Die Erfahrung, dass der Staat belastend wirkt, ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Es berührt verschiedene Aspekte des Lebens, von der Gesundheit über die finanzielle Stabilität bis hin zum psychischen Wohlbefinden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Gefühl, untersucht die möglichen Folgen und bietet Strategien zur Bewältigung.
Ursachen für das Gefühl der staatlichen Belastung
Das Gefühl, vom Staat belastet zu sein, kann verschiedene Ursachen haben. Diese lassen sich in folgende Kategorien einteilen:
Gesundheitliche Belastungen
- Spätfolgen von Behandlungen: Insbesondere im Zusammenhang mit Krebserkrankungen können Therapien wie Operationen, Bestrahlung, Chemotherapie oder Antihormontherapie auch Monate oder Jahre nach Abschluss der Behandlung Spätfolgen haben. Dazu gehören Fatigue, Herzschäden, Wechseljahresbeschwerden, Lymphödeme und Neuropathien.
- Fatigue: Ein besonders schwerer körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfungszustand, der sich nicht durch ausreichend Schlaf, Erholung und Schonung bessert. Bis zu 90 Prozent der Menschen mit einer Krebserkrankung leiden während oder kurz nach der Krebstherapie unter Fatigue.
- Herzschäden: Bestimmte Krebsbehandlungen können langfristig das Herz schädigen oder bestehende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verschlechtern.
- Wechseljahresbeschwerden: Der Entzug weiblicher Hormone im Rahmen einer Antihormontherapie kann typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, depressive Verstimmungen oder trockene Haut und Schleimhäute verursachen.
- Lymphödeme: Nach einer Brust-OP oder Bestrahlung kann sich ein Lymphödem entwickeln, bei dem sich die Lymphe im Arm staut.
- Neuropathien: Bestimmte Krebsbehandlungen können die Nerven schädigen und Missempfindungen, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Gleichgewichtsstörungen verursachen.
- Psychische Belastungen: Eine Krebserkrankung kann auch die Seele belasten und zu Sorgen, Ängsten oder Depressionen führen. Viele Menschen haben Angst vor einem Rückfall oder davor, ihren Alltag nicht mehr bewältigen zu können.
Bürokratische Hürden und Ablehnung von Anträgen
- Erwerbsminderungsrente (EM-Rente): Viele Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht mehr arbeiten können, fühlen sich vom Staat im Stich gelassen, wenn ihr Antrag auf EM-Rente abgelehnt wird. Im Jahr 2019 wurde fast jeder zweite Antrag abgelehnt.
- Ablehnungsgründe: Die häufigsten Ablehnungsgründe sind Lücken bei der Wartezeit, gesundheitliche Gründe oder fehlende Mitwirkung.
- Gutachten: Die Entscheidung über die Bewilligung der EM-Rente hängt maßgeblich von der Meinung von Ärzten ab, insbesondere von einem Amtsarzt. Oft gibt es unterschiedliche Ansichten über das restliche Leistungsvermögen auf dem Arbeitsmarkt.
- Mangelnde Mitwirkung: Ein weiterer Ablehnungsgrund ist mangelnde Mitwirkung, wenn der Antragsteller beispielsweise einen Termin beim Gutachter versäumt oder sich dort wenig kooperativ verhält.
Psychische Belastungen und Existenzielle Ängste
- Angst vor Rückfall: Insbesondere nach einer Krebserkrankung haben viele Menschen Angst vor einem Rückfall.
- Finanzielle Sorgen: Eine Krebserkrankung kann auch finanzielle Sorgen verursachen, da die Ausgaben steigen und das Einkommen sinkt.
- Existenzielle Sorgen: Viele Menschen fürchten, ihren Alltag, ihr Familienleben oder ihren Beruf nicht mehr bewältigen zu können.
Seltene Erkrankungen und Diagnose-Odyssee
- Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS): Das Chronische Erschöpfungssyndrom ist eine komplexe und oft schwer zu diagnostizierende Erkrankung, die mit extremer Erschöpfung, Schmerzen und kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht.
- Diagnose-Verzögerung: Bis ein Betroffener die Diagnose CFS erhält, vergehen in Deutschland durchschnittlich 7,5 Jahre.
- Mangelnde Anerkennung: Viele Ärzte sehen das Chronische Erschöpfungssyndrom skeptisch oder leugnen es sogar.
