Ein Schlaganfall kann zu einer Hemiplegie führen, einer vollständigen Lähmung einer Körperhälfte. Die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten ist von hoher Bedeutung, und die richtige Lagerung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zur standardisierten Hemiplegie-Lagerung auf der weniger betroffenen Seite, unter Berücksichtigung des Bobath-Konzepts und anderer wichtiger Aspekte.
Einführung in die Hemiplegie und das Bobath-Konzept
Die Hemiplegie, oft die Folge eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung, beeinträchtigt die Bewegungsfreiheit und erfordert eine umfassende Pflege und Rehabilitation. Das Bobath-Konzept, ein umfassendes Bewegungskonzept zur Therapie von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, ist seit über 60 Jahren ein fester Bestandteil der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten. Es zielt darauf ab, das verlorengegangene Zusammenspiel beider Körperhälften durch Förderung der Sensibilität, Hemmung der Spastizität und Bahnung von selektiven Bewegungen neu zu organisieren.
Das Bobath-Konzept berücksichtigt die individuellen Möglichkeiten des Patienten und bezieht diese in die Pflege und Therapie ein. Es gibt keine starren Übungsabläufe, sondern die Therapie wird individuell auf jeden Patienten zugeschnitten. Die Grundannahme ist, dass das Gehirn des Menschen lebenslang lernfähig ist und durch stetige Wiederholungen neue Verknüpfungen schaffen kann.
Vorbereitung der Lagerung
Bevor mit der Lagerung begonnen wird, sind einige Vorbereitungen notwendig:
- Textverarbeitung öffnen und Papierformat wählen: Dies dient der Dokumentation und ggf. der Übernahme in ein QM-Handbuch. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen.
- Information des Bewohners: Der Bewohner wird über die bevorstehende Maßnahme informiert, unabhängig von seiner Kommunikationsfähigkeit. Seine Fragen werden umfassend beantwortet.
- Vorbereitung des Umfelds: Es wird ausreichend Platz geschaffen, um ungehindert arbeiten zu können. Das Kopfende des Bettes wird flachgestellt, und die Bettdecke wird entfernt.
Durchführung der Lagerung auf der weniger betroffenen Seite
Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung beschreibt die Durchführung der Lagerung auf der weniger betroffenen Seite:
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- Ausgangsposition: Der Bewohner befindet sich in der Rückenlage. Die Pflegekraft positioniert sich auf der Seite des Bewohners, die auf sie weist, idealerweise auf der linken Seite des Bettes.
- Beine positionieren: Die Beine des Bewohners werden aufgestellt, indem die Füße näher an das Gesäß gebracht werden. Ober- und Unterschenkel bilden einen 90°-Winkel, und die Knie weisen zur Decke.
- Drehen zur Seite: Die Pflegekraft leitet die Drehung ein, indem sie ein Knie in die Beugung bringt und das Becken aktiv in Richtung Bettkante bewegt. Der Bewohner wird aufgefordert, den Oberkörper ebenfalls zur Bettkante zu bewegen.
- Unterstützung des Oberkörpers: Ein Kissen wird unter die Schulter der mehr betroffenen Seite gelegt. Der Bewohner wird nun auf die weniger betroffene Seite gedreht, sodass die Knie von der Decke herunterrutschen und direkt auf der Matratze liegen.
- Positionierung der Beine: Beide Beine bleiben angewinkelt und angezogen. Die Pflegekraft korrigiert ggf. die Positionierung.
- Rückenstütze: Ein Kissen wird nun hinter dem Rücken des Bewohners positioniert, um ihn in der Seitenlage zu stabilisieren. Es sollte vom Schulterblatt bis zum Gesäß reichen.
- Positionierung des Arms: Der betroffene Arm wird nach vorne gebracht und auf einem Kissen oder einer zusammengefalteten Bettdecke abgelegt.
- Korrektur der Position: Die Pflegekraft überprüft, ob die Lagerung schmerzfrei ist und korrigiert diese ggf.
Detaillierte Aspekte der Lagerung
- Beckenpositionierung: Das Becken sollte so positioniert sein, dass es leicht nach vorne geneigt ist, um eine Überstreckung der Lendenwirbelsäule zu vermeiden.
- Schulterpositionierung: Die Schulter des betroffenen Arms sollte leicht nach vorne gezogen werden, um eine Innenrotation zu verhindern.
- Kopfpositionierung: Der Kopf sollte mit einem Kissen so unterstützt werden, dass die Halswirbelsäule eine neutrale Position einnimmt.
