Tyler Durden ist nicht real.
- Der Planet der Affen ist eigentlich die Erde.
Die Psychologie hinter Spoilern
Man könnte also annehmen, dass eine Geschichte weniger spannend ist, wenn man bereits das Ende kennt und weiß, wer der Mörder im Krimi ist, oder ob die Romanze ein Happy End hat. Eine zumindest im Teil andere Meinung vertreten die Wissenschaftler Jonathan Leavitt und Nicholas Christenfeld der University of California in San Diego. Die beiden Psychologen führten zum Thema „Spoiler“ eine Studie durch und die Überschrift ihrer Veröffentlichung verrät bereits das Ergebnis: „Story Spoilers don’t spoil stories.“, also „Story-Spoiler verderben keine Geschichten“.
Leavitt und Christenfeld sind an ihre Studie mit der Hypothese herangegangen, dass eine Geschichte für den Leser weniger spannend sei, wenn dieser bereits Teile des Handlungsverlaufes oder sogar die gesamte Handlung kenne. Also bildeten sie mehrere Versuchsgruppen und ließen die Probanden jeweils Kurzgeschichten verschiedener Genres, von Comedy bis Mystery lesen und anschließend bewerten. Die Probanden kannten die Geschichte vorher natürlich nicht. Dieselben Geschichten wurden dann jeweils in drei Formen präsentiert: Einmal ohne jede Veränderung, einmal wurde das Ende in der Einleitung der Geschichte angedeutet und einmal wurde der Geschichte ein Prolog vorweggestellt, in dem eine komplette Zusammenfassung der Geschichte stand.
Das Ergebnis überrascht nun ein wenig: In allen Fällen wurden die „gespoilten“ Geschichten von den Leserinnen und Lesern als spannender eingestuft. Auch empfanden die Personen die abgewandelten Anfänge der Geschichte, die ja das Ende vorwegnahmen, nicht irritierend. Die Kenntnis vom Ende einer Geschichte bringt den Leser oder Zuschauer in die Lage, die Position eines allwissenden Erzählers einzunehmen. Der Rezipient weiß an dieser Stelle, dass der Charakter seinem Verderben entgegenschwimmt und nichts dagegen tun kann. Oder er weiß, dass der Mörder die ganze Zeit der Partner des ermittelnden Polizisten ist. In diesen Fällen tut sich eine spannende Konstruktion auf.
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Alternativen zur Spoilerwarnung: Triggerwarnungen
Ähnlich wie ein Spoiler-Alarm haben sich auch Triggerwarnungen in psychologischen Foren und Selbsthilfegruppen eingebürgert, um ungewollte Konfrontationen zu vermeiden. Inzwischen wird dies auch mehr und mehr in sozialen Netzwerken oder allgemein im Internet gefordert. Allerdings kann man auch gut den Standpunkt der Kritiker nachvollziehen, die an dieser Stelle einen normalen unverkrampften Umgang miteinander, eine offene Kommunikation und letztlich auch die Meinungsfreiheit, die ein Stück weit eben nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form der Äußerung betrifft, gefährdet sehen. Wo zieht man die Grenzen? Die Konfrontation mit Krieg, Missbrauch, Gewalt sind nie angenehm und können traumatisierten Menschen schwer auf den Magen schlagen. Doch gilt das nicht auch für Menschen, die panische Angst vor Schlange, Spinnen oder auch Hunden haben? Geht es wirklich nur um den Schutz der Traumatisierten? In Fachforen, wo genau solche Menschen Schutz und Hilfe suchen, sind Triggerwarnungen sicherlich hilfreich und erforderlich. Oder ist es dort nicht auch ein Stück weit Bequemlichkeit? Besteht nicht letztlich durch das Triggern die Gefahr, dass immer mehr Mitmenschen sich ihre spezielle Wohlfühlfilterbubble zimmern und reale Probleme ausblenden, bei denen sie als mündige Bürger der Gesellschaft zur Bekämpfung verpflichtet wären?
Umgang mit Spoilern
- Seien Sie rücksichtsvoll: Fragen Sie, ob Ihr Gegenüber die Serie oder den Film bereits gesehen hat, bevor Sie Details verraten.
- Verwenden Sie Spoilerwarnungen: Kennzeichnen Sie Ihre Kommentare oder Beiträge mit einer deutlichen Spoilerwarnung.
- Respektieren Sie die Vorlieben anderer: Nicht jeder mag Spoiler. Akzeptieren Sie, wenn jemand keine Details vorab erfahren möchte.
- Nutzen Sie Filter: Viele soziale Netzwerke bieten die Möglichkeit, bestimmte Begriffe oder Themen zu filtern, um Spoiler zu vermeiden.
- Vermeiden Sie Diskussionen: Wenn Sie eine Serie noch nicht gesehen haben, meiden Sie Foren oder Gruppen, in denen die Handlung diskutiert wird.
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