Sprachstörungen sind ein vielschichtiges Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie äußern sich in unterschiedlichen Formen und Schweregraden und können die Kommunikation und Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Sprachstörungen, von den Ursachen und Diagnosemethoden bis hin zu den verfügbaren Therapieansätzen und den seelischen Folgen für die Betroffenen.
Was sind Sprachstörungen?
Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind Beeinträchtigungen der Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und zu produzieren. Sie können sich auf verschiedene Bereiche der Sprache auswirken, darunter:
- Sprachverständnis: Schwierigkeiten, gesprochene oder geschriebene Sprache zu verstehen.
- Wortfindung: Probleme, die richtigen Wörter zu finden und abzurufen.
- Satzbildung: Schwierigkeiten, grammatikalisch korrekte und sinnvolle Sätze zu bilden.
- Sinngebung: Beeinträchtigung der Fähigkeit, Sprache in einen sinnvollen Kontext zu setzen.
Formen von Sprachstörungen
Es gibt verschiedene Formen von Sprachstörungen, die sich in ihren spezifischen Symptomen und Ursachen unterscheiden. Zu den häufigsten Formen gehören:
- Aphasie: Eine erworbene Sprachstörung, die durch Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn verursacht wird, meist durch einen Schlaganfall. Aphasien können sich in unterschiedlicher Weise äußern, je nachdem, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind.
- Sprachentwicklungsstörungen: Beeinträchtigungen der Sprachentwicklung bei Kindern, die sich in Schwierigkeiten mit der Lautbildung, Grammatik, Wortschatz oder dem Sprachverständnis äußern können.
- Stottern: Eine Redeflussstörung, die durch unfreiwillige Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden von Lauten, Silben oder Wörtern gekennzeichnet ist.
- Dysarthrie: Eine Sprechstörung, die durch eine Beeinträchtigung der motorischen Kontrolle der Sprechmuskulatur verursacht wird. Dies kann zu undeutlicher Artikulation, verlangsamter Sprechgeschwindigkeit und verändertem Stimmklang führen.
Aphasie im Detail
Die Aphasie, oft Folge eines Schlaganfalls, beeinträchtigt das Sprachzentrum im Gehirn. Die Betroffenen, auch Aphasiker genannt, haben Schwierigkeiten, sich sprachlich zu verständigen. Dies kann das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben betreffen. Die Kommunikationsprobleme können zu Frustration und sozialer Isolation führen.
Die erworbene Sprachstörung (Aphasie - griech.: Sprachlosigkeit) ist die Folge einer Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn. In den meisten Fällen ist ein Schlaganfall die Ursache. Die Sprach- und Verständnisprobleme der Betroffenen (Aphasiker) erschweren die Kommunikation mit anderen Menschen. Häufig ist auch die Lese- und Schreibfähigkeit eingeschränkt oder in schweren Fällen nicht mehr vorhanden.
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Ursachen von Aphasie
Die Sprachstörung wird in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall verursacht, meist durch eine Durchblutungsstörung, seltener durch eine Hirnblutung. Auch entzündliche Erkrankungen des Gehirns (z. B. Enzephalitis), ein Schädel-Hirn-Trauma oder Vergiftungen können die Ursache sein. Tritt die Sprachstörung als Folge einer Störung auf, die nicht zu einer fortschreitenden Schädigung führt, verändert sie sich nicht und kann sich unter Therapie wieder bessern.
Symptome der Aphasie
Die Schädigung eines Sprachzentrums im Gehirn betrifft sowohl das Sprachverständnis (rezeptive Fähigkeiten) als auch die Sprachproduktion (expressive Fähigkeiten) in individuell unterschiedlichem Ausmaß. Das Sprechen und Verstehen von Lautsprache sowie das Lesen und Verstehen von Schriftsprache können beeinträchtigt oder sogar unmöglich sein. Grund dafür ist die erschwerte Fähigkeit, Sprache zu bilden und zu entschlüsseln. In der Regel sind die intellektuellen Fähigkeiten nicht betroffen.
