Sprechender Kalender für Demenzkranke: Orientierungshilfe und Unterstützung im Alltag

Für Menschen mit Demenz kann die Orientierung im Alltag zunehmend schwieriger werden. Vergesslichkeit, Verwirrung und räumliche Desorientierung können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Alltagshilfen und Hilfsmittel, insbesondere sprechende Kalender, können diesen Menschen helfen, so lange wie möglich selbstständig und sicher in ihrer gewohnten Umgebung zu leben.

Die Herausforderungen der Demenz im Alltag

Vergesslichkeit wird im Alltag zu einer großen Herausforderung: Schlüssel verlegen, Termine vergessen oder sich in der eigenen Wohnung nicht mehr zurechtfinden - das sind Situationen, mit denen Menschen, die an Demenz erkrankt sind, nur allzu vertraut sind. Mit fortschreitender Demenz können sich ihre Orientierung und Wahrnehmung verändern, und die einst vertraute Umgebung wird zum Hindernisparcours.

Bedeutung von Alltagshilfen und sprechenden Kalendern

Alltagshilfen sind das ideale Mittel, um das Leben strukturierter und sicherer zu gestalten. Erinnerungshilfen sind speziell entwickelte Hilfsmittel, die Demenzerkrankten dabei helfen, ihren Alltag besser zu organisieren und an wichtige Aufgaben oder Termine zuverlässig erinnert zu werden. Die Vielfalt an Alltagshilfen für Demenzerkrankte ist sehr groß. Sie sollen Betroffenen helfen, sich in ihrem Alltag zurechtzufinden.

Ein sprechender Kalender ist eine besonders wertvolle Unterstützung, um die zeitliche Orientierung zu erleichtern und den Tagesablauf zu strukturieren.

Was ist ein sprechender Kalender?

Ein sprechender Kalender ist ein elektronisches Gerät, das nicht nur die Zeit und das Datum anzeigt, sondern diese Informationen auch laut ausspricht. Diese Funktion ist besonders hilfreich für Menschen mit Demenz, die Schwierigkeiten haben, die Zeit abzulesen oder sich an das Datum zu erinnern.

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Vorteile eines sprechenden Kalenders

  • Verbesserte zeitliche Orientierung: Der Kalender hilft, den Überblick über den Tag, die Woche und den Monat zu behalten.
  • Erinnerung an Termine: Wichtige Termine wie Arztbesuche oder Familienfeiern können eingespeichert werden und werden rechtzeitig angesagt.
  • Strukturierung des Tagesablaufs: Der Kalender kann helfen, den Tagesablauf zu strukturieren, indem er an Mahlzeiten, Medikamenteneinnahme oder andere wichtige Aufgaben erinnert.
  • Förderung der Selbstständigkeit: Durch die Unterstützung bei der Orientierung und Organisation des Alltags kann der sprechende Kalender dazu beitragen, die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz zu erhalten.
  • Beruhigende Wirkung: Die regelmäßige Ansage von Zeit und Datum kann eine beruhigende Wirkung haben und das Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit stärken.

Funktionen eines sprechenden Kalenders

Sprechende Kalender verfügen in der Regel über folgende Funktionen:

  • Anzeige von Zeit und Datum: Große, gut lesbare Anzeige von Zeit, Datum und Wochentag.
  • Sprachausgabe: Klare und deutliche Sprachausgabe von Zeit, Datum, Wochentag und Terminen.
  • Terminerinnerung: Möglichkeit, Termine mit Sprachansage zu speichern.
  • Alarmfunktion: Weckfunktion mit verschiedenen Alarmtönen.
  • Einfache Bedienung: Große Tasten und intuitive Menüführung.
  • Anpassbare Einstellungen: Möglichkeit, Lautstärke, Sprachausgabe und andere Einstellungen anzupassen.
  • Optionale Zusatzfunktionen: Einige Modelle verfügen über zusätzliche Funktionen wie eine Wettervorhersage oder die Möglichkeit, Fotos anzuzeigen.