An- und Auskleiden von Hemiplegie-Patienten
Das An- und Auskleiden kann für Hemiplegie-Patienten eine Herausforderung darstellen. Die folgenden Tipps können den Vorgang erleichtern:
- Vorbereitung: Öffnen Sie Ihre Textverarbeitung, um ggf. Besonderheiten zu dokumentieren. Wählen Sie bequeme Kleidung mit Klettverschlüssen oder Reißverschlüssen.
- Sitzposition: Der Bewohner sitzt aufrecht auf einem Stuhl, idealerweise mit den Händen ineinander gefaltet.
- Anziehen des Oberteils: Legen Sie das Kleidungsstück mit dem Rückenteil nach oben auf den Schoß des Bewohners, wobei der Halsausschnitt auf den Knien liegt. Führen Sie den weniger betroffenen Arm in den Ärmel ein und ziehen Sie das Kleidungsstück bis zu den Schultern hoch. Helfen Sie dem Bewohner, den mehr betroffenen Arm in den zweiten Ärmel zu führen. Bei Knöpfen kann er eine Knöpfhilfe nutzen.
- Anziehen der Hose: Der Bewohner öffnet ggf. den Hosenbund. Legen Sie die Hose so auf das Knie des mehr betroffenen Beines, dass das Hosenbein herausragt. Führen Sie das mehr betroffene Bein in das Hosenbein ein und ziehen Sie die Hose über das weniger betroffene Bein. Nun steht der Bewohner auf, wobei er sich ggf. mit beiden Händen auf einem zweiten Stuhl abstützen kann. Die Pflegekraft zieht die Hose hoch.
- Vermeidung von Sturzgefahr: Achten Sie darauf, dass der Bewohner beim An- und Auskleiden nicht mit Strümpfen auf dem Fußboden steht oder ganz barfuß ist, da dies die Sturzgefahr erhöhen würde.
Weitere wichtige Aspekte
- Kommunikation: Ermöglichen Sie dem Bewohner, sich aktiv an der Maßnahme zu beteiligen, unabhängig von seiner Kommunikationsfähigkeit.
- Beobachtung: Achten Sie auf Schmerzäußerungen oder andere Auffälligkeiten und dokumentieren Sie diese ggf.
- Individuelle Anpassung: Die beschriebenen Abläufe können im Detail abweichen und müssen an die individuellen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.
- Förderung der Selbstständigkeit: Fördern Sie die Aktivität des Bewohners und vermeiden Sie Überversorgung. Kann ein Betroffener etwas selbst erledigen, so muss er auch Gelegenheit dazu bekommen.
- Umgebungsgestaltung: Achten Sie auf eine geeignete Gestaltung der Umgebung, z.B. durch das Anbringen von Haltegriffen oder das Vermeiden von rutschigen Teppichen.
Das Bobath-Konzept in der Pflege
Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept, das in der Pflege von Hemiplegie-Patienten eine zentrale Rolle spielt. Es beinhaltet spezielle Techniken zur Lagerung und zum Transfer, die von Pflegepersonen oder einer Krankengymnastin erlernt werden können.
Prinzipien des Bobath-Konzepts
- Fördern durch Fordern und Hilfe zur Selbsthilfe: Vermeiden Sie Überversorgung und fördern Sie die vorhandenen Fähigkeiten des Patienten.
- Vermeidung von Spastizität: Achten Sie auf eine korrekte Lagerung und Bewegung, um die Entwicklung einer Spastik zu vermeiden.
- Integration in den Alltag: Integrieren Sie die Übungen in den Tagesablauf, z.B. bei der Körperpflege, beim Essen oder beim An- und Ausziehen.
Mobilisation nach Bobath
Die Mobilisation nach Bobath, auch Transfer nach Bobath genannt, beinhaltet die aktive Einbeziehung des Patienten in sämtliche Positionswechsel. Es beginnt mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen, zum Beispiel dem Aufsetzen im Bett.
Körperpflege nach Bobath
Eine gute Möglichkeit, die Körperwahrnehmung von Patienten mit starken körperlichen Einschränkungen zu fördern, ist das Waschen nach Bobath. Dabei arbeiten Sie stets von der gesunden zur kranken Seite hin.
Hilfsmittel für Hemiplegie-Patienten
Für Menschen, die von Hemiplegie betroffen sind, stehen diverse Hilfsmittel zur Verfügung, die die Selbstständigkeit und Mobilität verbessern können:
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- Alltagshilfsmittel: Einhänderbretter, Knöpfhilfen, etc.
- Hilfsmittel für die Körperpflege: Haltegriffe, Wannenlifter, Duschstühle, etc.
- Mobilitätshilfen: Gehhilfen, Rollstühle (manuell oder elektrisch), Aufstehhilfen, etc.
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