Wachstumshormon-produzierender Hirntumor: Symptome, Diagnose und Therapie

Hypophysentumore stellen 10-15 % aller intrakraniellen Tumoren dar und sind in der Regel gutartig. Sie leiten sich vom Hypophysenvorderlappen ab und wachsen nur selten infiltrativ in das umliegende Gewebe ein. Die Hypophyse, auch Hirnanhangsdrüse genannt, liegt an der Basis des Gehirns und ist für die Regulation mehrerer Hormonachsen essenziell. Die Einteilung der Tumoren erfolgt in endokrin aktive (=hormon-produzierende) und endokrin inaktive (=nicht hormon-produzierende) Tumore.

Einführung in Hypophysentumore

Ein Hypophysentumor ist eine meist gutartige Neubildung der Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft. Die Hypophyse ist über einen dünnen Stiel mit dem Gehirn verbunden und setzt wichtige Hormone mit unterschiedlicher Wirkung frei. Demnach hat die Hypophyse eine wichtige Funktion bei der hormonellen Regulation des Körpers. Da die Hypophyse kein Hirngewebe enthält, ist der Hypophysentumor streng genommen kein Hirntumor. Die Hypophyse gliedert sich in einen Vorder- und einen Hinterlappen. Ein Hypophysentumor geht meist vom Vorderlappen (sog. Adenohypophyse) aus. Entspringt ein Hypophysentumor dem Vorderlappen der Hypophyse (sog. Adenohypophyse), handelt es sich um ein Hypophysenadenom.

Die Hypophysentumoren bilden zwei Gruppen: Diese unterscheiden sich durch ihre Fähigkeit, wirksame Hypophysenhormone in das Blut abzugeben. Meistens ist ein Hypophysentumor hormonaktiv, das bedeutet, dass er Hormone produziert und so häufig einen Hormonüberschuss verursacht. In den meisten Fällen ist ein Hypophysentumor gutartig; manchmal kann er jedoch aggressiv und gewebezerstörend (invasiv) wachsen und dadurch Strukturen im Gehirn schädigen: Oberhalb der Hypophyse dehnt sich ein mit Hirnwasser gefüllter Raum aus. Hier liegen wichtige und empfindliche Strukturen wie Arterien und die Sehnerven. Der am weitesten verbreitete Hypophysentumor ist das Hypophysenadenom, es macht etwa 10 bis 15 Prozent aller Hirntumoren aus.

Ursachen und Entstehung

Welche Ursachen dazu führen, dass ein Hypophysentumor entsteht, ist nicht bekannt. Entartet bedeutet, dass die Zelle sich nicht normal entwickelt. Die Regelmechanismen, die dafür sorgen, dass die Zelle zum Beispiel wächst, sich teilt, altert und abstirbt, ist bei entarteten Zellen gestört. Grundsätzlich kann jede Zelle entarten. In Einzelfällen ist ein Hypophysentumor jedoch auf erbliche Ursachen zurückzuführen: Das MEN-1-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie) ist eine seltene Erbkrankheit, bei der Betroffene dazu neigen, Hypophysenadenome oder andere Hypophysentumoren zu entwickeln. Hypophysenadenome entwickeln sich aus entarteten Drüsenzellen der Hypophyse. Die Ursachen für deren unkontrolliertes Wachstum sind medizinisch bislang nicht abschließend geklärt. Vermutet wird unter anderem ein Zusammenhang zum so genannten MEN-1-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie), einer krankhaften Veränderung der Hormondrüsen der Hypophyse, die vererbbar ist. Die Entstehung von Hirntumoren wird auf eine Anhäufung von genetischen Veränderungen (Mutationen) zurückgeführt, die zu einem unkontrollierten Wachstum der krankhaft veränderten Zellen führt.