Aphasie kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und in verschiedenen Variationen auftreten. Bei der Einordnung spielen daher die individuellen Beeinträchtigungen eine besondere Rolle. Für viele Formen der Sprachstörung ist es typisch, dass Objekte umschrieben werden, weil sie nicht mehr direkt benannt werden können (Anomie). Die Betroffenen verstehen Wörter nicht und die Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprachlauten (auditiv), Tastsinn (taktil) und Sehsinn (visuell) sind beeinträchtigt.
Formen der Aphasie
- Wernicke-Aphasie: Ursache ist eine Störung der sprachdominanten Hirnhälfte (Wernicke-Areal). Typisch ist eine flüssige Sprache, in der häufig einzelne Buchstaben verändert werden (Phoneme), z. B. „P“ statt „B“ in „Bein“. Die Betroffenen kennen die Bedeutung und den Zusammenhang der Wörter nicht und sind sich nicht bewusst, dass ihre Sprache für andere unverständlich ist. Das Hör- und Schreibverständnis ist beeinträchtigt und es kommt zu Lesefehlern. Das Schreiben ist flüssig, aber fehlerhaft, und inhaltliche Wörter werden weggelassen (fließende Agraphie).
- Broca-Aphasie: Die Fähigkeit, Wörter zu bilden, ist beeinträchtigt, Wortverständnis und begriffliches Denken sind jedoch weitgehend unbeeinträchtigt. Ursache ist eine Störung des linken vorderen (frontalen) oder oberen vorderen (frontoparietalen) Hirnbereichs einschließlich des Broca-Areals. Typisch ist ein gutes Verständnis von Begriffen und Begriffsbildung, wobei es Schwierigkeiten bereitet, Worte zu äußern. Die Sprachproduktion und die Schreibfähigkeit sind beeinträchtigt (nichtflüssige Agraphie, Dysgraphie), was für Betroffene oft sehr frustrierend ist. Dennoch ist der mündliche und schriftliche Austausch für sie von Bedeutung.
Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Bei Kindern äußern sich Sprachstörungen oft in Form von Sprachentwicklungsstörungen. Dabei können Schwierigkeiten in der Lautbildung, Grammatik, Wortschatzentwicklung oder im Sprachverständnis auftreten. Eine frühzeitige Diagnose und logopädische Behandlung sind entscheidend, um den Kindern eine altersgerechte Sprachentwicklung zu ermöglichen.
„Darf ich mal den Käse tobrieren?“, fragt eine Dreijährige am Frühstückstisch. Die Eltern lächeln. Irgendwie süß, wie die Kleine die Buchstaben im Wort „probieren“ verdreht. Ersetzt sie mit vier Jahren aber noch immer jedes p durch ein t, dann ist das nicht mehr so niedlich, denn eigentlich sollten in diesem Alter alle Laute sitzen. Bei sieben bis zehn Prozent der Vorschulkinder - die Zahlen schwanken je nach Studie - läuft die Sprachentwicklung aber nicht so glatt. Bei manchen stimmt die Grammatik nicht, andere formulieren nur Zwei-Wort-Sätze, wieder andere ersetzen Laute, die sie eigentlich schon beherrschen sollten, durch andere. Die Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung können erblich sein, in anderen Fällen erschweren Hörprobleme den Spracherwerb. Auch wenn die Eltern zu wenig mit dem Nachwuchs sprechen, kann die Sprachentwicklung der Kinder stocken. „Manchmal ist die Ursache auch nicht zu finden“, erklärt die Hamburger Logopädin Kerstin Sawatzki. Oft reicht ein logopädischer Anstoß von außen, um den natürlichen Sprachlernprozess wieder in Gang zu bringen und das Versäumte aufzuholen. „Das kann man sehr gut spielerisch machen, abhängig vom Alter des Kindes.