Auswahlkriterien für einen sprechenden Kalender

Bei der Auswahl eines sprechenden Kalenders für Menschen mit Demenz sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden:

  • Lesbarkeit: Die Anzeige sollte groß und gut lesbar sein, auch bei Sehbeeinträchtigungen.
  • Verständlichkeit: Die Sprachausgabe sollte klar und deutlich sein.
  • Bedienbarkeit: Die Bedienung sollte einfach und intuitiv sein.
  • Funktionsumfang: Der Funktionsumfang sollte den individuellen Bedürfnissen entsprechen.
  • Qualität und Verarbeitung: Der Kalender sollte robust und langlebig sein.
  • Preis: Der Preis sollte im angemessenen Verhältnis zum Funktionsumfang und der Qualität stehen.

Weitere hilfreiche Alltagshilfen für Menschen mit Demenz

Neben sprechenden Kalendern gibt es eine Vielzahl weiterer Alltagshilfen, die Menschen mit Demenz unterstützen können:

Räumliche Orientierungshilfen

  • Große, gut sichtbare Uhren: Helfen dabei, den Tagesverlauf besser zu verstehen. Achten Sie darauf, dass die Uhr gut sichtbar ist und keine ablenkenden Muster oder Details enthält.
  • Wochenpläne: Geben sowohl Demenzerkrankten als auch pflegenden Angehörigen eine klare Übersicht über den Tagesablauf. Verwenden Sie einen großen, leicht verständlichen Wochenplan, in dem Sie Termine, Mahlzeiten oder Besuche eintragen. Hängen Sie den Plan an einem gut sichtbaren Ort auf, damit er täglich genutzt werden kann.
  • Kalender mit Fotos: Kleben Sie ein Foto der Person, die zu Besuch kommt, an den entsprechenden Tag im Kalender.

Technische Hilfsmittel

  • Schlüsselfinder und Ortungssysteme: Diese Geräte helfen, verlegte Schlüssel oder andere Gegenstände schnell wiederzufinden.
  • GPS-Tracker und Notfalluhren: Diese Geräte ermöglichen es, den Standort von Demenzerkrankten im Notfall nachzuverfolgen. Demenz-Uhren, die Betroffene als Armbanduhr verwenden können, sind oft mit einem Ortungssystem ausgestattet. Der Träger kann einerseits einen „Notfallknopf“ drücken. Andererseits können Angehörige ihn orten. Notfallsysteme werden von der Pflegekasse bezuschusst. Prüfen Sie, ob Ihre Pflegekasse sich an den Anschaffungskosten beteiligt.
  • Spezielle Telefone: Senioren-Telefone mit großen Tasten und vorprogrammierten Nummern erleichtern das Telefonieren. Wichtige Rufnummern werden als Kurzwahlnummern eingespeichert. Beim Betätigen einer Taste wird die hinterlegte Nummer angewählt. Bei einigen Telefonmodellen können die Tasten zusätzlich mit Bildern versehen werden. Die Bilder zeigen dann die Person, deren Nummer eingespeichert ist. Sogenannte Seniorenhandys verfügen in der Regel nur über die zum Telefonieren wichtigen Funktionen. Es gibt Telefone, die nur über drei oder sogar nur über eine Taste verfügen. Auf diese Tasten können feste Nummern programmiert werden. Über diese Nummern sollte im Notfall immer jemand erreichbar sein.
  • Herdabschaltung: Eine Herdsicherung sorgt dafür, dass der Herd nach einer voreingestellten Zeit automatisch abschaltet und somit Brände verhindert werden. Moderne Herde verfügen häufig schon über eine Abschaltautomatik. Auch wenn Rauchmelder in Mietwohnungen gesetzlich vorgeschrieben sind, sind sie in vielen Wohnungen nicht vorhanden oder nicht funktionsfähig. Dabei sind sie eine einfache, aber lebensrettende Sicherheitsmaßnahme, die besonders in Haushalten mit Demenzerkrankten unverzichtbar ist.
  • Lichtsensoren: Lichtschranken arbeiten mit Infrarotlicht und können über dem Bett oder an anderen kritischen Stellen installiert werden. Sobald der Lichtstrahl unterbrochen wird - etwa wenn der Betroffene aufsteht - wird ein Signal an die Pflegeperson gesendet.
  • Hausnotruf: Hausnotrufgeräte bestehen aus einem Basisgerät und einem Funksender, der als Armband, Kette oder Clip getragen wird. Durch Drücken eines Knopfes am Sender wird ein Notruf ausgelöst. Der Notruf geht je nach Voreinstellung bei einer Notrufzentrale oder bei Angehörigen bzw. dem Pflegedienst ein. Viele Wohlfahrtsverbände bieten den Hausnotruf mit Notrufzentrale an. Das Hausnotrufgerät kann dort gemietet werden. Auch die Hinterlegung eines Schlüssels ist möglich, damit die Helfenden im Notfall problemlos in die Wohnung gelangen können. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der monatlichen Mietkosten. Wer keine Service-Zentrale benötigt, kann das Hausnotrufgerät auch kaufen und auf die entsprechenden Nummern von Angehörigen programmieren. Bei einigen Hausnotrufsystemen wird der Anschluss eines Sturz- oder Falldetektors angeboten, der bei Stürzen selbstständig Alarm auslöst.