Histologie und Einteilung

Histologiemeist langsam wachsende Tumoren (WHO-Grad 1); höhergradige Hypophysentumore sind selten leiten sich meist aus dem Hypophysenvorderlappen ab histologische Charakteristika abhängig vom Ursprung des Tumors und Tumortyp endokrin inaktive Tumoren: z.B. Kraniopharyngeom, Meningeom (enstprechende Histologie) endokrin aktive Tumoren: ausgehend von hormonbildenden Zellen des Hypophysenvorderlappen zudem Einteilung der Hypophysenadenome anhand der Größe in Mikroadenome (< 10 mm) Makroadenome (> 10 mm) Riesentumoren (> 40 mm) die Abgrenzung der sehr seltenen, aggressiven Hypophysenkarzinome von den häufigeren Hypophysenadenomen ist unscharf und erfolgt anhand verschiedener Merkmale, wie z.B.

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Symptome eines Hypophysentumors

Ein Hypophysentumor kann sich sehr unterschiedlich äußern. Welche Symptome auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt unter anderem von der Größe und Lage des Tumors ab. Oft führt ein Hypophysentumor zu Beschwerden, wenn er wächst und andere Strukturen im Gehirn verdrängt.

Hormonaktive vs. Hormoninaktive Tumore

Hormonaktiver bzw. hormonproduzierender Hypophysentumor: gesteigerte Produktion bestimmter Hormone, z.B. bei einem Prolaktinom produziert die Hypophyse vermehrt das Hormon ProlaktinHormoninaktiver Hypophysentumor: keine gesteigerte, evtl. Ein kleiner hormoninaktiver Hypophysentumor (sog. Mikroadenom) ruft häufig keinerlei Symptome hervor. Sehstörungen, GesichtsfeldausfälleDiabetes insipidusevtl. Verdrängt der Hypophysentumor die hormonproduzierenden Zellen der Hypophyse, führt dies zu einer Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz. Das bedeutet, die Hypophyse bildet nicht mehr ausreichend Hormone. Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö)Verlust des sexuellen Verlangensverminderter Haarwuchs der Schambehaarung und unter den Achselnevtl. Ein hormonaktiver Hypophysentumor bildet unkontrolliert Hormone in hohem Maße, unabhängig vom Bedarf des Körpers. Wie auch bei einem hormoninaktiven Hypophysentumor spielt auch das Wachstum beziehungsweise die Größe der Neubildung eine Rolle.

Allgemeine Hirntumor-Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Muskellähmungen und ein Wasserkopf (Hydrozephalus) treten meistens erst bei einem großen Hypophysenadenom auf. Drückt das Hypophysenadenom auf den Sehnerv, entwickeln sich Sehstörungen. Oft fallen zunächst die äußeren Gesichtsfelder aus. Einige Betroffene sehen verschwommen oder doppelt. Bei einem Hypophysenadenom liegen solche Sehprobleme nicht unbedingt kontinuierlich vor. Sie wechseln beispielsweise und sind unterschiedlich stark. Durch größere Tumoren erblinden manche Betroffene jedoch sogar.

Symptome Hormonaktiver Tumoren

Symptome der hormonaktiven Tumoren ergeben sich aus der Wirkung der jeweiligen Hormone: z.B. Akromegalie (Wachstum von Händen, Füßen, Nase), Menstruationsstörungen oder Cushing-Syndrom (u.a. Gewichtszunahme an Gesicht und Oberkörper, dünner werdende Haut und psychische Veränderungen) hormoninaktive Tumoren können durch Beeinträchtigung des umliegenden hormonproduzierenden Gewebes Hormonmangelerscheinungen hervorrufen: z.B.

Je nachdem, welches Hormon durch ein aktives Hypophysenadenom beeinflusst wird, können folgende Symptome auftreten:

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  • Prolaktin: Zyklusstörungen (bei Frauen), Milchbildung ohne Stillen/Schwangerschaft (Galaktorrhoe), Libido-Verlust
  • Wachstumshormone: Riesenwuchs (bei Kindern), unverhältnismäßiges Wachstum der Hände, Füße, des Kopfumfangs und einiger Weichteile im Gesicht (beispielsweise der Nase).