“ Die Kinder lernen zum Beispiel den Unterschied zwischen verschiedenen Lauten kennen, müssen etwa Suppe von Schuppe oder Topf von Kopf unterscheiden. Dabei kommen Bildkarten, Handpuppen und andere Spielsachen zum Einsatz. „Die meisten Kinder gehen gern zur Logopädie, weil sie merken, dass wir sie nicht unter Druck setzen“, erklärt Sawatzki. Wie lange eine logopädische Behandlung dauert, unterscheidet sich von Fall zu Fall erheblich. In manchen Fällen helfen einige Sitzungen, in anderen Fällen dauert die Therapie mehrere Monate. „Dass sich eine Sprachstörung bei Kindern gar nicht verbessern lässt, kommt allerdings nur sehr selten vor“, berichtet Sawatzki. Bleibt die logopädische Behandlung aus, sind die Auswirkungen häufig spätestens in der Schulzeit spürbar. Den Kindern wird dann zunehmend bewusst, dass sie anders sprechen, viele verlieren die Lust am Reden. Zudem kann eine unbehandelte Sprachentwicklungsstörung auch zu Problemen beim Schreiben und Lesen führen. Wissenschaftler vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen Sprachentwicklungsstörungen und Rechenschwäche, im Fachjargon Dyskalkulie.
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Stottern
Stottern ist eine Redeflussstörung, die sich durch unfreiwillige Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden von Lauten, Silben oder Wörtern äußert. Die Ursachen für Stottern sind vielfältig und können genetische, neurologische und psychologische Faktoren umfassen. Eine logopädische Therapie kann helfen, das Stottern zu reduzieren und die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
Für die Eltern leichter zu erkennen ist bei Kindern das Stottern - eine so genannte Redeflussstörung. Stottern beginnt in der Regel vor dem sechsten Lebensjahr - rund fünf Prozent aller Kinder erleben in dieser Zeit eine Stotterphase. Während sich die lästige Sprachstörung in vielen Fällen wieder gibt - häufig mit logopädischer Hilfe - sind auch ein Prozent der Erwachsenen vom Stottern geplagt, fast immer seit der Kindheit. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen. Das Hinterhältige am Stottern: Welche Ursachen auch immer im Kindesalter zu der Sprechstörung geführt haben, früher oder später wird das Stottern dadurch massiv verstärkt, dass Scham, Angst und negative Erfahrungen wie Hänseln starken Druck auf den Stotterer ausüben. Wer anfangs nur b-b-bei einigen Lauten hakt, bekommt früher oder später immer mehr Worte gar nicht mehr heraus. Die Überwindung, mit Fremden zu sprechen, wächst - und sei es nur beim Einkaufen im Supermarkt. Als „Körper-Geist-Phänomen“ beschreibt der Logopäde Werner Rauschan deshalb auch das Stottern. In der Therapie steht der Abbau von Ängsten im Vordergrund. „Da gibt es psychologische Anteile, ein wenig Verhaltenstherapie und viel konkretes Training“, so der Stotterexperte. Am Ende ist in vielen Fällen das Stottern zwar nicht vollständig verschwunden, aber immerhin gut zehn Prozent von Rauschans Patienten stottern nach der Therapie gar nicht mehr. Die übrigen können mit den gelegentlich noch aufkommenden Sprechblockaden umgehen, ihr Leidensdruck verringert sich erheblich.
Dysarthrie
Dysarthrie ist eine Sprechstörung, die durch eine Beeinträchtigung der motorischen Kontrolle der Sprechmuskulatur verursacht wird. Die Ursachen für Dysarthrie können neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson-Krankheit oderMultiple Sklerose sein. Die Symptome der Dysarthrie können undeutliche Artikulation, verlangsamte Sprechgeschwindigkeit, veränderter Stimmklang und Schwierigkeiten bei der Atmung während des Sprechens umfassen. Eine logopädische Therapie kann helfen, die Sprechmuskulatur zu stärken und die Artikulation zu verbessern.