Hilfsmittel für die Mahlzeiten

  • Demenz-Geschirr: Speziell entwickeltes Geschirr in klaren Formen und leuchtenden Signalfarben hilft, die Speisen besser zu erkennen und zu erfassen. Teller mit einem erhöhten Rand und einem geneigten Boden erleichtern das Aufnehmen von Essen. Eine Demenzerkrankung bedeutet nicht immer, dass die Person nicht in der Lage ist, eigenständig zu essen. Wenn sie nicht mehr weiß, wie sie das Besteck verwenden soll, kann man Finger Food zubereiten. Dann können sie entspannt ohne Messer und Gabel essen. Ansonsten hilft es schon, das passende Besteck bereitzulegen. Zum Beispiel liegt nur ein Löffel auf dem Tisch, wenn es eine Suppe gibt.
  • Essensplan: Damit Demenzerkrankte Frühstück, Mittag- und Abendessen nicht vergessen, können Sie die Zeiten in einer Art Stundenplan für den Betroffenen eintragen. Das Lieblingsessen ist immer mit schönen Gefühlen verbunden. Daher kann es ein besonderes Erlebnis sein, wenn alte Lieblingsgerichte aus der Kindheit der Betroffenen zubereitet werden. Noch besser wäre es, wenn das Essen gemeinsam geplant und gekocht werden kann, um einen persönlicheren Bezug zum Essen herzustellen. Mit kräftigen Farben und intensiven Gerüchen werden die Sinne und der Appetit angeregt.

Sicherheitsmaßnahmen

  • Sichere Aufbewahrung gefährlicher Gegenstände: Reinigungsmittel, Messer, Kerzen, Feuerzeuge und Medikamentenvorräte können für Demenzerkrankte eine ernsthafte Gefahr darstellen. Um Unfälle zu vermeiden, sollten diese Gegenstände sicher und außer Reichweite gelagert werden. Mit diesen Maßnahmen schaffen Sie eine sichere Wohnumgebung für demenzerkrankte Menschen und tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden.
  • Sturzprophylaxe: Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen). Schwellen und Stufen in der Wohnung bzw. Handläufe und Haltegriffe bieten besseren Halt als Wände und Stuhllehnen und können so zur Vermeidung von Stürzen beitragen. Wenn Menschen mit Demenz gangunsicher sind oder zu Stürzen neigen, sind Slips mit eingearbeiteten Hüftprotektoren empfehlenswert. Sie helfen dabei Hüft- und Oberschenkelhals-Frakturen zu vermeiden. Da die Hüftprotektoren nicht in das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen sind, sind die Krankenkassen jedoch nicht zur Kostenübernahme verpflichtet. Hier kann eine einfache vor dem Bett platzierte Matratze helfen, einen Sturz abzufangen und Verletzungen zu vermeiden.
  • Vermeidung von Verbrühungen: Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer einbauen.
  • Unterbrechung der Wasserzufuhr: Möglich ist zum einen die Montage eines Wasserflussreglers am Wasserhahn (es wird ein Stab in den Wasserhahn eingesetzt, der nur Wasser frei gibt, solange dagegen gedrückt wird).

Maßnahmen bei Hinlauftendenz

  • Kontaktmatten: Kontaktmatten werden häufig vor dem Bett oder der Haustür platziert. Sobald die Matte betreten wird, sendet sie ein Funksignal an die Pflegeperson und löst einen Alarm aus.
  • Haustüralarm: Für Menschen mit Demenz kann es gefährlich werden, wenn sie die Wohnung unbemerkt verlassen. Ein Haustüralarm verhindert dies, indem er sofort Alarm schlägt, sobald die Tür geöffnet wird.