Symptome Wachstumshormon-produzierender Hypophysentumore

Ein weiterer häufiger hormonaktiver Hypophysentumor bildet das sogenannte Human-Growth-Hormon (Wachstumshormon, somatotropes Hormon, STH), das unter anderem den Schluss der Wachstumsfugen der Knochen und das Längenwachstum des Körpers beschleunigt. Welche Symptome ein solcher wachstumshormonproduzierender Hypophysentumor auslöst, hängt auch vom Alter der Betroffenen ab: Bei Kindern kann als Symptom eines wachstumshormonproduzierenden Tumors ein Riesenwuchs entstehen. Erwachsene, deren Längenwachstum aufgrund der geschlossenen Wachstumsfugen abgeschlossen ist, entwickeln Verknöcherungen der vorspringenden Teile des Gesichts (Nase, Überaugenwülste und Unterkiefer). Weichteile, wie Lippen, Zunge, Kehlkopf und Finger, können ebenfalls wachsen. Der Überschuss des Wachstumshormons stört auch die Regulation des Blutzuckerspiegels.

Bei Erwachsenen sind die meisten Wachstumsfugen der Knochen schon geschlossen. Bei ihnen vergrößern sich bei einem Wachstumshormon-produzierenden Hypophysenadenom vor allem die Hände und Füße und die Gesichtszüge vergröbern sich (Akromegalie). Wächst der Kiefer, rücken die Zähne auseinander. Außerdem schwitzen Betroffene oft mehr. Bei einigen Betroffenen ist ein Handnerv eingeklemmt (Karpaltunnelsyndrom), was Schmerzen verursacht.

Weitere mögliche Symptome

Zusätzlich zu den hormonbedingten Symptomen können folgende Beschwerden auftreten:

  • Sehstörungen und Gesichtsfeldeinschränkungen (in schweren Fällen Erblindung)
  • Hemiparesen (Halbseitenlähmung)
  • Kopfschmerzen
  • seltener epileptische Anfälle

Ein großer Hypophysentumor (Makroadenom) kann auf verschiedene Nerven und Hirnstrukturen drücken. Dadurch werden etwa Sehbahnen oder der Venenraum gestört. Blutet das Adenom in die Hypophyse ein oder stirbt das Gewebe ab, nimmt das Adenom schnell an Größe zu. Ein Tumor an der Hypophyse kann asymptomatisch sein, birgt aber immer die Gefahr des Wachstums mit dann meist allmählich zunehmenden Beschwerden. Auch kann es zu einer Einblutung mit plötzlicher Verschlechterung kommen.

Diagnose von Hypophysentumoren

Einen Hypophysentumor stellt der Arzt mit bildgebenden Verfahren fest. Für die Untersuchung verabreicht der Arzt ein Kontrastmittel, um den Hypophysentumor im Bild vom gesunden Gewebe sicher abgrenzen zu können. Auch verschiedene Blutuntersuchungen können dabei helfen, einen Hypophysentumor festzustellen.

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Bildgebende Verfahren

CT oder MRT mit Kontrastmittel (häufiger Zufallsbefund bei Bildgebung aus anderem Grund) Mikroadenom im MRT: große Ähnlichkeit mit normalem Hypophysengewebe, nimmt Kontrastmittel langsamer auf als Umgebung Makroadenom im MRT: geringere Ähnlichkeit zu normalem Hypophysengewebe, schnellere und ungleichmäßigere Kontrastmittelaufnahme

Bei Verdacht auf ein Hypophysenadenom wird zunächst eine Untersuchung mittels MRT mit Kontrastmittel durchgeführt. Dabei können auf sogenannten „Sella-Zielaufnahmen“ Mikroadenome sehr detailliert dargestellt werden. Radiologen fertigen mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder einer Computertomografie (CT) Bilder vom Kopf an. Darauf sehen sie, ob tatsächlich ein Tumor vorliegt und wo genau er sich befindet. Auch die Tumorgröße und eventuelle Verkalkungen sind in diesen bildgebenden Verfahren erkennbar. Um die knöchernen Strukturen besser beurteilen zu können, kann ggf. eine Computertomographie (CT) erforderlich sein.