Ursachen von Sprachstörungen
Die Ursachen für Sprachstörungen sind vielfältig und können je nach Art der Störung variieren. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Schädigung des Gehirns: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumore, Entzündungen des Gehirns
- Neurologische Erkrankungen: Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Genetische Faktoren: Vererbung von Sprachstörungen innerhalb der Familie
- Hörprobleme: Beeinträchtigung des Spracherwerbs bei Kindern
- Psychische Faktoren: Stress, Angst, Depressionen
- Umweltfaktoren: Mangelnde sprachliche Anregung im Kindesalter
Diagnose von Sprachstörungen
Die Diagnose von Sprachstörungen umfasst in der Regel eine umfassende Untersuchung der sprachlichen Fähigkeiten durch einen Logopäden oder Sprachtherapeuten. Diese Untersuchung kann Folgendes umfassen:
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden
- Sprachstandstest: Überprüfung der Lautbildung, Grammatik, Wortschatz und des Sprachverständnisses
- Artikulationsanalyse: Beurteilung der Deutlichkeit der Aussprache
- Redeflussanalyse: Beurteilung des Sprechtempos, der Rhythmus und des Vorhandenseins von Stottern
- Neurologische Untersuchung: Abklärung neurologischer Ursachen der Sprachstörung
- Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, um Schädigungen oder Erkrankungen des Gehirns zu erkennen.
Die Diagnose stellen unsere erfahrenen Experten der Neurologie und Logopädie nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen und gegebenenfalls Ihren Angehörigen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte (Anamnese) sowie nach umfangreichen neurologischen Untersuchungen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Sprachentwicklungs- und Sprachfunktionsstörungen, die als Folge von Schwerhörigkeit, Fehlsichtigkeit oder Artikulationsstörungen in Form eingeschränkter motorischer Fähigkeiten beim Schreiben (Dysarthrie) auftreten können.
Spezielle Tests zur Sprachanalyse
Mithilfe spezieller Tests (wie dem Aachener Aphasie-Test, AAT) können wir Ihre Sprache analysieren und die Sprachstörung beurteilen.
- Spontansprache: wird u. a. gemessen an der Flüssigkeit der gesprochenen Wörter und ihrer Anzahl, an Ausdrucksmerkmalen (Prosodie), Wortfindungspausen, spontanen Fehlern, Zögern.
- Benennung: wird gemessen an der Fähigkeit, Objekte direkt und ohne Umschreibungen zu benennen.
- Wiederholung: wird gemessen an der Fähigkeit, komplexe Sätze nachzusprechen.
- Verstehen: wird gemessen an der Fähigkeit, einfachen oder mehrstufigen Anweisungen zu folgen, auf einfache und komplexe Ja- oder Nein-Fragen zu antworten und auf vom Arzt genannte Objekte zu zeigen.
- Lesen und Schreiben: wird gemessen anhand des Leseverständnisses, der Rechtschreibung, des Schreibens nach Diktat, des spontanen Schreibens und des Vorlesens.
Therapie von Sprachstörungen
Die Therapie von Sprachstörungen zielt darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen zu verbessern und vorhandene Fähigkeiten zu fördern. Die Art der Therapie hängt von der Art und Schwere der Sprachstörung sowie von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. Zu den häufigsten Therapieansätzen gehören:
- Logopädie: Übungen zur Verbesserung der Lautbildung, Grammatik, Wortschatz, des Sprachverständnisses und des Redeflusses
- Sprachtherapie: Behandlung von Sprachstörungen nach Schädigung des Gehirns, z. B. Aphasie
- Neuropsychologische Therapie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen, die mit Sprachstörungen einhergehen können, z. B. Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen
- Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Förderung der Sprachentwicklung und zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit
- Ergotherapie: Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik und Koordination, die für das Sprechen und Schreiben wichtig sind
- Psychotherapie: Behandlung von psychischen Problemen, die durch Sprachstörungen verursacht werden können, z. B. Angst, Depressionen oder soziale Isolation
- Computergestützte Therapie: Einsatz von Computerprogrammen zur Unterstützung der Sprachtherapie
Logopädische Behandlung
Oft reicht ein logopädischer Anstoß von außen, um den natürlichen Sprachlernprozess wieder in Gang zu bringen und das Versäumte aufzuholen. „Das kann man sehr gut spielerisch machen, abhängig vom Alter des Kindes.“ Die Kinder lernen zum Beispiel den Unterschied zwischen verschiedenen Lauten kennen, müssen etwa Suppe von Schuppe oder Topf von Kopf unterscheiden. Dabei kommen Bildkarten, Handpuppen und andere Spielsachen zum Einsatz.