Finanzielle Unterstützung

Die finanzielle Entlastung durch Krankenkassen ist für viele Familien ein wichtiger Schritt, um notwendige Hilfsmittel für Demenzerkrankte zu beschaffen. Im Hilfsmittelkatalog sind zahlreiche Produkte aufgeführt, die von der Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen übernommen werden können. Diese Hilfsmittel helfen nicht nur bei der Orientierung und der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, sondern auch im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen der Pflege.

Sprachassistenzsysteme

Sprachassistenzsysteme sind in unserem Alltag mittlerweile fast allgegenwärtig. Sie sind integriert in unseren Smartphones, im Auto, in sogenannten „schlauen Lautsprechern“ (Smart-Speakern) oder „smarten Displays“ (schlauen Bildschirmen). Ob Alexa von Amazon, Google Assistant oder Siri von Apple, sie folgen alle dem gleichen Bedienmuster: Sie hören auf ein Aktivierungswort, wie „Alexa“ oder „Okay Google“, und nehmen daraufhin die gesprochene Anfrage entgegen - beispielsweise: „Wie wird das Wetter heute?“. Dazu holen sie sich Informationen über das Internet und geben die Antwort als gesprochene Sprache aus: „In Berlin beträgt die Temperatur aktuell 18 Grad Celsius. Es ist leicht bewölkt. Heute Nachmittag soll es regnen.“

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Sprachassistenzsysteme haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten: Sie können auf digitale Kalender oder Aufgabenlisten zugreifen. Dabei können Termineinträge oder Einkaufslisten sogar gemeinsam durch den Menschen mit Demenz und seine Angehörigen verwaltet werden. Es kann hilfreich sein, an anstehende Treffen oder die Medikamenteneinnahmen zu erinnern. Sprachassistenzsysteme können Wissen abrufen sowie Musik oder Radioprogramme abspielen. Ebenso können Angehörige Text-, Sprach- oder Videonachrichten direkt an das System schicken, welches es dem Menschen mit Demenz (automatisch) abspielt. Ferner vereinfachen solche Systeme auch die Videotelefonie und damit das Kontakt-Halten über Distanz.

Auch sogenannte Smart-Home-Geräte werden von immer mehr Menschen genutzt: Gemeint sind beispielsweise steuerbare Lampen, spezielle Rauchmelder oder Wassersensoren, Heizkörperthermostate oder (fern)steuerbare Türschlösser, die mit einem Sprachassistenzsystem auf dem Smart-Speaker oder Smart-Display verbunden werden können.

So kann etwa das Licht per Sprachbefehl an- und ausgeschaltet werden; oder es kann so eingestellt werden, dass es sich abhängig von der Tageszeit automatisch ein- oder ausschaltet. Eine weitere Möglichkeit ist, das Licht mit einem Bewegungsmelder im Raum zu kombinieren. Wenn vergessen wurde, die Lampen auszuschalten, lässt sich dies ebenfalls aus der Ferne steuern.

Durch smarte Rauch-, CO2- oder Wassermelder werden nicht nur Menschen mit Demenz in ihrem Zuhause gewarnt, sondern auch die Angehörigen erhalten den Hinweis auf ihr Smartphone und können reagieren.

So können Sprachassistenzsysteme die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz unterstützen, ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen und zur Unterhaltung beitragen - und damit Erkrankten ebenso wie pflegenden Angehörigen ein größeres Sicherheitsgefühl geben.

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Zu bedenken ist aber, dass nicht alles, was möglich ist, auch wünschenswert, notwendig oder hilfreich ist: Es ist wichtig, die genauen Bedarfe und Wünsche der Beteiligten vorab abzufragen. Der mögliche Nutzen (mehr Selbstständigkeit, bessere Teilhabe, größere Sicherheit etc.) sollte abgewogen werden gegen die Risiken oder Nachteile (Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes, ethische Überlegungen zu einer möglichen Rundum-Überwachung durch solche Systeme und möglicherweise Gefährdung von Selbstständigkeit und Teilhabe).

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