Endokrinologische Diagnostik

Endokrinologische Diagnostik zur Unterscheidung hormonaktiver und hormoninaktiver Tumoren ggfs.

Außerdem sind endokrinologische Untersuchungen sinnvoll, also solche, mit denen Hormonstörungen diagnostiziert werden können. Ebenso ist eine endokrinologische Diagnostik notwendig, um Hormonüberproduktion und/oder -ausfälle festzustellen.

Besonders wichtig bei einem Hypophysenadenom sind die Endokrinologen. Sie lassen sich die Beschwerden der Betroffenen beschreiben und überlegen, ob ein bestimmter Hormonkreislauf beeinträchtigt ist. Im Blut, Speichel und Urin der Erkrankten lassen sich die einzelnen Hormonkonzentrationen und weitere Parameter, die bei einem Hypophysenadenom wichtig sind, messen. So finden die Ärzte heraus, welche Hormondrüse beeinträchtigt ist. Auch nach einer Behandlung werden Menschen mit einem Hypophysenadenom regelmäßig von Endokrinologen untersucht.

Spezifische Hormonuntersuchungen

  • Prolaktinom: Wenn der Prolaktin-Spiegel im Blut über 200 Nanogramm pro Milliliter liegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Prolaktinom vorliegt.
  • Wachstumshormonproduzierender Hypophysentumor: Den Gehalt an Wachstumshormonen im Blut zu messen, ist nicht ganz einfach: Da es über den Tag verteilt immer wieder freigesetzt wird, aber schnell wieder abgebaut wird, reicht eine einzelne Messung nicht aus. Stattdessen veranlasst der Arzt ein sogenanntes Tagesprofil, bei dem über den Tag verteilt zu unterschiedlichen Uhrzeiten immer wieder der Wert im Blut ermittelt wird.
  • ACTH-produzierender Hypophysentumor: Zur Diagnostik dieser Tumorart eignet sich der sogenannte Dexamethason-Hemmtest. Dabei verabreicht der Arzt ein künstliches Kortikoid wie Dexamethason, was normalerweise zu einer verminderten körpereigenen Bildung von Kortisol führt.

Therapie von Hypophysentumoren

Nicht immer ist bei einem Hypophysentumor eine Therapie notwendig. Kleine Tumoren beobachtet der Arzt und kontrolliert regelmäßig, ob sie gewachsen sind oder sich anderweitig verändert haben. Welche Behandlung bei einem Hypophysenadenom die jeweils bestmögliche ist, muss individuell von Fall zu Fall und gemeinsam mit den betroffenen Patientinnen und Patienten entschieden werden. Die Therapieempfehlung ist vor allem abhängig davon, um welche Art von Adenom es sich handelt und welche Komplikationen es verursacht. Grundsätzlich stehen mehrere Verfahren zur Auswahl: Neben Medikamenten gehören Operation und Bestrahlung zur Regelbehandlung. Um bei einem Hypophysenadenom eine optimale Diagnostik und Therapie gewährleisten zu können, sollten unter anderem Expertinnen und Experten der Disziplinen Endokrinologie, Neurologie, Neurochirurgie, (Neuro-)Radiologie und Strahlentherapie zu Rate gezogen werden.

Operative Entfernung

Verursacht ein Hypophysentumor Probleme, entfernt ein Arzt ihn in der Regel im Rahmen einer Operation. Die Operation ist Therapie der ersten Wahl. Bei Hypophysenadenomen kann der chirurgische Eingriff in der Regel minimal-invasiv durch die Nase durchgeführt werden. Bei größeren Tumoren ist es manchmal notwendig, diese mit einer Strahlentherapie zunächst zu verkleinern.

Wegen der günstigen Lage der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) kann man den Hypophysentumor meist über die Nase entfernen. In 95% erfolgt die Operation über eine die Nase bzw. die Nasennebenhöhlen, die übrigen Tumoren werden durch eine Schädeleröffnung versorgt. Bei der Operation versucht der Chirurg, das Hypophysenadenom möglichst vollständig zu entfernen. Das Besondere an dieser Operation ist, dass sie oft über die Nase durchgeführt wird. Dadurch sieht man nach der Operation keine Narbe am Kopf.