Aphasie-Therapie im Detail
Nach wissenschaftlichen Studien gilt auch für die Aphasietherapie: Je intensiver die Behandlung, desto effektiver ist das Ergebnis. Gerade in der akuten und subakuten Phase einer Aphasie hat sich gezeigt, dass vor allem eine intensive Sprachtherapie (IST) die Kommunikationsfähigkeit verbessern kann. Aber auch im Krankheitsverlauf, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt, sind durch ein ausreichend intensives Training Besserungen der Symptome einer Aphasie möglich. Sprach- und Sprechtherapie sind jedoch nur dann wirksam, wenn wesentliche Faktoren der Wirksamkeit in einem mehrdimensionalen Behandlungskonzept zusammenfließen.
Eine intensive Sprachtherapie (IST) erfolgt daher vorzugsweise im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme - in einer neurologischen Fachklinik (stationär oder teilstationär). Vorteil dabei ist, dass neben der intensiven Sprachtherapie die häufig vorhandenen neurologischen Begleitsymptome mitbehandelt werden können.
Die Rehabilitationsbehandlung der Aphasien kann folgende Therapiemodule umfassen:
- Sprachtherapie (Logopädie und/oder Linguistik) inkl. computerunterstützte Sprachtherapie
- Neuropsychologische Therapie (zur Verbesserung u. a. von Aufmerksamkeit und Gedächtnis)
- Physiotherapie (bei Lähmungen und Bewegungseinschränkungen)
- Ergotherapie (Übungen zum Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten)
- Physikalische Therapien (Elektrotherapie, Massage, Bäder)
Die Aphasie-Therapien finden in der Regel in Einzel- und Gruppentherapien statt. Ein wesentliches Ziel ist dabei, Aphasiker*innen wieder in die Lage zu versetzen, trotz eventueller Einschränkungen wieder möglichst selbstständig im Alltag zurechtzukommen. Im hierzu beispielsweise durchgeführten Real Life-Training können die Betroffenen lernen, während der Behandlung eingeübte Kommunikationsmuster in einer realen Alltagssituation anzuwenden (z.B. beim Einkaufen).
Wichtig ist immer, ein verständnisvolles Umfeld der Betroffenen zu fördern, um die ansonsten wirksamen natürlichen Sprach- und Sprechängste abbauen zu können. Dabei ist es hilfreich, wenn auch die Angehörigen frühzeitig in die Therapien eingebunden werden und durch Beratungen und Seminare das Verständnis für die Störung gefördert wird.
Seelische Folgen von Sprachstörungen
Sprachstörungen können erhebliche seelische Folgen für die Betroffenen haben. Sie können zu Frustration, Angst, Depressionen, sozialer Isolation und einem Verlust des Selbstwertgefühls führen. Es ist daher wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen psychologische Unterstützung erhalten, um mit den seelischen Belastungen umzugehen.
Sprechstörungen können die Kinder in ihrer psychosozialen Entwicklung einschränken. Daher sollte eine logopädische Behandlung in der Kindheit möglichst frühzeitig einsetzten.
Umgang mit Aphasikern
- Behandeln Sie den oder die Aphasiker*in als Gesprächspartner auf Augenhöhe.
- Nehmen Sie der aphasischen Person „nicht das Wort aus dem Mund“
- Sprechen Sie nicht über sieihn, sondern mit ihrihm.