- Fehlende Therapie: Es gibt keine spezifische Therapie für CFS, was die Betroffenen zusätzlich belastet.
Gesellschaftliche Faktoren
- Prokrastination vs. Präkrastination: Das Aufschieben von Aufgaben (Prokrastination) oder das zwanghafte sofortige Erledigen von Aufgaben (Präkrastination) können zu Stress und Überlastung führen.
- Perfektionismus: Der Drang, alles perfekt machen zu wollen, kann ebenfalls zu Stress und Burnout führen.
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Manche Menschen konzentrieren sich mehr auf die Wünsche und Bedürfnisse anderer als auf die eigenen, was zu Selbstvernachlässigung und Erschöpfung führen kann.
Folgen des Gefühls der staatlichen Belastung
Das Gefühl, vom Staat belastet zu sein, kann verschiedene negative Folgen haben:
- Eingeschränkte Lebensqualität: Die genannten Belastungen können die Lebensqualität erheblich einschränken und die Fähigkeit beeinträchtigen, den Alltag zu bewältigen.
- Psychische Probleme: Sorgen, Ängste, Depressionen und das Gefühl der Hilflosigkeit können zu psychischen Problemen führen.
- Soziale Isolation: Die Betroffenen ziehen sich möglicherweise zurück und isolieren sich sozial.
- Finanzielle Schwierigkeiten: Die genannten Belastungen können zu finanziellen Schwierigkeiten führen, insbesondere wenn das Einkommen sinkt und die Ausgaben steigen.
- Gesundheitliche Verschlechterung: Stress und Überlastung können die Gesundheit zusätzlich beeinträchtigen und zu weiteren Erkrankungen führen.
Bewältigungsstrategien
Es gibt verschiedene Strategien, um das Gefühl der staatlichen Belastung zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern:
Gesundheitliche Strategien
- Körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität ist ein wirksames Mittel gegen Fatigue und kann auch andere Beschwerden wie Gelenkschmerzen lindern.
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene und vielseitige Ernährung kann die Nebenwirkungen von Behandlungen bessern und das Immunsystem stärken.
- Vitamin D und Kalzium: Eine gute Versorgung mit Vitamin D und Kalzium kann das Risiko für Osteoporose senken.
- Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagen und Bewegungstherapie: Diese Maßnahmen können bei Lymphödemen helfen, die gestaute Lymphflüssigkeit abfließen zu lassen.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Regelmäßige Bewegungsübungen können bei Neuropathien helfen, die Beweglichkeit zu erhalten.
- Psychoonkologische oder psychologische Unterstützung: Professionelle Unterstützung kann helfen, mit den psychischen Belastungen einer Krebserkrankung umzugehen.
Bürokratische Strategien
- Frühzeitige Information: Informieren Sie sich frühzeitig über die Voraussetzungen für die EM-Rente und andere staatliche Leistungen.
- Beratung: Nehmen Sie die Beratung von Krebsberatungsstellen, Sozialverbänden oder anderen Organisationen in Anspruch.
- Unterstützung: Lassen Sie sich bei der Antragstellung und im Widerspruchsverfahren unterstützen.
- Kommunikation mit Ärzten: Sprechen Sie offen mit Ihren Ärzten über Ihre Beschwerden und lassen Sie sich ausführliche Befundberichte ausstellen.
Psychische Strategien
- Akzeptanz: Akzeptieren Sie Ihre Gefühle und erlauben Sie sich, traurig, wütend oder ängstlich zu sein.
- Selbstfürsorge: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen Freude bereiten.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und suchen Sie Unterstützung bei Freunden und Familie.
- Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung.
- Achtsamkeit: Üben Sie Achtsamkeit, um im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und Stress abzubauen.
- Professionelle Hilfe: Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie das Gefühl haben, die Situation nicht alleine bewältigen zu können.
Strategien zur Lebensgestaltung
- Prioritäten setzen: Setzen Sie Prioritäten und konzentrieren Sie sich auf die Aufgaben, die wirklich wichtig sind.
- Delegieren: Delegieren Sie Aufgaben, wenn möglich.
- Zeitmanagement: Planen Sie Ihre Zeit effektiv und vermeiden Sie Stress.
- Pausen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um sich zu erholen.
- Realistische Ziele: Setzen Sie sich realistische Ziele und vermeiden Sie Überlastung.
- Nein sagen: Lernen Sie, Nein zu sagen, wenn Sie sich überfordert fühlen.
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