Strahlentherapie

Manchmal ist es nicht möglich, einen Hypophysentumor komplett zu entfernen. Bleibt nach der Operation ein Tumorrest bestehen, ist es ratsam, ihn durch regelmäßige MRT-Untersuchungen und Kontrollen der Hormonspiegel beobachten zu lassen. In bestimmten Situationen ist bei einem Hypophysentumor eine Strahlentherapie sinnvoll: Sie bietet sich an bei Tumoren, die nicht operiert werden können, beziehungsweise als begleitende Maßnahme, wenn man diese nur unvollständig entfernen kann, und bei einem Rückfall (Rezidiv). Wegen der empfindlichen Strukturen im Tumorbereich (Gehirn, Sehnerven) ist es notwendig, die Strahlentherapie besonders gründlich zu planen und auszuführen.

Bei Hypophysenadenomen werden in der Regel neurochirurgisch behandelt. In einigen Fällen und bei besonders großen Adenomen wird daher noch vor einer Operation eine Strahlentherapie durchgeführt, um die Tumormasse zu verringern. Studien haben zudem gezeigt, dass eine postoperative Bestrahlung, also eine Strahlentherapie im Anschluss an eine OP, die Gefahr von Rezidiven - erneut wachsenden Adenomen - minimiert. Das gilt vor allem dann, wenn der Tumor nicht vollständig chirurgisch entfernt werden konnte und Reste des Adenoms im Hirnareal zurückbleiben.

Medikamentöse Therapie

Hormoninaktive Hypophysentumoren: bei kleinen Tumoren (<10 mm) ist ein Abwarten mit regelmäßigen Kontrollen möglich größere oder symptomatische Tumoren: operative Entfernung (meist transnasal) bei unvollständiger operativer Entfernung ggfs. Strahlentherapie postoperative Bestandsaufnahme der (hormonellen) hypophysären Restfunktion medikamentöse Hormonsubstitution im Falle eines postoperativen Hormonmangels Hormonaktive Hypophysentumoren: Prolaktinome (Prolaktin-produzierende Hypophysenadenome) werden mit Dopaminagonisten behandelt (als Dauertherapie) bei Ansprechen auf die medikamentöse Therapie ist oft keine Operation nötig Operation und ggfs. Rezidiv-Therapiewenn möglich erneute Operation ggfs.

Nicht bei allen Erkrankten mit einem Hypophysenadenom ist eine Operation erforderlich. Hormon-produzierende Hypophysentumore wie das Prolaktinom sind teilweise auch medikamentös gut behandelbar. Außerdem kommt die medikamentöse Therapie oft vor der Operation zum Einsatz und wenn ein Hormonkreislauf nach der Behandlung dauerhaft geschädigt ist. ADH, Schilddrüsen-, Wachstums-, Sexual- und Stresshormone sind bei einem Mangel durch Medikamente ersetzbar (Hormonersatztherapie).

Therapie von Prolaktinomen

Das hormonaktive Hypophysenadenom Prolaktinom stellt in der Therapie einen Sonderfall dar. Kleine Prolaktinome kann man durch bestimmte Medikamente (sog. Dopaminagonisten) behandeln. Diese unterdrücken die Prolaktinausschüttung aus dem Hypophysenvorderlappen und führen zu einer langsamen Verkleinerung des Tumors. Gelegentlich vertragen die Betroffenen eine medikamentöse Dauertherapie nicht, manchmal verkleinert sich der Hypophysentumor nicht oder nur unzureichend. In solchen Fällen besteht auch hier die Therapie darin, den Tumor der Hypophyse in einer Operation zu entfernen. Wenn das Medikament grundsätzlich wirkt, ist bei Tumorresten sein weiterer Einsatz nach der Operation sinnvoll. Bei Prolaktinomen werden in erster Linie Medikamente eingesetzt (Dopaminagonisten: z.B. Dostinex, Norprolac) behandelt. Bei kleinen Prolaktinomen kann auch die Indikation zur Operation geprüft werden. Prolaktin produzierende Mikroadenome werden in der Regel mit solchen dopaminergen Arzneimitteln behandelt. Die Behandlung muss über eine längere Zeit erfolgen, nach etwa zwei Jahren kann man dann versuchen, die Dosis langsam zu reduzieren. Wenn der Tumor nicht mehr sichtbar und der Prolaktinspiegel wieder normal ist, kann man die Behandlung beenden.