- Sprechen Sie in normaler Sprache und in einfachen Sätzen.
- Sprechen Sie langsam, klar und deutlich.
- Insbesondere bei den ausgeprägten Formen einer Aphasie versuchen Sie Fragen vorzugsweise so zu formulieren, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können.
- Korrigieren Sie nicht.
- Halten Sie Blickkontakt.
- Setzen Sie alle Mittel der Kommunikation ein: Gesten und Mimik, zeichnen oder schreiben Sie, wenn nötig, zeigen auf Gegenstände oder Abbildungen und motivieren gegebenenfalls auch dendie Betroffenen ebenfalls dazu.
- Warten Sie geduldig auf eine Antwort.
- Sorgen Sie im Gespräch für eine ruhige Umgebung und schalten Sie störende Geräuschquellen wie Radio oder TV möglichst aus.
- Wenn der*die Betroffene in einem Satz nicht weiterkommt, drängen Sie nicht. Gegebenenfalls ist es auch hilfreich, zunächst das Thema zu wechseln. Ein erneuter späterer Versuch ist oft erfolgreich.
- Manche Betroffene sind leichter gereizt oder haben Gefühlsschwankungen. Hierbei handelt es sich um häufige Begleitsymptome der Grunderkrankung. Versuchen Sie dennoch verständnisvoll und geduldig zu sein.
Plötzlich auftretende Sprachstörungen
Plötzlich auftretende Sprachstörungen sind immer ein Alarmsignal und können auf eine schwerwiegende Erkrankung wie einen Schlaganfall hindeuten. In diesem Fall ist es wichtig, sofort einen Notarzt zu rufen, da jede Minute zählt.
Plötzlich auftretende Sprachstörungen sind immer ein Alarmsignal. Rufen Sie einen Notarzt! Ursache kann beispielsweise an Schlaganfall sein. Dann zählt jede Minute!
Versprecher im Alltag
Neben den genannten Sprachstörungen gibt es auch alltägliche Versprecher, die jedem Menschen passieren können. Diese Versprecher sind in der Regel harmlos und werden oft durch Müdigkeit, Stress oder Ablenkung verursacht.
Manchmal bemerken wir unsere eigenen Versprecher erst, wenn die anderen schmunzeln oder lachen. In diesem Artikel soll es um Verbrecher gehen. Äh… Versprecher, natürlich. Hoppla, da sind wir doch glatt im Satz gestolpert! Statistisch betrachtet verhaspeln wir uns alle zehn Minuten. Oder, anders ausgedrückt: etwa bei jedem 1000. Wort. Schließlich speichern wir in unserem Gehirn einen riesigen Wortschatz: rund 30 000 Begriffe, die wir aktiv, also immer wieder nutzen. Hinzu kommen weitere 250 000 Worte, die wir kennen und verstehen, aber kaum gebrauchen. Wollen wir nämlich jemand anderem etwas Bestimmtes mitteilen, müssen wir innerhalb von Millisekunden die passenden drei, vier, fünf Begriffe aus unserem Archiv im Hirnkasten kramen und sinnvoll zu einem Satz zusammensetzen. Dabei greift das Gehirn auf die Grammatik als festes Gerüst zurück und passt die ausgewählten Wörter ein. Dann arbeiten mehr als 100 Muskeln an Stimmbändern und Zunge zusammen, wir formen Wörter - und sagen, was wir wollen. Manchmal kommt uns eben auch Quatsch über die Lippen. „Stiehste!“ etwa, weil wir versehentlich „Stimmt!“ und „Siehste!“ gemixt haben. Sprachwissenschaftler finden solche Versprecher klasse. Daher sammeln Forscher der Goethe-Universität in Frankfurt allerlei Verhaspler: Mehr als 8000 Versprecher haben sie seit den 1980er-Jahren gelistet und in verschiedene Gruppen geordnet.