Protonentherapie

Bei der Bestrahlung von Hirntumoren hat sich die Protonentherapie in den vergangenen Jahren als moderne und besonders schonende Verfahrensalternative etabliert. Man spricht bei der Protonentherapie deshalb auch von einer hochkonformalen Therapie. Das ist insbesondere bei der Therapie von Hirntumoren sehr wichtig. Denn im Kopf- und Schädelbasis-Bereich finden sich gleich mehrere heikle Risikostrukturen. Durch die Zielgenauigkeit der Protonen reduziert sich die Strahlenbelastung von Gehirn-, Rückenmark-, Hör- oder Sehstrukturen jedoch auf ein absolutes Minimum. Denn Protonen geben den Hauptteil der Strahlendosis erst unmittelbar im Tumor selbst ab. Vor allem, wenn nur ein Teil des Hypophysenadenoms chirurgisch entfernt werden konnte, sind die physikalischen Eigenschaften der Protonen bei der anschließend notwendigen Bestrahlung also von großem Vorteil.

Mögliche Komplikationen und Nachsorge

Allgemein nimmt ein Hypophysentumor in der Regel keinen unmittelbar lebensbedrohlichen Verlauf. Allerdings können im Rahmen der Therapie verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Obwohl die mikrochirurgischen Verfahren die Hypophyse und das umliegende Gewebe weitgehend schonen, können diese Strukturen bei dem Eingriff verletzt werden. Wurde mit dem Hypophysentumor ein Teil der Hypophyse entfernt, kommt es häufig zu einer Unterfunktion der Hypophyse und somit zu einem Hormonmangel. Auch im Anschluss an eine Strahlentherapie benötigen viele Betroffene eine hormonelle Ersatztherapie. Außerdem kann ein Hypophysentumor auch nach einer erfolgreichen Operation erneut auftreten - Mediziner sprechen dann von einem Rezidiv.

Bei einer Operation besteht das Risiko, umliegende Strukturen wie Gefäße, Nerven oder die Hypophyse selbst zu verletzen, was dann weitere Therapiemaßnahmen und eine umfassende Nachsorge erforderlich macht.

Verlauf und Prognose

Insgesamt ist die Prognose günstig. Wie verläuft ein Hypophysenadenom? Der Krankheitsverlauf und die Prognose hängen bei einem Hypophysenadenom ganz entscheidend davon ab, wann der Arzt es entdeckt und wann die Behandlung beginnt. Bei rechtzeitiger Therapie ist die Prognose sehr gut. Einige Betroffene sind vollständig heilbar, andere müssen lebenslang Hormone einnehmen.

Unbehandelt nimmt der Hypophysentumor - je nach Art - einen sehr unterschiedlichen Verlauf, kann aber durch seine Lage und gegebenenfalls durch die von ihm gebildeten Hormone starke Beschwerden verursachen. Ein Hypophysentumor ist manchmal bereits sehr groß, wenn er entdeckt wird, und dadurch schwieriger zu behandeln. Eine gewisse Sonderstellung nehmen wachstumshormonproduzierende Hypophysenadenome ein: Bei der Diagnosestellung bestehen häufig schon unumkehrbare Organschäden. Unerkannte Hormonstörungen durch ein Hypophysenadenom verlaufen mitunter tödlich.

Prävention

Es sind keine Maßnahmen bekannt, mit denen Sie einem Hypophysentumor vorbeugen könnten, denn: Warum sich in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ein Tumor entwickelt, ist weitgehend unklar. Allgemein ist es jedoch sinnvoll, unnötige Strahlung und Chemikalien zu meiden.

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