Ursachen von Versprechern
Versprecher ist nicht gleich Versprecher, denn paradoxerweise sind die natürlichen, ungeplanten Fehlleistungen kategorisierbar. So gibt es Versprecher, bei denen Laute, Wortbestandteile oder ganze Wörter vertauscht werden wie etwa in unserem Video oben bei Hans-Ulrich Kloses Versprecher „Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze“. Oft treten aber auch Versprecher auf, bei denen Laute genutzt werden, die eigentlich für kommende Wörter geplant waren. Es kommt zum sogenannten Vorklang der Laute, ganz nach dem Motto: „Das Gelbe in Grün“ („Dasselbe in Grün“). Häufig tritt aber auch ein Nachklang auf und Einheiten, die noch aktiviert sind, werden erneut gesprochen. Wörter können außerdem auch aufgrund von Formähnlichkeit oder Bedeutungsverwandtschaft vertauscht werden. Wörter also, die beispielsweise die gleiche Silbenanzahl oder den gleichen Anfangsbuchstaben haben. Es können aber auch zwei Wörter zusammengefügt werden, die als Alternativen zeitgleich aktiviert werden. Wenn also jemand sagt: „Das ist gul“, handelt es sich dabei nicht unbedingt um einen Kandidaten für das neue „Jugendwort des Jahres“. Vielleicht hat er oder sie auch einfach nur die Wörter „cool“ und „gut“ fälschlicherweise vermischt. Fest steht für Versprecher in jedem Fall: Der Wortart bleiben sie treu. Verb bleibt Verb und wird nicht zum Substantiv. Und wenn einzelne Laute betroffen sind wie bei dem Wort „Wesserbisser“, wird deutlich, dass Vokale nicht durch Konsonanten ersetzt werden können und andersherum. Und auch die Intonationskontur, die separat konstruiert wird, muss erhalten bleiben. Sie kann weder im Wort noch im Satz „versprochen“ werden.
Freud'sche Versprecher
Solche Versprecher können einer Äußerung also einen gänzlich anderen Sinn geben. Wenn das geplante Wort „fit“ auf einmal zu „fett“ wird, sprechen wir auch gerne von einem Freud’schen Versprecher. Aufschluss über unser Unterbewusstes bringen aber nur wenige unserer Versprecher. Es gibt viele Ursachen, die dazu führen, dass wir den eigentlich geplanten Sprechverlauf so nicht ausführen können. Die falschen Wörter kommen uns aber meist aufgrund ihrer lautlichen und begrifflichen Ähnlichkeit mit den Gemeinten in den Sinn. Und zwar, obwohl wir in den jeweiligen Momenten oftmals an etwas gänzlich anderes gedacht haben.
Umgang mit Versprechern
Sicher ist es dem ein oder anderen zudem schon aufgefallen, dass wir uns eher versprechen, wenn wir in einer ungewohnten, nicht harmonischen Umgebung oder wir aufgeregt sind. Bei Live-Sendungen kommt es mithin zu Beginn öfter zu Versprechern, da die Sprecher dann meist angespannter und nervös sind. Kleinere Versprecher geschehen meist unbemerkt, entweder weil eindeutig ist, was der Sprecher meint, oder weil sie keinen großen Bedeutungsunterschied für das Gespräch haben.
Wenn wir uns versprechen, stehen uns Reparaturmechanismen zur Verfügung, welche uns die Möglichkeit geben, etwas zu verbessern, was so nicht geplant bzw. gewollt war. Neben den Versprechern könnten dies zum Beispiel auch Unterbrechungen sein. Meist ist es so, dass der/die Sprecher*in den „Fehler“ selbst erkennt und darin übergeht, ihn zu korrigieren. Fazit ist also: Versprechen wir uns, gibt es keinen Grund zur Sorge, denn Versprecher sind vollkommen normal und wir haben meist recht unauffällige Strategien, um mit ihnen umzugehen. Wenn man es nicht schon längst getan hat, sollte man also am besten lernen, sie zumindest zu akzeptieren.
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